Bin ich misogyn?

postrimbaud

„Madame, … Sie sind die billige papierne Nelke einer schwachen und nutzlosen Weiblichkeit … Fallen Sie zurück in jenen verdammten Stumpfsinn, der es zuläßt, daß Idioten zu Königen gekrönt werden.“
Henry Miller, „Der Koloß von Maroussi“

„Und weshalb bist du so misogyn geworden? Oder warst du schon immer so und hast es jahrelang verdrängt?“ fragte mich Wu per Email. Ich mußte ersma nachsehn, was „misogyn“ bedeutet. Ich wußte das schon, hatte es jedoch vergessen, weil ich mich a) nich betroffen fühlte und b) mein Gedächtnis dynamisch miserabler wird. Zugegeben, die Philosophie Arthur Schopenhauers, die viele bewunderten und kaum eina las, wurde mir erst richtich sympathisch, als ich erfuhr, wie er eine penetrante Frau rentenreif vermöbelt hatte. Ich selbst hab das nur 2x mit je einer Frau gemacht: Als mich eine geisteskranke Exfreundin hartnäckig mit Verfolgung terrorisierte und im April diesen Jahres, als ich entdeckte, wie meine angeheiratete betrogene Betrügerin regelmäßig bis zu 4x im Monat erhebliche Summen an eine Nigeria-Connection überwies, während ich verzweifelt ihre halbe Million Schulden zu begleichen versuchte, um u.a. wieder in den Besitz der heimlich verpfändeten Hauspapiere zu gelangen. Während Harry sich von ihr Dollars nach Zypern schicken ließ, fand ich dann schon im August heraus, daß sein Nachfolger (?) Edmond Smith für virtuelle Minne-Dienste Euros bevorzugte, worauf ich meine Frau gewaltlos aus dem Haus entfernte. Leider mußte ich Rechtloser sie nach einer Woche wieder reinlassen, sonst hätte man MICH entfernt. Ein Frauenhasser (Misandrie iss die weibliche Variante) war ich jedoch nie und bin ich nich, doch habe ich guten Grund, einer zu werden.

Die beiden Händföne meiner Frau liegen verwaist auf ihrem Schreibtisch. Eigentlich hat sie diese Dinger ständich in Griffweite und benutzt sie Tag und Nacht im Dauerbetrieb. Nun gluckst das eine mehrfach ganz in meiner Nähe, sodaß ich hinkucke: Es zeigt auf seinem Schmierschirm 2x die gleiche SMS von Edmond. Anscheinend hat diese leicht manipulierbare Falschspielerin vergessen, das Ding auszuschalten. Jede Kriminelle macht ma einen Fehler: „Ich liebe dich und vermisse dich sehr gut“, lese ich da. Für 1000EUR würd ich auch solche Mails schreiben.
Ab 1.Januar 2017 wird dieses Haus klingeltonfrei!
Und obgleich es zwar Heirats-Schwindler jedoch keinen elektronischen Romance-Scam gab, wußte Schopenhauer, „daß das Weib, seiner Natur nach zum Gehorchen bestimmt sei, und daß eine Jede, welche in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgend einem Manne anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen läßt; weil sie eines Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber; ist sie alt, ein Beichtvater.“

Konzentrierter Kitsch

kachelbruch

Das Maß an Bitterkeit und Versuchung muß voll werden. Und ebenso muß das Maß an Einsamkeit voll sein. Wer einen neuen Lebenswert erlangen will, muß zuerst alle alten Werte verlieren. War dieser Wert ein naher Mensch, so muß dieser von uns abfallen wie ein welkes Blatt.“
Roman Brandstaetter (*1906), „Abschied vom Heiligen Land“

Zuerst knirschte und knackte es, als ob ein Reiher am Fenster rumreiherte. Es waren jedoch die Kacheln an der Außenseite der Wasserturm-Pagode, die sich zum Satteldach aufstülpten, als ob die Wand schrumpfte, und nun nich nur mein Leben sondern auch mein Haus symptomatisch zerbröselte. Ich stieg also aus dem Schlamm der Reis-Terrassen, dabei einen meiner neuen Gummistiefel verlierend, der daselbst steckenblieb, und begab mich nassen Fußes zum Kachelkleben. Nachdem ich 5kg Kachelkleber im Rucksack aus Manado herangeschafft hatte, dauerte das Tage, da nachmittags immer Regen und Gewitter die Arbeit saisongemäß beendete – was Netzteil, Grafik-Karte und Internet-Anschluß meines Computers übelnahmen und diese Welt verließen. Solches spricht man, wenn Antje gestorben iss, obwohl sein entseelter Körper durchaus noch merkwürdich verrenkt auf dem Sofa im „Rattenloch“ lag, wo auch ich einst jahrelang vegetiert hatte. Jedenfalls hing er nich blutich am Strick, wie ein Beamter in Airmadidi.
In meiner Verzweiflung begann ich 22 polnische Kurzgeschichten zu lesen. Politisch korrekt waren die Deutschen darin schlecht und die Polen gut. Gustav Morcinek (*1891) beschrieb, wie Pater Kolbe im Konzentrationslager freiwillig die Stelle eines Hinzurichtenden einnimmt, denn hinter der Schwelle des Todes befinde sich nich die Hölle sondern „ein unendlich großes lichtblaues Glück“. Das weiß Pater Kolbe ganz sicher, und die Sonne, in der die Gefangenen auf dem Hofe des Konzentrationslagers stehen müssen, „ist keine Strafe Gottes mehr, sie ist ein glühender Hymnus zu Ehren der Allerheiligsten Jungfrau Maria“. Auch der brutale polnische Kapo nich. Als Kommandant Fritsch naht, und „sein teuflisches Herz an der Angst der Menge“ weidet, spricht Pater Kolbe voller Liebe zu jedem: „Und vor allem glaube unerschütterlich an den Schutz der Allerheiligsten Unbefleckten Jungfrau Maria.“ Bei Roman Brandstaetter beginnen sogar die Bäume zu beten, obwohl „nur ein einziger unter ihnen das Wunder von Golgatha erleben durfte, jene höchste und einzigartige Freude: an seinem Stamm die Last des göttlichen Leibes zu tragen“.
Da deuchtete mir: Was nützt 3D, wenn die Menschen weiter in ihrem Nebel aus längst gestorbenen Träumen verharren. Und selbst die ARD liefert so falsche Übaschriften wie: „Hamilton rast vor Rasberg zur Pole“ – anstatt „üba den Berg zur Polin, um sie unscharf zu fotographieren“. Viel besser gefiel mir die Geschichte des Russen Nikolaj Leskow von dem Linkshänder aus Tula und dem stählernen Floh, den man nur mit einem Bekiekroskop erkennen kann. Leskow hielt sich nich mit den Großmeistern des verschnörkelten Gesangs und allerfähigsten Almosensammlern auf, sondern beschrieb, wie die Englischen dem Linkshänder das Knie mit Gefreundung beklapsen, was ein seniler, pensionierter Wilder neulich im mikro auch mit mir gemacht hat.
Dagegen sind die 22 polnischen Erzählungen derartich katholisch versumpft, daß ich lieber einem Platon-Zitat aus „Phaidros“ folgen wollte, welches der ehemalige Präsident des polnischen PEN Clubs Jan Parandowski (*1895) in „Kalimera“ zitiert, der glaubte, die alten Griechen hätten „wie im Märchen“ gelebt. Daß wir nur von einer elitär-demokratischen Sklavenhalter-Gesellschaft Kunde haben, wußte zumindest Platon, der die Gedankenpolizei Indonesiens schon in seinen totalitären „Gesetzen“ begründete. Laut Platon sollen die Grillen einst Menschen gewesen, die so begeistert vom Singen waren, daß sie Speis und Trank vernachlässigten und starben. Von ihnen stamme das Geschlecht der Zikaden ab, die angeblich ohne Nahrung auskommen und draußen gerade derartich brüllten, daß ich aus dem Haus stürzte, um festzustellen, ob in meinem Dschungel Millionen Zikaden ein Musical verübten. Doch es waren 2 Straßenarbeiter mit Druckluft-Geräten, die den Lorong Jerman für eine neue Teerdecke abstrahlten, mir danach 2 Reissäcke stahlen, mit denen ich die Torpfosten geschützt hatte, und erneut Platons Idee verdeutlichten, daß uns die Akustik Geräusche nich immer so sinnlich erfahrbar vorführt, wie sie ursprünglich sind. Außerdem mußte ich feststellen, daß ich von seinen sämtlichen Werken nur Band 1 und 2 besaß, sich der Dialog mit Phaidros jedoch in Band 4 befindet. Stattdessen stieß ich in Band 2 auf Sokrates, der im Gespräch mit Hippias das Problem der richtigen Falschheit untersuchte, was mich aus gegebenem Anlaß viel stärker interessierte als der Ursprung der Zikaden. Und so schwankte ich bald so, bald so vor mich hin. Mich zwar mit den Ideen anderer auseinandersetzend, doch niemals vernachlässigte, verriet oder verkaufte ich dabei meinen Lebens-Mittelpunkt.
Dann folgte dem großen Regen die Flut, lieferte mir tonnenweise Müll und feinen, schwarzen Vulkan-Sand, zerspülte Dämme und machte wieder viel von dem zunichte, was ich mit sisyphuschischer Mühe gestaltet und gerade repariert hatte. Sie verdeutlichte mir, wie ich es allein nich schaffen kann. Doch sägte ich mir Bambus und Blattrippen von Sago-Palmen zurecht und verstopfte damit die Löcher in den Dämmen.
Das Glück ist launisch wie ein Weib. Es haut dir in die Fresse, es spuckt dir in die Augen, und man weiß nicht, warum.“ (Sergiusz Piasecki)

bluemisw

Frauen im Netz

saveface

„In 2007, Steve Jobs introduced the world to the iPhone with the catchphrase ‘this changes everything’. What we didn’t know was that the everything was us.“

Professor Andrew Lepp (Experte für Tourismus und Erholung): „… besonders interessant war die Tatsache, daß wir etwas feststellen konnten, was Wissenschaftler neuerdings problematische Handy-Nutzung nennen. Leute mit solch einer problematischen Nutzung sind jene, die das Handy in Situationen benutzen, in denen man das eigentlich nicht tun sollte. Sie verspüren einen Zwang, das Handy zu nutzen, das ist fast schon Sucht-Verhalten. Etwa beim Autofahren, oder kurz vorm Schlafengehen, wenn man Lernen sollte, oder beim Essen …
Ich halte den geschlechtsspezifischen Unterschied zwischen Männer und Frauen für interessant. Und es scheint die Vorurteile, die viele Menschen über Männer und Frauen haben, zu stützen. Sie wissen schon: Männer mögen nicht so viel am Telefon quatschen, sie sind nicht so gute Kommunikatoren am Telefon wie Frauen.
Aber für mich lautet die Botschaft aus unserer Untersuchung: Guckt auf die problematische Handy-Nutzung. Das sollte man im Hinterkopf behalten, obwohl die Geräte so wunderbar sind und soviel für uns tun, daß man kritisch reflektiert, wie man sie benutzt und ob zur rechten Zeit. Und daß man auch den Kindern diese Art der Selbst-Kontrolle mit diesen Geräten beibringen muß. Das tut mir manchmal schon weh, wenn ich mit der Familie und Freunden in einem schönen Restaurant sitze und andere Leute sehe, die keine schöne Unterhaltung miteinander haben, sondern alle auf ihrem eigenen Bildschirm unterwegs sind.
Vielleicht ist unsere Untersuchung nur eine von vielen Untersuchungen, die eine rote Fahne aufzieht, eine Warnung ausspricht: Laß jeden Tag dein Handy für eine Weile in der Tasche und guck den wichtigen Menschen in deinem Leben in die Augen, sprich mit ihnen ohne Bildschirm zwischen euch. Das ist für mich die Botschaft.“

„Before the Internet every girl was a lot more special.“ (Swiss Army Man„, 2016). Ich versteh den Satz so, daß heutzutage Millionen Frauen ihre Dummheit per Internet dokumentieren, die man früher nur erahnen konnte. Telephonieren als Lebensinhalt gab es schon, doch blieb es privat. Man sollte dieses veränderte Verhalten jedoch auch zu schätzen wissen. Es ist ein zuverlässiger Indikator, der uns Auskunft über die Partnerin gibt und vor Illusionen bewahrt: über ihren Lebensstil, ihre Intelligenz, ihr kreatives Vermögen, ihre Kommunikations-Fähigkeit. Wer solch süchtelnde Frauen nich mehr ertragen kann, dem bleibt noch ein alternativer Rest von etwa 3% – schätzungsweise. Microsoft geht da mit gutem Beispiel voran und sperrt sich jetzt sogar schon selbst.

ausgeluckt