Wartungsarbeiten

saeuberung

Der Hund kam von rechts, hatte jedoch keine Vorfahrt. RUMS-KNIRSCH-JAUL! „Reif für den Topf!“ meinte der Fahrer und fuhr ungerührt weiter. 1min später ein Motorrad-Unfall hinter uns.
Vor mir 2 wulstige Fleischberge. Mutter und Tochter. „Die beständig sitzende Lebensweise hat aber den türkischen Frauen alle Anmut der Bewegung, die Einkerkerung jede Lebhaftigkeit des Geistes geraubt, und sie stehen in Hinsicht auf Bildung noch eine Stufe unter den Männern,“ schrieb Helmuth von Moltke in „Kriege und Siege“. Die Mutter besaß eine Warze unter der Nase, aus der Haare wuchsen. Sie in rotem, Tochter in rotviolettem T-Shirt. Bissen sich aber nicht. Erst richtete die Mutter ihre langen Haare gar zierlich mit ihren Wurstfingern, dann die Tochter. Deren Strähnen lagen dabei auf meinen Knien. Zum Glück hatte sie keine Schuppen oder Läuse. Man trifft immer noch auf weibliche Wilde, die sich gegenseitig entlausen.
Es war das erste Mal, daß ich einen mikro-Fahrer dabei beobachten konnte, wie er während der Fahrt die Schrauben an seinem Steuerrad anzog. Dazu holte er einen Kreutschschlitsch-Schraubenzieher aus einer Tasche in der Schaschisch-Verkleidung. Auch sonst war er vielfach nebenberuflich beschäftigt. Sein winziger Sohn auf dem Beifahrersitz – unangeschnallt latürnich, denn Gurte existieren allenfalls für die Fahrer und werden dafür benutzt, deren schleudernde Sitze zu fixieren – bekam nach einem Halt an einem Essensstand einen Pappteller voll mit Curry-Reis, Nudeln und Krupuk, was er dann auf dem Sitz verteilte. Bei plötzlichen Brems-Aktionen hielt ihm der sehr junge Vater die linke Hand fürsorglich vor die Brust. Als der Sohn fertich gespeist hatte, wischte Papa die Nudeln und Reiskörner mit derselben vom Sitz. Auch versäumte er es nicht, mit jedem entgegenkommenden mikro akustisch und zeichenhaft zu kommunizieren. Auf dem Kopf trug er dabei eine schwarze Baseball-Mütze, zünftich mit dem Schirm nach hinten. Auf dem stand weiß aufgestickt: „DOPE“.
Neu war mir auch, wie man mit dem Ende einer Kugelschreiber-Mine seine Ohren sauberbekommt. Der junge Mann vor mir – vielleicht ein Student, zumindest wies der Besitz eines Schreibgeräts auf intellektuelle Ebenen – bohrte sich damit sorgfältig in den Ohren herum, grub mit den sehr langen Fingernägeln eines nicht körperlich Arbeitenden noch etwas nach, schabte dann den Aushub unter seinen Nägeln mit der Mine heraus und wischte jene rechts oben am Gummi-Profil der Scheibe ab – was mir völlich unlogisch deuchtete, denn er hätte erst die Mine und danach die Fingernägel reinigen müssen. Später wischte er die Mine auf der Lehne des Fahrersitzes sauber. Als seine Ohren klar waren, stöpselte er die Hörer seines Handphones in dieselben. Es wird sich doch wohl nicht um eine aktuelle Inkarnation des Arhats Nagasena gehandelt haben? Obwohl es noch keine twitternden Politiker gab, mußte dieser Mönch schon in der Frühzeit des Buddhismus seine Ohren von Geschwätz und Unsinn reinigen, um sie für die reine Wahrheit empfänglich zu machen. Völlich offen bleibt die Frage: Funktioniert ein Kugel-Schreiber auch mit Ohrenschmalz? Wäre das eventuell ein Schreibgerät mit einer gesunden Öko-Bilanz?

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Kaubeus und Indianer

beute

Wenn man den Wilden nicht die Möglichkeit gibt, auf gepachtetem Land auch mietfrei zu wohnen, sind sie normalerweise nicht zur Arbeit auf den Reisfeldern zu bewegen. Youke und ihr Sohn Anto, die ihren Verwandten folgten, die schon für mich arbeiten, wollten nur einen Schattenplatz. 4 Bambus-Ständer und ein Palm-, Blech- oder Folien-Dach darüber. Kann man ihnen kaum verwehren. Die Arbeit ist hart und die Sonne eine Plage. Wohl war mir dabei jedoch nicht. Normalerweise kann man beobachten, wie sich solche Rastplätze zu Einfamilien-Häusern entwickeln, mit Familien-Nachzug und sich im Laufe der Zeit verfestigendem Eigentums-Anspruch. Dann wird man die Leute schwer wieder los. Bei den Gorontalo-Moslems geht es oft nur darum, sich im fruchtbareren Norden einzunisten. Youke und Anto lieferten 2 Mißernten, dann gaben sie auf und bearbeiten nur noch ein kleines Stück, auf dem auch ihre Hütte steht, denn das ist inzwischen aus dem Unterstand geworden. Schon länger fiel mir die ungewöhnliche Haltbarkeit des Folien-Daches auf. Sowas hält im Pazifik-Wind höchstens 1 Jahr. Inzwischen sind die brachliegenden Flächen so verwildert, daß es anstrengend ist, sich da durchzukämpfen. Immer wieder stürze ich dabei in überwachsene Gräben. Eine Balkenbrücke brach unter mir zusammen, als ich mich nun doch aufmachte, um mal wieder die illegalen Rinder zu beseitigen, die auf meinen abgeernteten Reisterrassen angepflockt werden und dabei die Dämme zertrampeln.
Zuerst sah ich den Wohnsitz von Youke & Co.. Prächtig hat er sich entwickelt: Hühner-, Enten- und Kankong-Zucht, Wasch- und Kackplatz, Wäsche auf der Leine. Ein idyllisches Plätzchen. Roter Vorhang in der Türöffnung, und auch innen weitere Vorhänge. Hier hat es sich jemand gemütlich gemacht. Als ich mich ein Stück entfernte, tauchten 6 mit Luft-Gewehren, in der Sonne glänzenden Haumessern und Stöcken zum Sumpfvogel-Totschlagen bewaffnete Jäger auf und bewegten sich auf dem Wohnplatz, als ob er ihnen gehörte. Einer nahm sogar Wäsche von der Leine. Bei Jägern sehe ich grundsätzlich nicht Grün sondern Rot. Ich also zurück. Sofort versuchten sie sich in der Gegend zu verdünnisieren, jedoch stellte und warnte ich sie, auf meinem Land nicht zu jagen. Inzwischen habe ich Youke bestellen lassen, ihr Basis-Camp, das tatsächlich bewohnt ist, auf ein Schattendach rückzubauen, oder ich zünde die ganze Anlage an. Keine Kompromisse mehr! Ich bin jetzt zertifizierter Wilder!
Dann begab ich mich zu den Rindern. Als ich dem ersten das Seil kappen wollte, prallte mein stumpfes Haumesser ab, das Viech raste erschreckt los, und das Seil glitt mir so durch die Hand, daß jene gleich zu Glühen anfing. Beim 2. Versuch konnte ich wenigstens einen Teil des Seils kappen, das als Reaktion auf meine früheren Attacken schon 3x verknotet war. Die Wilden sind hartnäckig hinterhältig – aber stets mit einem Lächeln. Ihre Messer sind immer superscharf, und sie sind Meister im Kehledurchschneiden.
Das nächste Rind ahnte schon was und bewegte sich ängstlich im größtmöglichen Radius um seinen Pflock. Als ich das Seil durchhacken wollte, prallte mein Messer wieder ab, das Rind raste los, hebelte mich mit dem Seil auf den Rücken, jenes schlang sich um mein abknickendes rechtes Bein, und los ging die Fahrt rücklings – HOLTERDIPOLTER – über die hartgetrockneten Terrassen. Meine 81kg wurden so schnell über den hartgetrockneten Boden geschleudert, daß ich nur noch dachte: ‚Gleich bricht mein Bein!‘ Zum Glück konnte ich es während der Fahrt strecken, und das Seil glitt ab. Durch die tägliche körperliche Arbeit bin ich anscheinend noch so elastisch, daß ich keinerlei Verletzungen davontrug. Ein anderer Wilder, dem das gleiche passierte, soll hinterher grün und blau gewesen sein. Solch einen totalen Kontrollverlust kenne ich nur aus Western und Walfänger-Filmen. Eventuell vergleichbar mit einem Motorrad-Unfall, bei dem ich mal auf einer stark befahrenen Straße in D eine Weile durch die Luft flog, um dann hart zu landen.
Anschließend wischte ich mir die Kuhscheiße von der Hand und hackte das Seil durch – auch noch einem 3. Rind.

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Bester Bankraub aller Zeiten (Das ganze Gebäude!) in „Pirates of the Caribbean 5 – Dead Men Tell No Tales“

Wie ich mein ü verlor

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Jetz happich auch noch mein ü verloren, und das kam so: Das Schwierichste beim Auswandern iss ja, daß alle eine Meinung ham, aba keina weiß was. Zum Bleistift, wie das mit der Rente funktioniert. Dabei iss der Renten-Service der Deutschen Renten-Vasicherung vorbildlich. Man kricht zich Seiten mit Informationen zugeschickt – und fast alle wesentlichen erwiesen sich als falsch. Das hat mich Zichtausende gekostet, weil ich meine bewilligte Rente gleich wieda zurückgewiesen hab, als ich den Strafen-Kataloch gelesen happ, wennich was falsch mache. Da ich wußte, daß zum Bleistift Briefe valoren gehn oda in Indien landen, wollte ich nicht gleich deswegen von Intapol gesucht werden. Das hat sich auch unmittelbar bestätigt, denn ein Bescheid der Post-Zahlstelle brauchte 1,5 Jahre um mich zu erreichen. Doch als ich merkte, wie die Sachbearbeiter der deutschen Rentenvasicherung mit mir Sondafall ganich umgehen können, happich die Rente wieda beantragt. Außadem brauchte ich jetz das Geld, nachdem meine Ex so eine grandiose Pleite veranstaltet hatte.
Und was fürn Service bei der Deutschen Botschaft! Freundliche, zügige, hoch professionelle Bedienung. Leider waren alle Informationen bezüglich meiner Einbürgerung falsch. Die beschäftigen dort nämlich Wilde, die zwar viel besser Deutsch können als ich Indonesisch, aba keine Ahnung ham und das noch nichma richtich ausdrücken. Zich Emails und eine falsche Übaweisung späta hatte ich dann endlich das von der Imigrasi verlangte Schreiben: Deutschland wendet nix dagegen ein, wenn ich mich verdünnisiere.
Da befand ich mich gerade in der 3. Phase. Denn es war typisch, daß es Phasen gab (1 in Bitung, 2 in Manado), nach denen ich jedesmal dachte: das war’s jetz – und dann kam die nächste Hürde. Das zog sich so etwa üba 2 Jahre, in denen ich zwischendurch 2x aufgab. In der unerwarteten 3. erhielt ich dann zum 1. Mal eine Liste darüber, welche Dokumente ich zum x-ten Male vorzulegen hatte. Leider war sie nich komplett. Und als ich alles zusammenhatte, sagte der Beamte: „Es ist alles da. Aber geben sie lieber 6 statt 4 Paßfotos.“ Als ich das nächste Mal mit den 6 Paßfotos kam, war das Büro leer. Das übanächste Mal auch. Beim 3. Versuch saß ein anderer Beamter hinta dem Schreibtisch und sachte: „So geht das nicht! Die deutschen Dokumente müssen alle beglaubigt übersetzt werden. Dann interviewt Sie eine Kommission, vor der Sie die Nationalhymne singen, die 5 Grundsätze der Verfassungspräambel Panca Sila wiedergeben und die indonesischen Präsidenten aufzählen müssen!“ Da gab ich wieda auf. Ich kann nämlich nich singen.
Dann fing ich in meina Verzweiflung doch an zu singen und die Panca Sila auswendich zu lernen. Den einen Tach vergaß ich diese Vokabel, am nächsten eine andere. Und gerade als ich mutich gesangsbereit war, wurde das ganze Verfahren auf online umgestellt und das Interview abgeschafft. Stundenlang saß ich im Imigrasi-Büro und tippte meine Daten online in einen Laptop, dessen Tastatur falsch programmiert war. Danach meldete sich Jakarta: Mein Paßfoto wäre nich 1x hochgeladen sondern 6x. Das sollte ich korrigieren. Dabei hatten das die Beamten gemacht – zum ersten Mal!
Und dann stand plötzlich der Wagen der Imigrasi vor dem Tor, und ich bekam gleich Panik, dasse mich jetz doch noch testen wollten, aba der Beamte überreichte mir nur die Einbürgerungs-Urkunde, auf der ich schon seit 10 Tagen Indonesier war. Er erklärte mir auch, daß die Wilden überall keine Lust mehr auf Arbeit in den Reisfeldern hätten, nicht nur bei mir liegen viele Felder brach. „Und wer produziert jetzt den Reis, den man zum Essen braucht,“ fragte ich ihn. Das wußte er auch nich.
Achso, ich wollte ja eigentlich von dem ü erzählen. Bin wieda ganz aus dem Konzert gefallen.
Ich happ nämlich 2 Vornamen: Thomas und Jürgen. Wies zu dem übaflüssigen Jürgen kam, weiß ich nich, ich hab jedenfalls übahaupt keine Beziehung zu ihm. Dagegen sacht mir Thomas was, und den Verwandten, die meine Eltern wegen der Namenswahl seinerzeit kritisierten, anscheinend auch. Denn der ungläubige Thomas ging dem ganzen Kult nich so ohne weiteres auf den Leim. Nun gips aba keine ü’s in Indonesien, und in meine Papiere schreibense deshalb manchmal Juergen oda auch Jurgen rein, was schon zu allerlei Komplikationen geführt hat, denn die Wilden können preußischer als die Preußen sein, wobeise aba wesentliche Teile jener Tugenden einfach wechlassen. Da sagte also ein Beamter in Manado zu dem Problem: Ich würde ja nun Indonesier, und in Indonesien gips keine ü’s! Also Jurgen. Und so wurde ich ein indonesischer Jurgen.

gequetscht