RAUS!

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Nu isse raus – doch nich, wiese sich das gedacht hat!
Das Thema so alt wie die Menschheit: Die angejahrte, verfallende Frau möcht noch einmal Schmetterling sein und kauft sich einen jüngeren Mann. In dem Holzschnitt isser wenigstens persönlich anwesend, aba seit Erfindung des Internet geht das alles viel leichter und schneller. Ruckzuck wech mit dem Geld. Laut FBI iss die Mehrzahl der Opfer weiblich und über 40. Ganz klar: Männer brauchen den realen Körper, Frauen Poesie. Das iss die Chance der Ohrenbläser und Hochstapler. Am Donnerstag wieda Geld zur erneuten Schulden-Begleichung vom Ehemann erbetteln, am Freitag Überweisung für Edmond via Western Union. NEE, das war einmal zuviel, my For-ever-love, my Queen, my World. Nach Hause fuhr sie gleich mit dem kleinen Benny als Begleitschutz. Ich hatte gerade ihre Verwandtschaft inklusive Bürgermeisterin aufgescheucht, als sie auf der Dorf-Straße anhielt. Wie ich hinten ins Auto stieg, sprang sie vor Angst vorne raus. Dann stieg noch Geen dazu, und so konnte ich se nich gleich im Wagen verprügeln. Außerdem wollte ich ja auch Bennys Autositze nich mit Blut besudeln. Einmalich diese Szene, werd ich NIE vergessen. Zuhause dann Tagung zu viert in der Pendopo. Aba ich hab ihr gleich gesacht, sie soll reingehn, ihren Koffer packen und verschwinden, denn ich könne für nix mehr garantieren. Konnte ich wirklich nich. In Aceh auf Sumatra, wo Sharia herrscht, verprügelt man solche Frauen öffentlich vor der Mall. Die Verwandten klappten nur die Münder auf und zu wegen der Summen die Queenie vergeigt hat, weshalb Bennys Vermittlungs-Versuche auch aussichtslos waren. Sie wär Opfer von „Magic“ geworden, erklärte Benny. Magie? Wie bekommt man denn Magie innen Yahoo Messenger? Als Pdf- oda JPG-Datei? Kann man mit Skype hypnotisieren? Benny iss zwar höherer Beamten und zuständich für Familien-Planung, die in seiner Familie leida nich geklappt hat, aba sein Denken iss doch sehr regional begrenzt. Jetz schläft meine Frau in Bennys Gästezimmer. Sollnwa vielleicht nen römisch-katholischen Exorzismus mit ihr versuchen?
Man musse vorher mit ihren Handphones stundenlang irgendwo rumliegen gesehn ham, um zu verstehen, daß Online-Romanzen-Sucht eine moderne Form von Opium-Rauchen iss. Kein Vernünftiger hält diese Junkies auf. Immer mehr und immer rasender die Geld-Überweisungen, um nur ja nich den Kick zu verlieren. Ringsum zerfällt alles – das Gehirn sowieso – und wir werden es erleben, was am Ende übrichbleibt. Meine Ehe jedenfalls nich. Die iss vorbei. Meine Frau schon vor mir schuldich geschieden, doch bei mir war es der erste – und letzte Versuch. Den Rest meines Lebens sitze ich aus. Das heißt, mit Sitzen isses jetz nich mehr so, dafür happich zu viel mit meim Haushalt zu tun. Rede oft vor mich hin und wedele dabei mit den Händen. Häufigste Geste: Handflächen zusammen und dann v-förmich auseinander. Muß aufpassen, das nich auch im Mikro zu tun. Und denn quellen mir manchmal plötzlich die Tränen aus den Augen. Doch fühle ich mich deutlich dadurch erleichtert, wie ich sie rausgeschmissen hab. Kann wieda schlafen und essen. Da wird die Zimmer-Luft gleich irgendwie klarer. Jede Menge Schönheit der Leere. Auf keinen Fall jetz hinfallen und was brechen beim Grasschneiden für die Ziegen – die übrigens schön grüßen lassen – dachte ich so vor mich hin. BUMS, da lag ich schon. Zum Glück war der Boden sumpfig.
Und was iss bloß in der „Box“? Vielleicht sind ja Olatolaomofanmis Diamanten drin. Ich mein, sowas iss doch n interessantes Lehm – findste nich?

Gebeugt, aber nich gebrochen

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In einer der schlaflosen Nächte tigere ich mit kochendem Hirn durch die mondhellen Räume, möchte schreien bis zur Heiserkeit, verkneife mir auch das, weiß nich mehr, ob ich weinen oder lachen muß über die stereotypen Online-Liebesschwüre dieser alten Frau, die mich schon jahrelang betrügt, jedoch behauptete, mein Verdacht sei nur ein Hirngespinst, sich dabei auf solch unelegante Weise selbst zerstört, indem sie sich jüngere Männer zu kaufen versucht, und Chet Baker setzt seine Trompete ab, um „Almost blue“ zu singen.

„WAS! – SCHON 16 JAHRE HIER? – HIIIIE! – IN INDONESIEN? – HIIIIE!“ schreit der schwerhörige, alte Chinese hinter mir im Mikro so laut, daß sich alle Mitfahrenden zu ihm drehen. Nach jedem Satz qiuetscht er, wie das nur Chinesen können. Beim Aussteigen vor seinem Laden isser so von mir begeistert, daß er für mich bezahlt. Wieder 27Cent gespart. Ja, 16 Jahre, eine abenteuerliche Zeit, die merkwürdigste meines Lebens, die mich mit ihrer Intensität so absorbiert hat, daß ich nich bemerkte, wie sich meine Frau von mir heimlich entfernte. Ich glaubte, sie würde es ebenso genießen, wie wir etwas außergewöhnlich Schönes gemeinsam verwirklicht haben. Jedoch in ihrem Heimatdorf, das sie schon viel länger – bis zum Überdruß kennt. Und da wollte se immer raus. Und denn wollte se wieda rein. Und jetzt willse wieda raus. Und offensichtlich isse psychisch gestört.
Doch würde sie immer ein Schirm für mich bleiben, beruhigt sie mich. Wohl sone Art Knirps, der nich richtich aufgeht und sich selbst zerlegt? Zahlen müsse ich allerdings dafür, meint sie, und fängt an zu handeln. SIE braucht n Schirm! Einen Fallschirm! Denn wer so wie sie auf jeden Ohrenbläser reinfällt und sich an Illusionen orientiert, ist erheblich gefährdeter als ich. Gegen DIESEN Schirm muß ich mich abschirmen: Indonesische Staatsbürgerschaft, Umschreibung der Grundstücke auf meinen Namen, Scheidung. Das kostet viel Geld, was mir – dank meiner Frau – abhanden gekommen iss. Mit indonesischer Staatsbürgerschaft könnte ich nich mehr frei nach D reisen. Muß auch nich sein. Ich kann dann überhaupt nich mehr verreisen, weil man ein Haus hier nich unbeaufsichtigt lassen kann. Eigentlich brauch ich ganich mehr zu reisen. Bin längst angekommen. Ich darf mich nur nich beim Arbeiten verletzen, krank und bewegungsunfähig werden, dann wird Alleinsein zum existenziellen Problem. Es bleibt auch weder Zeit noch Energie für Kreativität übrich, seit ich sie rausgeschmissen und ich den ganzen Haushalt allein zu bewältigen habe. Das iss schade.
Und wenn da ein vermeintlich reicher, alter, hilfloser Mann in einem von Dschungel umgebenen, übergroßen Haus lebt, fangen die jungen Wölfe draußen an, ihre Kreise enger zu ziehen. Sie heulen den Mond an in ihrem hoffnungslosen Suff und warten darauf, daß der Alte einen Fehler macht.

Neuer Morgen?

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„O Herr!“ rief ich. „Hast Du auch diese schleimigen Monster geschaffen? Willst Du, daß sie Deinen Garten vernichten? Oder willst Du mich prüfen wie Hiob?“
Axel Hacke, „Nächte mit Bosch“

Ich verspürte eine deutliche Erleichterung, nachdem ich meine Frau aufgefordert hatte, so bald wie möglich auszuziehen. Exakt vor einem Jahr hatte ich Harry entdeckt, ihren Romance-Scammer, und nun Edmond. Da war mir klar, daß ich schon lange keine Chance mehr hatte, unsere Ehe zu retten. Zuerst die tiefe Entäuschung, über Jahre so heimtückisch betrogen worden zu sein, die Schlaf- und Eßstörungen – alles schien zusammenzubrechen, und ich befand mich in einer aussichtslosen Lage. Was ich in D viel leichter hätte bewältigen können, wurde hier im fremden Land zu einer existenzbedrohenden Krise. Dabei hatte ich gehofft, daß meine Frau einfach in ein Haus ziehen könne, welches sie besitzt und ich gar nicht kenne – auch so ein typisches Beispiel ihrer katastrophalen Wirtschaftsweise, mit der sie mich zu übergehen versuchte und statt dessen rekordhaft tief in der Schuldenfalle landete. Dieses Haus hat sie jedoch inzwischen vermietet – wo von ich nichts wußte – und so gibt es keinen schnellen Auszug.

Und dann dieser Morgen, der mir wie keiner vorher erschien, obwohl die Farben und Wolken des Himmels nichts Ungewöhnliches zeigten. Doch wußte ich plötzlich sicher, wie ich von nun an als einer der schratigsten Schrate Nordsulawesis weiterleben werde. Das Haus wird verkommen, weil ich die Arbeit nich allein schaffen kann. Anders als meine 67jährige Frau, die im Internet von einem Betrüger zum nächsten taumelt, werde ich alter Mann keine neue mehr finden. Statt dessen in einsiedlerischen Wahnsinn und permanentes Schweigen abdriften, und man wird mich mehr oder weniger verwest entdecken, wenn die Ziegen vor Hunger klagend schreien. Jene waren wieder ganz freundlich zu mir – nachdem ich sie gefüttert hatte – auch die Katzen schienen zufrieden, und die Barsche lutschten mir an den Zehen. Vielleicht werde ich allein schon dadurch mein Gleichgewicht wiederfinden, wenn ich meine Frau nich mehr dabei beobachten muß, wie sie mich online betrügt.
Und dieser Gedanke ließ mich tatsächlich schmunzeln: Was machen eigentlich frische Paare, die heimlich online zueinander gefunden haben, wenn die Flitterwochen vorüber sind, und die Langeweile wieder einsetzt? Denn die kommt mit Sicherheit, wenn man selber alt, langweilig und auf externe Unterhaltung angewiesen ist. Was wird Edmond denken, wenn er meine Frau auf ihren Handphones rumknibbeln sieht, und sie beim Nähertreten schnell die Seite wechselt? Wird er einen Anflug zerstörerischen Mißtrauens spüren? Und sie, wenn sie ihren Lover dabei beobachtet? Von mir kennt sie das ja gar nicht. Viel Spaß und alles Gute!
Im späteren Verlauf des Tages verging mir das Schmunzeln. Ich kann morgens aufwachen, und meine Frau hat neue Schulden gemacht, bzw. alte, um ihre erheblich jüngeren Online-Lover zu finanzieren. Diese Schulden offenbart sie immer erst, wenn es sich nich mehr verheimlichen läßt, weil sie völlich pleite iss. Kein Monat ohne Skandal. Ich weiß ganich mehr, wie oft ich sie deutlich gefragt hab, ob das jetzt ALLES sei. Immer nur Lügen als Antwort, weil sie mich „schonen“ wollte! So zartfühlend isse. Daß ich Schlechtes über sie im Blog veröffentliche, empört sie sehr. Wie ich sie verprügelt hab, nachdem ich die Quittungen für 52000USD Überweisungen nach Zypern entdeckte, gefiel ihr ganz und gar nich. Mir auch nich, hat mir aba gutgetan. Man muß mich nur lange genuch mißhandeln, dann hör ich auf, Buddhist zu sein. Wer da hinterher nur an einem blauen Auge und Schwellungen leidet, hat noch Glück gehabt.
Also fuhr ich im Mikro zur Bank, um dort ~7500EUR zur erneuten Schuldenbegleichung abzuheben, bevor uns 20% Schuldzinsen MONATLICH weiter ruinieren. Im Sehr-Lautsprecher sang eine mickrige Maus von „Cintaaa“ (Liiebee) und über „Sayaaang“ (Liiiebster), also genau das, was meine Frau ihrem neuen Romance-Scammer Edmond nachts im Skype-Chat in die Ohren schmiert. Ich krich noch Paranoia! Sehr nah vor mir saß ein Wilder mit abstehenden Ohren, und ich verspürte auf einmal den starken Drang, ihm eins abzubeißen, obwohl ich ziemlicher Vegetarier bin, jedoch hab ich in letzter Zeit sehr wenich gegessen. „Thomas!“ warnte ich mich lautlos. „Jetz reiß dich zusammen! Der Mann hat mit dem ganzen Scheiß ganix zu tun!“
Nein, das dauert noch mit dem neuen Morgen, da nun erstmal die schwärzeste Nacht ausgebrochen ist, denn ich habe meine offensichtlich geisteskranke Frau aus dem Haus gejagt.