no. 1

Google Übersetzer:

„Nr. abgeben Diese Warteschlange beim Betreten des Raumes!!
Bitte geh nicht nach Hause 🙂

Danke“

Weil ich mein neues Samsung Galaxy Tab 4 registrieren und per SIM-Karte für’s Internet aktivieren lassen muß, begebe ich mich nach GraPARI, was mich immer an Paris erinnert, jedoch nur ein Laden der TELKOMSEL in Manado ist. In dem in einer Mall offen angeordneten Raum ist mir zuerst nicht klar, wo die massenhaften HP-Stände aufhören, und das Büro anfängt. Dann stehe ich vor einem matratzengroßen Teil mit Tatschskrien und etlichen Informations-Tafeln, die ich alle ersma übersetzen müßte. Allein der Tatschskrien ist schon so groß wie ein mittlerer Kühlschrank und verwirrend wie ein deutscher Fahrkarten-Automat. Meine Hilflosigkeit, von diesem Monstrum eine Warte-Karte zu bekommen, wird einem gerade eintreffenden jungen Mann offenbar, und er tatscht für mich. Dazu fordert er meine HP-Nummer, die ich natürlich nicht immer im Kopf mit mir rumtrage. Also HP entsperren und im Menü meine Nummer suchen. Dann zeigt mir das Monstrum eine winzige Zunge mit meiner Warte-Nummer: 1015. Beunruhigt sehe ich mich um und stelle fest, daß ich der einzige Kunde bin. Wo sind die anderen 1014?

Nun setze ich mich auf eine metallene Wartebank und befinde mich fast gegenüber dem jungen Mann, der jetzt hinter einem von 2 Schreibtischen Platz genommen hat. Das ist recht, deuchtet mir, er könne mich ja dann gleich zu sich winken und meinen Fall bearbeiten, denn ich bin immer noch der einzige Kunde im Raum. Aber nichts passiert, und ich sehe auch nirgendwo ein Nummern-Display. Dann ruft der junge Mann über einen getarnten Lausprecher meine Nummer auf. Bei solch langen indonesischen Nummern benötige ich immer einige Schreck-Sekunden, bis ich sie übersetzt habe, begebe mich dann aber zu seinem Schreibtisch.

Ben Stiller in „Meet the Parents“ (2000) fällt mir ein, wie er allein in einem Flughafen-Terminal direkt vor einer Angestellten steht, jene sich aber weigert, sein Ticket anzunehmen, weil das Gate noch nicht offen sei. Unmittelbar darauf macht sie eine Ansage wie ein Roboter, die Fluggäste sollen jetzt zum Check-in kommen, obwohl Stiller immer noch der einzige und unmittelbar vor ihr ist. Dabei macht er ein Gesicht, als ob er ihr gleich eine reinhauen möchte. Bei der Ankunft ist dann sein Koffer weg.

Doch hier geht alles gut, auch mein auf einen mir Unbekannten registriertes HP macht diesmal keine Probleme, nur die Nummer meiner Familienkarte, die zusätzlich zum Personalausweis benötigt wird, hab ich nich. Das läßt sich per Anruf bei meiner Ex klären. Dann öffnet der junge Mann mit einem winzigen Draht ein Mikro-Fach meines superdünnen Tabs und legt einen höchstens kleinfingernagelgroßen Nano-Chip ein. Dafür bedanke ich mich, werde jedoch ermahnt, noch an der Kasse zu bezahlen. Selbstverständlich. Der junge Mann folgt mir zur unbesetzten Kasse, und jetzt ist er der Kassierer.

So läuft das auch beim Zahnarzt in Airmadidi, wo ich mir vom schwarzen Engel eine neue Plombe einsetzen lassen möchte, weil die vorige nach 3 Monaten wieder rausgefallen ist. Zu meinem Erstaunen ist der Engel jetzt blond, stark geschminkt und hat die Figur einer Tonne mit gewaltigen Armkeulen. Anscheinend eine andere Ärztin, die mit genauso minimalem Aufwand in der winzigen Praxis arbeitet. Doch hat sie ihre Familie dabei. Der kleine Sohn produziert Furz- und Rülps-Geräusche und versucht mich auch auf andere Weise zu erheitern. Der Ehemann fegt derweil die Praxis. Diesmal bleibe ich nicht mit dem Fuß an der Wasserpumpe hängen, denn ich kenne bereits ihre Position, und der Behandlung-Sessel muß nicht verstellt werden. Alles paßt. Zwar bekomme ich eine leichte Dusche über meiner Unterarme, habe deswegen jedoch schon ein altes Hemd an. Für ~5EUR monatlichen Krankenversicherungs-Beitrag mag man sich ja nich beschweren.

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Eisenbahngarten

Bislang war der Impressionist Claude Monet (1840-1926) der einzige Künstler, der einen Garten mit einer Eisenbahn besaß. Doch jetzt komme ich! Das heißt, sie könnte irgendwann kommen. Gerade ist das Geld dafür verschwunden, und so wird es noch etwas dauern. Auch verschiebt sich jeden Monat die Streckenführung, so daß eventuell nicht mein Haus sondern nur das Ziegen-Gehege und die Ruine der Villa Ludendorff betroffen sind. Nichts Genaues weiß man nich. Die Wohnlage wäre in jedem Fall ruiniert – sofern das Projekt nicht wegen Unsinnigkeit platzt. Das ist das neuste Gerücht. Sulawesi ist zwar Nord-Süd etwa so lang wie D, aber die stellenweise nur 40km schmale Insel besitzt wesentlich weniger Landmasse in der Breite. Da gerade gigantische Autobahnen im Bau sind, macht die Eisenbahn eigentlich keinen Sinn. Zumindest für Nordsulawesi, meint der ehemalige stellvertretende Präsident Jusuf Kalla, der nur den halben Auftrag für Südsulawesi bekommen hat.
Auch Monet hatte ein Gespür für Natur-Schönheit und liebte besonders das Wasser. So erwarb er 1890 im kleinen Dorf Giverny das Haus eines Kaufmanns und 3 Jahre später ein Stück Land hinter der Bahnstrecke, die seinen Garten bis dahin begrenzt hatte. Dort legte er den Seerosen-Teich an, der durch seine Gemälde berühmt wurde: „Mein Garten ist ein langsam wachsendes Werk, das ich mit Liebe hege. Und ich bin stolz darauf.“ Ende der 60er Jahre verwilderte die Anlage, der Teich versumpfte und wurde durch Fabrik-Abwässer verschmutzt. Auch Monets private Tragödien, etwa das Schwinden der Sehkraft, zeigen, wie sein „schönstes Meisterwerk“, das japanisch beeinflußte Verschmelzen von Mensch und Natur, für das er 40 Jahre brauchte, nur ein vergängliches Paradies war. Heute verbindet ein Tunnel die renovierten Garten-Teile, und die Eisenbahn-Strecke ist durch eine Straße mit Parkplatz ersetzt worden. Trotzdem malte er seine großformatigen Seerosen-Bilder mit 76. Da hab ich noch etwas Zeit.

Karte aus art 4/1981

Apps and Downs

Ich kann ganich begreifen, warum sich die gesamte Menschheit das antut, diese elende HP-Fummelei. Seit mein Provider mein Kupfer-Kabel gekappt hat, bin ich nun auch dabei. Zumindest sacht uns das was über die sich selbstkonditionierenden Pawlow-Fans, die in panischer Angst vor dem Turm des Schweigens auf ihren Plastik-Brettern rumdrücken. Damit der Transport komprimierter Banalitäten noch schneller geht, wollte mein Provider nun ein Glasfaser-Kabel installieren, womit mein unsichtbar in Erde, Fußboden und Wänden von mir persönlich eingebautes Kabel obsolet wurde. Stattdessen durch Luft und Dach. Nee, danke! Will ich nich.
Nun drücke ich also auch. Mal hier mal da. Manches geht, oft auch nich. Meine Internet-Seiten kann ich nur noch als zerhackte oder verzerrte Mikro-Gebilde sehen. Wer sich sowas auf seinem HP anschaut, hat eigentlich kein ästhetisches Interesse.
Und während mich ein inzwischen chronisches Zuviel an Salzsäure innen zerfrißt, meine krumme Wirbelsäule mich fast bewegungsunfähig macht, bricht die letzte Möglichkeit des Außenbezugs wech. Doch besitze ich jetzt immerhin ein App zur Messung von Lautstärke. Wahrscheinlich werden die Wilden darüber nur lachen. Wie damals, als ich vorschlug, die Nachtwachen im Dorf mit HPs auszurüsten, um die mobilen Randalierer besser orten zu können. Heutzutage hat hier JEDER son Ding.

Illustration aus „rororo Hausarzt“ (1968): Gesichtsausdruck und Haltung eines Magenkranken