Geliebter Karfreitach

kelinci

„One day, my son asked me: ‚Where is heaven in the sky?‘
I told him what Loretta told me: THIS is heaven – right here. We’re in it now.“
Live by Night“ (2016)

Ich liebe Karfreitach! Er iss SOO ruhich. Die Schweine sind verstummt weil tot, die Hunde versuchen, nich auf sich aufmerksam zu machen und hoffen auf anhaltenden Fisch-Verzehr. Denn DAS wird sogar im mikro diskutiert, wie die Katholiken am angeblichen „Good Friday“ nur Fisch futtern. Damals in Hildesheim die ganz harten sogar JEDEN Freitach. Was essen dort eigentlich die Salatisten?
Hier auf Nordsulawesi Hundertausende im Zustand geistiger Verwirrung. Angeblich liebe ihr erfundener Gott die Welt. Der Tod seines Sohnes lösche die Sünden der Menschen für immer, phantasiert Pastorin Herolina, und der Journalist verwechselt ihr Personal-Pronomen in den englischen „Antara News„, weil es im Indonesischen nur eins für alle Geschlechter gibt. Pastor Nico, „one of Gods soldiers“, unterstützt Herolinas Show-Wahnsinn mit der Behauptung, Jesu Tod gäbe den Sündern eine Gelegenheit, ihre Missetaten zu bereuen. Vielleicht sind es jene, die das Internet im Stau zusammenbrechen lassen, denn jeder betrügt hier jeden, sofern er nich gerade betet. Und daß einer den 10 Geboten folgt, iss mir noch nich aufgefallen. Von den Frauen, über die ich intensiver berichtete, sitzen die meisten bereits im Gefängnis oder haben es schon hinter sich. Die Chancen waren noch nie so real, daß ich jenes auch noch persönlich erlebe – als Besucher!
Doch am Freitach, Samstach und sogar Sonntach Vormittag nur vereinzelt gröhlende Besoffene. Sehrlautsprecher verkündeten nich, wer wieviel gespendet hat, oder sendeten christliche Popmusik. Die Kinda, die nich singen können, demonstrierten ihr Geplärre nich in Live-Übertragung. Es war geradezu esoterisch still, und wenn nich überall Saurier-Eia vor Plastikfolien-Höhlen rumliegen würden, erhärtete sich schon deshalb der Verdacht, daß wieda Ostan mit seinen Auferstehungs-Terror-Parties drohte. Mit der größten nicht nuklearen Bombe vanichteten engagierte Christen vorher noch schnell die Höhlen, wo kein Jesus drin, doch nachdem sie innenpolitisch weitgehend entmachtet und unfähig sind, Andersdenkende zu verbrennen, durfte ein weiteres Mal zu Friede, Liebe und Eiakuchen aufgerufen werden. Danach sündicht man wieda eine Weile – bis zum nächsten Event. Inzwischen schleichen sich die christlichen Fake-Followers vermehrt an meine Blogs und versuchen ihren Schwachsinn auf die Bühne zu bringen. Es iss deprimierend, wenn ansich zum Denken befähigte Erwachsene nur noch rumstammeln über ihre selbst etablierte, ganz persönliche Kommunikation mit dieser göttlichen Triade – mit Maria quadrophonisch!
Und nachdem am Freitach Jesus gestorben, war’s am Sonnabend meine Telefon-Leitung. Passiert jeden Monat mindestens 1x. Das letzte Mal verschwanden einfach ~20m Kabel. Da brach die totale Stille aus – und wenn ich aufgebe, wie der Prachtreiher sein Nest in meiner Sago-Palme, bleibt es dabei.
Sonntach Nachmittag wurden die Wilden dann zunehmend unruhich, weil Jesus nich mehr in seinen Höhlen drin war. Ich hab Bambus verbrannt, der dabei imma mit heftigem Knall explodiert. Ein kleines Stück iss mir innen Hemdausschnitt geflogen, von da unter Hinterlassung einer Brandwunde glühend im Hemd nach unten gerutscht und von meinem Schweiß gelöscht worden. So lernt man Tanzen.
Danach brach das eifernde Mikrofon-Gelalle, die ganze notorische Luftverschmutzung los, begleitet vom Geheul der Hunde, und hielt an bis nach Mitternacht.
Doch kein Ostahase breit und quer. Das da oben sind kelinci (Kaninchen). Neulich happich ein weißes vorbeihoppeln sehn, obwohl ich total nüchtern war. Und meine weiße Katz hat zum 1.Mal Kinda gekricht: 2 totgeborene und 3 richtige. 1 happich gekillt, die anderen hat wascheinlich ein Waran zu Ostan gefressen. Und dann isse innen Teich gefallen. Es gibt da eine Stelle, wo jede neue Katz 1x versucht mein Haus zu entern. Es geht aba nich. Statt dessen rutschense ab und plumpsen innen Teich. Das iss imma schön anzusehn. Wie im Seeräubafilm.
So wa das Ostan.

Halbmond

LIVER TURCX DAN PAUS
Niederländisches Medaillon (16. Jahrhundert) für den Widerstand gegen Spanien

Schleierfahndung

schleierfahndung

Mir iss das schleierhaft, was die deutsche Großmutta aller Schutzsuchenden da fordert. Ich mein, wer wie ich einfach wech vom Fensta iss, der scheckt sowieso nix mehr. Erst machense alle Türen auf, dann wieda zu und bringen noch mehrere Riegel an. Was hatte man denn geglaubt, wer da reinkommt? Damals, als man nich sagen durfte, daß eim das mit dem Schleyer schleierhaft wär, erfand man die Rasta-Fahndung. Die betraf nich Jamaikaner, sondern man suchte was Bestimmtes, zum Bleistift meinen Ex-Spielkameraden Rolf Heißler. In der ereignisunabhängigen Kontrolle kuckt man dagegen anscheinend nur so rum, wie ich, wenn ich nach Manado fahre, und vor mir im mikro ein sehr Brauner mit stark abstehenden Ohren sitzt, und hinten auf seinem Baseballmützen-Verstellband steht „SWAT“. Da denk ich mir doch gleich was, aba für irgendwelche Einsätze erscheint der mir viel zu müde, denn sein Kopf kippt von einer Seite zur anderen. Außadem fahren SWAT’s in viel schickeren Autos zur Arbeit, können jedoch trotzdem nich verhindern, wie dem Ältesten der Anti-Korruptions-Behörde Säure ins Gesicht geschüttet wird.
Die zahllosen roten Kreuze, die vor einer katholischen Kirche im Zentrum von Manado üba einem Parkplatz hängen, bestehen NICH aus 3-Wege-Kondomen, wie ich fälschlicherweise jahrelang angenommen hatte, sondern aus Plastikflaschen. Christliches Recycling. Doch warum sindse rot?
Und wenn ich am Straßenrand kurz vor dem Eiafest neue Müllhaufen bemerke, sind das in Wirklichkeit Jesus seine Höhlen. Neben den Höhlen, von denen manche wie Geista-Bahnen angelegt sind, steht ein 2-dimensionaler Papp-Engel und stellt spruchblasich fest: „Dia tidak ada disini“. Logisch! Er iss nich drin. Ich mein, es iss ja schon hart, jedes Jahr wieda sterben zu müssen, weshalb die christlichen Minahasa auch ganz traurich sind und schwarze Kleidung tragen, aba denn noch hunderte von verschiedenen Höhlen, wo man nich drin iss, weil man ja jedesmal mit eina hidrolik innen Himmel gedrolt wird – das iss doch anstrengend. Und was beweist es eigentlich? Wenn sich diese christlichen Propagandisten was ausdenken, und denn isses nich da? Verstößt doch klar gegen Michael Schmidt-Salomons 1. Gebot seiner „10 Gebote der Rationalität„, der internen Widerspruchsfreiheit, und ist ein logischer Zirkelschluß. Oda was?

schleierhaft2

Gerhard Seyfried, „Wo soll das alles enden“, 1978

Setan

javagruppe

„Denn blindlings werden alle folgen im Gedränge
dem Irrtum und dem Wahn der dummen Menge
und beugen ihrem blöden Urteil sich.“
Rabelais, „Gargantua und Pantagruel“

Indonesische Geschäftsfrau Muti auf Englisch: „Ich fühle mich so verloren. Es scheint, daß wir wieder zurückfallen in düstere Zeiten, die wir längst überwunden hatten. Wo es keine Sicherheit gibt und wir nicht wissen, ob wir der Regierung trauen können. Und wir waren doch so tolerant. Geduldig mit Andergläubigen und voller Respekt. Wieso sollen wir das jetzt verlieren? Hunderte Jahre der Toleranz zerstören?“ Rätselhaft, daß Korrespondent Holger Senzel (NDR, Singapur. Einer für ganz Südostasien?) diesen Unsinn dem deutschen Publikum unkommentiert anbietet, das über Indonesien in der Regel so informiert ist, wie ich über Mali. Indonesien ist als Staat noch nicht mal 70 Jahre alt, und die Region hat eine heftige Geschichte des Terrors hinter sich, besonders gegen Balinesen und Chinesen. Gerade erst wird versucht, eine weniger repressive Demokratie zu verwirklichen. Radikale Moslems wollen das verhindern, und so kann der Eindruck des Rückschritts entstehen. Meiner Ansicht nach ist ein zu langsamer, jedoch sich festigender Fortschritt sichtbar, der u.a. durch neue Medien wie Facebook unrevidierbar vorangetrieben wird. Bei der von der christlichen Minderheit beklagten angeblichen Christenverfolgung handelt es sich eher um die progandistisch genutzte Abwehr einer dominant islamisch ausgerichteten Kultur gegen programmatisch-subversive Missionierung durch Weihnachtsmänner und Osterhasen.

setan

„Setan!“ stellt der Fahrer im mikro fest, in dem ich nach 6Std. den Neujahrsumzug in Bitung verlasse. Er meint eine von Balinesen getragene, mehrere Meter hohe Dämonen-Figur, die anscheinend aus Gummi ist, denn sie läßt sich in tanzende Schwingungen versetzen. „Nicht Satan! Das ist hinduistische Religion!“ versuche ich ihn zu besänftigen. Die Bezeichnung „Satan“ ist für Moslems wie für Christen erheblich negativ und abwertend gegenüber Glaubensrichtungen, die solche Kultfiguren verwendenden. Tatsächlich findet ein permanenter kalter Krieg statt zwischen den Religionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus, Christentum) und intern zwischen den zahlreichen Sekten. Schon deshalb muß die verfassungsmäßige „Einheit in der Vielfalt“ immer wieder beschworen und unter Einsatz staatlicher Gewalt bewahrt werden.
„Setan!“ wiederholt der Fahrer. Dann spielt er 2 Stücke von John Lennon ab, die mir beim Anblick der Silhouette meines Haus-Vulkans Klabat im letzten Sonnenlicht mal wieder auf die Tränendrüsen drücken. Ich weiß nich mehr, was er wirklich gesungen hat, aber das 2. Stück handelte davon, wie sich sein Vater nicht um ihn kümmerte. DAS ist mir zum Glück nicht passiert.

„Nobody loves you when you’re old and grey
Nobody needs you when you’re upside down.

When I was younger, so much younger than today
I never needed anybody’s help in any way.
And now my life has changed in oh so many ways
My independence seems to vanish in the haze
And every now and then I feel so insecure.

I’ve got a chip on my shoulder that’s bigger than my feet
I can’t talk to people that I meet.“

Auch DAMIT komme ich noch zurecht, denn die Wilden fragen immer das gleiche. Der Fahrer will Englisch lernen, um auf einem taiwanesischen Schiff arbeiten zu können, der nächste kann sogar etwas Deutsch, und die lächelnde, runde Frau, die mir im Supermarkt Zwiebeln abwiegt und unaufgefordert ihren Namen nennt, fragt so viel, daß sie vergißt, das Etikett auf die Tüte zu kleben. Eine alte, zerknitterte Frau lacht mich an, sodaß ich den einzigen Zahn sehen kann, der ihr genau in der Mitte des Unterkiefers verblieben ist. Oben auf der Spitze blitzt er silbern im Sonnenlicht.