Pustelschwein und Hammerhuhn

Bali-Mythos

„Tabanan: 82-year-old grandmother hanged herself.” The Bali Times

Außer den verschiedenen Erscheinungen wahnhaften Verhaltens, wie Geldgier, Telefonitis, IT-Sucht und Schönheitswahn, wollnwa uns heute unta dem Thema „Warum soll man sich nich selbst ruinieren?“ mit dem Balinismus beschäftigen. Unta Balinismus vasteht man die schräge Perspektive auf jene einmalige Insel Indonesiens, die wie in Melvilles „Taipi“ als einziger Ort der Erfüllung aller Sehnsüchte angesehn wird. Warum hat sich die gesamte Welt darauf geeinigt, das kleine, übervölkerte Bali als Sitz des irdischen Paradieses anzusehen, so daß sich jährlich mehr als 1,6Millionen Touristen auf die Insel stürzen?
Latürnich war es 1 Deutscher, der damit angefangen hat. Vorher galt Bali als nich beherrschbar, die Balinesen als wild. Zwar gelang es einem holländischen Missionar 1868 einen einzigen Balinesen zu bekehren, der jedoch dessen Nachfolger umbrachte. Damit war das Thema ersma erledigt, und die Balinesen konnten weiter erfolgreich in Schweine-Zucht und Sklavenhandel tätich sein. Letztere verkauften sie aus den eigenen Reihen an die Holländer. Doch als jene dann genügend Balinesen massakriert hatten, erfand der Maler und Musiker Walter Spies den berühmten Affentanz für den Film „Insel der Dämonen“ (1932), der in 2010 von den 54410 deutschen Touristen gern und als typisch balinesisch angesehn wurde. Ein Vorteil des Tourismus auf Bali iss auch, daß man sich das Kennenlernen anderer Länder erspart, wenn man dort zum Bleistift gröhlende Horden Australier oder die alle Vorurteile gegen sie bestätigenden Russen erlebt. Da die Massen an ausländischen Touristen auch mit Drogen versorgt sein wollen, iss Bali zum Treffpunkt internationaler Obskuranten geworden („nightspot war in Legian“), und es kommt immer wieder zu spektakulären Verhaftungen und Prozessen gegen Ausländer. Radikale Moslems sind von all dem weniga begeistert. Deshalb atomisierten sie in 2002 und 2005 insgesamt 228 Touristen und Einheimische.
„Het lachende Bali“ und „het laatste paradijs“ war schon wegen des feudalistischen Kasten-Systems bis 1965 eine Hochburg der Kommunisten, die jedem Land versprachen, der Mitglied der Partei wurde (So machen die Parteien und Sekten das noch heute!). Nach dem Bodenreform-Gesetz von 1960 durfte jeder nur noch max. 7,5ha Naßreisfeld besitzen. Land durfte nicht veräußert werden, wenn dadurch nur eine Restfläche kleiner als 2ha verblieb. Diese Reglung wurde niemals befolgt, und es kam durch Vererbung und Zersiedlung zu einer weiteren Aufsplitterung der bewirtschafteten Flächen. Die Schicht der armen, oft landlosen Bauern mit einer Lebenserwartung von 48 Jahren wächst ständig. Dabei spielt auch die Wettleidenschaft der Balinesen bei (eigentlich verbotenen) Hahnen-Kämpfen eine zusätzlich destabilisierende Rolle. Wer kein Land besitzt und einer der unteren Kasten angehört, wird sozial benachteiligt, ohne das direkt zu zeigen. „Die physiognomische Armut, Heruntergekommenheit und der Schmutz in Kastala sind weniger eine Folge von Armut als vielmehr eine Folge der Gewohnheit.“ (Dr. rer. pol. Inge Bundschu, 1985).
In der Literatur stößt man auf die sonderbarsten Aussagen über die Vorteile Balis, etwa, daß es dort keine Malaria gäbe. Stattdessen hat man sich u.a. auf Rabies, Gastroenteritis und Motorrad-Unfälle spezialisiert. Und in ungeklärten Abwässern badet und taucht der Tourist sowieso überall in Indonesien oder läßt sich am Strand von Masseusen bearbeiten, die sich nich die Hände waschen. „Kennt man Balinesen näher, so wird man feststellen, daß viele sich ihre Freunde nach dem Gesichtspunkt aussuchen, ob der Betreffende in Zeiten der Not möglicherweise von Nutzen sein kann.“ (Inge Bundschu).
Die Mitte Balis wird von 2 gefährlich aktiven Vulkanen beherrscht, deren Umgebung zwar sehr fruchtbar, aber oft auch steil, zerfurcht und unzugänglich ist. Der Nordwesten und Nordosten sind Kümmergebiete mit extremer Trockenheit und unfruchtbaren Böden. Die Halbinsel Nusa Dua im Süden, die aus wasserdurchlässigem Kalk besteht, ist zum Touristengebiet ausgebaut, ohne Rücksicht auf den akuten Wassermangel. Zentrales Problem ist die Überbevölkerung (3,9Millionen in 2010) mit bis zu 1000 Einwohnern/km² in den wenigen fruchtbaren Gebieten (durchschnittlich 749/km², auf Sulawesi 92/km²). Wegen des Bevölkerungsdrucks (2,15% Zuwachs jährlich) besonders in Westbali ist Sulawesi zum Hauptauswanderungs-Ziel geworden. Die Insel selbst könnte nur etwa 1,5Millionen versorgen. Nicht nur die durch Vulkanausbrüche verwüsteten Gebiete mit Tausenden von Todesopfern, auch die fortschreitende Überbauung mit Hotels führte zu einem Landhunger, der nicht mehr befriedigt werden kann, und zum Baustopp für Tourismus-Objekte. Die Zeitungen sind voll mit Angeboten leerstehender Villen. 1981 waren 73% der 5 Jahre vorher gewährten staatlichen Agrar-Kredite nicht getilgt. Im privaten informellen Sektor werden auch auf Bali 10-50% Wucherzinsen per MONAT verlangt. Werden Pächter vor die Tür gesetzt, kann das genauso zu Haß-Eruptionen führen wie auf Sulawesi („Man, 32, was stabbed over unpaid debt.“).
Der bedeutendste Faktor für das ausgeprägte Gemeinschafts-Gefühl der Balinesen ist der Hinduismus, der sich jedoch stark von seiner orthodoxen Form unterscheidet. Männer der obersten Kaste dürfen bis zu 4 Frauen haben, die überhaupt nicht erbberechtigt sind. Das Harmonie-Bedürfnis mit der beseelten Umwelt führt u.a. zu funktionierenden subak-Gemeinschaften all der Bauern, die über denselben Hauptkanal Wasser erhalten. Etwas, was hier nicht mehr funktioniert. Auch sind diese Kanäle nach meiner Beobachtung im Bereich Ubud frei von Müll. Wirtschafts-Gruppen erfüllen auf Bali eher ihren Zweck, und dienen nicht wie auf Sulawesi dem Subventions-Betrug. Generell ist aber die staatliche Verwaltung so chaotisch-koordinationslos und korrupt wie im restlichen Indonesien. So wissen zwar die Katasterämter oft nicht, wem die Grundstücke gehören, auf höherer Ebene werden darüber jedoch konkrete Aussagen gemacht, die offensichtlich auf Schätzungen beruhen. Die korrupte Polizei jagt Ausländer besonders gern.
So gesehen, ist Bali nur eine weitere Problemzone, jedoch wesentlich schöner verpackt als der Rest Indonesiens. Außerdem gibt es dort keine Pustelschweine und Hammer-Hühner. Ich hab zwar weder das eine noch andere bisher getroffen, brauch auch kein Hammer-Huhn, weil ich mir alle Gewichtsklassen von Hämmern aus D mitgebracht hab – aba immahin!

drecklokal

http://www.youtube.com/watch?v=8fTC5tV3Wnc
http://www.youtube.com/watch?v=kq5Si3oSdkg
http://www.youtube.com/watch?v=SfmvG6KLDIw

Ich bin schon mehrmals auf Bali gewesen, ohne solch ekelhafte Szenen wie in den Videos mitbekommen zu haben. Das liegt daran, daß jene Art von Amusement nicht meinem Lebensstil entspricht. Es läßt sich jedoch nicht verdrängen, daß dies heutzutage Balis Dämonen sind, und deshalb fahr ich nicht mehr hin.

Probleme beim Sangha-Bau

Und dann dachte ich, die Welt gehe nun wider Erwarten doch unter, denn mein Schirm zeigte mir zwar noch das „Welcome“-Logo, aber sonst nichts mehr. Strom war da, draußen alles normal, also schien das beste und teuerste taiwanesische Mutterbrett, das es hier z.Z. zu kaufen gibt, und das reichlich Ärger macht, erledigt zu sein. Wie beim letzten Mal restaurieren ließ es sich nicht, sondern verlangte das 4 Tage alte Back-up. Damit waren alle Fotos des Sangha-Projekts und etliche Post-Entwürfe für den „Waldschrat“ verloren. Das war hart aber ungerecht. Zum Glück hatte meine Frau ein paar Fotos gemacht, doch kann ich den Entstehungsprozeß der Sangha nur noch schriftlich dokumentieren.

Pak-Surem

Früh am Morgen erschien Meister I Wayan Surem mit 2 weiteren Balinesen, um auf unserem Grundstück 2 Sangha aufzustellen. Die Teile dafür hatte er auf seinem Lastwagen. Der steinerne Unterbau aus Zementguß-Formen wurde an 1 Tag errichtet (innen mit Fluß-Steinen gefüllt). Am 2. Tag setzten wir mit vereinten Kräften den schweren, hölzernen Schrein auf, die rauhen Guß-Oberflächen wurden mit Zement-Schleim geglättet und mit Farbe angestrichen. Am 3. Morgen fuhren sie schon wieder zurück nach Mopugat weit im Westen, wobei sie unterwegs Sand und Kacheln laden wollten – Materialien, die dort in der isolierten Lage, in der diese Auswanderer wohnen, erheblich teurer sind.
So zauberhaft wie sich die Endprodukte in mein Ensemble einfügen, bei genauerer Betrachtung ist der Unterschied zu balinesischer Steinmetz-Arbeit beträchtlich. Die unregelmäßigen Kanten der gegossenen Formen wurden nur grob mit einem Schlachter-Haumesser geschabt, und der Zement-Schleim zeigt so manche Pinsel-Spur. Auf Flächen, die waagrecht sein sollten, bildeten sich Pfützen nach dem ersten Regen. Man müßte diese Dinger bei der ersten Renovation gründlich schleifen. Doch am besten wirken sie im tropischen Environment, und man tritt eher einige Schritte zurück, um sie in ihrer Gesamtheit anzustaunen. Das Alu-Blechdach ist sogar feiner, als es ein Tonziegel-Dach sein kann. Die Kämme wirken gestanzt wie indonesische Schattenspiel-Figuren. Vielleicht sogar mit den gleichen Werkzeugen.
Besonders beeindruckt haben mich 2 Szenen: Als ich am 2. Morgen das Tor für die drei öffnete, marschierte Pak Surem gelassen ein, umweht von balinesischen Gamelan-Klängen, die aus seinem Handphone in der Hose stammten, und die meinem ganzen Anwesen einen Zauber verliehen, wie es keiner dieser Minahasa-Banausen schafft. Balinesen besitzen eine einmalig faszinierende Kultur.
Sein Fahrer teilte mir indes während der Arbeit mit, daß er die Geräusche der Vögel auf meinem Grundstück genieße. Dabei machte er eine unmittelbar einleuchtende Handbewegung vom Ohr zur Stirn.
Zum Schluß stellten wir uns zum Gruppen-Bild auf, denn die Leute wollten einen Beweis, daß sie für einen Deutschen gearbeitet haben. Für Handwerker ist das hier ein Zeichen ihrer Arbeits-Qualität. Als ich das gelungene Foto für die drei ausdrucken wollte, streikte die schwarze Farbe, ich zerknüllte den Ausdruck und warf ihn in den Papierkorb. Da habe ich ihn jetzt notgedrungen wieder rausgeholt, denn das Original befindet sich im digitalen Orkus.

zerknuellt

Würde man solch einen Schrein in D errichten wollen, bekäme man erst gar keine Genehmigung, mit der Begründung, das Ding füge sich nicht in die banale deutsche Architektur ein. Man müßte also mit etwaigen politischen Beziehungen auf das Bauamt einwirken und behaupten, man betreibe eine Zucht freilaufender Wachteln und benötige den Schrein als Ausguck gegen anschleichende Füchse. Dann würde sich ein Statiker kostenpflichtig in balinesische Statik einarbeiten, und man könnte vielleicht mit der Auflage bauen, die Treppe mit einem Handlauf und den Tisch mit einem umlaufenden 90cm-Geländer abzusichern. Personen, die Opfergaben darbrächten, dürften dieses nur mit Helm und Versicherungs-Nachweis tun. Fuck the Bauamt! Hier habe ich alles selbst enworfen und niemanden fragen müssen.

Sangha-2

Auf der Rückenlehne des Göttersitzes für Dewi Sri befindet sich sogar ein kleiner, halbplastischer, mäßig angepinselter (muß ich ändern) Sang Hyang Widi. Somit bin ich jetzt – zusammen mit dem Beton-Buddha im Hinterhof – mit Göttern gut versorgt, und niemand kann behaupten, ich sei etwa irgendwie … habt ihr eigentlich schon an der Umfrage teilgenommen?

Bali auf Sulawesi

Bali-Mdo

In Manado hatten wir vor längerer Zeit den Wächter eines balinesischen Tempels kennengelernt, der uns darauf aufmerksam machte, daß es im Südwesten einige rein balinesische Dörfer aus der Transmigrasi-Zeit gäbe, in denen wir Handwerker finden könnten, die meine Ideen verwirklichen würden. Und so fuhren wir los. Wenn man Glück hat, schafft man es in 6Std., denn die Trans-Sulawesi befindet sich inzwischen in einem viel besseren Zustand als seinerzeit, als wir die komplette Tour von Makassar aus unternahmen. Über Manado fuhren wir an der Nordwest-Küste entlang nach Amurang, Bolaang Mongondow, in Inobonto links ab, am malerisch wilden Mongondow-Fluß entlang durch’s Gebirge nach Kotamobagu und von da weiter westlich zwischen den schmalen Gebirgs-Rücken im Norden und Süden des nur 50-60km breiten Insel-Arms ins kartographische Nirgendwo des Dumoga-Tales. Hier ist das Land deutlich trockener, schon durch verheerende Abholzungen mit bräunlich, kahlen, totgespritzen Hügeln. Weite, ebene Flächen für Reis, Kokospalmen, Kaffee und Ananas. Überwiegend Moslem-Gebiet, arm mit jämmerlicher Infra-Struktur. Schon deshalb oft Straßen-Sperren vor unfertigen Moscheen mit Geldsammlern. Auch hier macht sich der Gläubige seine Gesetze selbst. Wem der Verkehr vor seinem Haus zu schnell ist, oder wer ein sonstiges Anliegen hat, legt einfach ein paar Bretter auf die Straße. „Polisi tidur“ nennt man das. Schlafender Polizist. Und in der Tat: derjenige, der uns stoppt und nach Woher und Wohin fragt, weil gerade wieder gebombt wird auf Sulawesi, wirkt schläfrig. In einem Dorf zählen wir mindestens 7 scheunenartige, unverputzte Beton-Kirchen, alle 100m eine. Was bedeutet: mindestens 7 christliche Sekten kämpfen in diesem Nix-Dorf um das Geld der Armen. Von manchen sieht man nur die Pfeilerstruktur und das Bau-Gerüst aus Bambus. Doch oben am Giebel sind schon Sehrlautsprecher installiert. 1 Höllen-Gerät in jede Himmels-Richtung.
In Mopugat erreichen wir unser Ziel: das ärmliche Haus des Tempel-Wächters, dessen Sohn wir als Führer schon in Manado zusteigen ließen. Mit ihm geht es auf steinig, heißen Wegen, die schon reichlich von balinesischen Tempel-Anlagen gesäumt sind, durch’s Dorf zu einer Werkstatt, in der ich gleich auf Anhieb finde, was ich schon in Denpasar ausgesucht hatte.

piasan&sangha

Meister I Wayan Surem, dessen Haus-Giebel ein prächtig plastisches, rotes Hakenkreuz schmückt, und der älter aussieht, als er wahrscheinlich ist, zeichnet in sein Notiz-Buch, wie es sein könnte: 1 bale piasan, eigentlich ein überdachter Altar, 1 pelinggih (kleiner Holz-Schrein auf Beton-Sockel mit beschnitzten, vergoldeten Türen), den sie in Mopugat als „sangha“ bezeichnen, und ein weiterer sangha aus Beton-Teilen als Göttersitz für Dewi Sri, die unsere Reisernten verbessern soll.

Meisterzeichnung

Haken in der Euphorie – und kein Bali ohne Haken: Die Dächer sind nicht wie auf Bali aus Tonziegeln sondern inklusive des feinen Dach-Zierats aus Alu-Blech. Die Anlage soll jedoch auf unserem Grundstück unter hohen Bäumen stehen, die gerne mal was runterwerfen, was solch ein unsolides Dach erheblich beschädigen kann. Außerdem ist das bale piasan reine Kunst und könnte weder Garten-Geräte noch faul Herumsitzende aufnehmen. Doch dies Ding ist bestellt und soll meinen Heim-Tempel an einem weitgehend abwurffreien Platz zusätzlich exotisieren.

sangha1

Schlimm an diesen Zauber-Schreinen ist, daß man immer einen noch schöneren entdeckt in der Vielzahl der balinesischen Lösungen. Man muß sich also einmal entscheiden, und darf dann nicht mehr weiterkucken – oder man muß noch mindestens 2 dazukaufen.

2sangha

Immer wieder staune ich, welchen Aufwand jeder balinesische Haushalt betreibt, um eine eigene Tempel-Anlage zu errichten. Das reicht vom Vogel-Häuschen-Format bis zu größeren ummauerten Höfen voller komplexer Türmchen und Pavillons. Und was für eine sorgfältige, stilsichere, hoch ästhetische Ausführung! Ein extremer Kontrast zum christlichen Schrott der Minahasa.

bale-piasan-Mopugat