Über Tom

German artist, rice-farmer & goat-whisperer on Sulawesi / Indonesia

Die Hüligäns

totshot

Die Hüligans sind ein halbzivilisiertes, nationalistisch-überhebliches Volk. Es fällt über andere her wie Heuschrecken. Unduldsam und zur Gewalttätigkeit neigend, verpacken sie aus Überzeugung ihre Frauen, damit man sie nich sieht. Letzteres eine gute Idee, bewahrt es doch die Schönheit der Umwelt. Erfahren im Totalitarismus, bezichtigen sie gerne jene, die sie zu stoppen versuchen, desselben. Überhaupt machen sie im Ausland gerne Sachen, für die sie im eigenen Land schwer bestraft werden. 1683 drohte der Nachfolger des Großfriseurs Köprülü Ahmed Pascha, ein gewisser Gröfatz Werdugans, den Rhein zu überqueren und seine Pferde im Petersdom in Rom unterzustellen, doch hielt man ihn vor Wien auf. Aktuell in Rotterdam. Auch ihre Religion ist totalitär. Drückt man in „Cossacks 3“ auf die Moschee, schreit jemand: „AHLAA-HAAA…!“. Jedesmal! Völlich unabhängich von den Gebets-Zeiten. Glücklicherweise kann man in diesem Spiel, das leider absturzgefährdet, hakelich und verkäfert iss, die Hüligäns mal gründlich verhauen. Die dafür zuständigen Speicher-Dateien sind in der deutschen Version mit „ausmis1.autosave“ benannt. Dafür isses wirklich höchste Zeit.

Gesang sterbender Hühner

einstieg

„Moonlight“ bester Film? Da ich weder Neger noch schwul bin, hat mich schon das Thema nich interessiert. Und dann diese miserable Kamera-Führung. Ich hab’s aufgegeben, den Schmarren bis zum Ende zu sehn. Das Lieblingswort „fuck“ in amerikanischen Filmen iss jetzt anscheinend durch „nigger“ ersetzt worden. Mir geht deren Gangster-Manierismus („Cool, man!“) so auf den Keks, daß ich mich frage, ob sich die USA-Neger wirklich so aufführen, und wo das herstammt. Ich kann verstehn, wenn sich weiße Gemeinden vor sowas abschotten.
Von den 9 „besten“ Filmen habe ich 8 bereits gesehen. „Hidden Figures“ ist gut aufgearbeitete Geschichte. Man erfährt Neues über den Anteil von schwarzen Frauen an der Entwicklung der Raumfahrt. Extra-Klos bei der NASA für Farbige! Was für eine bigotte Gesellschaft! Und wenn „Hacksaw Ridge“ von Mel Gibson nicht als Teil der neureligiösen (adventistischen) Propaganda erschiene, wäre es ein starkes Stück Film-Geschichte. „Fences“ mit Denzel Washington ist dagegen ein als Film getarntes Theaterstück mit sehr nervigem Alkoholiker-Gequatsche. Abgebrochen. Zeit-Verschwendung! „Lion“ drückt schwer auf die Tränendrüsen. Vermutlich von Google finanziert. Muß eine ganz erstaunliche Auflösung sein, wenn man sein indisches Heimat-Haus aus der Vogel-Perspektive wiederfindet, das man nur als kleiner Junge und nie so gesehn hat. Ich glaub’s nich. Und Casey Affleck in „Manchester by the Sea“, was für ein Langweiler! Die pseudo-intellektuelle Idee des Rieseneis in „Arrival“ ist wirklich bemerkenswerter Schwachsinn. Nur noch übertroffen von „La La Land“, in dem Auto-Dächer plattgetanzt werden. Allerdings kann ich über den Film wenich sagen, da ich ihn kaum über den Stau-Tanz hinaus ausgehalten hab. Bei CNN erfährt man, was sich WIRKLICH in amerikanischen Staus abspielt (Schießereien, Schlägereien, absichtliches Anfahren): Heftige Ausbrüche urbaner Frustration. Es gibt bereits genügend gute Filme, die das Thema aufgegriffen haben. Jean-Luc Godard führte es 1967 in „Weekend“ exemplarisch vor. Doch der Trend zur vermusicalten Lebensbewältigung ist offensichtlich ungebrochen.

tuerhuehner

Die verschrumpelte Alte, die in Airmadidi vor dem mikro ihre halbtoten Hühner auf dem Boden ablegt, schimpft und singt sich durchs Leben. Nich Oscar-reif. Winzig, weitgehend zahnlos, mit kantigem Kopf und flachen, kindlichen Gesichtszügen, die grauen Haare wirr. Ihre Wasserflasche trägt sie mit einem Band am Handgelenk. Ambulante Marktfrau. Der Fahrer will sie anfangs nich mit ihren Hühner reinlassen. Doch schimpft sie so lange, bis er aufgibt. Dann breitet sie einen Reissack auf dem Boden der Türöffnung aus und drapiert ihre Hühner daselbst. Mucksen sie sich während der Fahrt, werden sie übel beschimpft. Ausgerechnet neben mir läßt sie sich nieder. Für die Belästigung durch die Hühner, die sich ruhiger Verhalten als ihre Besitzerin und nur gelegentlich quietschen, entschuldigt sie sich mit: Sie käme aus dem Wald, ich dagegen aus der Stadt. Ich antworte, daß ich auch aus dem Wald käme, aber das glaubt sie wohl aufgrund meines feinen Batik-Hemdes nich. Vielleicht bin ich sogar genauso alt wie sie, nur nich so verbraucht. Dann fängt sie mit ihrer Kinder-Stimme zu singen an. Tanzen geht ja im mikro nich, schon wegen der Hühner zu unseren Füßen. Ich zücke gleich mein intergalaktisches Fon und nehme die Darbietung auf. Die im Hintergrund lachenden Fahrgäste spekulieren, wie die Aufnahme noch bei YouTube lande. Doch filmen kann ich sie leider nich, denn mikro-Fahren iss wie Erdbeben.
„Laßt uns gemeinsam kämpfen als Boten Christi! Christus begleitet uns, der schön, stark und edel ist. Des Teufels Macht kann zerstört werden, wer kann ihr widerstehen? Kommt, wir vereinigen uns, laßt uns das Banner des Gotteskreuzes erheben! Amen.“
Danach fragt sie nach meiner Religion und erklärt den Mitfahrenden, daß Buddhismus was Chinesisches sei. Schon vorher hat sie sich besorgt darüber geäußert, daß meine Partnerin es mißverstehen könne, wenn sie für mich sänge. Ich beruhige sie damit, daß das kein Problem sei, weil ich allein lebe. Also singt sie noch was: „Sei wachsam, der Feind lauert! Wenn du schwach bist, suche nach deinem Herrn …. Sei wachsam und bete!“
In Manado bezahle ich für sie mit (~42Cent) und klettere über die Hühner hinaus – eine von mir voll begeisterte Katholikin zurücklassend. SO iss das in La-la-Land!

Telephonieren als Risiko

vogelself

„Alle Welt sucht die Methode, sich nicht zu irren … Wenn man mit Erfolg entgegnen und einem andern aufzeigen will, daß er sich irrt, muß man darauf achten, von welcher Seite er die Sache ansieht.“ Blaise Pascal (1623-62)

Ich wollte mir eigentlich keine pulsa mehr für mein Samsung Galaxy A3 kaufen, das ich nur im Rucksack als leichten Fotoapparat mitführe, und das noch nich explodiert iss. Doch dann riß jemand ein Stück Telefon-Leitung wech, und ich war von allem abgeschnitten. Weder konnte ich die Polizei anrufen, falls ich als Alleinstehender mit aggressiven Wilden zu händeln hätte, noch bei Bewegungsunfähigkeit einen Arzt. Letzteres sowieso fraglich, denn gerade ist wieder ein Verwandter an einem Medikamenten-Schock gestorben. Und es ist nicht das erste Mal, daß der in Frage kommende Arzt vermutlich Falsches verschrieben hat. Ein Risiko also, sich überhaupt auf Hilfe zu verlassen. Trotzdem ging ich los und kaufte pulsa bei einer attraktiven jungen Frau in einem Dorf-Schuppen. So brauchte ich nicht zur weiter entfernten Telkom-Station zu gehen, um da jemanden zu finden, der das Dschungel-Kabel reparieren würde, sondern ich textete. Im galoppierenden mikro traf ich mit meiner ohnehin zu klobigen Fingerspitze allerdings meist die falschen Buchstaben. Doch nun funkt das Internet wieder zäh vor sich hin, und ich kann der ganzen Welt mitteilen, warum Zellföne nich nur dick sondern auch dumm machen – sofern man’s nich schon iss. Dazu brauch ich mich nich mal auf Philip Reed, einen amerikanischen Philosophie-Professor berufen, denn ich hab ja selbst fürchterliche Erfahrungen mit den Dingern („Niemals überwindet die Vernunft den Wahn, während das Gegenteil häufig ist.“ Pascal).

nointerest

Reed möchte ganich in die Lage versetzt werden, mit lauter Menschen kommunizieren zu können, die nich anwesend sind. Und wie ich, hat er schon allein im Gespräch mit jemandem gemerkt, der plötzlich zu seinem Ha-Pe greift, um welche Kommunikations-Qualität es sich da handelt. Wenn meine Frau mich gelegentlich besucht, um noch etwas zu erledigen, braucht es keine 10min, bis sie wieder ihre Maschinen am Ohr hat, und mir die letzten 3 Horror-Jahre mit ihr wieder hochkommen. Außerdem macht Telephonieren als Lebensinhalt offensichtlich dick. „Communicating with someone who is not physically present is alienating, forcing the mind to separate from the body … people walking down the street talking animatedly to themselves who turn out to be apparently healthy people using their Bluetooth.“ Weshalb Zellföne und Gesichtsbuch in ganz Indonesien so ein extremer Erfolg sind, liegt vor allem daran, daß beide Erfindungen Einsamkeit, Langeweile und selbständiges Denken verscheuchen. Alles Phänomene, die der Indonesier unbedingt meidet. „This propensity for diversion was notably confirmed in a recent study where subjects preferred to give themselves electric shocks rather than occupy themselves with their own thoughts for 15 minutes.“

nolikes

„Ich behaupte, wenn alle Menschen wüßten, was die einen über die andern reden, so gäbe es keine vier Freunde auf Erden … So dünkelhaft sind wir, daß wir wünschen, die ganze Welt möge uns kennen, und selbst die, die leben werden, wenn wir nicht mehr sind; und so eitel sind wir, daß uns die Achtung von fünf oder sechs Menschen, die uns nahestehen, freut und zufriedenstellt.“ (Pascal)
„Pascal believed that the height of human dignity is thought, and that the order of thought begins with oneself, one’s creator, and one’s end. He linked this kind of thought inextricably to genuine rest and happiness … Avoiding a cellphone allows, for me, space for thinking and so enables a richer, more fulfilling way of life. With fewer tasks to perform and preferences to satisfy, life slows to a pace compatible with contemplation and gratitude.“ Deshalb sind mir ja auch Ziegen so sympathisch: Sie telephonieren nich.

will