Schattenlob

man habe beim Ishiyama-Tempel Lautsprecher zwischen den Bäumen installiert und werde eine Aufnahme der Mondschein-Sonate abspielen, um zur Unterhaltung des Mondschau-Publikums beizutragen. Als ich das las, verzichtete ich auf der Stelle auf meinen Ishiyama-Ausflug.
Tanizaki Junichiro (1886-1965), “Lob des Schattens”, 1933

Daß sich Junichiro in den Bunkern von Tadao Ando wohlgefühlt hätte, obwohl sich Ando auf dessen Essay beruft, wage ich zu bezweifeln. Es hätte auch Japan sein können, doch dort sind sie noch verrückter in der Adaption einer überlegenen westlichen Zivilisation, wie Junichiro sie bezeichnete. Aber die Japaner haben anders als die Minahasa wenigstens eine ästhetische Tradition, auf die ICH mich berufe.
Sanfter Regen am Morgen, der die Teichflächen kräuselt, im Gegensatz zu den Fluten am Mittag, die mit einem toten Klotz Wels den Zufluß verstopfen.
Die vor sich hin jammernde Christin hat zum Glück den Kontakt zu ihrem Mikrofon verloren. Was für ein saures Leben! Verliebt in den eigenen Gesang, den wir ALLE noch vor Sonnenaufgang erleiden müssen. So jault sie in der Ferne wie ein einsamer Hund.
Der Gesang der Vögel – flötender Bul-Bul, heiseres Zetern des Kingfisher, zwitschernde Honigsammler. Wasserhühner glucksen sich durch den Sumpf, quietschen ungeölt, wenn sie sich treffen. Und wenn das Singen der Zikaden einsetzt, fühle ich mich zuhause.

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