Vulkanstaub

vor Langwoan

Ich kann nicht sagen, ob es sich bei einem der beiden Gipfel um den Soputan handelt, wahrscheinlich lauert er unsichtbar dahinter. Es war einfach alles zu undurchsichtig, und im starken Aschenwind außerhalb des Wagens reichlich unangenehm. Verbrennungsreste sind es eigentlich nicht, vielmehr handelt es sich um sehr feine Steinfragmente (Glas und Mineralien) mit der Struktur von Sand. Um den nach wie vor anhaltenden Ausbruch klar zu sehen, hätte ich den Soputan in einer langen Tour weit südwestlich umfahren müssen. Direkt hinter ihm kommt man allenfalls mit geländegängigen Fahrzeugen durch. Deshalb fuhren wir einfach in den Wind, der den ganzen Dreck jetzt Richtung Manado blies, nach Langowan.

Bendi-Langowan

Langowan ist so ein typisches Wild-Southeast-Städtchen (~10km vom Soputan entfernt), staubiger und aufgeregter als sonst, mit schrottigen Garagen-Läden links und rechts der Hauptstraße. Hier sah ich vermehrt Menschen mit grünen Papiermasken, die zusammen mit Augentropfen von der zuständigen Regierungspräsidentin verteilt worden waren, deren Ehemann in gleicher Funktion z.Z. wegen dreister Unterschlagung von Staatsgeldern einsitzt. Weil Schutzmasken inzwischen ausverkauft sind, besorgte ich mir in einem der Läden ein billiges Halstuch einer „TNT-Collection“. Auf dem war gedruckt: „Friendship is a ship that carries you though the stroms. The wonderful times we shared together shall always remain inmy heart.„. Während der „strom“ den Vulkanstaub auch hier durch die Straße fegte, führte mich ein Alter mit rudimentärem Gebiß zu einem „Restaurant“ der stark windigen Klasse. Dort informierte er mich darüber, daß sogar der Lokon gespuckt habe. Inzwischen spürte ich den Vulkansand schon zwischen den Zähnen, es kratzte im Hals, und meine Schuhe waren grau zugestaubt. Dicke Staubschichten fanden wir nicht, doch was mir in Noongan ins Gesicht wehte, war schon lebensfeindlich genug.

Noongan

In Noongan, ~1km östlich des Soputan, von dem ich wegen der Staubwolken absolut nix sah, waren wir am Ende der Welt. Vorhölle! Dort befindet sich die einzige Straße Richtung Mittel-Minahasa (eine weitere nur noch an der NW-Küste). Beim großen Ausbruch mußte sie gesperrt werden, schon weil Bäume unter Winddruck und Aschenlast umstürzten. Jetzt war sie wieder befahrbar, bewacht von einem Haufen Polizisten, die alle gleich fotografiert werden wollten. Die Vegetation mit Graufilter, teilweise verbrannt von heißer Asche. Starker Wirbelwind blies einem Staub-Ansammlungen von den Dächern ins Gesicht. Auf einer Veranda saß ein Alter mit Maske im Nebel und beobachtete die Straße. Allein in Räumen sind die Wilden unglücklich. Deshalb hocken sie sich lieber mitten ins Inferno. Es knirschte einem zwischen den Zähnen, und atmen konnte man nicht ungefährdet. Abends brauchte ich dann auch Augentropfen. Unvollstellbar, sich dort nur 1min länger als notwendig aufzuhalten. Weder ist ein Ende des Ausbruchs abzusehen, noch ist das Ereignis ungewöhnlich. Doch die Menschen leben in diesem todbringenden Bereich auch weiterhin und hoffen, daß keine Lava kommt. Manche schützen nicht mal ihre Atemwege. Hauptgrund für diese Beharrlichkeit ist sicher die Fruchtbarkeit des Vulkanstaubes, der für Pflanzenwachstum verantwortliches Phosphor enthält. Wobei mehr als 20cm Niederschlag Vegetation abtötet.

through the storm

Und dann wurde ich mal wieder erkennungsdienstlich behandelt – diesmal mit meiner eigenen Kamera. Ach, unsere Polizisten! Sie sind imma lustich und zu Streichen aufgelegt. Links befindet sich ein krankes Haus speziell für Lepra-Kranke. Auch das noch! Raffiniert, sie so nah am Soputan aufzubewahren.

http://www.youtube.com/watch?v=x9XGjvp0uFM

4 Gedanken zu „Vulkanstaub

  1. also, insgesamt eine staubige Angelegenheit. aber Leider ist dieses Video, das Musik von UMG beinhaltet, in Deutschland nicht verfügbar, da die GEMA die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt hat.

    schade. aber gut gepostet.

  2. Schade, daß der Link gesperrt iss. So ein fröhliches Lied mit lustigem Text:
    I don’t know
    where I’m a gona go
    when the volcano blow.
    Jimmy Buffet, „Volcano“ (1979)

  3. Pingback: volcanic dust protection « UNGEMALTES

  4. Pingback: Weekly Photo Challenge: Express Yourself | UNGEMALTES

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