peace from the madness of the world

roster

Und dann sollte es weitergehen mit der „Villa Ludendorff“, jedoch hinderte der tägliche Regen den Bauunternehmer dabei, sein gerade laufendes Projekt zuende zu führen. Tage und Wochen vergingen mit Warten, und immer stand der Neuanfang unmittelbar bevor. Ich bestellte frisch geschlagenen Bambus, denn das vorhandene Baugerüst war bereits verrottet, und Sand für Mörtel.
Inzwischen verstarben mehrere Wilde infolge ihrer exzessiven täglichen Krach-, Freß- und Sauf-Feste – der Jahreswechsel wird nicht von allen verkraftet – und die Bauarbeiter erschienen nicht, weil sie eine Sarggrube ausheben mußten. Auch wurde eine gewaltige Bambus-Konstruktion über einer Gasse für eine größenwahnsinnige Hochzeit im Dorf errichtet. Für 1 Tag mit 1000 Gästen fällte man Bäume, zerstörte Vorgarten-Mauern und füllte Unebenheiten mit Sand auf. Sogar den Güllegraben reinigte man, damit er nicht etwa während der Feier stänke. Völlig unindonesische christliche Nachahmungs-Kultur. Nur die Sprache noch bodenständig, aber schon durchsetzt mit englischen Vokabeln („The Wedding“, mit dem lebensgroß geposterten Paar am Straßenrand.). Unmittelbar vor dem illusionären Ereignis sah ich noch die Hochzeits-Torte aus Pappe im Vorbeigehen. Da trug ich diesen 27x27cm Keramik-roster, der mich mehr als 3Euro gekostet hat und im Badezimmer eingebaut werden soll, im Rucksack. Inzwischen war mein Bauunternehmer von der Hochzeits-Zelt-Konstruktion gestürzt und bewußtlos ins Krankenhaus gebracht worden. Da wird gerade untersucht, ob sein Hirn beschädigt ist. Zwar ist er jetzt bei Bewußtsein, nachts muß man ihn jedoch festbinden. Irgendwie steht die Villa Ludendorff unter dem ungünstigen Einfluß okkulter Kräfte. So eine Art Slalom der Schie-Kraft. Dabei will ich nur Frieden finden, auch wenn ich mich für schöne Dinge begeistere. Aber sie absorbieren mich nicht, es ist eher ein kreatives Spiel mit den Möglichkeiten bis zum Ende. Und wenn die Wilden immer wieder das zerstören, was ich aufbaue, so hab ich noch genug Platz und einige Euros übrig, um woanders wieder anzufangen. Angeblich ist ja der Weg das Ziel, doch wer möchte schon ständig unterwegs sein.

blattschale

Plastik-Schälchen für 1Euro

Schöne Männer

behindert

Normalerweise müßte diese Frisur zum sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis führen, aber eine solche besitzen viele indonesische Verkehrs-Teilnehmer erst gar nicht. Dieses Foto wurde von einem gewissen Johnny Andrean in einem Donut-Laden in Manado kostenlos verbreitet und soll als „Inspiration“ dienen. Es zeigt, wie die Wilden versuchen, richtich modern auszusehen. Dazu gehören oft noch Arm- und Bein-Tätowierungen mit dem optischen Reiz schwerer Verbrennungs-Narben, für die man zumindest Teilentblößungen braucht, wie man sie schon länger von der weiblichen Schlampe und vom Dalai Lama her kennt.

teilentbloessung

Ich wundere mich immer wieder, daß so total überflüssige Berufe wie Friseur und Priester und so total überflüssige Produkte wie Donuts nicht einfach vom Markt verschwinden. Aber der Mensch braucht Abwechslung für sein oft dürftich ausgestattetes Gehirn. Besonders die Industrie benötigt sie als Konsum-Anreiz, und so hat es selbst die Nazi-Frisur wieder in die identitäre Mode für Alpha-Männchen geschafft. Der zeitgenössische Mann mit eingedoster Lebenswirklichkeit will einen „mood eksentrik“. Wenigstens den mood, obwohl die internationale Mode dafür sorgt, daß er seine regionale Individualität gründlich an der Kasse abgibt, um im internationalen Einheits-Brei unterzutauchen. Und so kommt es dazu, daß der moderne indonesische Mann im karierten Hemd rumläuft und ich mit aufwendig gewebten ethnischen Mustern – wofür ich von den Wilden gelegentlich gelobt werde.

finally