Kaubeus und Indianer

beute

Wenn man den Wilden nicht die Möglichkeit gibt, auf gepachtetem Land auch mietfrei zu wohnen, sind sie normalerweise nicht zur Arbeit auf den Reisfeldern zu bewegen. Youke und ihr Sohn Anto, die ihren Verwandten folgten, die schon für mich arbeiten, wollten nur einen Schattenplatz. 4 Bambus-Ständer und ein Palm-, Blech- oder Folien-Dach darüber. Kann man ihnen kaum verwehren. Die Arbeit ist hart und die Sonne eine Plage. Wohl war mir dabei jedoch nicht. Normalerweise kann man beobachten, wie sich solche Rastplätze zu Einfamilien-Häusern entwickeln, mit Familien-Nachzug und sich im Laufe der Zeit verfestigendem Eigentums-Anspruch. Dann wird man die Leute schwer wieder los. Bei den Gorontalo-Moslems geht es oft nur darum, sich im fruchtbareren Norden einzunisten. Youke und Anto lieferten 2 Mißernten, dann gaben sie auf und bearbeiten nur noch ein kleines Stück, auf dem auch ihre Hütte steht, denn das ist inzwischen aus dem Unterstand geworden. Schon länger fiel mir die ungewöhnliche Haltbarkeit des Folien-Daches auf. Sowas hält im Pazifik-Wind höchstens 1 Jahr. Inzwischen sind die brachliegenden Flächen so verwildert, daß es anstrengend ist, sich da durchzukämpfen. Immer wieder stürze ich dabei in überwachsene Gräben. Eine Balkenbrücke brach unter mir zusammen, als ich mich nun doch aufmachte, um mal wieder die illegalen Rinder zu beseitigen, die auf meinen abgeernteten Reisterrassen angepflockt werden und dabei die Dämme zertrampeln.
Zuerst sah ich den Wohnsitz von Youke & Co.. Prächtig hat er sich entwickelt: Hühner-, Enten- und Kankong-Zucht, Wasch- und Kackplatz, Wäsche auf der Leine. Ein idyllisches Plätzchen. Roter Vorhang in der Türöffnung, und auch innen weitere Vorhänge. Hier hat es sich jemand gemütlich gemacht. Als ich mich ein Stück entfernte, tauchten 6 mit Luft-Gewehren, in der Sonne glänzenden Haumessern und Stöcken zum Sumpfvogel-Totschlagen bewaffnete Jäger auf und bewegten sich auf dem Wohnplatz, als ob er ihnen gehörte. Einer nahm sogar Wäsche von der Leine. Bei Jägern sehe ich grundsätzlich nicht Grün sondern Rot. Ich also zurück. Sofort versuchten sie sich in der Gegend zu verdünnisieren, jedoch stellte und warnte ich sie, auf meinem Land nicht zu jagen. Inzwischen habe ich Youke bestellen lassen, ihr Basis-Camp, das tatsächlich bewohnt ist, auf ein Schattendach rückzubauen, oder ich zünde die ganze Anlage an. Keine Kompromisse mehr! Ich bin jetzt zertifizierter Wilder!
Dann begab ich mich zu den Rindern. Als ich dem ersten das Seil kappen wollte, prallte mein stumpfes Haumesser ab, das Viech raste erschreckt los, und das Seil glitt mir so durch die Hand, daß jene gleich zu Glühen anfing. Beim 2. Versuch konnte ich wenigstens einen Teil des Seils kappen, das als Reaktion auf meine früheren Attacken schon 3x verknotet war. Die Wilden sind hartnäckig hinterhältig – aber stets mit einem Lächeln. Ihre Messer sind immer superscharf, und sie sind Meister im Kehledurchschneiden.
Das nächste Rind ahnte schon was und bewegte sich ängstlich im größtmöglichen Radius um seinen Pflock. Als ich das Seil durchhacken wollte, prallte mein Messer wieder ab, das Rind raste los, hebelte mich mit dem Seil auf den Rücken, jenes schlang sich um mein abknickendes rechtes Bein, und los ging die Fahrt rücklings – HOLTERDIPOLTER – über die hartgetrockneten Terrassen. Meine 81kg wurden so schnell über den hartgetrockneten Boden geschleudert, daß ich nur noch dachte: ‚Gleich bricht mein Bein!‘ Zum Glück konnte ich es während der Fahrt strecken, und das Seil glitt ab. Durch die tägliche körperliche Arbeit bin ich anscheinend noch so elastisch, daß ich keinerlei Verletzungen davontrug. Ein anderer Wilder, dem das gleiche passierte, soll hinterher grün und blau gewesen sein. Solch einen totalen Kontrollverlust kenne ich nur aus Western und Walfänger-Filmen. Eventuell vergleichbar mit einem Motorrad-Unfall, bei dem ich mal auf einer stark befahrenen Straße in D eine Weile durch die Luft flog, um dann hart zu landen.
Anschließend wischte ich mir die Kuhscheiße von der Hand und hackte das Seil durch – auch noch einem 3. Rind.

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Bester Bankraub aller Zeiten (Das ganze Gebäude!) in „Pirates of the Caribbean 5 – Dead Men Tell No Tales“

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Dieb mit Dose

Beute

Zuerst fand ich zufällig eine professionelle Angelrute, die zur Hälfte aus einen Plastik-Rohr bestand, komplett mit Schwimmer und Haken im Graben neben der Straße. Direkt dahinter meine Mauer und ein Teich, in dem ich nie Fische entdecke. Das ist ungewöhnlich, da sie sich hier in jeder Pfütze ansammeln. Dafür sorgen schon die Fluten nach starken Regenfällen. Teiche, die mit dem Be- und Entwässerungs-System zusammenhängen, lassen sich nicht frei von Raubfischen wie Barschen, Welsen und den Riesenaalen halten, die alle dafür sorgen, daß auf Dauer kein Goldfisch überlebt. Dieser Teich ist durch den Lorong Jerman von meinen zusammenhängenden Grundstücken getrennt. Ich habe das Land überhaupt nur gekauft, um die Kontrolle über die Hauptwasser-Zufuhr zu bekommen. Schwer einsehbar, ist das Grundstück eine Spielwiese für Jäger und andere Diebe. Derjenige, der die Angel im Graben versteckt hat, weiß offensichtlich nicht, wie ein starker Regenfall sein Gerät bis in den Pazifik schwemmen kann.
Einige Tage später entdecke ich am Teichrand, gerade mal 10m von meiner Haustür entfernt, eine Stelle, die wirkt, als ob sich ein größeres Tier einen Liegeplatz auf Farn und Strelizien plattgedrückt hat. Das“Tier“ hat auch eine Kokosnuß-Schale mit Würmern und einen kleinen Barsch ohne Kopf hinterlassen. Da hat jemand nachts direkt vor meiner Nase geangelt!
Für die nächste Nacht lege ich mir Brille, Kleidung, Stahl-Stange, Kampfmesser und Taschenlampe bereit. Gegen 22Uhr30 werde ich wach und schaue ohne Licht zu machen von meinem Schlafzimmer von oben nach dem Angelplatz. Dort sehe ich nur 2 weiße Flecken, wie sie das durch den Dschungel geisternde Mondlicht erzeugt. Doch dann gehen die Flecken weg. Es sind helle Hosenbeine, die einem jungen Mann gehören, der sogar zu einem anderen spricht. Lautlos schleiche ich nach unten und höre die beiden direkt vor meiner Haustür in normalem Ton reden, als ob hier niemand wohnt. Die Wilden schlafen wegen der Geister immer mit Licht. Ein Dorf ist nachts hell erleuchtet, obwohl nur die Hunde wach sind. An meine Eisenstange komme ich nicht ran, ohne vorn die Schiebetür zu öffnen, aber ich kann mich hinten wenigstens mit meinem Messer rausschleichen. Als ich das Tor des Hinterhofs öffne, gibt es einen kaum weit hörbaren Rums, aber als ich endlich den Angelplatz ausleuchte, sind die Burschen verschwunden. Vor der Tür eine mit Angelschnur umwickelte Tabakdose, komplett mit Haken, Bleigewicht und Wurm. Also haben sie sich fluchtartig entfernt. Am Tor wieder eine Speerspitze durch Drüberklettern abgebrochen. Die kann ich ankleben. Die Stahl-Stange lasse ich besser ruhen. Ein einziger Schlag damit könnte tödlich sein. Aber pechschwarze Kleidung brauche ich. Und einen Kampfgürtel mit Halterungen für Lampe, Messer und Handschellen. Alles griffbereit an einem Platz gelagert, wo ich mich im Dunkeln anziehen kann.
Es heißt, das Eindringen von Dieben in den privaten Bereich habe für die Betroffenen traumatische Folgen. Noch ein Trauma spielt für mich nun keine Rolle mehr. Wichtig ist, die Asozialen zu traumatisieren! Das ist für alle Beteiligten therapheutisch. Es war vorauszusehen, wie ich als allein lebender bald unangenehmen Besuch bekommen würde, aber es macht sehr viel aus, ob ich einen Ruf als angriffslustiger Wüterich oder hilfloser alter Mann habe.

abgebrochen

Am Strick

rinderkrieg

Eigentlich wissen die Wilden, was ich will und was nich. Aber sie probieren immer wieder, wie weit sie gehen können. Ich werde meiner Tag-Cloud wohl bald ein „Anarchie 2“ hinzufügen müssen.
Wenn sie den Eindruck bekommen, ich nutze mein Land nich richtich, helfen sie gerne. Um Ratten, Frösche, Warane und Vögel zu jagen, streifen die Kegel ihrer grellen Taschenlampen spät nachts durch die Gegend wie die faschistoiden Flak-Scheinwerfer der „20th Century Fox“. Seit ich sie nachts angegriffen hab, wagen sie sich nur noch in den Grenzbereich. Ihre aufgestellten Fallen zerstöre ich, sofern ich sie entdecke. Den Rindern, die die Landlosen auf meinen Reisfeldern anpflocken, zerhacke ich die Stricke. Eine schöne Sammlung habe ich inzwischen schon wieder zusammen.
Seit mehrere meiner Pächter unter Hinterlassung ihrer Schulden aufgegeben haben (Mißernten und -wirtschaft), „verfällt“ das Land – aus ihrer Sicht. Tatsächlich schadet die Renaturierung höchstens mir. Auch meine Früchte lassen die Wilden nich verkommen, wenn ich sie nich schnell genuch ernte. Ihre Rinder zertreten die Dämme der Reisfelder. Reparaturen sind sehr arbeitsaufwendig. Das kümmert aber keinen Wilden. Er nimmt sich, was er braucht. Gesunde Bäume werden so angehackt, daß man sie bald als Feuerholz nutzen kann. Wildes Siedeln auf meinem Land hab ich ihnen bereits abgewöhnt. Dem letzten Rind markierte ich noch den Hintern mit meinem Haumesser. So erkennt man sich das nächste Mal gleich wieder. Reden hilft nix. Früher brachten die Landbesitzer fremde Rinder zum Bürgermeister oder hängten sie mit ihren Stricken an den nächsten Baum. Nix mit Konsens, reine Machtpolitik.
Nach meiner letzten Attacke gegen 5 Rinder sind alle wie wechgezaubert.
Übrigens hat das niederländische Könichspaar gerade einen Kuhstall besucht. Ich dagegen traf auf meiner letzten Tour nach Manado vor einem chinesischen Restaurant, wo ich imma wunderbaren, eiskalten Frucht-Shake trinke, ein älteres holländisches Paar, das mich gleich ausfragte. Deshalb weiß ich, daß nich alle Holländer degeniert sind. Als ich erzählte, wie ich allein lebe, weil meine Frau mich betrogen hat, machte die kurze indonesische Frau mit der Handkante eine Schnittbewegung in Höhe ihres Halses, was wohl bedeuten sollte: Das reicht! Ich antwortete mit der gleichen Geste. Wir waren uns einich.
Auf der Rückfahrt hockte ich im mikro für kleine Leute neben einem sehr dünnen, ätherischem Wesen, bei dem es sich vermutlich um einen Studenten handelte, der sicher keine Rinder jagt, denn der Überstand der Fingernägel seiner makellos käsigen Hände war ~1cm lang. Meiner eher minus 1mm.
Und dann war die Telefon-Leitung wieder tot.