Immer an

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Während du an den toten Schweinen am Straßenrand vorbeifährst, die dort gleich zerlegt werden – das Blut fließt die Straße runter – und dort so verkauft, daß du gar nicht anders kannst, als Vegetarier zu werden, während du also diese christliche Weihnachts-Schweinerei passierst, drücken die Frauen im mikro vor, hinter und neben dir auf ihren Telefonscheiben rum. Sie können das mit einer Hand. Telephonierend steigen sie sogar ein und aus ohne zu stürzen. Wie Aktien-Broker müssen sie ständig interagieren. Wenn 2 sich zusammensetzen, holen sie diese Scheiben aus ihren Taschen – sofern sie nicht ständig in der Hand getragen werden – und starren drauf. Unterhälst du dich mit solchen Handphone-Junkies, springen sie wie ein Pawlowscher Hund bei Klingelton mitten im Satz auf und beantworten einen Anruf. Sie sind eigentlich immer woanders. Es macht gar keinen Sinn, mit ihnen zu reden. Besser, du rufst sie an. Dann schreien sie in das Gerät, als ob du schwerhörig bist, und alle im mikro können das Gespräch gut verfolgen.
Sie lassen keine Fake-Nachricht, keinen Romance-Scammer und sonstigen Betrug aus, denn sie sind immer erreichbar. Wenn du ihnen das bewußt zu machen versuchst, liefern sie dir plötzlich einen Familien-Angehörigen per Video-Schaltung in dein Wohnzimmer, den du da gar nicht haben willst. Genauso könntest du mit Alkoholikern debattieren. Was haben diese Steckdosen-Sucher bloß früher gemacht, als man noch körperlich und geistig anwesend sein mußte, um mit jemandem zu kommunizieren? Es gibt kein App für wirkliches Leben. Du kannst damit auch nicht die Leere in deinem Hirn füllen.

Reinigung des Misthaufens

benedikt

YouTube:

Hallo Tom,
unser Team hat deine Inhalte geprüft und leider festgestellt, dass sie gegen diese Richtlinien verstoßen: Richtlinien zu Hassrede. Wir haben darum folgende Inhalte von YouTube entfernt:
Video: Nigger Rap
… Inhalte, in denen Gewalt gegen Einzelne oder Gruppen verherrlicht oder dazu aufgerufen wird, sind auf YouTube verboten. Wir erlauben auch keine Inhalte, in denen aufgrund der Zugehörigkeit zu einer geschützten Gruppe Hass auf Einzelne oder Gruppen geschürt wird.

Meine Beschwerde:
Das Gefühl, hier mit einer Maschine zu kommunizieren, entsteht dadurch, daß offensichtlich kein Mensch als Zensor tätig war, denn der hätte gehört und gesehen, wie mein Video lediglich eine Busfahrt dokumentiert. Wenn in der überlauten, unindonesischen Musik der Begriff „Nigger“ auftaucht (Nicht in diesem Ausschnitt!), erhebt sich die Frage: Warum bezeichnen sich Neger selbst als Nigger? Das will ich hier nicht klären, sondern nur verdeutlichen, wie mir jener optische und akustische Manierismus zuwider ist. Daß er sich international überhaupt so verbreiten kann, ist eine Auswirkung des großen Misthaufens YouTube, in dem man nicht nur Aufklärung sondern auch jede Menge Dreck findet. Wie YouTube mit der Bereinigung überfordert ist, zeigt diese Zensur-Maßnahme deutlich. Hierzu ein aktuelles Zitat aus dem „Spiegel“:
„Das Vorgehen des Konzerns (Walmart) ist symptomatisch für die Debatten nach der El-Paso-Attacke. Anstatt die Wurzeln des Problems zu bekämpfen, folgen kosmetische Änderungen, die vor allem Handlungswillen demonstrieren sollen.
… El Paso wird zudem als Steilvorlage für unpopuläre Maßnahmen genutzt, die ohnehin geplant waren – wie die zunehmende Überwachung sozialer Netzwerke. Neue Analysewerkzeuge sollen etwa mutmaßliche Attentäter online entdecken, bevor sie zuschlagen – ob das funktionieren kann, ist aber höchst umstritten. Und das FBI hat etwa eine Ausschreibung für ein Social-Media-Werkzeug veröffentlicht, mit dem Profile, Netzwerke, Kontaktdaten, Standorte und Beziehungen von Zielpersonen durchforstet werden sollen.“

Natürlich ließ sich das gar nicht an YouTube senden, weil die Beschwerde nur 300 Zeichen enthalten darf.

Lesen

Was liest Denzel Washington als semi-intellektueller Killer in „The Equalizer“, diese beliebte Idee von Rache, die deshalb so stereotyp ist, weil sie ein in der Regel unerfülltes Bedürfnis bedient: Ernest Hemingway, „Der alte Mann und das Meer“. In meiner schön gebundenen Ausgabe von 1959, deren haptischer Reiz kein Täpp ersetzen kann, mit allerdings ziemlich dürftigen Illustrationen von Frans Masereel: „Erst borgt man; dann bettelt man.“ Wußte schon Hemingway, hat sich jedoch immer noch nicht überall rumgesprochen. „Denk an das, was du tust. Du darfst nichts Dummes tun.“ Ein ganz elementarer Lehrsatz, an den man sich so früh wie möglich halten sollte. Hat sich Sabine Strauß, der das Buch gehörte, deshalb umgebracht? Wie der alte Hemingway nahm sie beim Nachhausegehen die Abkürzung. „Niemand sollte im Alter allein sein, dachte er. Aber es ist unvermeidlich.“ „Armer Kerl“, meinte William Faulkner über Hemingway, „dreimal heiraten zu müssen, um herauszufinden, daß die Ehe ein Fehler ist und daß man, um Frieden zu haben – wenn man schon so blöd war, überhaupt zu heiraten-, die erste unbedingt behalten und sich weit von ihr fernhalten soll, in der Hoffnung, sie zu überleben.“

Ich brauche einen zweiten Aktivierungs-Brief, weil sich die Photo-TAN in meinem neuen Singsang-Tab S4 nicht mit der Photo-TAN-Äpp meines nach einem halben Jahr total abgestürzten S9 auslesen läßt. Auch paßt meine indonesische HP-Nummer nicht in die deutsche SMS-Banking-Maske. Jedenfalls kann sich niemand mehr darüber beklagen, daß nicht mehr gelesen würde. Alle lesen permanent. Heutzutage Chat-Texte, während sie Zeit und Bewußtsein verlieren (in „The Equalizer 2“ ist es Marcel Proust, den Aldous Huxley kritisierte, er kauere „im lauwarmen Bad seiner erinnerten Vergangenheit … wie ein frommer Hindu im Ganges“. Und Jean Cocteau fand ihn „nicht lesbar“).