
Ambulante, postoperative Fürsorge ist im protestantischen, kranken Haus Siloam in Manado nicht landesüblich, aber relativ teuer. Ich bekam eine westlich ausgefeilte Rechnung über 72EUR, doch kaum Informationen und behandelte mich deshalb selbst. Die Fäden der 7 Nähte ließ ich offensichtlich zu früh von meiner angeheirateten Krankenschwester ziehen. Die Wunde öffnete sich wieder, und als das Loch schon so groß war, daß ich den kleinen Finger hätte reinstecken können, ich die cremefarbenen Hügel der Ohrspeicheldrüse sehen konnte und mein Versuch, die Haut mit Klebeband wieder zusammen zu ziehen, gescheitert war, beschloß ich, mich zum katholischen, kranken Haus in Lembean zu begeben, wo man mir mal ein Mörtelstück in den Finger genäht hatte. Dort wartete ich, bis ich zur Anmeldung aufgerufen wurde, bekam eine Rechnung (4EUR), bezahlte jene an der Kasse und begab mich zu einem Chirurgen, der mich wieder zunähen wollte. Zuerst mußte ich jedoch unterschreiben, daß ich sendiri war, also landesunüblich allein – ich bedauernswerter Weißer (und keinen Platz zum Beten!). Außerdem benötigte Chirurg Sidhit natürlich Nähzeug. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich zumindest Nadel und Faden aus meiner umfangreichen Sammlung mitgebracht, womit ich meine Kleidung repariere. Also schob ich seinen Schein durch ein Loch in der überwiegend undurchsichtigen Glasscheibe der Medikamenten-Ausgabe. Danach wartete ich, bis ich aufgerufen wurde, erhielt durch das Loch eine Rechnung (4EUR), die ich an der Kasse bezahlte. Zwischendurch bekam ich gratis eine katholische Predigt per Sehrlautsprecher, aber kein Hämorrhoiden-Festival weit und breit. Die Quittung steckte ich in das Loch, und nach einer Weile, in der ich neue Bekanntschaften machte, u.a. mit Nela, die wie ein Frosch aussieht, kamen die Materialien für Dr. Sidhit aus dem Loch. Die brachte ich ihm, er stellte Musik an, seine kranke Schwester begann laut zu singen, und dann fädelten sie mich gemeinsam mit 3 Nähten zu. Davon merkte ich nur wenig, weil die zuständigen Nerven durch die Tumor-OP beschädigt worden sind. Der katholische Faden ist dicker als der evangelische, und das Klebeband miserabel.
Da ich meine Medikamente alle verschluckt hatte, schrieb Dr. Sidhit ein Rezept, ich steckte jenes in das Loch, bekam nach einer Weile die Rechnung raus (1,3EUR), bezahlte sie an der Kasse, schob die Quittung in das Loch, und etwas später bekam ich Antibiotika zurück. Die verschriebenen Vitamine waren zum Glück nicht mehr vorrätig. Dann fuhr ich im mikro nach Hause, und während des Abendessens fing ich wieder wie ein undichter Wasserhahn zu tropfen an.

Viel mehr als für meine Krankengeschichte interessierte sich das Personal dafür, warum ich als 78jähriger noch so fit bin. Auch das ist hier nicht normal. Männer sind oft Mitte 50 schon erledigt und gehen in Rente. Zwar fällt mir auf, wie die Indonesier größer und dicker werden, aber da mein Gesundheits-Zustand überall Aufsehen erregt, glaube ich es manchmal schon selbst und fühle mich gleich besser. Vielleicht sollte ich mich noch luckmaxen oder wenigstens tätowieren lassen. Einen Ring in der Nase mag ich allerdings nicht. Sowas tragen hier nur Rinder.


