Salz, Klopapier und kein Pfeffer

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Es gibt so viele gute und interessante Filme des Regisseurs Werner Herzog (*1942), daß „Salt and Fire“ (2016) verblüfft in seiner Miserabilität. Als Einführung für einen Parteitag der Grünen würde er sich vielleicht eignen, schnitte man alle Szenen mit Schauspielern raus. Schon wenn deutsche Schauspieler englisch sprechen, knackt es, doch warum müssen sie in typisch deutscher Film-Manier so hölzern agieren? Das ist dann doch wohl eher ein Problem des Regisseurs. Kann mich an keinen Film erinnern, wo sie so bemüht an der Kamera vorbeizusehen versuchen. Veronica Ferres ein Auslauf-Modell, dagegen Michael Shannon pure Verschwendung für dieses Produkt, dessen kapitalistischer Hintergrund vielleicht des Rätsels Lösung ist. Die finanziellen Produktions-Bedingungen von kulturellen Leistungen werden ja viel zu selten untersucht.
Wenn Schauspieler wie aus dem Globetrotter-Katalog ausgerüstet, trotz schwierigster Bedingungen, sauber wie gebügelt durch den Film laufen, auch virilste Männer sich grundsätzlich nicht zu rasieren brauchen (Shannon wirkt, als ob er unter Mottenfraß leidet), weiß ich: Glaubwürdigkeit war dem Regisseur nicht wichtig. Oder wollte Herzog auch mal einen von diesen Filmen drehen, in denen vermummte, schwarze Männer mit Schießeisen rumlaufen? Ich mag es inzwischen nicht mehr sehen. Immerhin gelungene Produkt-Plazierung, obwohl ich die Marke von Veronicas Servierbrett, das nie aufgeladen werden muß, nicht erkennen konnte.
Jedenfalls, Herr Herzog, eine Flasche Sekt auf einem selbstfahrenden Rollstuhl in die Salzwüste zu schicken, reicht heutzutage nicht mehr. Anrührend zwar die Idee mit den 2 fast blinden Jungs, die auch gleich ihr Lego mitgebracht haben, aber wenigstens hätte man noch einen Hund dazusetzen sollen.

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Man Down

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Man Down“ (2015) könnte die Fortsetzung des spannenden Films „American Sniper“ (2014) sein, in dem man zwar umfangreiches Trauerbewältigungs-Theater sieht, aber keine Antwort auf die Frage: Warum wurde der amerikanische Scharfschütze Chris Kyle von einem Veteranen erschossen? Der Regisseur Clint Eastwood verweigert sich dabei sogar historischer Genauigkeit. In „Man Down“ wird der Betrachter dann leider durch die mißlungene Erzählstruktur gründlich in die Irre geführt: Zuerst (noch) ein post-apokalyptischer Zukunfts-Film, den man sowieso nicht ernstnehmen kann, dann (noch) ein realistisch wirkender Afghanistan-Film und zum Schluß (noch) ein Psycho-Thriller, der erst ganz am Ende verdeutlicht, wie man vom Regisseur verwirrt wurde. Das schadet der Darstellung des ernsten Themas PTSD sehr – trotz brillianter schauspielerischer Leistung und Kameraführung. Weniger reißerische Filme setzen den Erzähler an Anfang und Schluß und springen auf der Zeitschiene nicht ständig hin und her. Wenn dazu die schizophrenen Vorstellungen des unter PTSD leidenden Veteranen – zwar mit durch Nachbearbeitung reduzierter Farbigkeit, aber für den Betrachter doch real wirkend – vorgeführt werden, ist die erzählerische und optische Konfusion perfekt.
Für den, der auch heimtückische und psychisch wie materiell ruinöse Aktivitäten seiner Partnerin im Internet entdeckt hat, bekommt der Film noch eine weitere Flashback-Bedeutung: Ein Mann braucht nicht unter PTSD zu leiden, um auszurasten.

Joe: „Did you ever love me?“
Emma: „We had a laugh, Joe. I’m sure there were moments, but you have to make it some it wasn’t.“
Joe: „Which was what?“
Emma: „A lie! You know, we’re not God’s children … I’m free, Joseph!“
Joe: „I don’t wonna be free.“
Emma: „O, come on! That’s all we ever wanted!“
Joe: „That’s what YOU wanted – and now you got it . – Good bye, Emma.“
Live by Night“ (2016)

Everyone is disappointing

synecdoche

Sermons we like to hear (from „Synecdoche, New York“, 2008):

Minister: „Everything is more complicated than you think. You only see a tenth of what is true. There are a million little strings attached to every choice you make; you can destroy your life every time you choose. But maybe you won’t know for twenty years. And you may never ever trace it to its source. And you only get one chance to play it out. Just try and figure out your own divorce. And they say there is no fate, but there is: it’s what you create. And even though the world goes on for eons and eons, you are only here for a fraction of a fraction of a second. Most of your time is spent being dead or not yet born. But while alive, you wait in vain, wasting years, for a phone call or a letter or a look from someone or something to make it all right. And it never comes or it seems to but it doesn’t really. And so you spend your time in vague regret or vaguer hope that something good will come along. Something to make you feel connected, something to make you feel whole, something to make you feel loved. And the truth is I feel so angry, and the truth is I feel so fucking sad, and the truth is I’ve felt so fucking hurt for so fucking long and for just as long I’ve been pretending I’m OK, just to get along, just for, I don’t know why, maybe because no one wants to hear about my misery, because they have their own. Well, fuck everybody. Amen.“

Millicent Weems: „As the people who adore you stop adoring you; as they die; as they move on; as you shed them; as you shed your beauty; your youth; as the world forgets you; as you recognize your transience; as you begin to lose your characteristics one by one; as you learn there is no-one watching you, and there never was, you think only about driving – not coming from any place; not arriving any place. Just driving, counting off time. Now you are here, at 7:43. Now you are here, at 7:44. Now you are … gone.“

Burning House Realtor: „It’s a big decision – how one prefers to die.“

Adele Lack: „Everyone is disappointing the more you know them.“

Claire Keen: „Knowing that you don’t know is the first and most essential step to knowing, you know?“