Im Gebets-Park

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„Ich kenne die meisten Städte Amerikas. Meist sind sie häßlich; aber bevor ich die Ihrige kennenlernte, ist mir keine noch häßlichere je vor die Augen gekommen.“
So begann der Architekt Frank Lloyd Wright (1867-1959) seine Vorträge.

Wenn Manado nur in seiner verkommenen Zweckmäßigkeit so häßlich wäre wie die meisten südostasiatischen Städte, aber hier sind christliche Fanatiker am Werk, die glauben, mit ihrem monumentalen Kitsch eine Art Wallfahrts-Ort konstruieren zu können („Kota Doa“ = Stadt des Gebets). Stattdessen dokumentieren sie mit losdüsendem Jesus, einer absurden Kerze und eben diesem „Gebets-Park“ mit 2 verkrampften Unterarmen nur ihre geistige Verwirrung. Seit mehr als 5 Jahren bastelt man an dem pleasure ground, der mit Sport-Anlagen die Jugend anziehen soll und sie zugleich mit 8 Engeln zu umzingeln versucht.

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Zwar ist man inzwischen von der naturalistischen Bemalung der monströsen Unterarme zu einem grell-unschuldigen Weiß gekommen, das ändert aber nix an der totalen Doofheit der Anlage. Offensichtlich sind die fanatischen Initiatoren dabei von den Bauunternehmern gründlich über die Aussichtsplattform gezogen worden, denn in den unterhalb gelegenen Gebetsraum regnet es rein. Auch sonst fallen die imitierten Naturstein-Platten zahlreich wieder von den Wänden. Qualität kann man mit den Wilden vor Ort nicht erreichen, Ästhetik muß man importieren. Das Problem habe ich gerade wieder mit meiner „Villa Ludendorff“. Besteigt man eine der Treppen, um eine von zwar optisch interessant verspiegelten Pfeilern getragene Aussichts-Plattformen zu erreichen, steht man plötzlich vor dem Fußboden in Brusthöhe. Unter denselben muß man sich bücken, um die Treppe weiter benutzen zu können. Offensichtliche planerische Konfusion. Rückt man sein Spiegelbild nur etwas zur Seite, sieht man, wie eine Soße aus Rost und Kalk über die Chromplatten läuft. Diese Art von Schlamperei und nackter Unfähigkeit findet man bei allen Bauten Nordsulawesis.
Auf einer Seite des Gebets-Parks ist eine Reihe von Grabsteinen aufgestellt. Meilensteine einer katholischen Spring-Prozession? Oder sollten hier eventuell die lautesten Interpreten christlicher Pop-Musik begraben sein? Tatsächlich liest man auf den Platten das Vater-unser, jeweils in den verschiedenen Dialekten der Region, die sich erheblich von der synthetischen National-Sprache Bahasa Indonesia unterscheiden. Dekoriert wird die linguistische Schaustellung mit wurstig verschränkten Gebets-Händen.

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Manado ist in jeder Hinsicht ein hoffnungsloser Fall. Gegen ästhetische Orientierungslosigkeit helfen keine Gebete. Wer was Schönes sehen will, fährt besser nach San Francisco, New Orleans, Singapore, notfalls nach Hamburg oder Hildesheim. Wer Inspiration für’s Leben braucht, der besucht die Zen-Gärten Kyotos.
Die Minahasa sind dagegen ohne Zweifel Kulturbanausen, jedoch nicht so psychisch gestört wie ein großer Teil der Bürger in den Hochzivilisationen. Eltern die Kinder wegzunehmen, und jenen, die sich dem widersetzen, mit Freiheits-Strafen bis zu 2 Jahren zu drohen, würde hier nicht mal angedacht. Auch nicht, daß man nicht mehr miteinander sprechen sollte.

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