Dieb mit Dose

Beute

Zuerst fand ich zufällig eine professionelle Angelrute, die zur Hälfte aus einen Plastik-Rohr bestand, komplett mit Schwimmer und Haken im Graben neben der Straße. Direkt dahinter meine Mauer und ein Teich, in dem ich nie Fische entdecke. Das ist ungewöhnlich, da sie sich hier in jeder Pfütze ansammeln. Dafür sorgen schon die Fluten nach starken Regenfällen. Teiche, die mit dem Be- und Entwässerungs-System zusammenhängen, lassen sich nicht frei von Raubfischen wie Barschen, Welsen und den Riesenaalen halten, die alle dafür sorgen, daß auf Dauer kein Goldfisch überlebt. Dieser Teich ist durch den Lorong Jerman von meinen zusammenhängenden Grundstücken getrennt. Ich habe das Land überhaupt nur gekauft, um die Kontrolle über die Hauptwasser-Zufuhr zu bekommen. Schwer einsehbar, ist das Grundstück eine Spielwiese für Jäger und andere Diebe. Derjenige, der die Angel im Graben versteckt hat, weiß offensichtlich nicht, wie ein starker Regenfall sein Gerät bis in den Pazifik schwemmen kann.
Einige Tage später entdecke ich am Teichrand, gerade mal 10m von meiner Haustür entfernt, eine Stelle, die wirkt, als ob sich ein größeres Tier einen Liegeplatz auf Farn und Strelizien plattgedrückt hat. Das“Tier“ hat auch eine Kokosnuß-Schale mit Würmern und einen kleinen Barsch ohne Kopf hinterlassen. Da hat jemand nachts direkt vor meiner Nase geangelt!
Für die nächste Nacht lege ich mir Brille, Kleidung, Stahl-Stange, Kampfmesser und Taschenlampe bereit. Gegen 22Uhr30 werde ich wach und schaue ohne Licht zu machen von meinem Schlafzimmer von oben nach dem Angelplatz. Dort sehe ich nur 2 weiße Flecken, wie sie das durch den Dschungel geisternde Mondlicht erzeugt. Doch dann gehen die Flecken weg. Es sind helle Hosenbeine, die einem jungen Mann gehören, der sogar zu einem anderen spricht. Lautlos schleiche ich nach unten und höre die beiden direkt vor meiner Haustür in normalem Ton reden, als ob hier niemand wohnt. Die Wilden schlafen wegen der Geister immer mit Licht. Ein Dorf ist nachts hell erleuchtet, obwohl nur die Hunde wach sind. An meine Eisenstange komme ich nicht ran, ohne vorn die Schiebetür zu öffnen, aber ich kann mich hinten wenigstens mit meinem Messer rausschleichen. Als ich das Tor des Hinterhofs öffne, gibt es einen kaum weit hörbaren Rums, aber als ich endlich den Angelplatz ausleuchte, sind die Burschen verschwunden. Vor der Tür eine mit Angelschnur umwickelte Tabakdose, komplett mit Haken, Bleigewicht und Wurm. Also haben sie sich fluchtartig entfernt. Am Tor wieder eine Speerspitze durch Drüberklettern abgebrochen. Die kann ich ankleben. Die Stahl-Stange lasse ich besser ruhen. Ein einziger Schlag damit könnte tödlich sein. Aber pechschwarze Kleidung brauche ich. Und einen Kampfgürtel mit Halterungen für Lampe, Messer und Handschellen. Alles griffbereit an einem Platz gelagert, wo ich mich im Dunkeln anziehen kann.
Es heißt, das Eindringen von Dieben in den privaten Bereich habe für die Betroffenen traumatische Folgen. Noch ein Trauma spielt für mich nun keine Rolle mehr. Wichtig ist, die Asozialen zu traumatisieren! Das ist für alle Beteiligten therapheutisch. Es war vorauszusehen, wie ich als allein lebender bald unangenehmen Besuch bekommen würde, aber es macht sehr viel aus, ob ich einen Ruf als angriffslustiger Wüterich oder hilfloser alter Mann habe.

abgebrochen

Am Strick

rinderkrieg

Eigentlich wissen die Wilden, was ich will und was nich. Aber sie probieren immer wieder, wie weit sie gehen können. Ich werde meiner Tag-Cloud wohl bald ein „Anarchie 2“ hinzufügen müssen.
Wenn sie den Eindruck bekommen, ich nutze mein Land nich richtich, helfen sie gerne. Um Ratten, Frösche, Warane und Vögel zu jagen, streifen die Kegel ihrer grellen Taschenlampen spät nachts durch die Gegend wie die faschistoiden Flak-Scheinwerfer der „20th Century Fox“. Seit ich sie nachts angegriffen hab, wagen sie sich nur noch in den Grenzbereich. Ihre aufgestellten Fallen zerstöre ich, sofern ich sie entdecke. Den Rindern, die die Landlosen auf meinen Reisfeldern anpflocken, zerhacke ich die Stricke. Eine schöne Sammlung habe ich inzwischen schon wieder zusammen.
Seit mehrere meiner Pächter unter Hinterlassung ihrer Schulden aufgegeben haben (Mißernten und -wirtschaft), „verfällt“ das Land – aus ihrer Sicht. Tatsächlich schadet die Renaturierung höchstens mir. Auch meine Früchte lassen die Wilden nich verkommen, wenn ich sie nich schnell genuch ernte. Ihre Rinder zertreten die Dämme der Reisfelder. Reparaturen sind sehr arbeitsaufwendig. Das kümmert aber keinen Wilden. Er nimmt sich, was er braucht. Gesunde Bäume werden so angehackt, daß man sie bald als Feuerholz nutzen kann. Wildes Siedeln auf meinem Land hab ich ihnen bereits abgewöhnt. Dem letzten Rind markierte ich noch den Hintern mit meinem Haumesser. So erkennt man sich das nächste Mal gleich wieder. Reden hilft nix. Früher brachten die Landbesitzer fremde Rinder zum Bürgermeister oder hängten sie mit ihren Stricken an den nächsten Baum. Nix mit Konsens, reine Machtpolitik.
Nach meiner letzten Attacke gegen 5 Rinder sind alle wie wechgezaubert.
Übrigens hat das niederländische Könichspaar gerade einen Kuhstall besucht. Ich dagegen traf auf meiner letzten Tour nach Manado vor einem chinesischen Restaurant, wo ich imma wunderbaren, eiskalten Frucht-Shake trinke, ein älteres holländisches Paar, das mich gleich ausfragte. Deshalb weiß ich, daß nich alle Holländer degeniert sind. Als ich erzählte, wie ich allein lebe, weil meine Frau mich betrogen hat, machte die kurze indonesische Frau mit der Handkante eine Schnittbewegung in Höhe ihres Halses, was wohl bedeuten sollte: Das reicht! Ich antwortete mit der gleichen Geste. Wir waren uns einich.
Auf der Rückfahrt hockte ich im mikro für kleine Leute neben einem sehr dünnen, ätherischem Wesen, bei dem es sich vermutlich um einen Studenten handelte, der sicher keine Rinder jagt, denn der Überstand der Fingernägel seiner makellos käsigen Hände war ~1cm lang. Meiner eher minus 1mm.
Und dann war die Telefon-Leitung wieder tot.

Ohne Atemluft

keinmeer

Denken wir aber an all die düsteren Klagen und gellenden Anklagen, die ein Goethe, ein Hölderlin und Kleist gegen das Deutschland ihrer Zeit schleuderten, so erkennen wir, daß sie in unserer Gegenwart überhaupt nicht hätten atmen können.“
(Werner Deubel, 1927)

Was soll man denn erst düster klagen, wenn wegen Rauchentwicklung die klare Sicht auf unter 1km begrenzt ist (Das Meer da hinten hab ich seit Monaten nich mehr gesehn.). Wobei man noch froh sein kann, nich auf Sumatra oder Riau zu wohnen, wo man nur noch 20m weit blicken kann, die Luft verboten werden sollte, und Pläne für eine Massen-Evakuierung vorbereitet werden. In Singapore atmet man ungefährdet nur in den zahlreichen Malls. Man riecht es, spürt es kribbelnd und kratzend in Nase und Lunge, die ohnehin schon weit verbreiteten Atemwegserkrankungen nehmen zu und die Rauch-Entwicklung auch. Nachdem es jahrelang fast täglich regnete, kommt nun nur noch Staub von oben. Eine extreme Dürre wächst sich zur größten Umwelt-Katastrophe Indonesiens aus. ¾ des Landes sind betroffen (etwa so viel wie ¾ Europas), Pflanzen verdorren, neue Reisschädlinge führen zu Mißernten. Öl-Palmen-Plantagen, Wälder und die Hänge unseres Haus-Vulkans Klabat brennen unkontrolliert vor sich hin, Wasserbomben konnten wenig ausrichten. Neben der Vergiftung des Wassers durch Müll sind die Brände ein seit Jahren bekanntes und wachsendes Problem. 18Hektar Wald sind hier inzwischen abgebrannt. Und wie reagieren die Wilden? Da alles so schön vertrocknet, fackeln sie Unkraut und Reis-Stroh ab. Hier und da entzünden sich dann versehentlich auch gleich ein paar Häuser. In Manado rast die Feuerwehr herum, das Personal klebt dabei am Fahrzeug wie Keystone-Cops. An der pitschnassen Straße sieht man gleich, wo sie langgefahren sind, weil das Löschwasser aus einer verrosteten Seitenklappe sprudelt. Deshalb kommen sie dann auch bald zum Nachtanken zurück. Doch gibt es Hoffnung: In den sozialen Medien wuchern Ketten-Mails, die auffordern, jeder solle einem Eimer Wasser Salz hinzufügen und jenen zur Verdunstung hinstellen. Bei 250Millionen oder wieviel Eimern müßte das ja zur Bildung von enormen Regen-Wolken führen. So logisch wie ein Blog-Award.
Vor 4 Tagen regnete es 5min lang ein wenig, und der Pazifik ist wieder zu sehen. Gestern Nacht dann der erste heftige Regen. Na also! Noch geht Indonesien nich unta, und die Schlamperei kann weitagehn.

rauch-(1)