Everyone is disappointing

synecdoche

Sermons we like to hear (from „Synecdoche, New York“, 2008):

Minister: „Everything is more complicated than you think. You only see a tenth of what is true. There are a million little strings attached to every choice you make; you can destroy your life every time you choose. But maybe you won’t know for twenty years. And you may never ever trace it to its source. And you only get one chance to play it out. Just try and figure out your own divorce. And they say there is no fate, but there is: it’s what you create. And even though the world goes on for eons and eons, you are only here for a fraction of a fraction of a second. Most of your time is spent being dead or not yet born. But while alive, you wait in vain, wasting years, for a phone call or a letter or a look from someone or something to make it all right. And it never comes or it seems to but it doesn’t really. And so you spend your time in vague regret or vaguer hope that something good will come along. Something to make you feel connected, something to make you feel whole, something to make you feel loved. And the truth is I feel so angry, and the truth is I feel so fucking sad, and the truth is I’ve felt so fucking hurt for so fucking long and for just as long I’ve been pretending I’m OK, just to get along, just for, I don’t know why, maybe because no one wants to hear about my misery, because they have their own. Well, fuck everybody. Amen.“

Millicent Weems: „As the people who adore you stop adoring you; as they die; as they move on; as you shed them; as you shed your beauty; your youth; as the world forgets you; as you recognize your transience; as you begin to lose your characteristics one by one; as you learn there is no-one watching you, and there never was, you think only about driving – not coming from any place; not arriving any place. Just driving, counting off time. Now you are here, at 7:43. Now you are here, at 7:44. Now you are … gone.“

Burning House Realtor: „It’s a big decision – how one prefers to die.“

Adele Lack: „Everyone is disappointing the more you know them.“

Claire Keen: „Knowing that you don’t know is the first and most essential step to knowing, you know?“

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Katie Kampenfelt ist eine schwer erträgliche 17jährige, deren promiskuitives Sex-Leben als Ausdruck ihrer Orientierungslosigkeit erscheint. Ein Musterbeispiel repressiver Entsublimierung. Der nicht wirklich originelle Film (2014) reizt anfangs zum Abbruch, weil er wie ein Girlie-Movie beginnt. Doch nach und nach gewinnt er an überraschender Tiefe. Als Therapie wird Katie empfohlen zu bloggen: „It’s a daily time commitment. It will keep your verbal skills sharp, and it will force you to be introspective.” Dieser anonyme Blog in „Ask Me Anything“ mit Details über ihr paralleles Sexleben mit einem festen Freund, einem College-Professor und einem verheirateten Mann, in dessen Haushalt sie als Babysitter arbeitet, entwickelt sich schnell zum Hit: „I’m only blogging for 16 days and I‘m already getting between 440 and 500 screen-visitors a day. Most popular search-terms, the people used to find me, are high-school, college, blonde, sex and oral-sex. Which means, many of you are lonely, disgusting pigs.”

visitors

Als Begründung ihrer Vorliebe für erheblich ältere Männer entdeckt Katie frühkindlichen sexuellen Mißbrauch durch einen Nachbarn und ihre Beziehung zum Vater, der Alkoholiker ist. Als alle ihre Liebesbeziehungen scheitern, und sie stattdessen schwanger wird, bricht ihr Blog ab, und sie verschwindet: „Can I do it? Just living without describing everything I do?“
Die packende Wendung beginnt (etwas verspätet) mit einer Art fiktivem Nachspann, in der die „echte“ Mutter vom rätselhaft spurlosen Verschwinden ihrer Tochter berichtet, das alle Alpträume der sorgenden Eltern Wirklichkeit werden läßt. Zwar existieren die Personen des Blogs, jedoch nicht in der beschriebenen Form. Der College-Professor ist Verkäufer in einem Video-Laden, der verheiratete Mann streitet die sexuelle Beziehung zu Katie ab.
Wesentlich beeindruckender wäre es, wenn es sich nicht nur um eine verfilmte Novelle handelte, sondern der Film auf tatsächlichen Ereignissen beruhen würde.
Dagegen das Beste, was ich bisher über den Metabolismus moderner Instant-Kommunikation gesehen habe: „Men, Women & Children“ (2014). Unbedingt sehenswert, auch wenn die vorgeführten Verhaltensweisen nicht notwendigerweise auf soziale Medien angewiesen sind und erst neuerdings durch Handphone, Facebook und Twitter beschleunigt vernetzt werden: „In all this darkness, there is no hint that help will come from elsewhere to save us from ourselves.“

http://ask.fm/ButWeDo
http://pssshhht.blogspot.com/#_=_

Unheimlich gut

Wuestentaenzer

Wüstentänzer“ (2014) sei ein gescheiterter Film, meint Katja Nicodemus. Ist mir völlig unverständlich und wohl auch nur mit partiell abwesendem künsterischem Gefühl zu erklären. Mich hat er begeistert wie kaum ein anderer Film in diesem Jahr. Die autobiografische Geschichte des iranischen Tänzers Afshin Gaffarian muß natürlich die Betrachter spalten. Ich bin alles andere als ein Fan klassischen Balletts, schätze aber manche Formen des von kitschigem Zucker befreiten, modernen Ausdrucks-Tanzes und Freida Pinto sowieso. Woher der Gegenwind weht, wird schnell klar an der Art wie verblendete Iraner reagieren: Afshin Ghaffarian is a cheap bitch, movies are for fun and entertaining, „Desert Dancer“ is garbage, sickness and lie.
Der Film bestätigt auch meine Ansicht, daß der Westen, anstatt seine Tötungs-Maschinerie zu schicken, die Subversion durch YouTube und das Internet unterstützen sollte, denn Theokratien ersticken letztlich an sich selbst. Protestierende sollten sich gegen jede Art von religiöser Bevormundung als totale Verweigerer zurückziehen und konsequente „Ketzer“ werden. Ohne Geschrei und spektakuläre Aktionen. In wirklichen „Gesellschaften“, „die in der Lage sind, so weitgehend wie möglich eine unabhängige und kluge Lebensweise zu ermöglichen“ (Nicola Chiaromonte). Das ist natürlich leicht gedacht, solange man nur von sozialem Abstieg und nicht existenziell bedroht ist.
Im Koran finde ich nicht, daß Tanzen verboten sei. Vielmehr sollten wir der 113.Sure folgen, die das Morgengrauen beschwört: „Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn des Morgengrauens, vor dem Übel dessen, was er erschaffen, und vor dem Übel des Dunklen, sobald es sich ausbreitet, vor dem Übel der Zauberei und vor dem Übel des Neides.“

horizont11.14