Schatzmeisterei

David&Goliath

“Political parties had not yet carried out their functions well as shown in the recruitment of their legislative candidates, especially female candidates, adding that most parties have panicked while meeting their quota, especially women`s quota, let alone providing education; even they have failed in forming cadres.”  Syamsyudin Haris

„Was soll ich nun mit dem Geld machen?“ Ärgerlich stieß der Ehemann der Verliererin mit dem Fuß an einen Karton voll mit Geldbündeln. Ja, wirklich ärgerlich, denn damit hätte man die Wechsel-Wähler leicht kaufen können. Es war genug da, doch kam es in der Bürgermeisterwahl auf Pulau Oscura nicht voll zum Einsatz. Diesen strategischen Fehler hatte nicht er, sondern ein Schwager zu verantworten, der als Schatzmeister fungierte. Schatzmeister ist ein gefährlicher Beruf. Zu leicht verwechselt man die Konten und verbraucht das Geld versehentlich selbst. Gerade hat die Anti-Korruptions-Behörde dem regionalen Schatzmeister der PDI-P – das sind die Linken unter Führung der Sukarno-Tochter Megawati – sein Inventar konfiziert. U.a. „6 riesige, schwere Tische. Hab ich noch nie im Leben gesehn“, erzählte die Informantin. Der arme Mann muß jetzt auf dem Fußboden essen. Zum Glück hamse ihm noch nich die Türen seiner zahlreichen Häuser ausgehängt. Da sind die Protestanten, die gerade überall ihre Kirchenvorstände wählten, wofür es extra schulfrei gab, viel verständnisvoller, weil sie ja genau wissen, wie leicht Geld falsch verwendet werden kann. Nach Unregelmäßigkeiten wechseln sie die Schatzmeister nur bei der nächsten Wahl aus. Politiker dagegen, denen der Bapakisme abhanden kam („Ja, Papa! Jawoll, Papa! Mach ich, Papa! Hier ist das Geld, Papa.“), die gehn in den Bau, und zwar immer häufiger. Megawati, dieses absurde Produkt des Staatsgründers und ersten dekadenten Dikators der sogenannten Republik, kann nun auch mit roten Fahnen und sozialistischem Faust-Gruß nicht mehr überspielen, daß ihre Partei korrupt ist wie alle andern.
Warum der dörfliche Schatzmeister so sparsam beim Einsatz des Bestechungs-Geldes war, darüber kann man nur munkeln. Er hat schon 2 Wahlen für einen anderen Politiker in den Sand gesetzt, der wahrscheinlich als nächstes im „Hotel gratis“ ein Zimmer beziehen muß, und auch seinen Supermarkt. Er ist also ein bißchen pleite, beabsichtigt jedoch, für die Parlaments-Wahlen zu kandidieren. Sehr junge Kandidatinnen – eine Folge der Frauen-Quote – machen sich auf die Suche nach „Gold-Fischen“, die ihre Kandidatur unterstützen. So bekommt man plötzlich ganz neue „Freunde“ (fast wie bei WordPress). Z.B. Linda, die auch gewählt werden will. Und wenn sie nicht bald das Geld zurückzahlt, das sie von meiner Frau geliehen hat, könnte es ihr passieren, daß ich SIE mal an den Haaren herumschleudere. Oda ich mal ihr einen Schnurrbart auf’s Wahlplakat, was hier aba ganich so auffiele, da recht viele Frauen Bart-Trägerinnen sind. Jedenfalls war es keine moralische Entscheidung, Geld zurückzuhalten und sogar aus den Couverts wieder rauszunehmen, so daß sich viele Wähler enttäuscht ab- und Nona Möchtegern zuwandten. Wer indonesische Wähler nicht kaufen will, braucht gar nicht erst anzutreten. Darüber hinaus gibt es auch noch Rivalitäten zwischen dem Schatzmeister und dem Ehemann der Verliererin. Einen an sich einfachen Vorgang, wie die letzte Bürgermeister-Wahl auf Pulau Oscura zu beschreiben, gleicht dem Versuch, in einem 3-dimensionalen Netzwerk allen Verbindungen gleichzeitig zu folgen.
Die Christen hams ja auch nich leicht. Wie die so tiefsinnig wie einleuchtende Grafik auf der Titelseite der „Manado Post“ vom 11.10.2013 zeigt, muß der gläubige David seinen Stein nich nur gegen den gottlosen Goliath schleudern, sondern auch gegen Spiel, Korruption, Mord, Ehebruch, Diebstahl, Scheidung, freien Sex, HIV/Aids, Sauferei und Frauenhandel, alles bekanntlich Folgen des Unglaubens. Was ich aba nich vastehe: Wenn die Minahasa alle hinta Goliath stehn, wer iss dann eigentlich David?

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Mehr Idiotisches

Korrektur

„Wenn alle ihre Meinung in die Kirche tragen würden, gewänne sie endlich wieder eine Funktion … Nur wenige Christen, zumeist die linken, setzen sich mit den Inhalten des Christentums auseinander und prangern die an, die als Heuchler vor den Altar treten.“ Rudi Dutschke zu seinem Auftritt in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Weihnachten 1967, der mit einer Platzwunde endete.

In „Tropico 4 Gold Edition“ hab ich jetz erst das Kirchen-Sprengen entdeckt. Man kann davon schöne Screenshots machen. Nich daß es bei mir so eine „klammheimliche Freude“ gäbe wie zu der Zeit, als Baader-Meinhof (die „Familie“) definierten, was gut für das „Volk“ sei, das sie ganich kannten. Damals hat der Staat solche Ersatz-Handlungen der Ohnmächtigen mit Gedanken-Kontrolle nich so richtich verfolgen können, obwohl man es mit dem „Extremisten-Erlaß“ wenigstens versucht hat. Jedenfalls bin ich als unbelastet eingestuft worden und konnte Beamter werden. Ich hab ja nich mal mit Steinen geworfen. Das lernte ich erst hier. Außerdem belästigten mich die Christen in D nich so mit ihrem Jesus-Pop. Nur mein junger Sohn hat ma im Gymnasium was von Kirchen anzünden geschrieben oder gezeichnet, obwohl ich ihn ganich dazu angestiftet hatte. Vielleicht war das irgendein Song-Text. Jedenfalls empörte sich seine Klassen-Lehrerin heftich, die auch Religion unterrichtete, obwohl man von Studienrätinnen eigentlich generell mehr Intelligenz erwartet.

Kathedrale

Die neue „Diamant-Kathedrale“ in „Tropico“ iss schon schick mit ihrer auf Gott verweisenden Rakete, auch wenn die Änderungen zu Programmierungs-Turbulenzen geführt haben.

Uebersetzungsproblem

Die Rebellen im Spiel jagen anscheinend keine Kirchen sondern nur andere Versorgungs-Einheiten in die Luft, um dem „Volk zu dienen“. Da muß man schon selber eingreifen. Iss doch schön, wenn man die Welt wenigstens virtuell korrigieren kann. Real versuchen das die radikalen Moslems ab und zu. Danach protestieren die Christen, daß sie in Indonesien verfolgt würden. Dabei sind SIE es, die die Moslem-Mehrheit nicht nur akustisch belästigen, flächendeckend und ganzjährig ihre Kruzifixe aufstellen und die Republik mit aggressiver Missionierung transformieren möchten. Überall errichten sie sehr prächtich-abstruse Kirchen. Eine erinnert mich imma an die Metro-Station in „Tropico“, die zwar keinen Sehrlautsprecher besitzt, jedoch durchaus Transformation bietet: Die Leute gehen in die Erde und kommen anderswo wieda raus.

kuriose-Kirche

Metro

Ich würde das auch den Clowns von der EKHN erzählen, die neulich wieda die Protestanten in Tomohon besucht ham. Aba sowas laß ich ganich erst ins Haus.
„Was bedeutet EKHN?“ fragte meine Frau.
„Evangelische Kirche Hessen Nassau.“
„Wo liegt denn Hessen-Nassau?“
„Ach, das sind so Leute, die sich am 16.Jahrhundert orientieren. In der Nazizeit haben sie die Judenverfolgung bejubelt („Von der Kreuzigung Christi bis zum heutigen Tage haben die Juden das Christentum bekämpft oder zur Erreichung ihrer eigennützigen Ziele mißbraucht und verfälscht. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert.“) und neuerdings die Toleranz entdeckt. In D gescheitert, versuchen sie es wenigstens mit dem 3.Welt-Mythos.“

Wenn man ihre fanatisch-christlichen Minahasa-Gastgeber, engagierte Freunde alles Jüdischen, darauf hinweist, daß Juden KEINE Christen sind, erklären sie einem, daß die Juden aber das von Gott auserwählte Volk seien.
Ach soo!

danach

Netzwerke

Netzwerk

„Sei so klug, daß du unsichtbar bist. Sei so geheimnisvoll, daß du unberührbar bist. Dann wirst du das Geschick deiner Rivalen lenken.“
Sun Tzu, „Die Kunst des Krieges“

In dem Büchlein „Ost trifft West“ der Designerin Yang Liu (*1976 Beijing) zeigt sie mit sehr anschaulichen Piktogrammen den Unterschied sozialer Organisation zwischen Ost und West: Die individualistische westliche Gesellschaft (blau) zerplittert sich in Klein- und Kleinst-Gruppen, die sich ideologisch deutlich voneinander abgrenzen. Anschauungen werden oft mit verbittertem Ernst vorgetragen, Gegensätze erscheinen unversöhnlich. In der östlichen Gesellschaft (rot) ist jeder mit jedem verbunden, Privatheit weder vorgesehen noch erwünscht. Deshalb ist es schwieriger, auf deutliche Meinungs-Äußerungen oder Überzeugungen zu treffen. Morgen muß dem Nächsten noch eine Ziege verkauft werden, oder man will von ihm Geld leihen. Und Verwandten hackt man sowieso kein Auge aus. Dieses Knäuel bewegt sich nur als Ganzes, eher stagniert es – bei optimaler Lebendigkeit. Blau zählt kalt die Punkte, Rot kauft sie, weil Positionen keine Rolle spielen. Daß in dieser Struktur jeder jeden betrügt, wird nicht ernstgenommen. Anspruchslose Netzwerke wie Facebook und Twitter wirken wie maßgeschneidert für die indonesische Gesellschaft und werden deshalb auch massenhaft genutzt.

Im Te-Latte-Klan zieht seine älteste Tochter die Fäden. Zwar hält sie den Ehemann ihrer Bürgermeister-Schwester für ein aufgeblasenes Nichts, sprach sich auch gegen die Kandidatur aus, doch ein Klan hält zusammen. Bei der letzten Wahl des Regierungs-Präsidenten tauchte die als höhere Beamtin sehr erfolgreiche Frau sogar als Stellvertreterin im Gespräch auf. Dies verhinderte die Ehefrau des Kandidaten mit der Begründung, die Bewerberin sei „Bonbon“ ihres Mannes. Das Geld für den Wahlkampf um den Posten des Bürgermeisters auf Pulau Oscura war knapp, doch konnte Bonbon ihre Beziehungen spielen lassen und genug beschaffen, das jedoch von den Klan-Mitgliedern zurückgezahlt werden muß. Deshalb war verlieren keine Option, da man in der neuen Position öffentliche Gelder anzapfen kann. Der Wahl-Ausgang enttäuschte sie (900:700), da sie den dominierenden Protestanten genügend in den permanent klingelnden Beutel geschoben hatte. Doch wandten jene sich in offensichtlich unerwarteter Anzahl ab, weil Bonbon gleichzeitig die Moslems kaufte, in dem sie ihnen die Möglichkeit zur Errichtung einer neuen Moschee eröffnete.
Verheiratet ist Bonbon mit einem arbeitsunfähigen Roboter, der wenig sagt, jedoch gefährlich eifersüchtig ist. Zwar sind die Verhältnisse in Indonesien allein schon geeignet, hoffnungslose Melancholie zu erzeugen, doch seine ist eher krankhaft. Um ihn zu beschäftigen, hat Bonbon eine Auto-Waschanlage errichten lassen, in der nicht bedient wird, wer ihre Schwester nicht gewählt hat.

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