Über Tom

German artist, hermit, rice-farmer & goat-whisperer on Sulawesi / Indonesia

Dieb mit Dose

Beute

Zuerst fand ich zufällig eine professionelle Angelrute, die zur Hälfte aus einen Plastik-Rohr bestand, komplett mit Schwimmer und Haken im Graben neben der Straße. Direkt dahinter meine Mauer und ein Teich, in dem ich nie Fische entdecke. Das ist ungewöhnlich, da sie sich hier in jeder Pfütze ansammeln. Dafür sorgen schon die Fluten nach starken Regenfällen. Teiche, die mit dem Be- und Entwässerungs-System zusammenhängen, lassen sich nicht frei von Raubfischen wie Barschen, Welsen und den Riesenaalen halten, die alle dafür sorgen, daß auf Dauer kein Goldfisch überlebt. Dieser Teich ist durch den Lorong Jerman von meinen zusammenhängenden Grundstücken getrennt. Ich habe das Land überhaupt nur gekauft, um die Kontrolle über die Hauptwasser-Zufuhr zu bekommen. Schwer einsehbar, ist das Grundstück eine Spielwiese für Jäger und andere Diebe. Derjenige, der die Angel im Graben versteckt hat, weiß offensichtlich nicht, wie ein starker Regenfall sein Gerät bis in den Pazifik schwemmen kann.
Einige Tage später entdecke ich am Teichrand, gerade mal 10m von meiner Haustür entfernt, eine Stelle, die wirkt, als ob sich ein größeres Tier einen Liegeplatz auf Farn und Strelizien plattgedrückt hat. Das“Tier“ hat auch eine Kokosnuß-Schale mit Würmern und einen kleinen Barsch ohne Kopf hinterlassen. Da hat jemand nachts direkt vor meiner Nase geangelt!
Für die nächste Nacht lege ich mir Brille, Kleidung, Stahl-Stange, Kampfmesser und Taschenlampe bereit. Gegen 22Uhr30 werde ich wach und schaue ohne Licht zu machen von meinem Schlafzimmer von oben nach dem Angelplatz. Dort sehe ich nur 2 weiße Flecken, wie sie das durch den Dschungel geisternde Mondlicht erzeugt. Doch dann gehen die Flecken weg. Es sind helle Hosenbeine, die einem jungen Mann gehören, der sogar zu einem anderen spricht. Lautlos schleiche ich nach unten und höre die beiden direkt vor meiner Haustür in normalem Ton reden, als ob hier niemand wohnt. Die Wilden schlafen wegen der Geister immer mit Licht. Ein Dorf ist nachts hell erleuchtet, obwohl nur die Hunde wach sind. An meine Eisenstange komme ich nicht ran, ohne vorn die Schiebetür zu öffnen, aber ich kann mich hinten wenigstens mit meinem Messer rausschleichen. Als ich das Tor des Hinterhofs öffne, gibt es einen kaum weit hörbaren Rums, aber als ich endlich den Angelplatz ausleuchte, sind die Burschen verschwunden. Vor der Tür eine mit Angelschnur umwickelte Tabakdose, komplett mit Haken, Bleigewicht und Wurm. Also haben sie sich fluchtartig entfernt. Am Tor wieder eine Speerspitze durch Drüberklettern abgebrochen. Die kann ich ankleben. Die Stahl-Stange lasse ich besser ruhen. Ein einziger Schlag damit könnte tödlich sein. Aber pechschwarze Kleidung brauche ich. Und einen Kampfgürtel mit Halterungen für Lampe, Messer und Handschellen. Alles griffbereit an einem Platz gelagert, wo ich mich im Dunkeln anziehen kann.
Es heißt, das Eindringen von Dieben in den privaten Bereich habe für die Betroffenen traumatische Folgen. Noch ein Trauma spielt für mich nun keine Rolle mehr. Wichtig ist, die Asozialen zu traumatisieren! Das ist für alle Beteiligten therapheutisch. Es war vorauszusehen, wie ich als allein lebender bald unangenehmen Besuch bekommen würde, aber es macht sehr viel aus, ob ich einen Ruf als angriffslustiger Wüterich oder hilfloser alter Mann habe.

abgebrochen

Zumutungen

donbosco

Jetz iss auch noch Don Boscos Gehirn vaschwunden. Vielleicht hamses nur valegt, denn groß kann es ja nich gewesen sein. Ich muß mir imma n Zettel machen, wo ich mein Gehirn hinlege. Und noch n Zettel, wo ich den Zettel hingelecht hab. Ich sah, wiese ihn ma aufgemacht ham. Wirkte noch gut erhalten, weil Heilige ja bekanntlich nich vamodan. Und denn hamse die vasiegelten Tüten geküßt, wo Don Bosco seine Teile drin warn. IIIGITT! Daß diese Katholiken imma an allem rumlutschen müssen. An Füßen, Ringen, Kreuzen und wer weiß, an wem noch. Der Don (1815-88) hat jedenfalls kleine Jungs gemocht. Damals arme und benachteiligte. Die Salesianer ham daraus n Geschäft gemacht. Wie gut das mit reichen, verwöhnten Jugendlichen in Manado läuft, kannste an 3 Plätzen schon von außen sehn, wo die Salesianer alle Schulstufen inklusive Kindergarten und Uni anbieten.
Jedenfalls isses bessa, wenn einem das Gehirn postmortem abhanden kommt, als wenn man zu Lebzeiten keinen Hals hat, wie die Frau in Airmadidi, wo ich umsteige, nachdem mir ein dumpfer Wilder mit einem Löffel irgendwas aus seinem Kaffee an die Hose geschleudert hat. Als er es bemerkt, grinst er nur blödisch. Wenigstens isses kein Lungenauswurf. Untawegs eine Frau mit 2 Köpfen übereinander. Der untere nur ohne Mund, Nase und Augen. Und die 2 dicken Zwerginnen wackeln ihre Fettsteiße durch die Mall in Manado. Dagegen sehe ich von der hauteng-rosa Frau in der Warteschlange des Supamarkts nur den Hintern, weil sie sich vor mir gerade zu ihrem Einkaufskorb bückt. Ich interessiere mich übahaupt nich für Hintern, aber dieser iss nich zu übasehn. Ihr dunkler Slip scheint durch das Rosa, und an der Stelle, die viele Männer für wesentlich halten, ich jedoch nie als ästhetisch empfunden hab, befindet sich ein noch dunklerer Fleck. Offensichtlich eine von den zahllosen Fraun, die nich wissen, wasse tun. Femininer Trumpismus. Im mikro erwarte ich imma, daß ma einer dieser eingeschlafenen Fraun ihr HP aus der Hand rutscht. NIE passiert das, weilse wie die Hühner son automatischen Klammergriff entwickeln, dense wahrscheinlich als Umweltanpassung auch epigenetisch speichern und vaerben.

Angriff der Tigermücke

traurich

Wie angenehm ein Leben für sich allein und damit weitgehend ohne Kompromisse – sofern man nich krank wird.
Ne TÜV-geprüfte deutsche Grippe iss wien präziser Hammerschlag, aba Chikungunya wien ganzer Werkzeugkasten, der dir aufen Kopp fällt, und du weißt nich, was übahaupt los iss. Weder, wann es losgeht, noch wann es wirklich vorbei iss. Schwer vorstellbar, daß ich solch einen General-Angriff auf mein Nerven-System noch mit 80 überlebe. Immer wieder isses KEINE Ameise, die mir am Fuß rumkrabbelt, obwohl ich sicher bin, diesmal sei es eine. Nein, da krabbelt was IN meinem Bein. Plötzliche Gicht-Attacken in Füßen und Händen sowieso. Sämtliche Muskeln und Gelenke schmerzen abwechselnd. Der Kopf eher zu warm, die Füße eiskalt. Dabei kaum Fieber, aber ständige Kopfschmerzen, sodaß schon die Bewegungen der Haare schmerzen. Nach 2x „Paracetamol“ je ein Schüttelfrost. Der erste klappert mich so gründlich durch, daß ich das Gefühl habe, meine Matratze würde auf dem Holzboden des Schlafraums gleich mit mir davonzittern. Danach jeweils Schweißausbrüche bis die Kleidung pitschnaß. Das iss ungerecht, weil ich sie auch noch selba waschen muß. Dann lieba zittern.
Auf dem Rücken roter, juckender Hautausschlag vom ständigen Schwitzen, teilweise als offene Wunden. Nach Tagen dumpfen Bewußtseins bin ich so erschöpft, daß ich kaum noch zum Grasschneiden für die Ziegen fähig bin. Ohne Zeitgefühl, mit langsamen, fahrigen Bewegungen. Verhalten bei plötzlichem Lichtausfall gehört hier zu den olympischen Grunddisziplinen wie Hindernislauf auf Fußwegen und Sachen-nach-Hause-tragen, doch als ich beim Abschalten des Komputers versehentlich auch den Licht-Schalter erwische, stehe ich im dunkelsten Dunkel. Die nun ertasteten haptischen Reize würden mir normalerweise ein Bild meiner Position vermitteln. Da eine Balken-Kante, dort Wandputz, hier stolpere ich über ein Tischchen, da berühre ich einen Bilder-Rahmen an der Wand. Doch mit meinem virenverseuchten Hirn bin ich völlich orientierungslos. Meine panische Vorstellung ist, ich müsse mich auf den kalten Steinboden des Ateliers legen und dort das Morgengrauen abwarten. Dann ertaste ich einen Lichtschalter und wundere mich, wo ich bin. Die höllischen Nächte bestehen aus Piß-Wanderungen mit leicht geschwollenen Hoden. Stündlich! Wenigstens kommt was raus. Ich träume wiederholt einen Pixel-Traum, in dem ich rote Punkte auslöschen muß, jedoch werden es immer mehr. Ich hatte gerade vorher „Age of Empires III“ gespielt.
Am gefährlichsten erscheint mir bei meiner ohnehin schon extremen Ernährungslage, daß ich nix mehr essen kann. Alles schmeckt wie Gift. Ich habe nicht mal Hunger. Koche auch nicht mehr.
Als ich glaube, es sei vorbei, gehe ich schlapp zum Einkaufen. Dabei komme ich an einem offenen Grab vorbei. Für wen das denn sei, frage ich die Arbeiter. Für Petrus, einen Verwandten. Keine Ahnung, wer das iss.
Dann geht es wieder los mit den Kopfschmerzen. Da schlucke ich „Amoxicillin“ im 6-Stunden-Takt, meine letzten Antibiotika. Im Supermarkt sindse ausverkauft. Daß es inzwischen sogar eine Apotheke in unserem zweifelhaften Dorf gibt, hab ich schon wieder vergessen.
Aba, was soll’s! Das Leben in D iss auch nich sicher: „Hobby-Gärtner (63) fällt in Heckenschere – tot!“