Über Tom

German artist, hermit, rice-farmer & goat-whisperer on Sulawesi / Indonesia

Gemütlichkeit nach dem Tode

gemuetlich

Dies ist kein Zwergenhaus oder Großfisch-Aquarium sondern ein Mausoleum für die Frau eines reichen Rechtsanwalts, die ja bekanntlich immer gewinnen. Geschmack kann man nicht kaufen, unseren letzten Bürgermeister schon, der zwar zu dumm war, Reden zu halten, doch für Korruption empfänglich. Auf dem Land, das ich der Gemeinde geschenkt habe – nochmal würde ich das nicht tun – gilt nämlich die Regel, daß Gräber jeweils nur 2 Einheiten groß sind. Dieses neue monumen korupsi, wie ich es auch öffentlich nenne, ist 3 Einheiten groß. So bleibt noch neben dem verkachelten Betonbett der Verstorbenen genug Platz für ein Sofa mit Sessel und schwarzweiß gezackten Kissen. Nur eine Küche fehlt. Gekackt wird sowieso draußen am Wehr, das ich nach jedem Wolkenbruch säubern muß. Da es innen unerträglich heiß würde, besteht die Tür nur aus Schmiedeeisen. Darüber werden Ratten und Schlangen begeistert sein. Selbst die Wilden halten dieses architektonische Objekt für verrückt.

papphemd

Dies ist kein Anzug mit Hemd – wie es schon Magritte ausgedrückt hat – sondern eine reine Papp-Imitation, die bei chinesischen Totenfeiern als Beigabe dient und zusammen mit der Leiche verbrannt wird. Schließlich soll der Verstorbene im Totenreich wenigstens ordentlich angezogen erscheinen. Selbstverständlich nicht ohne Papp-hape, möglichst von Apple. Ferner gibt es Papier-Geld, Papp-Schuhe, -Schmuck, -Autos und alles was noch überlebenswichtig ist. Möglicherweise ist die Dummheit die einzige anthropologische Konstante in der Geschichte des Menschen. Um das zu erkennen braucht man nicht einmal die Wahndemie.

Reiche Beute

beute

Meine gesamten Naßreis-Terrassen liegen brach. Es finden sich keine Arbeiter. Ein Problem in ganz Indonesien. Landwirtschaftliche Produktion geht überall zurück, weil junge Leute lieber auf ihren Telephonen rumknibbeln als im Schlamm arbeiten wollen. Man bekommt den Eindruck, daß die ganze Nation überwiegend damit beschäftigt ist. Besonders die Frauen sind Teil dieser kollektiven Sucht geworden. Aber warum sollten sich Indonesier anders verhalten als Deutsche, die ja den Bezug zu natürlicher Lebensweise schon längst verloren haben, oder sich nur noch in „grünen“ Phantasie-Welten bewegen.
Das ist die Chance der Weide-Diebe, der Viehzüchter ohne eigenes Land. Seit Tagen beobachte ich, wie sich in einsehbaren Baumlücken renaturierende Brache braun verfärbt. Da stimmt was nicht. Dann taucht in der Ferne plötzlich eine Ziege auf, und sogar ein Rind ist dabei.
Ich finde 3 angepflockte Rinder, ebenso 2 Mutterziegen mit niedlich herumspringenden rehbraunen Kitzen und 2 in der Nähe äsende Böcke. 2 der Rinder sind jung und so dumm, daß ich sie leicht abschießen könnte. Auch die Ziegen sind nicht scheu. Im Supermarkt in Manado werden erstklassige, recht teure Stahl-Bögen angeboten – ohne Pfeile. Zwischendurch fand ich sogar Pfeile im Regal, doch bevor ich mich zum Mord entschließen konnte, waren sie wieder verschwunden. Und warum sollten diese ohnehin schon mißhandelten Kreaturen für die Gemeinheit ihrer Besitzer büßen? Sonderbar, daß hier eine ganze Ziegen-Herde unbeaufsichtigt auf meinem Land grast, während meine Ziegen im hausnah kontrollierten Gehege alle umgebracht wurden. Sollte es sich hier vielleicht um die gleichen Lumpen handeln?
Ich hacke die Nylonseile mit Mühe durch, denn wegen Stromausfalls kann ich mein Haumesser nicht mit der Maschine schärfen. Freigesetzt fangen die 2 jungen Bullen auf der von ihnen bereits zertrampelten Fläche gleich an zu kämpfen, bis ich sie wegjage. Die Ziegen fühlen sich dagegen in meinem hohen Gras wie im Schlaraffenland. Die dünnen Ziegen- und die dicken Rinder-Seile binde ich zusammen und schleppe sie auf dem Rücken in meinen Tempel zur heiligen Einfalt. Einen massiven Eisen-Pflock, offensichtlich für Dauer-Aufenthalt gedacht, muß ich noch ausgraben. Die in flagranti angetroffenen Diebe waren bisher immer defensiv, aber lange Messer tragen sie auch.

Stromausfall mit Löns

stromausfall

Der Vollmond steht über der Heide; auf ihr liegt der alte, weißbärtige Grünrock.
Kleisterdick ist er, und glatt und eben wie eine Leberwurst.
Es ist so still wie nach einem letzten Schrei, wenn der rote Bock das Schmalreh sprengt. Dann quakt der Torfstich. Und nun tönt es vom Camping-Platz: „Ätsch, rätsch, kätsch, hätsch, krieätsch!“ Und: „Igittigittigitt“, und „Terr, terrerr“, und „Zerr, zeherr“, und „Ticktickticktick“, und „Jück, jück, jück!“