Love Loss’s Lust

light2

Advertisements

Moderne Kunst

modernart

Es handelt sich offensichtlich um Kunst. Wahrscheinlich am Bau – eine sinnlose Methode, soziale Verhältnisse dadurch zu verbessern, daß man sie behübscht. Und wo man mahnen muß, da ist was falschgelaufen. Das erscheint in Manado nur nicht so größenwahnsinnig wie in Berlin. Was dieses Zement-Objekt bedeutet, läßt sich nicht klären. Am Sockel kein Schild sondern Müll, das Umfeld verwahrlost. Denkmal der Schreiner-Berufsgenossenschaft (Fingerverlust durch fehlenden Säge- und Hobel-Schutz)? Sterbendes Korallenriff? Familienplanung der Bandwürmer? Erstarrte Fackel der Freiheit? Mehrere solcher Spuren aus der Soekarno-Zeit sind in Manado zu entdecken. Man wollte und will immer noch modern sein. Das läßt sich auch an den Architektur-Moden verfolgen. Die Nachahmung des Westens erzeugt jedoch bis heute überwiegend Groteskes, das in die Tropen paßt wie die Faust aufs Auge. Die Minahasa sind ein klassisches Beispiel dafür, wie der Mensch auch ohne Geschmack auskommt.
Es wird sich wohl um Shivas Dreizack handeln. Für den Wandler der Welt und Zerstörer des Scheins bedeuten die drei Spitzen die Grundmöglichkeiten des Denkens: Die Trägheit links stark ausgebildet, die zweckbestimmte Aktivität rechts eher verkümmert, die Erkenntnis des wahren Wesens der Welt in der Mitte – deutlich unterentwickelt. Shiva erweckt und zerstört – wie meine Ex, die Shakti gleich versucht hat, den Tiger zu reiten. Nach hinduistischer Auffassung findet keine wirkliche Vernichtung statt, sondern eine Verwandlung. Und das stimmt ja, denn das Geld, was meine Ex verspielt hat, besitzen jetzt nur andere. Dank Shivas Weisheit erlangen wir am Ende unseres Weges ein inneres Gleichgewicht der geistigen Kräfte und damit das wahre Glück. Jawoll! Und somit erschauern wir in Ehrfurcht vor diesem vermoderten Werk und brauchen ganich zur Documenta nach Kassel zu fahren.

speed

Im Vergleich mit „Speed“, 1943 von Kurt Schwitters (1887-1948) angefertigt, wird deutlich, wie die indonesische Dynamik in der 2-Dimensionalität klebt.

La peinture ironique

peinture-ironique

Also alle malen, nur ich muß imma witzig sein. Da hab ich mir jesacht, also Thomas, hab ich jesacht – meist sach ich nur du zu mir – also jetz malste auch! Und dann hatte ich diese Vision aus unkollektiver Jungscher Tiefe, wo ich mit einer runden Hornbrille beim Abwasch bin, und mein Innenleben iss so reich, daß mir der Teller außer Hand fällt, und alles geht kaputt und die ganzen Scherben und der Schaum und die Brille, alles rutscht in den Abfluß. Ich muß dazu erläutern, daß ich nur noch eine Brille mit ovalen Gläsern zum Lesen trage, seit ich es aufgegeben habe, wie John Lennon oder wenigstens wie Fritz Teufel auszusehen, und schon ganich beim Abwaschen. Und außadem wasche ich fast nie ab. Eher schlürfe ich ein rohes Ei aus, welches man übahaupt nich abzuwaschen braucht. Also deshalb vasteh ich auch nich, wie es mich so übakommen konnte. Jedenfalls gestete ES mich derartig heftig, daß ich mir hinterher ne neue Maus kaufen mußte. Nich daß ihr denkt, ich würde so wie der Walter Stöhrer … nee, nee, ich war ganz nüchtern, als ich das Bild gemaust habe. Malen kann man das ja nich mehr nennen. Man muß aufpassen, daß die Vision nich größer als das Gemause iss. Deshalb hab ich auch extra nur ne ganz kleine gehabt. Ich posiere ja hier nich als Schamane. Wenn ich eine Malfabrik wie Rubens oder Warhol hätte – weil wenn ich selbermale, tropfe ich wegen der Hitze imma so stark, daß hinterher alles eingesaut iss – also dann müßten die Wilden die Acrylfarbe zentimeterdick draufklatschen, daß man staubwischen muß, und so Sachen raufkleben. Ganz groß müßte das Bild werden, daß man nich weiß, wo man’s hinhängen soll. Natürlich kann ich mit taschischtischer Malerei keine 5.998 Leute begeistern, aba es iss eigentlich konkret. Man sieht doch ganz deutlich den Abwasch. Oder wie? Außadem (Hat Kandinsky das rausgefunden, jener Urheber des aufgeblasenen Kunst-Jargons?) isses konkret, wenn man Farbe draufklatscht, aba völlig abgefahn abstrakt, wenn man z.B. Engel oder irgend son schwülen Blödsinn malt.
Inzwischen hab ich aba auch was Ordentliches richtich gemalt. Hinterher mußte ich den Boden von meinen Schweißtropfen säubern. Ohne Schweiß kein Scheiß.