Einer allein

einsam

Angeblich sei die Einsamkeit durch Luther verbreitet worden, und in D fühle sich jeder Fünfte über 85 so. Schrecklich! Das müssen ja Massen sein. Und wenn das eine Psychologie-Professorin rausgefunden hat, es der „Bild“-Zeitung mitteilt, und die „FAZ“ über das Interview berichtet, ist wohl der Zustand kultureller Demenz erreicht. Ich frage mich, ob die Alters-Demenz stärker wirkt, wenn man schon vorher blöd iss. Gut, ein Buch über eine neue Krankheit zu schreiben, wie ein anderer Seelen-Doktor. Dann merken die Leute plötzlich, wie krank sie sind. Der Mann hat sogar die „digitale Demenz“ entdeckt. Da kenne ich auch ein Beispiel. Andererseits sollte man bedenken, wieviel Arbeit darin steckt, in „Cleopatra“ den Leuchtturm von Alexandria zu errichten. In „Cultures – 8th Wonder of the World“ isser dann wieda kaputt, und ich mußte nochma Steine ranschleppen. Das iss ganz schön anstrengend. Und in der Ägypten-Mission bin ich nich mit den Monstern fertich geworden. Im einfachsten Schwierichkeitsgrad! Manche solln das sogar 20mal vergeblich versucht ham.
Aba ich wollte ja darüba schreiben, wie einsam ich bin, obwohl soziale Netzwerke negative Gefühle wie Einsamkeit angeblich verstärken. Und hier gips keine Einsamkeits-Beauftragte! Auch keinen Verantwortlichen im Gesundheits-Ministerium, den Diakonie-Präsident Ulrich Lilie fordert. Oh, DER Name sacht mir was! Auch mit Diakonie verbinde ich penetrante Erinnerungen. Das iss die Organisation, die meine Ex nach der Baby-Pause nich wieda eingestellt hat, weil sie inzwischen Buddhistin geworden war. So leicht kann man durch die Netze fallen. Diese Heiligen versuchen uns sogar weiszumachen, die deutsche Gesellschaft beruhe in ihrem fast aufgeklärten Zustand auf dem Christentum, der nur GEGEN das Christentum erreicht werden konnte.
Aba ich wollte darüba schreiben, wie einsam ich bin, obwohl mir dieser Zustand, als er vor einem Jahr begann, nach der Ehe-Hölle wie eine Erlösung erschien. Lieba soziale Isolation als asozialer Kurzschluß! Niemals zuvor war ich so völlich bei mir während meines Wachzustandes. Keine Kompromisse mehr! Auch wenn ich ab und zu in Traurichkeit zu versinken drohe. Eher als daß Einsamkeit Todesursache Numma 1 in den westlichen Ländern iss, vermute ich den natürlichen Tod als Ursache Numma 1. Bis dahin muß ich eben sehn, wie ich durchkomme. Daß ich übahaupt so weit gelangt bin, verdanke ich der Medizin und nicht irgendeiner Märchen verbreitenden Religion.

Advertisements

Traumhaft

dream

Doch! Wirklich! sagte ich ganz spontan und ehrlich zu mir, als ich wieder auf ner Brücke stand – gleicher Fluß, solidere Brücke – und dieses riesige Reklame-Schild mir fragend ins Gehirn sprang, umgeben von der lausigen Architektur Manados. Die Schwierigkeit besteht ja darin, daß ich mich meist kaum noch an den Traum erinnern kann, wenn ich aufwache. Sicher träume ich nicht davon, mit einem Läpptopf an einem kalten Fluß zu sitzen und dabei zu rauchen. Schon gar nicht, eins dieser langweiligen, ungesunden Autos zu fahren, die inzwischen überall gleich aussehen – so wie die Mode, der alle dummen Damen der Welt folgen müssen. YouTube ohne Grenzen wäre da schon interessanter, denn seit Monaten funktioniert das Internet hier nur noch gelegentlich (Gerade hat wieder ein Container-LKW das Kabel wegrasiert.). Eine meiner mich beeindruckenden LSD-Visionen bestand mal darin, daß ich mich von Sonne beschienen in einem alten Fachwerk-Haus am Webstuhl sitzen sah. Der Gedanke darin war, ALLES selbst zu gestalten, auch die Kleidung. Fachwerk hab ich verwirklicht, Weben nicht. Dem Zwang zur Arbeitsteilung unterliege ich auch. Und dann gibt es immer wen, der deine Träume zertrampelt, selbst wenn sie einen realistischen Kern besitzen. Kann eigentlich etwas verbindender sein, als gemeinsam pionierartig zu siedeln? Gemeinsames Shopping vielleicht? Oder gemeinsam am Tisch sitzen und texten?
Als ich dieses schrieb, war ich um 2Uhr nachts von einem Alptraum aufgewacht, in dem ich mich mal wieder an einem Delta befand, wo alles in jeder Richtung möglich war – auch die völlige Vernichtung meiner Existenz. In solchen Fällen setze ich mich an den Computer, bis ich wieder einschlafen kann. Nach einem großen Glas Kaffee auf meiner Pazifik-Veranda gehe ich am Morgen raus, schneide auf den verwilderten Reisfeldern Gras für die 6 Ziegen, hacke im Dschungel rum und putze bis zur Erschöpfung. Dann setze ich mich in meinen transparenten Teich-Betrachtungsraum und lasse mich vom kleinen aber heftigen Wasserfall hypnotisieren. Danach spiele ich das Aufbauspiel „Forest Village“, das etwa so aufregend ist wie ein Bildschirmschoner, der auch ab und zu dazwischenspringt. Also nix für hektische Schieß-Kids sondern ideal für Rentner. Man muß darin ein nördlich-mittelalterliches Dorf entwickeln und dessen wachsende Bewohner vor Hunger und Kälte bewahren. Jedesmal wenn der wunderschöne, fotorealistische Lichtwechsel etwa Januar simuliert, denke ich: Ja, genau so war es damals im Moor. Könnte nicht mal jemand ein ähnlich mich entzückendes Spiel in den Tropen ansiedeln? Keine äußere Bedrohung durch unfreundliche Lebewesen. Selbst die faszinierend animierten Bären und Wölfe interessieren sich nur für Bienenkörbe und Hühner – weshalb man sie leider killen muß. Umfallende Bäume richten keinen Schaden an. Sie versinken einfach waagrecht im Boden. Ansonsten darf man in diesen Strategie-Spielen keine eigenen Ideen haben, sondern muß nur herausfinden, wie die Angelegenheit programmiert ist. Also wie im richtigen Berufs-Leben. Gern beobachte ich den Aufbau des Fachwerks, denn davon verstehe ich was und bekomme nostalgische Gefühle. Wenn man die vorgesehenen Katastrophen ausschaltet, brennt nur der Scheiterhaufen ab und zu aus hygienischen Gründen. Vorsichtig sollte man mit dem Alkohol-Ausschank sein. Nachdem ich die übergroße Kneipe gebaut hatte, arbeiteten meine Siedler nicht mehr ordentlich, und es folgte eine Hungersnot – mit viel Brennstoff für den Scheiterhaufen. Ich habe nachgesehen, ob in den Obergeschossen vielleicht ein Casino versteckt ist, aber die Räume waren leer. Der Grund kann auch die anstrengende Arbeit im Wald gewesen sein. Ich bin deshalb inzwischen nur noch 81kg schwer. Amtlich festgestellt in einem staatlichen kranken Haus. Bei einer Größe von 183cm ist das doch traumhaft.

scheiterhaufen

Hier brennen gerade Müller Ann (Altersschwäche), Steinmetz Claudia (Unfall) und Lehmstecher Armani (Unfall).

Scherben und Blut

scherben

Dieser Anblick, als ich morgens die Hoftür öffne, um zur Arbeit zu gehen, deprimiert. Ein großer, 1m hoher chinesischer Porzellan-Bottich, der schon kurz nach dem Kauf mit lautem Knall einen Sprung bekam, hat sich endgültig zerlegt. Die Regenmassen des Vortages haben ihn nun nach Jahren einfach auseinanderplatzen lassen. Während ich 1 Problem löse, entstehen 2 neue. Mein Dschungel-Haus macht mich zum Sklaven – da hat meine Ex schon recht. Besonders weil es für einen allein zu groß ist. Doch welcher Platz, den man selbstbestimmt bewohnt, macht keine Arbeit? Ist es ein größeres Vergnügen, von anderen abhängig zu sein, zu zweit ein gemietetes Zimmer zu bewohnen, dazu noch hoffnungslos verschuldet? Packen wir’s also an!
Am Vortag habe ich mal wieder meine Graben-Tour unternommen und den alles verstopfenden Müll entfernt. Vollgeschissene Windeln, Schuhe, eine Handtasche, Plastik-Tüten und -Karten, Dosen, Kokosnüssse, Bananenstauden und vieles mehr. Eine ganze Kultur wird da herangespült. Dabei griff ich im braun-trüben Wasser in eine große Glasscherbe, die mir eine Fingerspitze schmerzhaft aufriß. Die Fuchsschwanz-Säge, die ich nach Hause trug, war hinterher mit geronnenem Blut wie ein Flußdelta überklebt. Als ich am folgenden Tag durch meinen Dschungel zum Grasschneiden gehe, laufe ich mit dem Gesicht in ein kaum sichtbares Spinnennetz. Kein großes Problem, aber ein sehr klebriges. Mit verbundenem Finger arbeitet es sich nicht gut, und so treffe ich beim Gras-Schneiden mit der Sichel 2x andere Finger. Kann jetzt nicht zum Verbinden zurück. Hört von selbst auf zu bluten.
Nach dem totalen Regen sind wieder alle Wehre und Gräben verstopft, und ich unternehme die gleiche Reinigungs-Tour wie am Vortag. Wenn ich dabei meine Säge irgendwo gut sichtbar ablege, habe ich Minuten später vergessen, wo. So auch in der Vorbereitung für mein 3. Staats-Examen. Bei den vorigen ging es nur um Karriere, nun um die nackte Existenz. Die indonesischen Vokabeln, die ich im Interview abspulen soll, um Indonesier zu werden, gehen rein in mein Gehirn – und gleich wieder raus. Sinnloses kann ich mir einfach nicht mehr merken.
Nachdem ich mit Wasser-Arbeiten und Ziegenfüttern fertig bin, räume ich die messerscharfen Porzellan-Scherben weg. Dabei schneide ich mich noch ein paar Mal. Mit den blau-weißen Stücken könnte ich eigentlich mal wieder was mauern, aber weder reichen Zeit noch Energie dafür.
Als ich endlich meine von Wasser und Schweiß pitschnassen Klamotten ausziehe und die Ameisen rausschüttele, schlägt mir die Gürtelschnalle eine Ader auf dem Handrücken auf. Spielt keine Rolle mehr. Nur Abwaschen ist jetzt nicht mehr möglich. Wäre aber nötig, da ich noch kochen muß. In der Küche rutscht mir ein chinesischer Schalendeckel aus der Hand und zerschellt auf dem Boden. Dann fängt es wieder an zu gießen.

kaputtsw