Vater und 4 Ziegen

zweizig

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Daß selbst Juristen, deren wichtigste Methode das kalt-rationale Denken ist, ab und zu verbal entgleisen, kenne ich von meinem Vater. Der Grund liegt möglicherweise darin, daß es enorm frustrierend sein kann, ständig mit Halbidioten zu tun zu haben, denen fakten-basiertes, logisches Denken fremd ist. Da man in der Politik auch noch populär sein muß, um gewählt zu werden, klingen öffentliche Reden eventuell wie die von Stephan Brandner 2017 in Jena: „Man liest und hört ja, daß eure Eltern meistens Geschwister waren, und wenn ich mir das ein oder andere Gesicht genauer anschaue, meine Damen und Herren, dann habe ich fast den Eindruck, als wären die Haustiere auch nicht weit gewesen.“ In Erfurt definierte er 2018 eine syrische Kleinfamilie als: „Vater, Mutter und zwei Ziegen“. Wenn solch ein Typ zum Vorsitzenden des Rechts-Ausschusses des deutschen Bundestags gewählt wird, so setzt das durchaus die Tradition deutscher Politik fort. Schon vergessen scheinen der Stil von Herbert Wehner (SPD) und Franz Josef Strauß (CSU), sofern letzterer überhaupt nüchtern sprach. Entgleist eine sozialdemokratische Germanistin verbal, die sich mit dem weltbewegenden Thema „Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman“ magistriert hat, gilt das als Scherz. Einen Fachmann wie Brandner als Vorsitzenden zu haben, ist zumindest sinnvoller als die Leiterin eines Katzen-Schutzvereins oder einen Buchhändler mit Alkohol-Problemen, der das Abitur nicht geschafft hat. Posten in der Exekutive werden spätestens ab Staatssekretärs-Ebene nach Parteibuch und nicht nach Qualifikation vergeben – was u.a. die permanent drohende, jedoch nie eintretende Bildungs-Katastrophe in D erklärt.
Als alleinstehender Vater mit 4 Ziegen kann ich es nur begrüßen, wenn Ziegen endlich die ihnen gebührende Aufmerksamkeit in der Politk erhalten, denn skandalöserweise fehlt noch immer ein Ziegen-Ausschuß. Ich würde dafür jedoch nicht zur Verfügung stehen – als parteiloser Ausländer! Noch bis in die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts erlitten die Ziegen, Symbol armer Leute, oft ein trauriges Los. Erst mit der Beseitigung des faschistischen Jochs konnten sich auch die freiheitsliebenden Ziegen emanzipieren. Wenn sie heutzutage von urbanen Jüngern geplanter Obsoleszenz, die sich nur bei Handy- und Automarken gut auskennen, gelegentlich wieder diskriminiert werden, so ist jenen wohl nicht bewußt, wie weit sie schon zu Androiden mutiert sind.

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Niedlich

niedlich

Hatte doch Udin gerade vermutet, daß es beim Deutschen von Schlangen nur so wimmeln müsse. Och nö! Eigentlich war schon lange keine mehr im Haus. Bloß als ich mich gestern zum Eisessen auf meiner Pazifik-Veranda niederlassen wollte, saß da schon eine und kuckte mich neugierig an. Die mußte ich gleich – ohne sie zu fotographieren – mit nem Besen innen Teich befördern, weil mein Eis schmolz. Und als sie im Wasser noch rummachte, hielt ich ihr den Besen drüba, worauf sie tieftauchend verschwand. Vielleicht hatte sie so ihre höchstens daumendicken 90cm. Das war mittags. Danach hab ich ersma die Ziegen gefüttert, geduscht, meine kranke Haut verarztet und wollte mich gerade auf meinen Wasserfall-Beobachtungs-Sessel setzen – da saß schon eine. Eine wesentlich kleinere. Vielleicht die Tochter, die sich schon eine Weile in meinem Wohnzimmer rumgetrieben haben mußte. DAS war knapp! SO geht das nich! Das iss MEIN Platz! Ich hab nur den einen, mehr brauch ich ja nich. Wenn ich noch n zweiten Sessel hätte, könnte man ja zusammen Mogu-Mogu trinken und sich n bischen darüba untahalten, wie das so iss als Schlange. Ich mein, die hams ja auch nich leicht. Neulich, als ich zum Einkaufen ging, happich eine grüne getroffen, deren Bisse sehr krank machen, wie mir mal ein Balinese erzählte. Die war völlich platt.

Schwingungen

zikade

Wherever
you may fall,
who is there to cry
in a strange land?
The cicadas.
Only the cicadas cry.

„Zatoichi and the Fugitives“

ZIIIIEH – ZIIIIEH – ZIIIIEH. Dieses schrille Gekreische hat mir immer gefallen. Lauter als der TÜV erlaubt. Von Anfang an verband ich es mit tropischer Exotik. Es ist wild, zeigt akustisch, wo du dich aufhälst: im Dschungel. Das langsam schwingende Sirren der Zikaden dringt ganz anders in dein Hirn, als das Geschrei der dummen christlichen Weiber aus den Sehrlautsprechern, das vom Jaulen der Hunde begleitet wird. Es hüllt dich ein. Niemals hörst du es da, wo die modifizierten Wilden alles Lebendige zerstört haben. Es bringt meinen Oberkörper in sanfte Pendelbewegung, während ich beim Morgen-Kaffee auf der Pazifik-Veranda den Sonnenaufgang am Horizont beobachte. Schaukel-Bewegungen eines notorischen Autisten. Einmal um die Welt geschaukelt. Schaukeln for ever.

„Da es überhaupt so viele traurige Dinge gibt,
weine ich des Tages mit den Zikaden
und klage des Nachts mit den Fröschen.“

Mori Ôgai , „Wellenschaum“, 1890