A Te Em

verwahrlost

Manche meinen, in meinem Dorf leben besonders Primitive. Ich vermute das auch, kann es aber nicht endgültig beurteilen. Doch den Zustand des Häuschens an der Kreuzung, in dem sich 3 ATM-Maschinen befinden, habe ich bisher so noch nirgendwo gesehen. Schon die Glastür ist kaputt und immer offen. Deshalb wirkt auch die Klima-Anlage nicht, und es ist innen immer schön warm wie im Gewächshaus. Wenn die Sonne draufscheint, erkennt man auf dem Bildschirm nichts mehr. Ein Automat schon verschwunden. Vielleicht war ihm zu heiß.
Der meiner Bank fraß neulich meine Karte – und dann nichts mehr. Ich wartete eine Weile, fing an, auf dem Ding rumzutrommeln – keine Reaktion. Dann bemerkte ich einen Schlitz zwischen dem rausziehbaren Oberteil und dem dazu gehörenden Sicherheits-Schloß. Also zog ich das ganze Oberteil auf seinen Gleitschienen raus und bekam Einblick ins Innere. Dort lag eine Diskette, ich sah die Quittungsrolle und einen USB-Anschluß mit Stecker. Daran hätte ich mich eventuell anschließen können. Ferner gab es ein grünes Rad, an dem ich rumdrehte, und einige aufklappbare Kleinteile, die mich jedoch nicht näher an meine verschluckte Karte brachten. Auch fand ich kein Geld. Ich schob also das Oberteil wieder in seine korrekte Position und ging Einkaufen. Danach inspizierte ich den Kasten nochmal und fand meine Karte einsam im Schlitz ruhen. Die Entdeckung teilte ich meiner Bank per Email mit, die wahrscheinlich irgendwo in Jakarta verdunstete. Anrufen konnte ich die dafür vorgesehene Nummer nicht, weil ich kein hape mehr besitze.
Das war am Freitag. Am Montag sah ich, daß die Maschine wieder oder immer noch tot war, und öffnete gleich das Oberteil. Eine grüne Diode zeigte: „Power on“. Statt der Diskette lag jetzt ein Schlüsselbund im Inneren mit zahlreichen Spezialschlüsseln. Ich überlegte einen Moment, ob ich damit eventuell das Geldfach öffnen könnte, fühlte mich jedoch durch eine Kamera an der Decke beobachtet. Unwahrscheinlich, daß die Kamera funktioniert, doch fuhr ich lieber zur Bank in Airmadidi, um Geld zu holen, und erzählte dort dem Wachmann meine Erlebnisse. Der bekam große Augen und wollte die Angelegenheit weiterleiten.
Ich mußte an selbstfahrende Autos denken und an die 28 Mal, mit denen Windows zur Zeit vergeblich appzudäten versucht.
Oder an schnellrostende Brotmaschinen aus chinesischem Edelstahl.

hebelwirkung

Artwork aus „Machinarium

Advertisements

Voll im Harz

Nachbarn

Ich hab gehört, die deutschen Arbeitslosen wern jetz im Harz 4 eingesetzt, wose als Regenfänger arbeiten müssen. Dabei würd ich es als viel sinnvoller ansehn, wenn man se in Wehrdörfern an unserer Ostgrenze nach Afghanichverstan ansiedeln würde, denn Hans-Lothar, der Krieger, schafft das ja offensichtlich nich mit links, dort die ständigen Panza-Angriffe von dem IS abzuwehrn. Nach dem Zusammenbruch meines Insel-Teil-Paradieses hatte ich zuerst übalegt, ob ich mich in der Uckermark niederlasse, wo sonst kaum eina iss. Aba da bin ich jetz doch zu arm für. Außadem laufen mir in der Gegend zu viele glatzenhafte Leute mit Fahnen und Trommeln rum. Und denn diese ständige existenzielle Bedrohung, die bin ich ganich mehr gewöhnt. Afghanichverstan gleich nebenan, Libyen im Süden und Mali im Südwesten, das iss ja schon n 3-Fronten-Kriech. Ob die deutsche Kriechs-Ministerin Ursula, die ich nich kenne, DAS wirklich hinkricht? Ich mein, wenn 20% ihrer Lage-Einschätzungen so fehlerhaft sind wie ihre Dissertation, denn könnten wa den gerade laufenden 3.Welt-Kriech eventuell auch valieren. Ihr Vatta, der Ernst Albrecht, hatte n Buddha im Regal.
Nach dem Etappen-Skandal müssen wa hier von monatlich ~700EUR leben, Ausgaben das Doppelte (inkl. Schuldentilgung). Iss also ein sehr substantielles Leben. Vielleicht krich ich noch ne Rente dazu, die ich jetz wieda beantragt hab. Jedenfalls brauch ich keinen Müll nach Eßbarem zu filzen. Würde mir sowieso nich schmecken, weil total übapfeffert. Hat doch son unterarmtätowierter Arbeitsloser auf YouTube mit seinem Tablett (Armut auf hohem Niveau!) vorgerechnet, wie er mehr Klo-Papier für Durchfall bräuchte und das denn von den anderen Ausgaben abziehen müsse. Ja, wenn man falsch lebt! Ich brauch zum Bleistift gakein Klopapier in meinem hintaindischen Klo, höchstens mehr Wassa. Aba dafür hab ich meine eigene Pumpe. Muß also nur Strom bezahlen. Und das Abwassa geht kostenlos erst innen Fischteich und dann inne Reisfelder.
Blaise Pascal (1623-62) war der Ansicht, alles Unglück der Menschen entstamme einem, „nämlich daß sie unfähig sind, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können. Kein Mensch, der genug zum Leben hat, würde sich, wenn er es nur verstünde, zufrieden zu Haus zu bleiben, aufmachen, um die Meere zu befahren oder eine Festung zu belagern.“ Pascal konnte nich wissen, wie man heutzutage mit Hilfe eines Computers auch in seinem Zimmer eine Menge Unglück erzeugen kann. Und wenn dann son armer Arbeitsloser erzählt, wie seine Tochter ne teure „Jack Wolfskin“-Jacke braucht, weil ihre Klassen-Kameradinnen alle eine besitzen, denn krich ich die kalte Wut – mit son paar Erinnerungen an das Schuh-Design meines Sohnes. Eltern sollten sich sowas NICH gefallen lassen – sofern se nich selbst gehirngewaschen sind.
Gerhard Schulze (*1944) stellte in „Gehen ohne Grund“ die Frage nach dem Ablauf von Geschichte als zyklisches oder lineares System. Das zyklische Verständnis geht von der ewigen Wiederkehr von Mustern aus, ohne daß jene völlig gleich stattfinden (Sonnen-Aufgang, Ernte, Tod). Die Erkenntnis solcher Verläufe verschafft Orientierungs-Sicherheit durch beobachtbare Regelmäßigkeit. Der Erfolg des Verhaltens läßt sich an der gelungenen Existenz-Sicherung messen. Mit Aufgabe der bäuerlichen Wirtschaft wird das zyklische Verständnis im urbanem Umfeld von einem linearem Zeitablauf mit der Aussicht auf eine noch zu erreichende positive Utopie ersetzt. Dies fördert jedoch zunehmende Orientierungslosigkeit und Schizophrenie, da man sich für die alltäglich-zyklischen Abläufe nicht mehr interessiert, sondern stattdessen auf noch zu erfüllendes Glück (in Chat-Räumen) ausgerichtet ist. Die dabei sich scheinbar ständig und mit zunehmender Geschwindigkeit verändernden Variablen des Lebens müssen mit intensiver Informations-Aufnahme begleitet werden, obwohl die physische und psychische Ausstattung des Menschen sich ebenso unwesentlich verändert wie die Grundstruktur von Wirtschafts-Abläufen. Das dafür suchthaft frequentierte Informations-Dienstleistungs-Gewerbe suggeriert den Nutzern, wie permanent etwas Neues passiert, auf das reagiert werden müsse. So ist die Bereitschaft, wieder an kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen, in D seit 1945 schleichend aber signifikant gestiegen. Die entstehende Erlebnis-Gesellschaft (Kosmetika, Mode, Tourismus, soziale Medien) schafft nicht etwa durch Neudefinition von Kommunikation Erlebnis-Fortschritt sondern Desorientierung und Suchtverhalten. Echte Erlebnisse benötigen wegen ihres reflexiven Charakters Zeit und Aufmerksamkeit: „Durch Vermehrung und Verdichtung der Erlebnisgegenstände erreicht man notwendig das Gegenteil dessen, was man beabsichtigt hat – der Versuch der Vermehrung des Erlebnisreichtums führt zur Erlebnisverarmung.“ Der (weltfremde) sich selbst orientierende Mensch sollte kognitive Unsicherheit ertragen und sich nicht in Okkultes flüchten. Dazu sollte er geistige Kompetenz erringen, auch und besonders im Argumentieren, indem er z.B. lernt, normative und empirische Aussagen zu unterscheiden, und Grundfähigkeiten in integrativem Denken (vernetztes Wissen) mit Mut zur Lückenhaftigkeit zu entwickeln.

Mehr Offenbarungen

niloffenbarung

Siehe doch das Flußpferd, das ich schuf wie dich!“ offenbarte Gott dem Hiob aussem Wetter, der es ja auch nich leicht hatte, der Hiob (40, 10), obwohl er keineswegs mit eina Minahasa verheiratet wa. Späta hat Gott soga damit gedroht, Jesus käme wieda!
Bei mir wa das anners: Ich sah meine Frau mit verweintem Gesicht vorm Läpptopf sitzen. „Schmidt ist gestorben!“ erklärte sie. Schmidt? Welcha Schmidt? Ich kenn keinen Schmidt. Diesa Ex-Kanzler und erfolgreiches Beispiel, wie man als Drogen-Süchtiga alt werden kann? Wie hieß der doch? Herbert? Alfred? Manfred? „Und DAS hat dich so mitgenommen?“ fragte ich verständnislos, weil ich kein persönliches Verhältnis zu dem Mann hatte.
„Nein, DAS ist es nicht!“ antwortete sie.
Da rieselte es mir zum x-ten Male kalt aus dem Hirn. WIEDA EINE OFFENBARUNG!?
Sie erscheinen seit dem letztem Jahr etwa vierteljährlich mit Tränen-Begleitung, und JEDESMAL isses angeblich die letzte! Diesmal fehlten nur ~32.600,-EUR. Davon hätten wir mindestens 2 Jahre leben können. Nun ja, leben wa eben 2 Jahre weniga.
Was soll ich da noch tun, außer in die Schweiz fahrn, oda wieda zahlen und nachts ins Kissen schrein. Letzteres macht mich nur heiser, weil ich es seit dem Abbruch meina Lehrer-Karriere nich mehr gewohnt bin. Mit Haus und Grundstücken auf ihren Namen bin ich beliebich erpreßbar. Die Papiere verwahre ich nun unta Verschluß. Vielleicht sollte ich mit dem hilfsbereiten, sehr reichen Verwandten sprechen, damit er meiner Frau zukünftich nix mehr leiht? Und dann gehört sie auf die Blacklist der Banken für zahlungsunfähige Kunden, damit sich Visa verweigert. Eine Kur im Gefängnis wär auch angebracht. Dort hättese viel Gesellichkeit, nich nur mit Bekannten und Verwandten, die bereits einsitzen.
Jedenfalls weiß ich jetz, was ich mir zu Weihnachten wünsche: Ein Sniper-Gewehr zur Regulierung von illegalen Hunden, Rindern und Wilden krich ich ja doch nich, aba bitte KEINE OFFENBARUNGEN MEHR! Ich kann das nich mehr aushalten!
Späta, nachdem klar wa, daß ich auch diese Schulden meiner Frau begleichen würde, gab sie sich denn schon wieda ganz fröhlich und hat mir die neusten Nachrichten aussem Inda-Netz erzählt: Da hat son Dicker beim Ficken im Whirl-Pool n Herzinfarkt gekricht, und die Frau iss unta ihm ersoffen. Gottes Wege sind unerforschlich und voll kreativ. Jedesmal wenn ich diese riesich-fetten westlichen Touristen-Flußpferde sehe, muß ich dran denken: Wenn so eins ma aus Vasehn auf eine kleine Wilde fällt. Das gibt zumindest n Blasenriß wie bei Virginia Rappe.

katastrophen