KI schleicht sich ein

Zufällig entdeckte ich in Chrome das für mich neue, jedoch schon 15 Jahre alte Google-Kunst-Angebot „Art & Culture“ mit künstlerischen und technologischen Experimenten von Künstlern, die bei mir überwiegend nicht funktionierten. U.a. wurde in „The Lab“ ein Doodle Guide angeboten, in dem ich mit der Maus zeichnen sollte, und meine Kritzeleien wurden in Echtzeit kommentiert. Das schien für einen Ex-Kunsterzieher interessant. Eine menschlich überzeugend wirkende Stimme ohne falsche Geschwindigkeit, falsche Betonungen und falsche Pausen mühte sich ab, nach jeweils ein paar wackligen Maus-Linie herauszufinden, was ich beabsichtigte. Dabei redete die männliche Stimme mit analytischen Begriffen, die ich als Kunsterzieher nie benutzt habe, als ob mir jemand über die Schulter sah. Das Nachzeichnen eines Bildes mit Worten kann ich nicht leiden. Schon als Oberschüler habe ich es erlebt, wie 45min vergingen, ohne daß ich hinterher mehr über ein Bild wußte, als ich ohnehin sehen konnte. Als ob es Kunstwerke gäbe, die im luftleeren Raum entstehen, ohne Künstler und dessen soziale, wirtschaftliche und historische Bedingungen. Deutschlehrer arbeiten gerne mit dieser inhaltsleeren Lautmalerei. Dagegen habe ich bei Kunstvermittlung immer die semantischen und pragmatischen Aspekte eines Kunstwerks betont, und weniger die syntaktischen. Nicht so der KI-Agent, der mir Empfehlungen gab, mehr Tiefe durch weitere Linien im Bild zu erzeugen, wobei er immer wieder betonte, wie abstrakt meine Zeichnung sei. Es war offensichtlich, daß KI hier nichts sah, obwohl Google mehr Informationen über mich nutzt, als mir lieb ist. Schließlich wurden die Kommentare so stereotyp, daß ich es aufgab. Anscheinend gilt auch für KI: Bloß nicht zugeben, daß man überfordert ist!
Interessanter schien mir das Angebot, einen Kyoto-Reise-Comic mit meinem Porträt erzeugen zu lassen. Dazu sollte ich die App runterladen. Das tat ich, aber nichts passierte. Stattdessen fand ich die App in meinem HP, obwohl ich gerade nur meinen PC benutzte, und ich auch nicht gefragt worden war, ob ich dieses Angebot in meinem für Kunst-Betrachtung und -Erzeugung ungeeigneten HP benutzen wollte, in dem ich Chrome und Gemini deaktiviert habe. Da wurde mir mal wieder vor Augen geführt, wie Google mich im Griff hat.
Es ist deutlich, daß diese Comics von einem Menschen entworfen worden sind, und KI hier nur variiert und mein Porträt einfügt. KI kann nicht über Zen philosophieren, sondern arbeitet mit Stereotypen, die von Programmierern erstellt werden. Probleme entstehen durch die teilweise perversen und verantwortungslosen Fantasien dieser Programmierer, wie man es auch in Video-Spielen erleben klann.

Buddhismus zum Abgewöhnen

Ich vermute, daß kaum ein Buddhist die literarisch trostlosen Original-Texte liest, die erst 500 Jahre nach Buddha (563 oder 480 v. Chr. – 483 oder 400) aufgezeichnet wurden. Doch Eberhard Conze (1904-1979) hat sich mit philologischem Eifer abgequält, „Buddhistisches Denken“ zu verstehen. Allein die völlig irren Kategorisierungen, mit denen menschliche Phantasien von indischen Jüngern als scheinbar metaphysisch präsentiert wurden, sind grotesk: „Der Leib des Buddha ist mit den 32 Merkmalen des Übermenschen und den 80 geringeren Merkmalen geziert.“ Was haben diese Gaukler über den menschlichen Körper, über die Welt, den Kosmos gewußt? So gut wie nichts! Weisheit entfaltete sich bei ihnen über Stadien: A., B., C. I. 1), 2), C. II. – V.. „Die theravādins zählten 82 dharmas, die sarvāstivādins 75, die yogācārins 100; fast alle sind bedingt.“
Um menschliche Schwächen wie Gier, Haß, Wahn, Mangel an Schamgefühl, Überheblichkeit, Neid und Ignoranz zu erkennen und zu überwinden, braucht man keine Religion. Und schon gar nicht die Heucheleien eines parasitären Klerus, der andere sich in Weltliches verstricken läßt, um die eigene Gelassenheit zu erhalten. Daß sich die viel beachtete Atmung als biochemischer Prozeß völlig automatisch abspielt, war den Mystikern eher störend. Der Leib sollte kontrolliert, aber nicht erforscht werden. Und so wirkte sich der Buddhismus stark hemmend auf die Entwicklung von Naturwissenschaft aus.
„Man erfährt dharmakāya, beseligend, dem Himmelszelte gleich, nur einen Augenblick lang: Im Moment (1) des Sterbens, (2) einer Ohnmacht, (3) beim Einschlafen, (4) beim Gähnen und (5) beim Koitus.“ Und unter LSD, wo einem das Denken über das Denken und Sein besonders bewußt werden kann. Dagegen haben mich 1-4 noch nicht beseligt.
Diese wirre Philosophie „hat dem gesunden Menschenverstand wenig Tröstliches zu bieten und muß den Durchschnittsmenschen in atemberaubende Verwirrung stürzen“. Auch den frühen Buddhisten wurde schon klar, welch geringe Chancen sie gegen die historisch stabile Blödheit der Massen hatten. Ein arhat, also einer wie ich, der garantiert nicht wiedergeboren wird, war auch eher ein Mann im Wald. Jener hat durchaus seine Gelüste, wie man in den Klostergärten Kyotos sehen kann. Da wird nämlich die angeblich sich ständig verändernde Natur, die uns die Unbeständigkeit des Seins veranschaulichen kann, mit gewaltigem Aufwand in eine starre, ästhetische Form gezwungen.
Und ich pfeife auf die 32 Arten der „Leere“, welche den 5 Ebenen der Einsicht entsprechen. „Auf der höchsten Ebene (der transzendentalen Leere) herrscht beredtes Schweigen. Das Wort versagt, und die geistliche Realität kommuniziert mit sich selbst.“ Deshalb habe ich auch Gemini deaktiviert.

Über den Gleichmut

Ohne Unrast, glücklich und zufrieden, erwartet der arhat keine Zukunft mehr, sie birgt für ihn weder Hoffnung noch Furcht … So verzichtet denn der yogin auf alle Versuche, in dem, was er als grundsätzlich leidvoll erkennt, Behagen zu finden. Da er weiß, daß ein Streben nach »Kontrolle« über die Dinge der Außenwelt nur weiteres Leid herbeiführt, wendet er sich von den äußeren Dingen ab und zieht sich in eine innere Ruhe zurück, von wo aus er still und gelassen das äußere Geschehen als ganz und gar entlegen beobachtet.

Wahrscheinlich saß Eberhard Conze (1904-1979) nicht auf seiner Veranda und sah eine Feuerwalze von Osten auf sich zurollen, als er das 1962 in „Buddhistisches Denken“ schrieb. Wer zufrieden und glücklich ist, benötigt keinen Gleichmut, ich war jedoch nur noch am Brüllen. Ohnehin durch monatelange Krankheit morbide, begann der Tag schon übel. Während ich in der gleichen Richtung die Morgenröte zu genießen versuchte, lärmte eine hysterische Protestantin ihre frohe Botschaft ins Mikrofon. Ich versuchte das mit dem Geknirsche von „Atom“-Erdnüssen im Schlafrock in meinem Mund zu neutralisieren – wobei ich vor mich hintropfte.
Als ich gerade zum Essen und Einkaufen losgehen wollte, sah ich die gewaltigen Rauchwolken. Ein ganzer Hang meiner stillgelegten Reisterrassen stand in Flammen, Bäume brannten wie riesige Fackeln, und der starke Wind trieb das Feuer auf mein Haus zu. Ein neuer, junger Pächter mit halbidiotischen Helfern. Obwohl wegen der Dürre ausdrücklich von der Regierung verboten, hatten sie es sich mal wieder leicht gemacht, einfach das trockene Kraut angezündet und dann die Kontrolle verloren. Als die von meiner Ex gerufene Polizei erschien, war es gerade in etwa 100m Entfernung nach Norden abgedreht, wo die Flächen schon vorher abgefackelt und bereits geflutet waren.
Danach quälte ich mich mit Rucksack-Transport von Nahrungsmittel ab, da der Lieferservice (1Std.!) nicht mehr funktioniert. Um 15Uhr probierte ich es trotzdem, geliefert wurde um 20:30 in völliger Dunkelheit.
Gegen 23:00 versuchte ich einen schönen Scalar in meinem Aquarium umzubringen, der alle anderen Fische terrorisiert. Er merkte es jedoch.
Daß die 18 Schulen des Buddhismus auch nur Varianten religiöser Heuchelei sind, weiß ich aus Erfahrung. Läuft alles schief, greift man zur Religion. Als Arznei dient sie uns nur, solange wir krank sind, aber nicht mehr, wenn es uns wieder gut geht. Conze, der sich weigerte, die buddhistischen Kulturen Asiens vor Ort kennenzulernen, war sich bewußt, daß seine Ideale kaum der Realität jener Länder standhielten, in denen man sich offiziell zu ihnen bekennt.
Am nächsten Morgen, während eine andere Hysterikerin aus dem evangelischen Sehrlautsprecher brüllte, habe ich den Scalar dann doch erwischt und in einen Teich gesetzt. Da lernt er final, wie sich das anfühlt, gefressen zu werden. Jetzt – nachdem der Rüpel bereits 6 Neonsalmler verschlungen hatte – glühen 20 neue Hyphessobrycon innesi zwischen den Wasserpflanzen. Das sieht nett aus.