Lächeln mit Zahnspange

modellfamilie

„Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode.“ (Shakespeare)

Ohne Zweifel, wie uns die Fotos einer indonesischen Marketing-Zeitung vorführen. Die Modell-Familie stammt aus Sumatra, wo der Interessierte noch eine ganz besondere Kultur finden könnte – wie die Nadel im Heuhaufen – denn bei der christlichen Batak-Minderheit ist wieder Weihnachten ausgebrochen. Der moderne indonesische Mann trägt Kariertes zu den Jeans, nicht etwa altmodische Batik-Hemden wie ich. Er hat auch keine schwarzen Ränder vom Schlamm der Reisfelder unta den Fingernägeln. Allerdings weisen die hier gezeigten Jeans weiter unten erhebliche Löcher und Flick-Stellen auf, so daß es sich eventuell um getarnte Armut oda Styling handelt – oda seine Frau hat ihn gebissen, was ihre Zahnspange erklären würde. Als Höhepunkt der Weihnachtsfeier brüllt man „Stille Nacht“ am Klavier. Ich ziehe allerdings die gebräuchlicheren Yamaha-Orgeln vor, die auch alleine spielen, wenn man nix kann oda keine Lust mehr hat. Die 2-jährige Tochter hat zu Weihnachten ein Zertifikat bekommen, das sie später zum Theologie-Studium berechtigt. Der blödisch glotzende 9-monatige Sohn paßte nich mehr in meinen Scanner. Ziegen besitzt die Familie anscheinend nich. Die würden ja womöglich den Weihnachtsbaum fressen.
Ganz wie im Westen bietet die Zeitung auch reichlich Tips an, was man zu Weihnachten noch kaufen und essen könnte. Zum Bleistift solche Schuhe. Ich beobachte imma gern, wie indonesische Frauen sich auf sowas fortzubewegen versuchen. Für eine Dokumentation üba das moderne Indonesien würde ich das filmen.

killerschuh

Hübsch iss auch die Idee mit dem rosa Gelee in Plastikbechern. Letztere finde ich dann in meinem Bewässerungs-System wieda. So hab ich, der ich nie Weihnachten feiere, wenigstens auch was von der Veranstaltung.

jellybaum

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Disaster Management

Siau

Genau das, was ich brauche: Disaster Management. Leider nich für katastrophale Ehen sondern eine Regierungs-Ausstellung des indonesischen Technischen Hilfswerks und anderer Notfall-Organisationen. Zufällich entdeckte ich das große, weiße Zelt auf meinem Streifzug durch Manado, und es blähte und wölbte sich im Küstenwind, als ob einige Verspannungen fehlten. Innen schwer erträgliche Hitze, nur gemildert durch Klima-Anlagen und Ventilatoren, die in manchen Ständen zu finden waren. Einer lieferte einen feinen Sprühnebel inklusive, der zwar erfrischend doch auch ziemlich feucht wirkte. Drehend verfolgte das Gerät sogar mich Ausweichenden. In wacklich-bunten Buchten mit rotem, unebenem Teppich-Boden stellten sich verschiedene Regierungs-Bezirke mit allem vor, was sie zu bieten haben. Die nördliche Insel Siau zum Bleistift mit ihrem beherrschenden Vulkan und sorgfältich katalogisierten umliegenden Bauwerken, die bei seinem Ausbruch die Hölle erleben. Da kommen dann eventuell die vorgestellten motorisierten Berge-Spreizen zum Einsatz, die aussehen wie Krokodil-Fressen. Auch gab es neben einem fein gearbeiteten Holzmodell des traditionellen Minahasa-Hauses, das inzwischen fast vollständich vom modernen Minimalis-Stil abgelöst wird, Höhepunkte der indonesischen Raumordnung zu betrachten. Eine echte optische Katastrophe.

traditionelleA

staedtebau

Und dann geriet ich an den Stand des Regierunsbezirks Tambrauw in West Papua, wo die originalen Wilden so indonesisch sind wie ich, und es deshalb ziemlich unruhich iss. Dort bekam ich Paradiesvogel eine passende Mütze mit Halsschmuck und wurde von den Papuas fotographiert. Früher war das umgekehrt. Da freuten wir Wilde uns alle.

paradiesvoegel

Außerdem versuchte man noch demonstrativ, einen Toten zum Leben wiederzuerwecken, der solange das Mikrofon halten mußte. Leida wurde keine Mund-zu-Mund-Beatmung gezeigt.

erstehilfe

Fehlschläge

fruitfull

Ich weiß ganich, wo ich anfangen soll, es schlägt so viel.

Gerade am 3.1. hatte ich geschrieben, wie man hier die explodierenden Wilden akustisch kaum von Terroristen unterscheiden kann, da wurde es in Jakarta deutlich unterschieden demonstriert, jedenfalls die nationale Eigenschaft des Dilettantismus. Die Nachrichtenlage ist wie immer wirr, aber ein Angriff auf Starbucks zur richtigen Zeit, hätte ein Massaker unter Ausländern angerichtet. Dort hab ich auch schon Kaffee getrunken, im Burger King gegessen und im Sarinah eingekauft. Mein Hotel war nur 100m entfernt. Überhaupt kenne ich die meisten bombigen Plätze Indonesiens von eigenem Aufenthalt. Und da ihr da drüben mit zunehmender Begeisterung unerklärte Kriege in moslemischen Ländern führt, steigen die Chancen, daß es mich doch noch erwischt. Heute hab ich nicht eine Explosion gehört. Als ob das ganze Land den Atem anhält.

Auch die lange, geheimnisvolle Krankheit Ahmads 2. Tochter ist nun rätsellos: eher Schwangerschaft im 5. Monat als Typhus. Wir haben ihr die Ausbildung zur Krankenschwester finanziert – mit diesem Ergebnis. Großes Problem: Er (23 und von Beruf ungelernter Kabelleger) ist Christ, und seine Eltern wollen die Konversion der moslemischen Schwiegertochter, bevor sie eine dringende, mittelprächtige Hochzeit finanzieren. Doch die angehende Mutter will nicht sondern das Kind zur Adoption freigeben. Ist das moslemische Moral? Lernerfolg von Gymnasium und Schwestern-Schule? Möchte vielleicht jemand was spenden für die Entwicklung der Unterentwickelten? Oder hat jemand eine beeindruckende Gesellschafts-Theorie anzubieten?
Der 3. Tochter, deren diebisch-animalisches Wesen mir schon länger unangenehm auffiel, hatten wir so lange die Schulzeit bezahlt, bis wir merkten, wie sie uns betrog und sich vom Schulgeld modische Klamotten kaufte. Kürzlich begegnete sie mir nuttich angezogen im Deutschen Weg, wobei ich mich fragte, wie sie wohl mit ihren Stöckel-Schuhen den Rest der zerrütteten Strecke bewältigen würde. Zuletzt sah ich sie auf einem unserer Grundstücke als Durian-Wächterin, denn die Wilden brauchen diese Früchte unbedingt und schleichen dafür meilenweit. Durian legt ihr Gehirn völlig lahm, mich erinnert der Geruch dagegen nur an Verwesendes. Nun ist die 3. verschwunden. Wahrscheinlich kommt sie auch schwanger zurück, denn sie war von ihren Hormonen schon immer stark benebelt.

Ein kleiner Teil unserer Reisfelder liegt brach, weil wir keine Kredite mehr geben können, Ahmad es nicht mehr schafft, und keine neuen Pächter zu finden sind. Die sitzende Position als Motorrad-Taxi-Fahrer ist wesentlich angenehmer als das Wühlen im Schlamm und bringt täglich Geld. Ahmad versinkt in Schulden, ein erster Schulden-Erlaß hat nichts gebracht.

Meine Frau besuchte Diplom-Betrügerin Linda im Polizei-Krankenhaus (inzwischen schon wieder in der Zelle). Jene ist nachts verhaftet worden, ebenso ihr Mann, Leiter der faschistoiden Brigade Manguni, die für Recht und Ordnung eintritt. Danach wurde meine Frau telefonisch von einem KORAMIL-Angehörigen (Kreis-Militär-Posten) bearbeitet, sich wegen ungedeckter Schecks einer Sammel-Klage anzuschließen, die Linda für lange Zeit hinter Gitter bringen würde. Strafen sind hier drakonisch, jedoch ohne durchgreifend abschreckende Wirkung. Die Rechtslage der Anklage als kompliziert zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Sie ist völlig verworren, und jeder hat recht, sofern er kein Betrüger ist. Das sind sie jedoch alle. Nun will Linda verbindlich zurückzahlen, und auch Erfolgs-Betrügerin Ernny, hat nach dem Besuch eines Polizei-Kommandos Entgegenkommen gezeigt, obwohl ein Verwandter die roten Fahnen wieder entfernt hat, die wir bei der Landnahme aufgestellt hatten. Das Grundstück, das als Pfand gegeben worden war, hat meine Frau zum mehr als doppelten Preis verkauft – ohne Eigentümerin oder wenigstens Besitzerin zu sein. Ernny wollte jedoch weder zahlen, noch das Grundstück überschreiben lassen. Also mußte meine Frau der Käuferin das Geld zurückerstatten – mit Zinsen. Sie hat aber keins mehr. ICH hab welches – noch! Die Polizei war der Ansicht, daß schon die geringe Summe, für die Ernny das Land verpfändete, auf geplanten Betrug hinweist. Die Polizei arbeitet allerdings laut Zeitung „blum optimal“ (noch nicht …), was den irreführenden Eindruck erweckt, sie würde noch optimal zu meinen Lebzeiten. Stattdessen sorgen sich die Polizisten, sofern sie nicht beten, singen, sinnlos mit Pfeifen trillern oder in Deckung gehen, vor allem um ihre Provisionen, gerne auch von allen Beteiligten. Von der Mafia unterscheiden sie sich nur durch die Uniform. Sie versuchen immer möglichst nahe an mich ranzukommen, schrecken jedoch vor den sich paarenden Schlangen in meinen Dschungel-Bäumen zurück. Diese Schlangen sind z.Z. das einzig Positive.

Und dann fiel der Strom aus.