Philosophieren mit Jungfrau

scholastik

„PREPARE YOUR SELF TO BE A LEADER“. So sieht sich die katholische Minderheit innerhalb der Minderheit der Christen Indonesiens. Gute (= teure) Ausbildung der Kinder in Konkurrenz zu den staatlichen Schulen. Auf einer Ausstellung von Ausbildungs-Angeboten in einer Mall Manados fand ich diesen Stand, der für ein katholisches Philosophie-Seminar warb. Ausgestattet wie ein Altar. Ein deutlich kleineres Kruzifix hing noch oben über der Madonna und zeigte, wo die Schwerpunkte der Götzenanbetung liegen. Gern schmücken sich die hiesigen Christen mit dem Begriff Philosophie, und man kann sie während der katholischen Zauber-Rituale eventuell sogar lateinische Liturgie rezitieren hören. Gemeint ist jedoch die scholastische, wie sie weltweit von der römisch-katholischen Kirche gelehrt wird, die mit Johannes Scottus Eriugena (810-877) begann und im 15. Jahrhundert überwunden wurden. Es geht nicht darum, analytisches Denken zu lernen, sondern das Ergebnis ist deduktiv vorgegeben. Der Prozeß des Philosophierens dient nur dem Erhalt und der Machterweiterung weltweit aktiver Religions-Konzerne, die nichts anderes produzieren als Unsinn. Die Philosophie dient dabei als Magd der Theologie (ancilla theologiae). Niemals wird den jungen Menschen geistige und moralische Autonomie angeboten sondern ein autoritäres Dogmen-Gebäude. „Ich glaube, damit ich verstehe.“ (credo ut intelligam). Der Hauptzweck ist ein nichtphilosophischer, weil die letzten Wahrheiten angeblich feststehen und niemals in Frage gestellt werden dürfen. Wer wie Scottus der Vernunft immerhin eine hohe Stellung zuweist, wird umgehend als Ketzer und Gotteslästerer abgestempelt. Das paßt zu dem in der Präambel der indonesischen Verfassung versteinerten Glauben an einen Gott, an den sich keine Religionsgemeinschaft hält. Allein Hinduismus und die chinesischen Religionen enthalten tausende. Doch wer wirklich nach „veritas“ strebt, die über das räumlich und zeitlich Gebundene hinausreicht, was keiner der größten Philosophen auch nur annähernd erreicht hat, landet in Indonesien schnell im Gefängnis. Eine der finstersten Seiten indonesischer Kultur. Auch wenn die „FAZ“ die Scholostiker gerade in einem Artikel zu rehabilitieren versucht, wird die Funktion ihrer Lehren schon am Beispiel des Johannes Duns Scotus (1266-1308) deutlich, der vorschlug, die Juden auf ein Insel-Reservat der „Verfluchten“ zu verbannen und die Zwangstaufe für deren Kinder forderte.
Zwar gehört Philosophie zur Lehrer-Ausbildung, als Fach habe ich es jedoch weder als Schüler noch als Lehrer erlebt. Aber einen Ex-Friseur, der katholische Religion am Gymnasium unterrichtete. Überlaßt die Schulen nicht den Gauklern!

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JÄÄÄH-SSUUHS

laut

„Es handelt sich nämlich um ein Resonanzphänomen. Bedrängt von der Rätselhaftigkeit seines Daseins und seines eigenen Wesens ist der Mensch schlechthin darauf angewiesen, seine Selbstdeutung über ein Nicht-Ich heranzuholen, über ein Anderes-als-Menschliches.“
Arnold Gehlen, „Die Seele im technischen Zeitalter“, 1957

Als ich am Samstag auf dem Rückweg von Manado mit durch Katzenfutter schwer bepacktem Rucksack in meinen Lorong Jerman einbog, der jetzt eigentlich umgetauft werden müßte, weil kein Jerman mehr drin wohnt, hörte ich sie schon von weitem schreien: In einem kleinen Haus, in dem sich Christen aus Halmahera angesiedelt haben, seit dort die schweren Unruhen zwischen Moslems und Christen ausgebrochen waren, fand ein Haus-Gottesdienst statt. „Without worship no reign!“ Oda „rain“? Den gips auch ohne reichlich. Die Priesterin verbreitete ihren theologischen Schwachsinn in totaler Brüll-Ekstase. Zu dem völlig überflüssig elektronisch verstärkten Volumen ihrer Stimme gehörte sicher auch ein entsprechend physisches. Sehen konnte ich das zum Glück nicht. Während ich das Haus passierte, steigerte sie sich in einen schluchzenden Fake-Orgasmus hinein, an dessen Ende ein zweimalig erlösend gestöhntes „JÄÄÄH-SSUUHS!“ deutlich machte, daß sie es geschaft hatte. „Wo man singt, da laß dich ruhich nieda. Wo man singet, wird kein Mensch beraubt.“ Das iss ja wohl eine der verfehltesten Empfehlungen der deutschen Leid-Kulturgeschichte, und der Seume hat übahaupt keine Ahnung von Indonesien gehabt. „Seume gehört zu den Leuten, die gern von Sachen schreiben, die sie nicht verstehen.“ (Johann Christian Reinhardt). „TUHAAN TAU-UUUH!“ Aber Gott weiß bescheid. Wenn sich solche Irren in von Moslems beherrschten Regionen niederlassen und dort eine Garage ohne Genehmigung zur Kirche umfunktionieren, kriegen sie Zunder. Das wird dann von den internationalen Phädophilen-Organisationen als Christenverfolgung verkauft. Die Moslems jammern auch aus Sehrlautsprechern, aber meist nur kurz und mit Stil. In 17 Jahren bin ich von ihnen nicht ein einziges Mal anmissioniert worden, doch Christen können andere nicht in Ruhe lassen. Eventuell versprechen sie dem einen Kühlschrank, der die Seiten wechselt – was in Indonesien ausdrücklich verboten ist. Wer in solch einer zauberhaften Gegend so eingeklemmt ohne jegliche Fernsicht haust, demonstriert allein schon dadurch die Abwesenheit ästhetischer Bedürfnisse. Wer dazu noch seine gesamte Nachbarschaft mit diesem pathetischen Schwachsinn terrorisiert, obwohl sich religiöse Orgasmen auch mit Zimmerlautstärke abhandeln ließen, sollte sich nicht über Gegendruck wundern. Übrigens wollte die Hausherrin mal ein Grundstück von mir kaufen, weil es ihr an ihrem Platz zu laut war. Dauermassage durch Subwoofer hat sie nicht so gern.
Ich mußte an die intoleranten Pilgerväter denken, die Nordamerika ruiniert haben. Jene „Heiligen“ waren nicht nur besonders radikale Calvinisten, die ihre Religion nicht frei ausüben konnten, sondern Asoziale und Irre, die mit ihrem Fanatismus in ihrer Heimat unangenehm auffielen. In der neuen wurden dann die Indianer ihre ersten Opfer, indem man ihnen u.a. verbot, samstags zu jagen. Und da rigides Verhalten durchaus genetische Spuren entwickeln kann, braucht man sich nicht über den heutigen Zustand der amerikanischen Gesellschaft zu wundern. Wenn die Fakten stimmen, sind Frauen international die Religionsträgerinnen. Männer ziehen echte Orgasmen vor. Und es waren überwiegend Frauen, die den Schwachkopf Trump gewählt haben. Die ganze Pazifik-Region ist von einer Unzahl christlicher Sekten verseucht, deren Ursprung hauptsächlich in den USA zu finden ist. Inzwischen missionarisch sogar schon von den Südkoreanern überflügelt, die noch verrückter sind.

Entlassen, verdächtigt und verloren

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Zuerst hamse mich aus der deutschen Staatsbürgerschaft „entlassen“. Da wurde mir erst richtich klar, wie ich die ganze Zeit gefangen war. Und zum Abschluß ein Bescheid der Deutschen Botschaft in Jakarta. „Betreff: Verdacht auf Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit“.
Verdacht? Verlust?
Verdacht bedeutet Argwohn, und Argwohn iss eine schlimme Vermutung. Wieso vermutet die Deutsche Botschaft etwas, an dessen Verfahren sie beteiligt war? So gelang es mir trotz der typischen Unfähigkeit einer indonesischen Angestellten, von der Botschaft ein benötigtes Schreiben zu bekommen, daß keine Bedenken von deutscher Seite gegen den Wechsel meiner Staatsbürgerschaft bestanden. Man war also informiert. Und nachdem ich den Internet-Ausdruck meiner neuen Staatsbürgerschafts-Urkunde, die mir selbst nur als Kopie vorliegt, der Botschaft zugesandt hatte, auf Anforderung auch meinen Paß, war eigentlich keine Frage mehr offen. Verliert man etwas, was man selbst aufgibt? Warum nicht einfach „Wechsel der Staatsbürgerschaft“? Wer hatte denn diesen Bescheid fabriziert? „Mahdi-Hegewald, RA“. Achso! Wieder so einer der deutschen Sprache wenig mächtigen Multikuturellen, die in D früher nicht mal Abitur bekamen. Oder sollte es sich hier um eine Frau handeln? Selbst indonesische Ministerpräsidenten besitzen hinten ein „i“. Ich weiß sonst nur von dem islamischen Extremisten Madhi, der im 19. Jahrhundert die Engländer gründlich verhauen hat. Man wird sich wohl daran gewöhnen müssen, daß sich auch in deutschen Amtsstuben jene Klientel ausbreitet, die den Anforderungen nur noch bedingt gewachsen ist. Zum ersten Mal habe ich das erlebt, als ich durch das Erbe meines Vaters ungewollt zum Vermieter wurde und mir den Zorn von sehr grünen Mietern zuzog, die einen Anwalt einschalteten, der schriftlich nur in rätselhaftem Deutsch stammeln konnte. Aber was soll’s. Ich habe viel zu viel Lebenszeit damit verplempert, andere Menschen mehr oder weniger erfolgreich zu erziehen. Aus! Vorbei! Neues Kapitel. Das letzte.
Da hatte es der adventistische Heiler Roger, der wieder sehr krank iss, doch einfacher: Nach tagelangen Sitzungen im Einwohnermeldeamt – u. a. vor der nicht funktionierenden Kamera – bekam er versehentlich statt des braunen den blauen Ausweis der Einheimischen, den ich gerade unter großen Qualen zu erhalten versuche. Doch da ich in einem brandneuen Verfahren online eingebürgert wurde, fehlen Daten für die PC-Maske des Einwohnermeldeamtes. Z.B. das Datum eines Schwurs, daß ich die indonesische Verfassung imma als heilich ansehen werde. Ich brauchte aba weder die National-Hymne singen noch schwören. Deshalb dauert das jetz wieda einige Monate, bis ich einen neuen Ausweis kriege. Bis dahin bin ich ausweismäßich irgendwie ganix.