Sasando

Natalino-Mella

Om Nano bekreuzigte sich, als das mikro losfuhr. Ich weiß das, weil ich neben ihm saß. Er fragte, wo ich hinwollte und erzählte mir, daß er auf dem Friedhof meines Dorfes arbeite. Das weiß ich auch – seit Jahrzehnten – denn ich arbeite ja oft neben ihm. Er sammelt den Müll am Rand des Baches, sortiert Steine zu sinnlosen Haufen und poliert den Lehmboden solange, bis jener bei der nächsten Regenflut zusammen mit dem Müll in den Bach geschwemmt wird, der dann als wüster Fluß in den Canyon tobt, wo ich mit Müll- und Schlamm-Lawinen kämpfe. Deswegen hab ich Om Nano schon mal angebrüllt, aber der hat nur noch Mus im Kopf und erkennt mich gar nicht mehr. Doch der überlaute Reggae-Sound im mikro beschwingte ihn so, daß er den Takt auf seinem Knie nachklopfte. Ich dagegen hielt mir die Ohren zu. Als der Fahrer das im Rückspiegel bemerkte, drehte er den Krach runter.
So auch in dem großen, weißen Zelt in Manado, dem ich mich nur zögernd näherte, weil es schon kilometerweit vor sich hinbaßte. Schwarze Limousinen transportierten hinter dunklen Scheiben unsichtbare VIP-Wilde, geführt von Polizei-Wagen, die die Straße mit elektronischen Maschinen-Gewehr-Geräuschen freischossen, und um den schmalen Zelteingang wimmelte es ameisenhaft wie in einem aufgebrochenen Bambus. Kaum innen zwischen festlich gewandeten Wilden eingeklemmt, befand ich mich unmittelbar neben einem schrankgroßen Sehrlautsprecher, aus dem mir das Gebrüll einer Band-Sängerin die Schnecke mißhandelte. Also wieder Finger in die Ohren und zügig durch zum anderen Ende des Zeltes, dabei sorgfältig beachtend, keinen der Zwerge umzustoßen. Glühend heiß das mit zahlreichen Ständen der Provinzen Ostindonesiens gefüllte Zelt. So stellte ich mich erstmal mit ausgebreiteten Armen wie Jesus vor einen großen Ventilator. Nachdem ich etwas getrocknet war, fand ich Natalino Mella aus Kupang, der – in dem Band-Krach kaum hörbar – auf einem selbstgebauten Sasando rumzitherte. Daß im Hintergrund noch ein alter Wilder zu seiner Musik sang, bemerkte ich erst zuhause in einem Video, das ich von ihm mit meinem neuen S9 telephoniert hatte, mit dem ich noch nie jemanden anrief. Endlich, dachte ich so vor mich hin, macht mal einer mit schöner roter Jacke, die ich nur im Dunkeln tragen würde, meditativ-traditionelle Musik! Ein Sasando besteht aus einem Bambusrohr, auf dem die Saiten dreidimensional wie eine Wendeltreppe verspannt sind. Um es beidhändig spielen zu können, steckt Mella es auf einen verchromten Ständer, den er mit traditionell gewebten Tüchern verdeckt. Ich kaufte gleich seine 3 CD’s zu ~3EUR das Stück, hätte mir dafür jedoch lieber 9 Äpfel besorgen sollen, denn keine erwies sich als Ganzes erträglich. Eigenes schien kaum vorhanden zu sein. Stattdessen Imitationen amerikanischer Schlager nach dem Motto: Das kann ich auch auf einem Kamm blasen. Wie wenn man den Kölner Dom mit Streichhölzern nachbaut. Weder ist es der Dom, noch kommt Neues dabei heraus. Dazu erzeugt eine gewöhnliche Flach-Zither meist volleren Klang. Mellas Produkt schwankt zwischen extrem hohen Spieldosen-Tönen und einem Baß-Gerumse, das der Bambus gar nicht leistet, sondern die angeschlossene Elektronik. Wenn dann auch noch christlicher Kitsch im Gangsta-Rap-Stil geliefert wird, reicht es mir. So blieben von seinen 42 Werken nur 9, die ich mir zu einer recht angenehm vor sich hinklimpernden CD zusammenstellte.
Natürlich wurde ich erwartungsgemäß wieder telephoniert und – ohne zu fragen – im Gesichtsbuch veröffentlicht. Dazu rupfte mir eine Wilde einfach mein S9 aus der Hand und forderte mich auf, mich zwischen 2 Kanibalen aus einer benachbarten Provinz zu stellen. Eigentlich kann man mit dem galaktischen S9 gar keine Personen telephonieren, weil die eingebaute Fettkloß-Reduzierung Proportionen extrem zusammenquetscht – was den Übergewichtigen sicher gut gefällt.

Wilde

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Giftige Schnecke

 

Du bist wahrlich eine giftige Schnecke.
Gerade erst kennengelernt,
wolltest Du schon mit mir schlafen.
Du denkst, ich bin ein Dorf-Huhn.
Du schmeichelst mir, verführst mich, berührst meinen Körper.
Ey, ich weiß es genau,
ohne viel zu reden,
verführst Du mich zum Happy-happy.
Ey, Du bist unverschämt.
Ohne zu reden,
verführst Du mich zum Happy-happy.
Deine Augen glotzen mich an.
Du siehst eine Body-Demo.
Deine Gedanken sind schmutzig.
Du bist wahrlich ein Schnittlauch-Cowboy.
Sorry, sorry, sorry,
erniedrige mich nicht!
Ich bin kein billiges Mädchen.

Hot Dangdut von Sinta & Jojo