Krematorien

Krematorium-Maumbi

„Selbst die Toten werden noch geschminkt.“ Wolfgang Schmidbauer

„Särge sind den Maßen der Toten angepaßt. Die Aufbahrung der Toten erfolgt in Zellen des Leichenhauses, die durch halbhohe Leichtwände (Blech oder Pflanzen) voneinander getrennt sind. Bei größeren Anlagen ist der Zellengang für Leichenträger getrennt vom Schaugang für Angehörige, die den Toten durch luftdicht schließende Scheiben bis zur Begräbnisfeier sehen können. Durch vorspringende Pfeiler zwischen den Zellen wird gegenseitige Störung der einzelnen Leidtragenden möglichst vermieden. Der Wärmestand im Leichenhaus 2-12˚, nie darunter, weil Frost die Leichen ausdehnt und sprengen kann … In Großstädten besonderer Raum für Fundleichen mit Raum für deren Kleider, daneben Sezierraum und Arztraum. Verbrennungsraum entweder im Unter-Geschoß mit Sargversenkung oder hinter dem Versammlungsraum durch Schleusen davon getrennt. Die ebenerdige Beförderung erfolgt am einfachsten durch handbetriebene Winden, der Antrieb der Fahrstühle dagegen hydraulisch. Die Tür zur Schleuse oder die Bodenöffnung schließen sich dabei langsam, je weiter der Sarg in der Schleuse oder in der Versenkung verschwindet … Die Einäscherung erfolgt durch koks-, elt (für Leichen-Verbrennung etwa 45kW Stromverbrauch) oder gasbeheizte Sonderöfen vollkommen staub- und geruchslos, durch 900-1000˚ trockene Luft, also ohne daß die Flamme den Toten berührt … Zur Beobachtung der Einäscherung dienen Schaulöcher … Im Anschluß möglichst Verwaltungsräume, 1 Zimmer für Vorstand, 2-3 Büroräume, 1 Sargspeicher, Wohnungen für 1 Verwaltungsbeamten und Friedhofswärter, Heizer usw..“
Ernst Neufert, „Bau-Entwurfslehre“, Berlin 1944

https://insellos.wordpress.com/2015/01/15/the-future-doesnt-look-bright/

Busbock

Busbock

Beste Voraussetzungen, sich im gerade angebrochenen „Jahr der Ziege“ für ~160EUR einen Bock zu kaufen. Das verflossene „Jahr des Pferdes“ hatte mich ja schwer getreten. Wer im Zeichen des Widders, des 8.Tiers im chinesischen Tierkreis, geboren wurde (zwischen Ziege und Schaf wird kein Unterschied gemacht), hat angeblich eine große Liebe zur Natur, iss sanftmütich, elegant, wechselhaft und oft pessimistisch, manchmal sogar mit seinem Leben recht unzufrieden, doch hartnäckiger Anhänger von Ideen und undiszipliniert, wenn nich gehorsam. Männer sind ziemlich schwach, obwohl das Schriftzeichen auch für männliche Kraft steht, Frauen sehr fraulich. Im allgemeinen sehnt sich der Schafskopf nach Sicherheit und sucht sich deshalb reiche Partner. Trotzdem gestaltet sich sein Liebesleben langwierich und schwierich, obwohl son Bock eigentlich schnell fertich iss. Doch gips viel gebrochene Herzen und Beziehungs-Probleme, wenn der Bock zum Bleistift zu klein iss und nich ranreicht. Sein idealer Partner iss das Schwein – gilt allerdings nich für moslemische Ziegen – oda das Pferd, notfalls auch ein Stier (DAS möcht ich sehn!). Die Nomaden Tibets säten zum Beginn des Winters Schafs-Knochen, um im Frühling mehr Schafe ernten zu können. Übalassen wir diesen Unsinn den Astrologen. Dagegen handelt es sich bei einem „Schafaugenring“ (yang-yen chüan) um ein wie eine Bürste behaartes Kondom, das aus dem Augenmuskel-Ring hergestellt iss, und man vor Gebrauch in warmem Tee aufweicht (Vanille-Tee?).

Ziegenpaar

Mein neuer Bock soll das 5 Tage alte Böckchen ersetzen, das man mir gestohlen hat. Er stammt aus Gorontalo, iss also Moslem. Da sein rechter Hinterfuß zur Hälfte schwarz, handelt es sich um einen Schwarzfuß-Moslem. Sein Bart iss sogar dreifarbich! Glück hat er gehabt, daß er die erste Haarschneide-Zeremonie übalebte, wobei das kleine Kind einen jungen Bock an den noch kurzen Hörnern halten muß, oda die Beschneidungs-Zeremonie, diesen extremen Ausdruck menschlicher Blödheit. Ein hübscher, junger Bock schwer definierbaren Alters. Seine auseinanderstrebenden Hörner sind schon so groß, daß sie nich durch die „Schießscharten“ üba der Fütterungs-Rinne passen, wo ich Mais-Körner serviere. Ganz anders als meine von mir aufgezogene Ziegenmutter verschmäht er diese jedoch, da für ihn offensichtlich ungewohnt. Zuerst stank er erbärmlich, war auch recht schmutzig und haarte stark. Was den anspruchslosen Ziegen, den Kühen der Armen, oft zugemutet wird, ist traditionell ziemlich traurig, doch hat er den neuen Komfort bei mir schnell begriffen und meckert schon nach mir, wenn er mich sieht. Das sollte er sich besser nich angewöhnen, denn ich bin wie meine Ziegen ziemlich lärmempfindlich. Als erstes hab ich ihn vom Strick befreit, und er genießt es, nich mehr im Regen stehen zu müssen. Nur Hunde werden von Ziegen noch mehr gehaßt als Feuchtigkeit.
Manchmal biegt er die Oberlippe hoch, bleckt die Zähne und verharrt so eine ganze Weile mit nach oben gerichtetem Kopf. Ein sonderbar lächerlicher Ausdruck, den nich nur Böcke zeigen. Möglicherweise handelt es sich um intensiviertes Schnuppern, denn dabei blähen sich die Nüstern. Wenn er sich der Ziege nähert, fährt er gern seinen dünnen, rosa Pimmel aus, der wie ein Quirl aussieht, und pißt sich, falls die Richtung nich stimmt, ans rechte Vorderbein, dessen weiße Haare ziemlich gelblich sind. Da er nich nur ein schwarz-weiß geteiltes Gesicht mit gekräuseltem Stirnhaar besitzt, sondern auch schwarze Punkte auf seinem übawiegend weißen Fell, wird die Färbung des Nachwuchses spannend.
Er besitzt weder Ausweis noch Wohnsitz-Bescheinigung, keine Akten über den Vorbesitzer oder Geburts-Nachweis, Staatsangehörigkeit, Transport-Papiere, Steuerkarte, Renten- oda Krankenversicherung, Ohrmarke, Emissions-Unbedenklichkeits-Erklärung des Kreis-Veterinäramtes, ministerielle Freilauf-Genehmigung, Bausparvertrag, Nachweis des letzten Friseur-Besuchs … beim Ziegenbart des Propheten! Das geht doch nich! Nur einen Stammbaum hat er schon – dem er gern die Rinde abfrißt. So groß iss seine Liebe zur Natur.

ziegenkuck