Unter Beobachtung

efbiei

Die Geschwindigkeit der kleinen Kakerlake, die über mir an der Decke des mikros mit voller Intensitätskompetenz in Fahrtrichtung lief, konnte ich nicht feststellen, weil der Tacho kaputt war und nichts anzeigte. Überhaupt schien an diesem Tag alles schief zu laufen, denn die meisten Geschäfte waren wegen Mohammeds Geburtstag geschlossen, obwohl mir der Kalender von Windows 10 das für den Tag davor und auch für 4 Tage später angezeigt hatte. Anscheinend sind sich die Moslems darüber so uneinig wie Christen über die Sakramente. So erreichte ich nix in Manado, konnte auch nicht nachfragen, ob meine 3 Monate alte LG Musik-Anlage, die sich per Display höflich verabschiedet hatte („GOOD BYE“), schon repariert war. Und in der endlosen Kette von Krankheiten war ich gerade bei Lungen- und Nasenproblemen angekommen. Doch stieg ich auf der Rückfahrt in ein mikro, das schon mit 4 älteren Damen besetzt war. Typische Fest-Touristen, die sich von einer Kirchen-Party zur nächsten mikrosieren lassen und sich darüber lautstark austauschten. Eine blondgefärbte Alte mit ausgeprägten Gesichts-Furchen und gestreifter Hose beobachtete mich eine Weile und fing dann an, immer wieder auf meine Brust zu zeigen. Ich konnte mir das nicht erklären und fragte: „Apa?“ Was? Da griff eine in ein grünes Kostüm gewandete Alte mit barocker Prunk-Tasche ein und wies die Blonde darauf hin, daß ich ja Indonesisch könne. Ich sei doch der Mann von … Sie wußten ALLES über mich. Zu mir gedreht fragte sie listig, wo denn meine Frau sei.
„Wir leben nicht mehr zusammen. Ich lebe allein.“
„Seit wann?“
„Seit einem Jahr.“
Wie alt ich wäre, fragte die gestreifte Blonde, die nur darauf hatte hinweisen wollen, daß aus der Brusttasche meines Hemdes ein Geldschein kuckte. Ungefähr 30Cent.
„Fast 70“, antwortete ich ordnungsgemäß. Die Grüne auch, erklärte die Blonde, und alle fingen an zu kichern. Sie seien ja schon bei LANSIA, der indonesischen Rentner-Betreuungs-Organisation. Dort gäbe es viele Frauen.
„Für mich?“ fragte ich ahnungsvoll. Da prusteten sie los.
Eine lebergefleckte Dicke zählte nun die kompletten Verwandschaftsverhältnisse meiner Frau auf. Lauter Namen, die ich kannte. Blendend informiert. Sie sei mit der Frau befreundet, bei der meine Ex bis vor kurzem noch gehaust hatte – bis sie dort von einer Ratte gebissen worden war.
Nachdem ich gründlich erörtert worden war, fing beim Aussteigen eine stark zerknitterte Alte auf dem Beifahrersitz wieder damit an, aus dem Fenster auf mich zu zeigen.
„Meester! Meester!“
Was denn NUN wieder? Ich hatte den Geldschein doch gerade dem Fahrer an der verschrumpelten Nase der Alten vorbeigereicht. Aber sie meinte, ich solle zur Weiterbeförderung doch auf eins der Motorräder steigen, die hinter mir lauerten. Sowas tue ich nur im äußersten Notfall. SO lebensmüde bin ich ja noch nicht. Und als ich mich umdrehte, grinste mich der mir bekannte freundliche Zwerg an, der so gebogene Cowboy-Beine hat, daß er perfekt auf sein Motorrad paßt.
Doch war der Tag damit noch nicht zuende, denn als ich mich zuhause auf meinem 1 Monat alten, 100Euro teuren Schreibtischstuhl niederließ und mich entspannt zurücklehnte, brach die Rücken-Lehne ab. Eine Konstruktion wie ein mit 4 Schrauben an eine Spanplatte geschraubter Kuhfuß. Das iss ein Brecheisen, ihr Ignoranten! Zuvor hatte schon die Hydraulik unbrechenbar nachgegeben. Gekauft in einem total westlich orientierten Laden in Manado mit dem Schrott-Niveau von Ikea.
Man bleibt in diesem Land am besten ganz ruhig zuhause und kauft nix.

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Philosophieren mit Jungfrau

scholastik

„PREPARE YOUR SELF TO BE A LEADER“. So sieht sich die katholische Minderheit innerhalb der Minderheit der Christen Indonesiens. Gute (= teure) Ausbildung der Kinder in Konkurrenz zu den staatlichen Schulen. Auf einer Ausstellung von Ausbildungs-Angeboten in einer Mall Manados fand ich diesen Stand, der für ein katholisches Philosophie-Seminar warb. Ausgestattet wie ein Altar. Ein deutlich kleineres Kruzifix hing noch oben über der Madonna und zeigte, wo die Schwerpunkte der Götzenanbetung liegen. Gern schmücken sich die hiesigen Christen mit dem Begriff Philosophie, und man kann sie während der katholischen Zauber-Rituale eventuell sogar lateinische Liturgie rezitieren hören. Gemeint ist jedoch die scholastische, wie sie weltweit von der römisch-katholischen Kirche gelehrt wird, die mit Johannes Scottus Eriugena (810-877) begann und im 15. Jahrhundert überwunden wurden. Es geht nicht darum, analytisches Denken zu lernen, sondern das Ergebnis ist deduktiv vorgegeben. Der Prozeß des Philosophierens dient nur dem Erhalt und der Machterweiterung weltweit aktiver Religions-Konzerne, die nichts anderes produzieren als Unsinn. Die Philosophie dient dabei als Magd der Theologie (ancilla theologiae). Niemals wird den jungen Menschen geistige und moralische Autonomie angeboten sondern ein autoritäres Dogmen-Gebäude. „Ich glaube, damit ich verstehe.“ (credo ut intelligam). Der Hauptzweck ist ein nichtphilosophischer, weil die letzten Wahrheiten angeblich feststehen und niemals in Frage gestellt werden dürfen. Wer wie Scottus der Vernunft immerhin eine hohe Stellung zuweist, wird umgehend als Ketzer und Gotteslästerer abgestempelt. Das paßt zu dem in der Präambel der indonesischen Verfassung versteinerten Glauben an einen Gott, an den sich keine Religionsgemeinschaft hält. Allein Hinduismus und die chinesischen Religionen enthalten tausende. Doch wer wirklich nach „veritas“ strebt, die über das räumlich und zeitlich Gebundene hinausreicht, was keiner der größten Philosophen auch nur annähernd erreicht hat, landet in Indonesien schnell im Gefängnis. Eine der finstersten Seiten indonesischer Kultur. Auch wenn die „FAZ“ die Scholostiker gerade in einem Artikel zu rehabilitieren versucht, wird die Funktion ihrer Lehren schon am Beispiel des Johannes Duns Scotus (1266-1308) deutlich, der vorschlug, die Juden auf ein Insel-Reservat der „Verfluchten“ zu verbannen und die Zwangstaufe für deren Kinder forderte.
Zwar gehört Philosophie zur Lehrer-Ausbildung, als Fach habe ich es jedoch weder als Schüler noch als Lehrer erlebt. Aber einen Ex-Friseur, der katholische Religion am Gymnasium unterrichtete. Überlaßt die Schulen nicht den Gauklern!

JÄÄÄH-SSUUHS

laut

„Es handelt sich nämlich um ein Resonanzphänomen. Bedrängt von der Rätselhaftigkeit seines Daseins und seines eigenen Wesens ist der Mensch schlechthin darauf angewiesen, seine Selbstdeutung über ein Nicht-Ich heranzuholen, über ein Anderes-als-Menschliches.“
Arnold Gehlen, „Die Seele im technischen Zeitalter“, 1957

Als ich am Samstag auf dem Rückweg von Manado mit durch Katzenfutter schwer bepacktem Rucksack in meinen Lorong Jerman einbog, der jetzt eigentlich umgetauft werden müßte, weil kein Jerman mehr drin wohnt, hörte ich sie schon von weitem schreien: In einem kleinen Haus, in dem sich Christen aus Halmahera angesiedelt haben, seit dort die schweren Unruhen zwischen Moslems und Christen ausgebrochen waren, fand ein Haus-Gottesdienst statt. „Without worship no reign!“ Oda „rain“? Den gips auch ohne reichlich. Die Priesterin verbreitete ihren theologischen Schwachsinn in totaler Brüll-Ekstase. Zu dem völlig überflüssig elektronisch verstärkten Volumen ihrer Stimme gehörte sicher auch ein entsprechend physisches. Sehen konnte ich das zum Glück nicht. Während ich das Haus passierte, steigerte sie sich in einen schluchzenden Fake-Orgasmus hinein, an dessen Ende ein zweimalig erlösend gestöhntes „JÄÄÄH-SSUUHS!“ deutlich machte, daß sie es geschaft hatte. „Wo man singt, da laß dich ruhich nieda. Wo man singet, wird kein Mensch beraubt.“ Das iss ja wohl eine der verfehltesten Empfehlungen der deutschen Leid-Kulturgeschichte, und der Seume hat übahaupt keine Ahnung von Indonesien gehabt. „Seume gehört zu den Leuten, die gern von Sachen schreiben, die sie nicht verstehen.“ (Johann Christian Reinhardt). „TUHAAN TAU-UUUH!“ Aber Gott weiß bescheid. Wenn sich solche Irren in von Moslems beherrschten Regionen niederlassen und dort eine Garage ohne Genehmigung zur Kirche umfunktionieren, kriegen sie Zunder. Das wird dann von den internationalen Phädophilen-Organisationen als Christenverfolgung verkauft. Die Moslems jammern auch aus Sehrlautsprechern, aber meist nur kurz und mit Stil. In 17 Jahren bin ich von ihnen nicht ein einziges Mal anmissioniert worden, doch Christen können andere nicht in Ruhe lassen. Eventuell versprechen sie dem einen Kühlschrank, der die Seiten wechselt – was in Indonesien ausdrücklich verboten ist. Wer in solch einer zauberhaften Gegend so eingeklemmt ohne jegliche Fernsicht haust, demonstriert allein schon dadurch die Abwesenheit ästhetischer Bedürfnisse. Wer dazu noch seine gesamte Nachbarschaft mit diesem pathetischen Schwachsinn terrorisiert, obwohl sich religiöse Orgasmen auch mit Zimmerlautstärke abhandeln ließen, sollte sich nicht über Gegendruck wundern. Übrigens wollte die Hausherrin mal ein Grundstück von mir kaufen, weil es ihr an ihrem Platz zu laut war. Dauermassage durch Subwoofer hat sie nicht so gern.
Ich mußte an die intoleranten Pilgerväter denken, die Nordamerika ruiniert haben. Jene „Heiligen“ waren nicht nur besonders radikale Calvinisten, die ihre Religion nicht frei ausüben konnten, sondern Asoziale und Irre, die mit ihrem Fanatismus in ihrer Heimat unangenehm auffielen. In der neuen wurden dann die Indianer ihre ersten Opfer, indem man ihnen u.a. verbot, samstags zu jagen. Und da rigides Verhalten durchaus genetische Spuren entwickeln kann, braucht man sich nicht über den heutigen Zustand der amerikanischen Gesellschaft zu wundern. Wenn die Fakten stimmen, sind Frauen international die Religionsträgerinnen. Männer ziehen echte Orgasmen vor. Und es waren überwiegend Frauen, die den Schwachkopf Trump gewählt haben. Die ganze Pazifik-Region ist von einer Unzahl christlicher Sekten verseucht, deren Ursprung hauptsächlich in den USA zu finden ist. Inzwischen missionarisch sogar schon von den Südkoreanern überflügelt, die noch verrückter sind.