Durchbruch

futurebanking

Nein, tibetanische Idioten-Esoterik, gemäß derer sich nach heftiger Meditation die Schädeldecke öffnet, war es nicht.
Zuerst fuhr ich zu einer Zentralasiatischen Bank in Manado, um dort ein Konto zu eröffnen. Meine war nicht in der Lage, monatlich automatisch zu überweisen. Also richtete ich bei der Zentralasiatischen ein Konto ein und überwies eine größere Summe, die dort nicht ankam, weil ich den Jurgen nicht angegeben hatte. In D hab ich den Jurgen nie gebraucht, aber wenn er im indonesischen Paß als 2. Vorname anwesend ist, führt ohne ihn keine Bank einen Auftrag aus, auch wenn Konto-Nummer und Name stimmen. Die Maschinen tun das schon nur mit Nummer, funktionieren jedoch nicht immer. Gerade hat Präsident Jokowi die indonesische Bürokratie scharf gerügt, die bei maximaler Aufgeblasenheit nur minimale Effizienz liefert.
Als ich 2 Tage später in der Zentralasiatischen Bank einen Dauerauftrag einrichten wollte, ging das dort auch nicht für Privatpersonen. Und das Geld, was ich auf mein neues Konto überwiesen hatte, war noch nicht da. Auf dem Hinweg gab das mikro aus ungeklärter Ursache seinen Geist auf, und wir mußten den Bus wechseln.
Als ich wiederum 2 Tage später am Automaten den Kontostand feststellte, zeigte sich immer noch kein Geld. Es war am fehlenden Jurgen hängengeblieben.
Auf den Rückweg von Manado saß ich im mikro, das eventuell schon die holländischen Imperialisten befördert hat, auf dem Platz, wo sich im Fußbereich manchmal die Batterie befindet. Man kann dort nur 1 Fuß auf dem Boden plazieren, der andere ruht auf den Batterie-Polen. Zwar leiten die synthetischen Sohlen nicht, die Batterie hilft aber wahrscheinlich beim Durchrosten des Wagenbodens. Neben mir hockte eine fette Wilde zum offenen Ausgang gewandt, weil sie im Fußbereich einen großen Karton in einer Plastiktüte abgestellt hatte. Es waren jedoch keine Hühner drin. Den mußte ich übersteigen, als der Kleinbus mein Dorf erreichte. Dabei lasteten meine 90kg + 3kg Katzenfutter, 3 Fischdosen und 560g Pasta-Sauce vorübergehend auf nur einem Fuß. KRACH! KNIRSCH! Mein Fuß brach durch den Wagenboden, und ich bemerkte den Asphalt unter mir. Zum Glück konnte ich mich gleich wieder befreien, und der Schuh war kaum, dafür der Wagen um so gründlicher beschädigt. Da wird wohl mal wieder etwas geschweißt werden müssen. Nur so das Notwendigste – bis zum nächsten Bruch.
Eine andere dieser fahrenden Blechdosen hatte man innen mit Eisenrohren rennsicher überrollfähig gemacht. Es handelte sich wirklich um Eisen, wie ich durch Klopfen prüfte, die Ecken bestanden jedoch aus 90° Plastik-Rohren. Mittelstreben wurden durch Klebe-Band zusammengehalten.
Und in Manado hatte ein Fahrer den Schalt-Knüppel durch den Griff eines Samurai-Schwerts ersetzt.

Kreuzgriff

kreuzgriff

Bevor der mikro-Fahrer die neue Brücke eines gigantischen Autobahn-Kreuzes erreicht, streift er mit seiner linken Hand über die Fransen, die sich unter einem kleinen Kreuz befinden, welches am Rückspiegel hängt. Dieses wiederholt er 2x und nochmal, als wir die Brücke erfolgreich überquert haben. Ich weiß nich, ob das korrekt iss. 3x ja, aber 4x? Man sollte die Geister nich überstrapazieren! Außerdem stürzen die Brücken trotzdem gelegentlich ein.

superhp

Ein muslimischer Fahrer macht das nicht, obwohl unter seiner glückbringenden Scheibe mit arabischer Kaligraphie auch ein Fransen-Bündel angebracht ist. Dazu ein Drehzahl-Messer, der die Drehs zählt – in 4 Dreh-Zonen.
Auf buddhistische Fahrer trifft man kaum. Hokuspokus wird vom Ur-Buddhismus ausdrücklich abgelehnt. Buddha bezeichnete jede Art magischer Praxis als nutzlos und verbot seinen Jüngern Handlesen, Traum-Interpretation, Feng Shui und glückbringende Amulette. Schon daran erkennt man, wie pervertiert chinesischer, tibetischer und thailändischer Buddhismus mit ihren Zirkus-Nummern sind.
Vor dem Einsteigen in Airmadidi fordere ich den Fahrer auf, die Musik leiser zu stellen. Das versucht er auch mit seinem angestöpselten HP, was jedoch nicht gelingt. Ein zu Hilfe gerufener Fahrer dreht dann einfach den Lautstärke-Knopf runter. Dann startet der schrottreife Wagen nicht. Auch dabei muß der andere Fahrer helfen. Vor der neuen Autobahn-Brücke, die schon befahren wird, obwohl sie noch nicht fertig ist, gibt der Wagen dann wegen Benzin-Mangels auf. Ich steige ohne zu bezahlen aus, schultere meinen Rucksack und mache mich zu Fuß auf den Weg Richtung Heimat. Sind ja nur noch 8km. Auf der langen Brücke holt mich das mikro ein, und der Fahrer fordert mich auf, wieder einzusteigen. Hinter der Brücke geht es bergauf, und der Wagen gibt endgültig seinen Geist auf, wobei er solange zurückrollt, bis der Passagier neben dem Fahrer letzterem den Tip gibt, die Handbremse zu ziehen. Dann steigen alle aus und in einen gerade eintreffenden anderen Wagen, in dem die Musik viel leiser ist.

Gasbeitrag

gasbeitrag

Die Frau mittleren Alters im mikro links neben mir rülpst 1x pro Minute. Nach dem Umsteigen in Airmadidi rülpst ein verschrumpelter Mann rechts vor mir 3x pro Minute – von Airmadidi bis Manado – was den Fisch-Geruch erklärt. Dabei bewegt er ständig kauend seine stark vorgestülpten Lippen wie ein Schimpanse und brabbelt vor sich hin. Offensichtlich ein Wiederkäuer. Als ein anderer Verrückter spastisch schlingernd aussteigt, der mich in Airmadidi euphorisch gegrüßt hat, lacht der Schimpanse über ihn. Was ist bloß los an diesem ganz gewöhnlichen Donnerstag? Wieso wird so viel gerülpst?

Ich bin auf der Suche nach einem Zahnarzt. Meiner ist verschwunden. In D verschwinden keine Zahnärzte. Meiner war so gut wie ein deutscher, sogar besser, weil nicht so geldgierig. Zwar hängt an seiner Tür noch ein Schild „OPEN“, jedoch finde ich im Internet „now closed“ – ohne Erklärung. Es gibt in Manado auch einen Zahnarzt-Palast mit dem passenden, jedoch abschreckenden Namen „Rich“ und ein „Dental-Kingdom“. Letzteres suche ich auf. Schon beim Anblick der weiblich verkitschten Fassade habe ich das Gefühl, hier falsch zu sein. Stufen führen in ein Keller-Geschoß, und alles weist auf einen ehemaligen Friseur-Salon. Der Empfangs-Bereich gemütlich wie im Puff, nur schwarz. Die ebenso gekleidete junge Frau, die im Halbdunkel auf einem schwarzen Sofa mit ihrem HP spielt, erkenne ich erst, als sie sich staunend erhebt. Von einer Zahnarzt-Praxis erwarte ich eher klinisch Helles, doch mein Blick durch die offene Tür in den grün-gelben Behandlungsraum zeigt auch dort Friseur-Design: mindestens 3 Zahnarzt-Sessel direkt nebeneinander. Steril ist hier nichts. Alles offen zur schmutzigen Straße. Diese „Praxis“ öffnet um 9, ich bin um 9:30 da, der Arzt wird mir für 11 angekündigt. Vielen Dank! Eine andere Adresse in Manado existiert auch nicht mehr. Jetzt habe ich ein weiteres Problem. Ich kann mir noch vom allgemeinen Arzt der staatlichen kranken Versicherung eine Überweisung zu einem drittklassigen Wanderarzt besorgen, der nur an bestimmten Tagen in bestimmten kranken Häusern praktiziert, wo er oft doch nicht auftaucht, so daß für mich eine tage- und wochenlange Wander- und Wartezeit entsteht – oder was?

Dabei begleitet mich mein Samsung S9, von dem sicher jemand behauptet, es sei funktional. Ich brauche es jedoch nur in eine Tasche meines Rucksacks zu schieben, und es macht schon Sachen, die es nicht soll. Das ist nicht etwa ein Problem der Berührungs-Empfindlichkeit, denn wenn ich es antatsche, muß ich das oft 3x tun. Es dauert meist, bis ich es davon abbringen kann, mich, anstatt das angezielte Motiv zu telephonieren. Jede Foto-Serie enthält mindestens 1 rätselhaftes Bild, welches das S9 selbständig geknipst hat. Neuerdings erhalte ich ganze Serien des gleichen Motivs. Und dann springt mich „Bixby“ an und überprüft meinen Netzwerk-Status, worüber You-Tube-Videos existieren, wie man das App killen kann. Aber nicht den Knopf, den man schon berührt, wenn man das Gerät nur anfaßt. Manchmal geht es auch nicht an, weil ich es verkehrtrum halte. An der Kasse im Bauladen muß ich meine Telefon-Nummer angeben. Die habe ich nicht im Kopf, sondern zeige sie – nach mehreren Drück-Versuchen – im S9. Dabei leuchtet die Lampe. Angemacht hab ich sie nicht, ausmachen kann ich sie nicht. Ich stopfe das Ding in meinen Rucksack und hoffe, daß die Lampe von selbst ausgeht.
„Ihre Lampe brennt noch“, warnt mich die Kassiererin.
„Ich weiß nicht, wie sie ausgeht“, antworte ich. Sie macht sie dann aus, muß dafür jedoch extra ein Menü aufrufen. Für ein Gerät, bei dem man aus ästhetischen Gründen schon nicht weiß, wo oben und unten ist, sollte man den Designer erschie… – na gut, lebenslänglich reicht auch. Wären in D ja nur kuriose 10 Jahre für die Mißhandlung von Verbrauchern. So wie meine neuen Folter-Schuhe von „Weinbrenner – Made in China“. Die bekommen Regime-Kritiker sicher kostenlos.