Hirnsand

susel

„Außerdem kommen in der Zirbel mit zunehmemdem Alter körnige Konkremente vor, die als Hirnsand bezeichnet werden, deren Entstehung und Bedeutung aber unklar ist. Hirnsand tritt auch in den Adergeflechten der Hirnkammern auf.“
Mörike, Betz, Mergenthaler, „Biologie des Menschen“, 1981

Nach Peter Sloterdijk verlieren heutige Generationen auf Grund der sich immer schneller wandelnden Verhältnisse eher ihre Synchronizität mit der sie umgebenden Kultur als frühere. Wobei ich mich frage, ob die nachfolgenden durch zunehmendes Seelen-Dehnungs-Training (früher Bildung genannt) und ihren längeren Aufenthalt in immer besser ausgepolsterten Brutkästen nicht schon in jungen Jahren versanden. Tatsächlich geschieht nämlich immer das Gleiche – mit modisch wechselndem Äußeren. Wobei nur die Betrachtung geschichtlicher Fakten deutlich macht, was wirklich passiert. Etwa das Vorhandensein eines Steuer-Satzes von 10% bis 1913, der danach drastisch erhöht wurde, um die Kriege zu finanzieren.
Der zunehmende Stilisierungs-Druck auf das immer bedeutungsvollere Individuum verklärt die eigentlich leere, durch eingebildete Transformationen austauschbare Hülle und führt – wenn man nicht rechtzeitig untertaucht – zur Überforderung. Junge Menschen haben verstärkt Luxus-Probleme, eventuell verbunden mit überspitzt samaritanischer Einstellung. Der chronische Ausbruch bedingter Reflexe besonders zu Ostern und Weihnachten weist auf das Vorhandensein gigantischer Mengen von Hirnsand und eine dadurch hervorgerufene Stauung der Geistes-Tätigkeit in den Köpfen der Welt-Bevölkerung. An der Seine, wo sich katholische Schaustellerkunst ein göttliches Monument erschnorrte, türmt sich der Sand gerade zu Dünen auf. Materielle Schönheit und gefälschte Reliquien als Vehikel geistlicher Seligkeit, institutionelle Selbstbefriedigung (Panofsky) und Eitelkeit als geistliche Illumination.

hallelujan

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Der Wind ist nicht still

stillness

„Oma sagte immer: …“

Die Art, wie Talma kirchernd und quietschend mit ihren Ziegen umgeht, hat mir im Trailer so gut gefallen, daß ich fälschlicherweise annahm, „The Stillness of the Wind“ könnte ein Spiel für mich sein. Doch weder fand ich in diesem Produkt die landwirtschaftliche Rationalität noch die anspruchsvolle Optik von Forest Village. Nur das Ziegen-Gemecker, mit dem das Spiel startet, versprach emotionale Verbindung.
Die fette, halbabstrakt-gesichtslose Talma wuchs auf einer extrem kargen Wüstenfarm auf – ein schlanker Eremit im fruchtbaren Dschungel, der den Tag allein mit 2 Ziegen und diversen Hühner startet, wär mir lieber gewesen. Neugier ist schädlich. Erkundet man mit Talma das fast völlig leere, gelb-rote Gelände, wird sie leicht im Wüstensand abgetrieben, aus dem nur noch die Escape-Taste hilft. Kein Zoom, kein Abspeichern möglich, nur Maus-Bewegungen. Der Arbeitstag so irrational kurz, daß man nichts zu schaffen glaubt und oft im Dunkeln rummurkst. Der optische Kontrast so gering, daß man kaum bemerkt, wie die 2 Ziegen Unmengen von Heuballen verschlingen. Selberdenken ist auch schädlich. Das einzige Ziel des Spiels ist es, der Unsinnigkeit des Scripts zu folgen. Als ich endlich verstehe, daß man beim gelegentlich auftauchenden Händler Heu gegen Käse tauschen kann, ist es zu spät: Das Futter ist alle. Es folgt eine Traum-Sequenz in Grau, in der die schlafende Talma einer schwarzen, unbeweglichen Ziegen-Silhouette gegenübersteht, sie jedoch nicht erreichen kann. Dazu hört man im Hintergrund die Geräusche eines nicht sichtbaren vorbeifahrenden Zuges. Schon geschockt durch diese Parallele, sehe ich am Morgen, als Talma aus dem Haus tritt, einen Ziegen-Kadaver am Boden liegen.
Da überfiel mich solch eine Traurigkeit, daß ich nicht mehr weiterspielen konnte.

Cholelithiasis

gallenstein

2 gleichmäßig pechschwarze Steine wurden mir mittels Laparoskopie mitsamt der Gallenblase herausgeschnitten. Die Steine sind scharfkantig und hart. Beim Aufschneiden mit dem Skalpell in der Konsistenz bröselig wie Kalk. Auch innen schwarz, also eher keine Cholesterin-Steine, die einen zum Mantel farblich unterschiedlichen Kern besitzen.

gallenstein2

Demnach müßte es sich um Bilirubin-Kalkstein (Maulbeerstein) handeln, der weniger als 20% Cholesterol enthält, stattdessen durch Ausfällung von Calciumsalzen entsteht. Somit bleibt die Ursache für ihre Bildung offen. Zwar trinke ich seit über 2 Jahren mein eigenes Grundwasser unabgekocht aus ~25m Tiefe, weil ich das ohnehin fragwürdige käufliche nicht auch noch ranschleppen kann, und es hinterläßt heftige Kalkspuren auf Kacheln und unedlem chinesischem Stahl, jedoch um hier über einen Zusammenhang zu spekulieren, müßte ich wissen, wie lange solch ein Stein für die Größe von ~1cm braucht.
Als Folge der Operation anfangs deutliche Besserung der Stoffwechselstörungen. Nach 1 Woche wieder verstärkte Beschwerden (Sodbrennen). Dabei ist mir nicht klar, mit welcher Diät ich gegensteuern könnte, denn ich ernähre mich schon relativ gesund und fettarm, indem ich mir das extrem ölhaltige und in jeder Hinsicht ungesunde indonesische Essen nur modifiziert einverleibe. „Please show me the consensus pick for what a ‚proper diet‘ is. Even if some particularly dietary choices may lessen the risks for continued presence of gallstones, it’s likely to have other consequences. I have yet to see any statement of what a ‚proper diet‘ is for general purposes. I don’t think it exists.“ „I had my gall bladder surgically removed two years ago, and have had a lot of problems after that.“