Amok

amok

Es könnte eine indonesische Erfindung sein, zumindest handelt es sich um einen Begriff aus dem malaiischen Kultur-Bereich. Er paßt zu Kulturen, in denen man so lange alles runterschluckt und lächelt, bis das Faß überläuft. Der Unterschied zum Westen besteht also nur in einer Mengen- und Zeit-Verschiebung: Man erduldet länger, explodiert dann jedoch um so heftiger. Genau meine Situation. Unterstützt wird das Phänomen durch Überbehütung und Verwöhnung bis zum 5./6. Lebensjahr und das Fehlen einer Streit-Kultur.
Im indonesischen Wörterbuch taucht dieser psychische Entlastungs-Mechanismus als amuk auf. Gesehen habe ich das mindestens einmal, als wir noch im „Rattenloch“ wohnten. Hier in der Regel in Verbindung mit Drogen-Konsum. „Amucklaufen (Amoklaufen, vom javan. Wort amoak, töten), eine barbarische Sitte unter mehreren malaiischen Volksstämmen, zum Beispiel auf Java, besteht darin, daß durch Genuß von Opium bis zur Raserei Berauschte, mit einem Kris (Dolch) bewaffnet, sich auf die Straßen stürzen und jeden, dem sie begegnen, verwunden oder töten, bis sie selbst getötet oder doch überwältigt werden.“ Wobei hier das Trägheit fördernde Opium als unpassende Droge erscheint. Man benötigt eher etwas Speedigeres. Wenn die Information stimmt, daß der Täter von München vorher einen Internet-Account hackte und zum Besuch des späteren Tatorts aufforderte, handelt es sich nicht um die explosionsartige Tat eines Amokläufers sondern um Kalkül, das sich nicht grundsätzlich vom gefälschten Lebenslauf einer Politikerin unterscheidet. „Die Definition der WHO wird in der sozial-wissenschaftlichen Forschung jedoch mittlerweile als unzureichend wahrgenommen. Es gilt heute als empirisch abgesichert, daß eine Vielzahl der Taten nicht impulsiv stattfindet, sondern oft sogar über mehrere Jahre hinweg detailliert durch die Täter geplant wurde.“
Typisch an der allgemeinen Verwirrung ist auch der pervertierte Täterschutz: Dame Künast denkt zuerst an den Täter, nicht an seine Opfer (Warum hat man den armen Mann gleich erschossen?), merkt dann jedoch zu spät, wie sich Twitter eher für geistich Verkürzte eignet. Wahnsinnige sind in D perfekt geschützt. Deshalb geht auch die Aufforderung zum Melden von psychisch Auffälligen gewaltig in die Irre. Psychisch Gestörte müssen erst etwas Straffälliges anrichten, bevor die Polizei eingreifen darf. Weil der Täter nicht zurechnungs- und damit nicht straffähig ist, übergibt sie den Täter jedoch – da nicht zuständig – den Medizinern. Ist der Schub des Irren gerade abgeklungen, können die Psychologen eventuell nichts feststellen und lassen ihn laufen. Dann kann er sich die vornehmen, die ihn meldeten. In einer Untersuchung von 1993 waren 44,9% der Täter gar nicht psychisch erkrankt. Genauso kann eine abgedrehte Ehefrau ihren weitgehend normalen Mann zum finalen Akt motivieren – oder die deutsche Bürokratie. „Wichtige Gemeinsamkeiten zwischen einheimischen und malaiischen Amokläufern scheinen die «Alienisation», also die Grundbefindlichkeit, sich ausweglos in einer fremden und feindlichen Welt zu fühlen, sowie das berufliche und/oder private Scheitern als akuter Auslöser zu sein.“
Ob IS-Bezug oder nicht, die sicherste Art, noch mehr solche Happenings zu erleben, ist die Ausweitung des militärischen Engagements im Ausland unter Leitung falschspielender Kriegs-Minister und -Ministerinnen. An den Reaktionen leiden dann unschuldige Zivilisten in D.

sicherheit

Handliches Totem

handtotem

„The problem is, today’s necessity becomes tomorrow’s catastrophe. What will we do when the Internet is taken away from us? We’d be lost, bored, unable to entertain ourselves … After realizing my internet addiction I found a great online support group. Spend all my time there now – it really helps.“ Generation Z

Als Roger im 10. Stock eines Hotels in Malaysia den Crash hörte, sah er unten einen PKW, der sich auf unsinnige Weise seitlich in einen geparkten LKW gebohrt hatte. Der Fahrer wahrscheinlich erledigt, doch quälte sich ein schwankender junger Mann heraus – der sein Handphone noch in der Hand hielt. Dem folgte eine stark am Kopf blutende junge Frau, die auch ihr Handphone nicht losließ – bis sie zusammenbrach. Roger erklärt sich den Kontrollverlust des Fahrers damit, daß jener vermutlich gerade mit seinem HP beschäftigt war. Ein Verhalten, das auch in Indonesien weit verbreitet ist. Die eine Hand des Busfahrers hält Zigarette und Steuerrad, mit der anderen telefoniert er. Einer meiner Deutschlehrer am Gymnasium, anscheinend auch ein Kultur-Pessimist, der uns Oberstufen-Schülern Orwells „1984“ und Huxleys „Schöne neue Welt“ nahebrachte, spekulierte auf kommende Mutationen, durch die sich die Füße des Menschen zu einer Art Pedale veränderten, da jener sich nicht mehr zu Fuß fortbewegen würde. Ich vermute eine kommende Mutation der Hände zu einer HP-Klammer mit Tippfinger.
Roger kennt auch die verdächtigen Methoden derjenigen, die angeblich nichts zu verbergen haben: Betritt man den Raum, wird schnell der Handphone-Screen umgeschaltet, der Eindruck erweckt, man konsumiere Nachrichten, oder das HP sogar aus der Hand gelegt und zu einem Tarn-Buch gegriffen, das nur dazu dient, die Wartezeit zwischen 2 Anrufen zu überbrücken. 10Std. HP-Benutzung Tag und Nacht ist normal.

Ein Totem ist ein materielles Objekt, auf das der Wilde seinen Geist konzentriert, weil er glaubt, ohne ein Ding dieser Gattung nicht leben zu können. Das Totem vernetzt ihn mit einer virtuellen Welt, die für seinen Anhänger Wirklichkeit konstruiert und erklärt. Es beschützt und warnt ihn und dient als Führer. Dazu trägt er es ständig bei sich und schläft auch neben dem Ding. Das moderne Totem ist nicht mehr der Adler oder der Hai. Wer hätte sich stattdessen einen angebissenen Apfel vorstellen können oder jenen gewissen Sam Sung? Hinter diesen Bezeichnungen scharen sich nun die Klan-Angehörigen. Das Inzest-Tabu, das sich in der Zugehörigkeit zu verschiedenen Totems ausdrückte, spielt keine Rolle mehr. Auch eignet sich das HP überhaupt nicht dazu, tabuartig die eheliche Untreue der Frau zu verhindern, die die Bemühungen des verantwortlich tätigen Mannes zum Scheitern bringt. Ganz im Gegenteil! Die Totem-Bindungen sind immer noch stärker als Familienbande. Ebenso wird wie in der Neurose die psychische über die faktische Realität gesetzt. Laut Freud („Totem und Tabu“, 1913) kann Völker-Psychologie ohne die Annahme einer Massenpsychose überhaupt nicht bestehen. Während man früher davon ausging, die totemistische Kultur sei eine Vorstufe des primitiven Menschen zu einer Höherentwicklung, zeigt sich – wenn wir nicht irren – das Phänomen des modernen Totemismus als deutliche Regression.

Wenn deine Frau nur hp-süchtich iss, haste noch Glück gehabt. Meine kann nich aufhören mit Lügen und Betrügen. Heute hatse wieder ein Schuldenloch offenbart. Im Januar, während ich seit 2014 immer noch verzweifelt Geld zusammenkratzte, um ihren riesigen Schuldenberg abzutragen, unterschlug sie mir nicht nur zurücklaufende Gelder der Betrüger, denen sie Geld geliehen hatte, sie machte auch heimlich neue Schulden, u.a. um Harry Zeki, ihrem erheblich jüngeren Online-Lover 9000USD überweisen zu können. Als Harry im April schließlich 52000USD ergaunert hatte, „starb“ er. Sein „Freund“ bot an, das nachzuforschen – gegen Unkosten-Erstattung. Das glaubte meine Frau nicht. Doch dem FBI-Beamten, der sie in falschem Deutsch auf Twitter wegen der Anzeige gegen Harry kontaktierte, glaubte sie. Es war aber nichts Deutsches in der Anzeige. Und ein FBI-Agent kontaktiert auf Twitter? In meinen Blog hat Harry sich mehrmals einzuschleichen versucht. Auch drohte er, daß was passiere, wenn ich nich ruhichbliebe. Wie interessant, nun sogar Kontakt zur Mafia zu haben. Wenn das kein soziales Schlepp-Netz iss!
Und in meinem HP erschien eine indonesische SMS: „Überweise einfach Geld auf dieses Konto … !“
Klar, mach ich sofort.

Mikronesien

jangan

„Yet there is a central paradox around loneliness. While it can lead towards very undesirable places (isolation, depression, suicide), it can also make us better observers of the social world. We can become more perceptive, more in charge of our own reality, as loneliness makes life compelling. Vitally, loneliness assures us that our life is our own. Historically – and mythically – it has been the singular and narrow path towards virtue, morality and self-understanding … Ironically, it might be as a result of being lonely that one can better understand others and their social world.“ Cody Delistraty

„Kein Strafgeld! Ich bin das Kind eines Generals.“ Aufkleber im Mikro-Bus (gue = ich; Jakarta-Dialekt)

Die Mikros in Mikronesien sind Unterschichten-Transportmittel. Ein Zeuge Jehovas stellte mal erstaunt fest, daß er vor mir noch nie einen Weißen in einem Mikro-Bus gesehen hatte. Jetz isser tot. Aber es stimmt schon: Gut passe ich da rein körperlich nich rein, aba man iss völkerkundlich ganz nah an der Spucke von dem dicklichen, mindestens 10jährigen Jungen, der sich schräg vor mir gelangweilt auf seinem Sitz rumfläzt und jede 2. Minute aus der offenen Tür spuckt, neben der ich Platz genommen habe. In der rechten Hand ein Cellphone, mit dem er seiner kaulquappenähnlichen Mutter in der Frisur rumwühlt. Später sehe ich einen Mann aussteigen, dessen eine Wange wirklich wie die eines Frosches aufgeblasen ist. Ich bin bereit, dem Jungen eine Kopfnuß zu verpassen, falls der Fahrtwind seine Spucke gegen mich treibt, doch schläft das kleine Ekel sofort ein, als das Mikro losfährt.
In Manado probiere ich mal wieder eine andere Strecke zu Fuß. Ich gehe viel in der Hitze. Kaum jemand geht so viel wie ich, nur geistesgestört Umherirrende gehen noch weiter – sogar barfuß. Die Sohle meiner brandneuen Schuhe löst sich schon ab. Marke „Weinbrenner“! Deutsch – hauptsächlich chinesisch. Meine vorigen haben auch nicht viel länger als 2 Monate gehalten: Ein Stein brach durch die rein chinesische Gummi-Sohle. Neuerdings werden in der Luxus-Mall auch „Camel“-Schuhe angeboten („Aus Deutschland!“), für deren Preis ich mir 5 chinesische im Jahr kaufen könnte. Etwa 10 der 189 ersten chinesischen Touristen aus Guangzhu sah ich im Laden chinesische „Weinbrenner“-Schuhe mit Begeisterung betrachten. Die Aufgabe zukünftiger Ethnologen wird es sein, herauszufinden, inwieweit sich der Gebrauch von „Apple“- und „Boss“-Produkten bei den Wilden von dem in den Herkunfts-Ländern unterscheidet.
Der neue Bürgersteig in der Straße der Grabplatten-Graveure ist keine 2 Jahre alt, jedoch wie von einer Tsunami zerstört. In regelmäßigen Abständen grabgroße Reinigungs-Öffnungen für den dadrunter rumstinkenden Güllekanal, abgedeckt oder auch nich. Hier muß man beim Gehen immer auf den Weg achten! Fiele ich dort hinein, würde es sicher jemand bemerken, da ich überall beobachtet werde. So grüßt mich überschwenglich ein Behinderter mit raushängender Zunge, der im Rollstuhl geschoben wird: „ARRG-HEUÖ-MISCHTA!“ Oder so ähnlich. Ich winke ihm zu. Auch die Grabplatten-Graveure sind begeistert, als ich sie passiere. Vielleicht sollte ich schon …? Die meisten Daten sind ja bekannt. Man bräuchte später nur noch das Sterbe-Datum hinzufügen. Iss zwar noch etwas früh, aba wenn mich meine Frau demnächst verläßt, wird nicht nur die Ernährungs-Lage kritisch. Es gibt jetzt schicke neue Grabplatten. Eigentlich handelt es sich nur um schwarze, 50×50 Kacheln. Aba man kann sie auch mit einem Foto-Aufdruck des Verstorbenen bekommen, hinter ihm der blonde Jesus. Besser man hat das Foto rechtzeitich zur Verfügung, denn als Leiche wird man in der Hitze schnell grünstichich. Auch könnte man sich schon einen abschließenden Sinnspruch übalegen wie: „Nun reicht’s!“ oda „Das war’s!“
Strahlend lächelnd kommen mir in der Nähe der Papua-Bank 3 Papuas entgegen (guter Kontrast: leuchtend weiße Zähne, dunkle Haut). Dafür daß die Minahasa mich meist, die Papuas jedoch IMMER beachten, habe ich 3 Hypothesen:
a) Papuas begegnen Weißen seltener als die Minahasa. Außerdem könnte ich ein Missionar sein, somit heilich.
b) Sie sind in Nordsulawesi Exoten wie ich. Mit dem Unterschied, daß ich als Star, sie aber wie „Schwarze“ behandelt werden.
c) Wenn sie mich erblicken, denken sie gleich an Essen („Long Pig“).

Als ich glaube, die richtige Gasse zur Küste gefunden zu haben, stoße ich auf die moderne Architektur einer protestantischen Kirche. Woran erinnert mich bloß dieser futuristische Turm? RICHTICH! Eintakter Motorkolben. Aba ogginal! Mit Zylinder und Pleuelstange. Wenn der Blitz in das oben aufgesetzte Chrom-Kreuz schlägt, fängt der Kolben Gottes wahrscheinlich an, die Gläubigen unter ihm so zu bestampfen, daß sie mehr Geld spenden. Dahinter geht’s nich weiter, weil mich der Fluß kreuzt. Doch ein sehr schmaler Gang führt zur Brücke. Rechts die offenen Wohnzimmer der Anwohner mit Inventar, links ein balustriertes Beton-Geländer, an dem ein mißmutiger Wilder lehnt und in den grün-stinkigen Fluß starrt, in dem verschieden Unerfreuliches träge schwimmt. Was in Hamburg oder Vernedig eine reizvolle Passage wäre, ist hier nur ekelhaft und unästhetisch.
Bei der Ausfahrt aus Manado gibt es diesmal keinen Stau, weil die Frau, die auf den Sendeturm geklettert, entweder schon platt oder wieder runtergestiegen ist.
Während sich in Airmadidi eine Passagierin aus dem Mikro quetscht, sehe ich 3 tote Hühnerbeine aus ihrer Plastik-Tüte ragen.