Frühling

fruehling

Drei Monate Frühling sind die Jahreszeit, in der sich alles erneuert.
Indem alles aufblüht, wird die Welt mit Leben erfüllt.

Zeichnung: Zhou Chuncai, 2002

Kein Frühling, kein Herbst weit und breit. Jahreszeiten sind hier weder sichtbar, noch kann man sie fühlen. Durch die Klimaveränderung sind selbst Trocken- und Regenzeit nicht mehr so deutlich unterscheidbar. Dabei wirkt die Regenzeit nie deprimierend sondern genauso lebendig wie die Trockenzeit. Und ich kann wirklich nicht sagen, daß ich Winter und Herbst nur irgendwie vermisse. Es ist, als ob man das GANZE Jahr leben könnte – wenn man es versteht zu leben und sich nicht selbst ruiniert.

Blah hoch 4

blahzzz

KAPITEL 1
Untersuchung des Landes Bla-Bla-Bla
Wörter können dafür benutzt werden, was auch immer zu erklären. Aber das bedeutet nicht, daß sie der beste Weg sind, alles vollständig zu erläutern.
Was ist Bla-Bla-Bla?
Nicht jedes Wort ist bla-bla-bla.
‚Wir sind davon überzeugt, daß alle Menschen gleich erschaffen wurden, daß ihnen durch ihren Schöpfer Grundrechte, einschließlich derer auf Leben, Freiheit und Wohlfahrt erteilt wurden.‘ Vorwort der Unabhängigkeits-Erklärung, 1776.
Worte außerhalb des Alltäglichen. Wenn sie sehr nützlich sind, helfen sie uns beim Denken, lassen uns fühlen, lassen uns erinnern, informieren korrekt, zeigen uns den Weg, helfen zu verstehen, klären Schwieriges auf, lassen uns zusammenfinden und schenken dem Leben Sinn.
‚Oh! Ich bin schon frei geworden von irdischen Verbindungen … Ich strecke meine Hand aus und berühre das Antlitz Gottes.‘ aus ‚High Plight‘, John Gillespie Magee Jr., 1941. [Gemeint ist „High Flight“: „Oh! I have slipped the surly bonds of Earth … Put out my hand, and touched the face of God. – Oh! Ich bin den mürrischen Fesseln der Erde entschlüpft … .“ Und dann isser abgestürzt! Eine dürftige indonesische Übersetzung also. Aber was soll man sich unter „mürrischen“ Fesseln vorstellen?]
Im Moment, wo wir mit Wörtern arbeiten, verfassen wir nicht nur eine Weise der Betrachtung der Welt; die Wörter ordnen die Welt.‘ Yes we can.‘ ‚Eternal‘ [?]
Dies ist nicht die Qualität, wie wir sprechen.“

Gott sei Dank, möchte ich anfügen, denn das ist Bla-hoch-4. „Und was soll er gar anfangen, wenn Pietisten und andre Kühe aus dem Schwabenlande den armseligen Alltag und Stubenrauch ihres Daseins mit dem ‚Finger Gottes‚ zu einem Wunder von ‚Gnade‘, von ‚Vorsehung‘, von ‚Heilserfahrung‘ zurecht machen! Der bescheidenste Aufwand von Geist, um nicht zu sagen von Anstand, müßte diese Interpreten doch dazu bringen, sich des vollkommen Kindischen und Unwürdigen eines solchen Mißbrauchs der göttlichen Fingerferigkeit zu überführen. Mit einem noch so kleinen Maße von Frömmigkeit im Leibe sollte uns ein Gott, der zur rechten Zeit vom Schnupfen kuriert, … ein so absurder Gott sein, daß man ihn abschaffen müßte, selbst wenn er existierte.“
Friedrich Nietzsche, „Der Antichrist“.

In einem einfachen PC-Vokabel-Programm komme ich im Test sehr gut durch („Sehr guter Arbeit“), auch eine DDR-Grammatik hab ich bewältigt. Aber dieses Buch nicht. Selbst wenn ich die Vokabeln verstehe, ist der Ausdruck meist so simpel, daß ich oft über den Inhalt nur rätsele. Das Personal-Pronomen dia kann er, sie oder es bedeuten. Das wird nur aus dem Zusammenhang klar. Da in memandang (von pandang = Blick), memahami (von paham = Einsicht) und pemakaian (von pakai = benutzen) jeweils ein p fehlt, bin ich aufgeschmissen, wenn ich den Wortstamm nicht erinnere. Keins meiner Wörterbücher zeigt die erweiterte Form. Der moderne indonesische Intellekt frustriert mich mit seiner hartnäckigen Primitivität. Schluß damit! Im Dschungel brauche ich das nicht. Und ist es nicht vielmehr so, daß Business-Animateure wie Dan Roam allgemein mit zuviel Worten Banalitäten für Fachidioten mit begrenztem Selbstdenk-Potential verkaufen? Autoren, die damit erfolgreich sind, daß sie Bücher darüber verfassen, wie man erfolgreich wird? Mir scheint, daß sich aktuell eine Tsunami an visueller Vermittlung austobt, in der inhaltliche Komplexität – also alles was nicht in ein Handphone paßt – leicht untergeht.

rip

Worte ohne Inhalt

blahblah

Als Teil meiner aktualisierten Überlebens-Strategie muß ich meine Sprachstudien wieder intensivieren. Das fällt mir schwer, da Indonesisch zwar einfacher als Deutsch erscheint, die Suche im Wörterbuch jedoch oft hoffnungslos ist, wenn man den Wort-Stamm zwischen Vor- und Nachsilben nicht erkennt. Fällt dabei nur 1 Buchstabe weg, hat man keine Chance, die Vokabel zu finden. Durch die Zusätze verändert sich der Inhalt oft erheblich zur Vieldeutigkeit. Außerdem vergesse ich schnell, und das ist frustrierend. Vorgenommen habe ich mir, die indonesische Ausgabe des Buchs „Blah Blah Blah“ von Dan Roam teilweise ins Deutsche zu übersetzen: „Wie man erfolgreich mit inhaltslosen Worten umgeht“. Das handelt auch von Visueller Kommunikation, die wesentlicher Teil meines Berufs war (Leider ist Dan ein lausiger Zeichner!). So ist mir der Inhalt nicht so fremd wie die Sprache, die ich in der Übersetzung doch immer wieder an westliches Verständnis anpassen muß. Zwar gibt es mehrere Charakterisierungen für die verschiedenen Wachstums- und Ernte-Phasen des Reises, doch erscheint Indonesisch insgesamt als ausdrucksarme Kunst-Sprache, die besonders ältere Indonesier oft nicht voll beherrschen. „Kata-kata“, die Mehrzahl von „Wort“ unterscheidet nicht zwischen „Wörtern“ und „Worten“. Schon die Einführung enthält so viele Wiederholungen des Gleichen wie die konfusen Texte indonesischer Journalisten in den Tageszeitungen. „Bla“, mal mit, mal ohne „h“, ist dabei nur 1 Beispiel für signifikant indonesische Schlamperei. Zusätzlich werde ich mir eigenen Senf nicht verkneifen können:
„Haben Sie schon einmal an so vielen Sitzungen teilgenommen, daß Sie ihre Arbeit nicht mehr fertigstellen konnten? Schon mal bei einer Präsentation eingeschlafen? Schon mal Nachrichten gehört, über die Sie schon etwas mehr wußten? Willkommen im Lande BLAH BLAH BLAH.
Falsch: Wir sprechen so viel, bis wir nicht mehr richtig denken können. So wichtig auch jedes Wort ist, wir verdummen selbst im Moment, wo wir über die aufgenommenen Wörter nachdenken, sie nachvollziehen und sie in total falscher Weise vervollständigen. Wir können sie nicht nachvollziehen – da sie in irgendeinem verrotteten Zustand sind, weil schon automatisch Teil unserer Denkgewohnheit geworden.“
Als Beispiel würden sich ideal Predigten der Minahasa-Popen anbieten, doch liegen mir jene nicht schriftlich vor. Gott sei Dank!

EINFÜHRUNG
Die Hälfte unseres Verständnis des Denkens ist deutlich falsch
Wir denken, Denken verknüpft Wörter zu einem Sinn. Wir denken, Sprechen ist die beste Form Ideen mitzuteilen. Wir denken, gut reden ist ein intelligentes Prinzip. Wir liegen nur halb richtig.
Dieses Buch handelt von 3 Problemen: bla, bla und bla – 3 dumme Wörter, die unsere Fähigkeit zum Denken, Lernen, Arbeiten und Phantasieren abtöten.
Bla-bla-bla ist Chaos, das unsere geistigen Fähigkeiten vernichtet. Dieses Buch bietet einen leichten Weg an für eine schwierige Situation des Denkens.
Bla-bla-bla ist falsches Verständnis, das unsere Fähigkeit zum Träumen tötet …
Dieses Buch besteht aus 3 Teilen. Der 1.Teil vermittelt Kenntnis über bla-bla-bla.
Der 2.Teil informiert darüber, wie man bla-bla-bla abwehrt. Methode ‚Vivid Thinking‘. Vivid = Visual + verbal + interdependent
Der 3.Teil bietet eine Anleitung, wie man in jeder Situation vorankommt.“