Cholelithiasis

gallenstein

2 gleichmäßig pechschwarze Steine wurden mir mittels Laparoskopie mitsamt der Gallenblase herausgeschnitten. Die Steine sind scharfkantig und hart. Beim Aufschneiden mit dem Skalpell in der Konsistenz bröselig wie Kalk. Auch innen schwarz, also eher keine Cholesterin-Steine, die einen zum Mantel farblich unterschiedlichen Kern besitzen.

gallenstein2

Demnach müßte es sich um Bilirubin-Kalkstein (Maulbeerstein) handeln, der weniger als 20% Cholesterol enthält, stattdessen durch Ausfällung von Calciumsalzen entsteht. Somit bleibt die Ursache für ihre Bildung offen. Zwar trinke ich seit über 2 Jahren mein eigenes Grundwasser unabgekocht aus ~25m Tiefe, weil ich das ohnehin fragwürdige käufliche nicht auch noch ranschleppen kann, und es hinterläßt heftige Kalkspuren auf Kacheln und unedlem chinesischem Stahl, jedoch um hier über einen Zusammenhang zu spekulieren, müßte ich wissen, wie lange solch ein Stein für die Größe von ~1cm braucht.
Als Folge der Operation anfangs deutliche Besserung der Stoffwechselstörungen. Nach 1 Woche wieder verstärkte Beschwerden (Sodbrennen). Dabei ist mir nicht klar, mit welcher Diät ich gegensteuern könnte, denn ich ernähre mich schon relativ gesund und fettarm, indem ich mir das extrem ölhaltige und in jeder Hinsicht ungesunde indonesische Essen nur modifiziert einverleibe. „Please show me the consensus pick for what a ‚proper diet‘ is. Even if some particularly dietary choices may lessen the risks for continued presence of gallstones, it’s likely to have other consequences. I have yet to see any statement of what a ‚proper diet‘ is for general purposes. I don’t think it exists.“ „I had my gall bladder surgically removed two years ago, and have had a lot of problems after that.“

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Protokolle aus dem Labyrinth (3)

wartestuhlsw

„Wo beten denn Buddhisten?“ fragt eine der Bürokratie-Schwestern in der Aufnahme, die mich anfangs nicht aufnehmen will, weil eins der überflüssigen Papiere fehlt. Vielleicht machen sie sich Sorgen, wie sie sich verhalten sollen, wenn ich die Operation nicht überlebe. Letzter Ölwechsel entfällt. Ekstatische Anrufung erfundener Götter? Räucher-Stäbchen anzünden? Verbrennung ist nicht möglich, weil es keine Krematorien mehr gibt.
Es könne ALLES passieren, betont der freundliche, fließend englisch sprechende Anästhesist, ich könne sogar sterben. Doch bevor es losgehe, würden wir zusammen beten, um uns der Hilfe des Allmächtigen zu versichern. Und nochmal unmittelbar vor der Operation, aber das bekäme ich dann wegen der Narkose nicht mehr mit. Da sei ich dann schon ganz weg, weg, weg. Das beunruhigt mich, denn ich setze auf die Kraft der Wissenschaft. Dagegen scheinen mir betende Ärzte nicht hinreichend auf das Geschehen konzentriert. Und wieder muß ich unterschreiben. Hier und da und da. Seine Assistentin, die mir die Papiere hinhält, hat einen Schnurrbart.
Als ich im Rollstuhl zum Krankenwagen transportiert werden soll, kommt die dumme, kranke Schwester auf die Idee, meine Schuhe im Raum zu belassen. Dann brauche man sie nicht nach der OP in einer Tüte zurückzutragen. So bin ich später der einzige in der Rollstuhl-Warteschlange ohne Schuhe und mit nur einer Fuß-Stütze. Also steige ich barfuß in den kranken Wagen, der uns ins Tal bringt. 2 Sitze. Neben mir ein junger, depressiver Nierenstein-Träger. Hat er nicht die gleiche Droge bekommen? Ich dagegen fühle mich entspannt und albern. Meine Ex sitzt auf dem Radkasten, neben ihr der Vater des Depressiven auf dem Wagenboden. In der Mitte rollen die 2 zusammengefalteten Stühle hin und her.
Vor der Schlachtbank wieder warten. Name, Größe, Gewicht, Schulbildung, Religion? Hinter mir einer mit Sonnenbrille, der an die Wand starrt und nix sagt. Ich nutze die Wartezeit, um mit dem Rollstuhl zu üben.

vorraumsw

Dann hinein in den OP-Vorraum, in dem es wie auf einem Markt zugeht. Ganz hinten schreit ein Kind erbärmlich. Ich muß pissen und hab keine Schuhe. Ein Netter aus dem OP-Team leiht mir seine Gummi-Latschen, ich benutze eine sehr nasse Naß-Zelle, gebe ihm die Schuhe zurück, und er geht damit in den OP-Raum. Dort werde ich nackt gekreuzigt, und es ist sehr kalt. Der freundliche Athe … äh … Anästhesist schmiegt seinen Kopf an meine Schulter und betet flüsternd. Derweil betrachte ich die schicke Parabol-Lampe von Kärcher über mir. Sie enthält lauter kleine, konkave Spiegel, die mich alle abbilden, und unmittelbar bevor der Film reißt, sehe ich noch, wie sich rote und grüne Lämpchen darin wiederspiegeln. Wenn sie sich drehen würden, wäre mir ganz psychedelisch.

narkose

„Guck mal, wie zufrieden er aussieht!“ sagen die Wilden über solche Leichen. Das iss ein ganz falscher Irrtum. Die Gesichts-Muskeln sind nur total entspannt, und danach kommt nicht das Himmelreich sondern die Hölle der Schmerzen, wenn die Betäubung abklingt. In der Nacht rutscht die Infusions-Nadel aus der Vene, weil das Klebeband auf meiner schwitzenden Haut nicht hält, und die auslaufende Flüssigkeit durchfeuchtet Hose und Laken. Ich könne mir ja ein besseres Klebeband selbst besorgen, empfehlen die nur mit Akten beschäftigten kranken Schwestern, aber man wolle mir jetzt stattdessen Tabletten geben. Das wird leider vergessen.
Gleich am nächsten Tag werde ich entlassen, trage meine Utensilien in einem Sack ins Tal, finde dort nach mehreren Versuchen einen funktionierenden Geldautomaten, bezahle insgesamt ~910EUR und fahre mit 3fach durchstochener doppelter Kreuzgurtung meiner Bauchmuskulatur nach Hause. Dort beginnen dann schwere Koliken und Muskel-Krämpfe, aber selbst das habe ich überwunden.

Protokolle aus dem Labyrinth (2)

vipsofa

Nachts um 22Uhr weckt mich eine kranke Schwester: Ob ich wüßte, daß ich bis zur Operation 1 Blutspender finden müsse? Ich dachte, dieser Irrsinn wäre inzwischen überwunden. Vor Jahren mußte man sogar Spritzen, Katheter, Verbandsmaterial und Infusions-Flaschen selbst mitbringen. Zudecke, Handtücher, Seife und Klopapier sowieso. Besser auch das Essen. 3x am Tag je 1 durch Chili ungenießbares Stück Fleisch und Fisch mit wäßrigem Reis und ebensolcher Suppe. Nichts zu trinken. Dafür steht nun ein für Liegende unerreichbarer Wasser-Automat bereit. Zwar wird das Essen regelmäßig geliefert, jedoch nicht immer abgeholt.
Eine Freundin meiner Ex wird zum Blutspenden herangekarrt – und hat zu hohen Blutdruck. Eine andere erweist sich als zu alt. Schließlich spendet ein darin bereits geübter Ex-Fahrer.
Wo ich denn herkäme, fragt die Schwester. Und wo denn D sei. In Europa, in der Nähe von Frankreich. Das sagt ihr alles nichts.
Nicht mehr in ist es, 3x am Tag den Blutdruck zu messen (Fieber ist uninteressant!), obwohl sich meiner immer als OK erweist – sofern er nicht auf Grund chaotischer Verhältnisse zeitweise auf 140 hochkocht. Inzwischen hat man dafür elektronische Geräte, u.a. eine Art Wurstmaschine, in die man seinen Arm steckt, damit sie ihn schnappen und verarbeiten kann. Nun ist es Mode, ständig einen Mundschutz zu tragen, um damit den irreführenden Eindruck von hygienischen Verhältnissen zu suggerieren. Durch den spricht das Personal zu mir, und ich verstehe noch weniger. Auch kann ich die Wilden nun schwerer identifizieren.

vipklo

VIP-Sehrnaß-Zelle. Dusche kaputt. Man kippt sich das Wasser aus einem ständig überlaufenden Bottich (weil ein verrotteter Wasserhahn nicht richtig schließt) mit der roten Kelle über den Körper. Auf den lauern immer zahlreiche Mücken. Der schleimige Boden ständig unter Wasser, das sich um das Klo herum aufstaut und durch ein Loch im Fußboden nach draußen abläuft. Keine Fußmatte, denn die wird gebraucht, um aus dem AC-Gerät tropfendes Wasser aufzufangen.