Setan

turmwand

Das Hobby meines Bauunternehmers sind Horror-Filme. Gruseliges findet in Indonesien ein begeistertes Publikum. Ich verstehe das nicht. Die Realität ist so voller Greuel. Warum sich in der Regel höchst dümmlich erfundene noch zusätzlich reinziehen? Dabei sind die Wilden oft sehr ängstlich und fahren nachts nicht so gerne an meinem Friedhof vorbei. Sie erleben sogar – typisch für religiöse Spinner – Geister-Erscheinungen und ähnlichen okkulten Schwachsinn. Für diesen Unsinn werden sie als Kinder schon von ihren Eltern programmiert, und natürlich von ihren religiösen Führern. Mein Bauunternehmer begeistert sich für Serien-Filme mit setan.
„Es gibt keinen setan!“ belehre ich ihn. „Setan ist nur in uns!“
Das sieht er ein und schlägt sich auf die Brust.
„Die Gorontalo-Muslime sind setan!“ erklärt einer meiner christlichen Maurer, der so dumm rumquatscht, wie er aussieht.
Das sei nur eine ANDERE Religion, widerspreche ich. Darauf erwidert er nichts und mauert weiter schief.
Diese Dummheit, dieser Haß! Die Menschen sind auch nur Ziegen. Ich setze meine Ästhetik dagegen, auch wenn sie mit mir untergehen wird. Das Foto zeigt eine Farb-Studie für eine Wasserturm-Wand. Der Sockel ist nur Kachel-Imitation. Solche schönen Steine gibt es hier gar nicht.

Werbeanzeigen

Modell mit Beinschuß

neuhaus

Ohne 2 Tage Stromausfall hätte ich vielleicht nicht das Modell gebaut. Papier, Schere und Klebstoff gehen immer – notfalls mit Kerzenschein und Taschenlampe. Deshalb wählte ich als Kunst-Student auch den Buntstift. Trotz Mangels an Atelier und Geld konnte ich damit überall arbeiten.
Und keins meiner Häuser habe ich so entspannt entworfen und gebaut wie dieses. Vielleicht etwas zu entspannt, denn die Bau-Arbeiten begannen schon, bevor die Zeichnungen fertig waren. So verunsicherte mich zunehmend, wie sich die verschiedenen Neigungen eines Pult- und eines Satteldaches über einer Haus-Ecke zusammenfügen würden. Zuerst stellte ich mir eine einfache Überlappung vor, dann erschien mir ein Kiel und schließlich sogar 2. Also brauchte ich ein Modell, um die Fantasie an der Realität zu überprüfen, die meine erste Idee als richtig erwies. Dabei klebte ich mir nur die Baukörper ohne Fenster, Türen und überdachte Freiflächen zusammen, weshalb das Tiny House im Modell größer wirkt, als es ist. Wohnküche, klitzekleines Bad und Garderobe im Erdgeschoß, Meditations-Raum im Obergeschoß, 2 überdachte Veranden und Wasserturm. Mit ~50qm Wohnfläche ist es noch sehr handlich. Während sich das Haus zur unfreundlichen Straße hin verschließt, ohne – wie hier üblich – eine Wild-East-Show-Front zu zeigen, wird der Giebel zum Teich und Canyon komplett verglast. Dabei war meine ursprünglich zündende Idee, dort möglichst hoch zu sitzen und durch die Wipfel-Lücken meiner selbst gepflanzten Bäume den Blick auf die Westberge und den Pazifik genießen zu können.
Obwohl die Ton-Ziegel von einer Pygmäen-Truppe abgeladen werden, die ich auf den ersten Blick für Kinder halte, ist der Fahrer des LKWs stattlich gewachsen. Er hält viel von D. „D ist sehr stark!“ Hitler war ein großer Mann, die Deutschen im Krieg erfolgreich. Er habe einen Freund, der in D im Dock arbeite. D liefere indonesische Fähren und Marine-Schiffe, auch Waffen für die Armee. Als Soldat habe er mit einer sehr guten deutschen Pistole geschossen.
„Heckler-Koch“? frage ich.
„Ja, Heckler! Sehr gute Qualität.“
Ich erkläre ihm, daß ich solch eine Pistole hier gegen die Diebe gebrauchen könnte, worauf einer meiner Bauarbeiter pantomimisch einen Beinschuß vorführt. Ich hätte gern klargestellt, wie man mit einer Pistole auch aus nächster Nähe leicht vorbeischießt und deshalb effektiver auf die Körpermitte zielen sollte, doch fehlen mir dazu die Vokabeln.

Man sieht schon was

schonwas

„Afrika ist unser Nachbar.“
Ursula von der Leyen

Die Pfeiler der erdbebenfesten Struktur werden gerade gegossen. Das Streifen-Fundament ist schon fertig. Was man auf dem Foto nicht sieht, sind neue Konflikte. Ein friedliches Zusammenleben wird es auch an diesem Platz nicht geben. Das große Grundstück schließt an einen von mir dem Dorf gespendeten Friedhof und eine Familien-Grabstelle an, die dem vorherigen Eigentümer-Paar gehört. Jenes hat uns nicht nur betrogen, die Enkel der Witwe schmeißen nun beim Besuch der Gräber ihren Müll über die Mauer. Den werfe ich zurück. Müll-Werfen sollte man als Disziplin bei den Behinderten-Spielen einführen. Gute Chancen für Minahasa.
Übler noch ist die Wirkung eines neuen Schweinestalls in Sichtweite, dessen Abwässer die vor dem Haus liegenden Teiche verpesten. Für ihre 40 Schweine hat die Besitzerin, die auch illegal Geld mit Wucherzinsen verleiht und sich als protestantischer Kirchen-Vorstand betätigt, extra bizarr betonierte Ablaufrinnen bauen lassen, die verhindern sollen, daß ihre Abwässer das Fundament angreifen. Das haben wir nun angezeigt, weil die Einleitung ungeklärter Gülle in allgemein genutzte Gewässer nicht erlaubt ist. Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Offensichtlich ist ein konfliktfreies Zusammenleben mit solch egoistischen Wilden nicht möglich. Dazu sind sie zu wirr, rücksichtslos und unsensibel.

sauerei