Wirklichkeit

lima

Ich gehe etwas zur Seite, als der Verrückte mir in Manado auf der Straße entgegenkommt, dabei mit der rechten Hand einen 5000 Rupiah-Schein wedelt und mit seiner linken einen langen Stock hält. Ich möchte nicht schon wieder geschlagen werden, denn ich bin von der letzten Attacke noch nicht ganz genesen. Es ist ja ein klassisches Western-Schema: Der schöne Held, der sich für Recht und Ordnung aufopfert, wird im Laufe des Films schwer beschädigt, von der schönen Frau so lange gepflegt, bis er wieder schießen kann, legt alle Bösen um und kricht die schöne Frau. Die Wirklichkeit verläuft meist unbefriedigend kompliziert. Selbst Guilliano Gemma, dem der böse Klaus Kinski beide Hände durchschoß, und dessen Erholung der Betrachter mit Sorge verfolgt, wird von Kinski am Ende überraschend umgelegt – was ich Klaus nie verzieh. Der Verrückte brüllt mich etwas Unverständliches mit Panca Sila an, worauf ich mir keinen Reim machen kann, denn die indonesische Verfassung wird so mißachtet wie zur Zeit das deutsche Grundgesetz. Ich vermeide lieber Blick-Kontakt. Doch schimpft er mir das noch nach, als ich schon längst vorbei bin und nur einen Blick über die Schulter werfe, um festzustellen, wo sich sein Stock gerade befindet.
Im mikro erzählt eine Frau hinter mir in der üblich allgemein verständlichen Sehrlautstärke, daß bei ihr eingebrochen wurde. Die Diebe kamen durch die Küche, die nicht beleuchtet war. Man schläft ja hier mit Licht, weil man glaubt, es vertreibe Geister und Einbrecher. Die deutsche Kripo ist dagegen der Ansicht, man beleuchte damit den Dunkelmännern ihren Arbeitsplatz. Aber es stimmt schon: Die 2 Lumpen, die nachts mal direkt vor meinem Haus angelten und sich dabei noch normal unterhielten, hatten es wohl als unbewohnt eingeschätzt, weil unbeleuchtet. Leider bemerkten sie mich und flüchteten panisch, bevor ich sie mit meinem Knüppel erleuchten konnte.
Die Frau zählt auf, was alles gestohlen wurde: TV, Kühlschrank ausgeräumt – und die Kirchen-Schuhe. DAS ist hart! Womit soll sie jetzt zur Kirche gehen?
Und mein Zahnarzt in Manado, dessen Helferinnen wie für einem Reaktor-Unfall ausgerüstet sind, empfiehlt mir, einen schallgeschützten Raum zu bauen. Seiner habe den Lärm um 50% reduziert. Das wäre hier immer noch, als ob jemand mit einem Hammer an die Wand klopft. Außerdem benötigt man dafür AC, und das vertrage ich genauso wenig wie die Maske.

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