Warning

gratis

Einsteigen gratis.
Aussteigen?
Bezahl gefälligst!

Neulich stieg ich nach kurzer Fahrt ohne zu bezahlen wieder aus, weil der Fahrer anfing, mir seinen Terror-Baß in den Körper zu drücken. Und zum ersten Mal beobachtete ich eine überernährte, chinesisch wirkende junge Frau, die sich nach Besteigen des mikro bekreuzigte. Das nützt zwar nix, beruhigt aber. Auf ihrem Busen ein zartes, weißes Plastik-Kreuz. Bestimmt würde es ihr in Bayern gut gefallen. Ist ja dort auch sehr gebirgig, und das Meer würde ihr sicher nicht fehlen, denn die extreme Nagellänge ihrer kleinen Finger zeigte, daß sie handwerklich höchstens an verschiedenen Stellen rumbohrt. Auch hatte sie keine schwarzen Ränder unter den Nägeln wie ich. Gefährlich wirkte ihr kleiner, dicker Sohn im militärgrünen Trikot und gleichartiger kurzer Hose. Auf dem Rücken rot-weiß aufgedruckt „Ranger“, da drunter 2 stilisierte Handgranaten. Mehrere Wilde stießen sich den Kopf beim Ein- und Aussteigen an den etwa 20 aus der Decke ragenden Sehrlautsprechern. Zusätzlich befanden sich dort noch einige Düsentrieb-Verstärker mit Digital-Anzeige. Nur kleine Kinder konnten aufrecht ein- und austeigen.
Wie sich Muslime bei mikro-Fahrten absichern, weiß ich nich. Nun endet leider die Schlemmerzeit Ramadhan, und die Baß-Terroristen fangen wieder an zu toben. Es war einen Monat lang so wunderbar still, daß ich mir das ganze Jahr Ramadhan wünsche. Allerdings würden die Wilden dadurch hemmungslos übergewichtig. Hindere einen am Essen, und er denkt nur noch daran. Manchmal beschlich mich sogar das Gefühl, hier völlich allein zu sein.
Bin ich ja auch.
Aba, BUMS! stirbt eina, und schon geht das Gejaule wieda los.

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Göttliches Design

kirchendesign

Schickt doch einfach diese peinlichen Bayern, die sich in D nich genuch kruzifixieren können, nach Nordsulawesi. Hier wimmelt es von Kreuzen. Da fiele es ganich auf, wenn noch mehr rumgesödert würde. Bei meinem Zahnarzt hängt eins im Warteraum, kann sich jedoch auf die eigentliche Behandlung nich negativ auswirken. Auch werden gerade die zahlreichen 1-Turm-Kirchen auf 2 notre-damisiert. Doch wieso dieser junge Mann in dem chaotischen Computer-Laden, in dem ich imma illegale Software kaufe, auf einem Tresen professionell aber ohne Lineal einen Kirchen-Grundriß zeichnete, blieb rätselhaft. Wahrscheinlich zog er nur die Linien einer schwachen Kopie nach. Er arbeitete so konzentriert, daß er nicht mal bemerkte, wie ich ihn fotographierte. Wieder ein Werk im Torten-Stil. Man sieht, wie sich das Geld der Armen in gotischen Beton mit kitschigen Bleiglas-Fenstern verwandelt. Der Schirm zeigte gerade an, wie weit „Stronghold 3“ für 2 Euro schon auf meinen Stick geladen war. Mit „Anno 1404 – Venedig“ hatte ich tage-, eventuell sogar wochenlang gespielt, hatte den Kaiser-Dom und die Sultans-Moschee gebaut – bis sich meine Augen entzündeten – und „Stronghold 3“ soll auch nich gut für die Augen sein. Vielleicht war ich deshalb etwas gereizt, als ich in der „Pizza-Hütte“ nicht bedient wurde. Deshalb verließ ich das Restaurant und begab mich in ein Soto-Lokal. Dort passierte das gleiche. Vielleicht lag es ja an der hohen Luftfeuchtigkeit. Doch hier griff ein javanischer Elektro-Ingenieur ein, der gleich neben mich rückte, um an mir sein schlechtes Englisch zu praktizieren. So konnte ich mein schlechtes Indonesisch üben. Wir wurden uns schnell darüber einig, daß die auch auf Java ekstatisch rumschreienden Christen nicht alle Tassen in der Kirche haben. Er selbst Moslem, und in seinem Dorf 1 Moschee, aber 6 Kirchen. Ich stellte fest, daß die Minahasa besonders primitiv wären, was er gleich an seine Frau weitergab, die ganich seine Frau war, und jene bestätigte mit: „Indeed!“ Sie besaß ein angenehmes Gesicht, welches sie wiederholt telephonierte, doch wäre es besser, wenn sie mindestens 10 kg abnähme. Sie telephonierte auch uns beide, und der Ingenieur wollte die Ergebnisse zu Facebook schicken. Ob ich das auch wollte, fragte er nich. So bin ich ma wieda im Gesichtsbuch gelandet. Ab und zu bekomme ich von Facebook Einladungen auf Türkisch. Wahrscheinlich verträgt deren Algorithmus auch keine hohe Luftfeuchtigkeit. Auf seinem Facebook-Account zeigte mir der Ingenieur seine wirkliche Frau und 2 Kinder. Ganz stolz war er auf einen Sohn, der internationaler Karate-Meister ist.

goettliche-vollmacht

Auf der Rückfahrt wurde die Falttür des mikro von der üblichen hölzernen Klammer aufgehalten. Zusätzlich durch eine Kinder-Sandale, wie ich sie jetzt – zusammen mit vollgeschissenen Windeln – nach den starken Regenfällen aus meinen Bewässerungs-Kanälen fische. Leider immer nur 1 Schuh. Aber 2 Schildkröten gestern. Eine war durch einen merkwürdigen Auswuchs an der Unterseite behindert. Auf der Tür warb Thomas Budiato für seine Heil-Künste, die er im Mai mittels göttlicher Vollmacht auf Kranke anwenden will. Wahrscheinlich auch auf die Tauben, denn daß der Krach, den die Minahasa ständig produzieren, ohne Hörschäden bleibt, kann ganich sein. Entweder die Mediziner lügen, wiese das schon bei den angeblich schädlichen Auswirkungen von Hanf- und LSD-Konsum getan haben, oda die Schäden werden einfach durch den von oben abstürzenden goldgelben Vogel repariert, welcher auch eine Hand sein könnte.
Mir wurde das im mikro jedoch mal wieda zu viel, als der junge Fahrer nach einigen recht angenehmen englischen Stücken seine offensichtliche Lieblings-Sängerin, die davon sang, wie ihr Lover ihr ins Gesicht geschossen hatte – was ganich sein kann – also als der Fahrer diesen Schmus drastisch aufdrehte, kochte mein Adrenalin-Topf über. Da jedoch mein Umsteige-Ziel nahte, stopfte ich mir nur einen freien Finger ins Ohr, und brüllte: „MUKA!“ Das bedeutet „Gesicht, Front“. Man ruft es dem Fahrer zu, wenn er anhalten soll. Die Wilden vor mir zuckten zusammen, drehten sich entsetzt um und ich stieg aus.
Doch es gibt auch nette Fahrer: In Manado stellte einer fest, daß wir im gleichen Dorf wohnen, und war deshalb nicht zu bewegen, meine 24 Cent Fahrgeld anzunehmen.

Strich durch die Rechnung

eingeschlafen

Aufgrund der zahlreichen Betrugsfälle hat das staatliche Strom-Versorgungs-Unternehmen PLN, das uns meistens mit Strom versorgt, die Zähler gegen elektronische Geräte ausgetauscht, in die man 20 Zahlen eintippen muß, wenn es zu piepen anfängt – dann hat man wieder Strom. Dafür kauft man im Büro der PLN, in einem privaten Wohnzimmer mit PC oder an der Supermarkt-Kasse einen token, auf dem die Zahlen stehen. Das PLN-Büro ist oft nicht besetzt, weil gerade eine Oma gestorben, im Wohnzimmer geht das Internet nicht, und im Supermarkt ist Stromausfall. Deshalb kaufe ich immer 1 token auf Vorrat. Diesmal im Supermarkt. Dort sah er aus wie ein gewöhnlicher Kassenzettel, hier slip genannt. In manchen Supermärkten bekommt man keinen slip, und ich mag dann die Verkäuferin nicht auffordern: „Ich will den Slip!“
Dieser token-slip aus dem Supermarkt verlor innerhalb eines Monats seine Farbe, und die Zahlen waren nicht mehr lesbar. Auch nicht von der PLN rekonstruierbar. Schaden: 11,83 EUR. Typisch indonesisch, daß der Kunde immer der Dumme ist.

Im mikro saß ich diesmal eng, aber relativ bequem neben einer relativ hübschen jungen Frau. Wir glitten zu relativ erträglich lauter Schmuse-Musik durch die Landschaft, und ich stellte mir vor, wie ich zu dem gesungenen Schmalz langsamen Walzer tanzte. Die Frau – Typ Angestellte mit weißer Bluse, an der sie herumzupfte, und schwarzem Rock – hatte einen Tortenkarton auf dem Schoß, auf dem sie den Takt trommelte, sofern sie nicht ihr Handfön bediente. Der Kartondeckel besaß ein durchsichtiges Fenster in Herzform – wie bei manchen Särgen – durch das man die ungenießbare Torte sehen konnte. Alle Torten auf Nordsulawesi sind ungenießbar. Dann, nachdem sie – die Frau – ihre geschwänzten Haare gerichtet hatte, fing sie leise mit hoher Stimme an mitzusingen. Daß Frauen in meinem Einzugsbereich zu singen anfangen, ist nicht ungewöhnlich. Bei Odysseus soll das ja auch so gewesen sein. Deshalb braucht man mich jedoch nicht festzubinden. Verblüfft hat sie mich dann schließlich doch noch, als ich mein Fahrgeld zusammensuchte. Da zeigte sie mir die 5 Finger ihrer linken Hand und sagte das auch so. Ich antwortete, daß ich wüßte, wieviel ich zu bezahlen hätte, dachte jedoch vor mich hin: Wo iss ihr sechster Finger? Denn der Fahrpreis Airmadidi-Manado beträgt 6000 Rupiah (~38 Cent). Mein Fehler ist, daß ich in überraschenden Situation zuerst immer denke, daß ICH was falsch gemacht, übersehen oder nicht verstanden habe. Schließlich bin ich neu hier. Aus Erfahrung angemessen wäre es jedoch, davon auszugehen, daß ich von Idioten umgeben bin.
Kurz bevor ich bezahlen wollte, reichte sie mir plötzlich einen 10000 Rupiah-Schein und nahm mir meinen 5000-Schein aus der Hand. Ich sollte für uns beide bezahlen, weil sie kein Kleingeld hatte und die Fahrer oft auch nicht. In der Hitze verlangsamt sich meine Gehirntätigkeit bis fast zum Stillstand, mir war nur klar, daß die Rechnung nicht stimmte. Doch gab ich dem Fahrer den 10000-Schein plus meine 1000 in Kleingeld, und bevor er die Münzen nachzählen und merken konnte, daß 1000 fehlten, war ich schon umgestiegen. Und sie saß wieder neben mir. Da erklärte ich ihr, daß ich dem Fahrer 1000 zu wenig gegeben hatte, weil die Fahrt 6000 kostet. Sie biß sich auf die Lippe und lachte.
So machen mir diese Wildinnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung.
Der Fahrer wird gedacht haben: Immer diese dummen Ausländer!
Und dann gibt es noch diesen Strich durch meine Lebens-Rechnung.
Da ist auch die Tinte verschwunden.
Alles weiß.