Pfarrer Fogl firmt

Teufel

Und nich nur das! Als Seelenklempner der deutschsprachigen katholischen Gemeinde St.Elisabeth sorgt er dafür, daß seine Schafe in Singapore, neben original Paulaner, Gerolsteiner Mineralwasser und Beelitzer Spargel, auch nich auf den Teufel verzichten müssen, um ja nich auf andere Gedanken zu kommen. Mit einem irischen Reisesegen erinnert er sie daran:

„Gott möge bei dir auf einem Kissen ruhen. (Doppelbett empfohlen!)
Deine Wege mögen dich aufwärts führen, freundliches Wetter begleite deinen Schritt. (Das hat nich geklappt.)
Und mögest du längst im Himmel sein, wenn der Teufel bemerkt,
daß du nicht mehr da bist.“

Jenes hat sich auch der Vietnamese zu Herzen genommen, der im 19.Jahrhundert den Erzengel Michael offensichtlich nach einem europäischen Vorbild schnitzte, der sich nun im Asian Civilisations Museum befindet. Dort sind Museums-Pädagogen eifrig bemüht, den Besucher – besonders Kinder – zu aktivieren, und bieten zu diesem Zwecke Leporellos an, die sich auf Ausstellungs-Stücke beziehen.

what-weapon

Hier irren nun die Museums-Pädagogen, wenn sie mit einem Zitat aus John Miltons „Paradise Lost“ (1667) suggerieren, Michael hätte ein Schwert in seiner Linken gehalten: „I lifted my sword, ready to strike my foe.“
Zwar gips linkshändige Michaels, überwiegend haun sie Satan aba mit rechts. Dagegen wird mit der linken Hand oft eine Waage gehalten („Seelenwäger“), auch der Schild des römisch gewandeten Kriegers oder sogar eine Kette, mit der er das Böse final bannt. Meine Rekonstruktion zeigt, wie es wirklich war: Der hübsche Michael trampelte nich nur auf dem Bauch des Teufels rum sondern riß ihm auch den Darm raus, um daraus Currywurst zu machen.

mit-Darm

Werbeanzeigen

Typisch

Singapore-Plaza

Singapore ist Asien für Anfänger. Dadurch daß die verschiedenartigen Volksgruppen ununterbrochen mit Ein- und Verkaufen beschäftigt sind, haben sich Chinesen, Inder, Malaien und Weiße schon derartig an eine international nivellierte Kultur angeglichen, daß man stellenweise nicht mehr erkennt, wo auf der Welt man sich befindet. Man muß sich dort nicht mit Asien beschäftigen sondern kann sich in einem irischen Pub, unter englisch sprechenden Brokern, deutschen Geschäftsleuten und in futuristischen Malls aufhalten, wie man sie inzwischen überall in der Welt findet. An „Erich’s Würstelstand“ in der Chinatown bekommt man „die letzte Currywurst vor dem Äquator“. In der „Riverside Point“-Mall, wo ich mich mit einem Müsli-Yoghurt im Kuppelbecher von der Vergasung erholte – das Öffnen dieser Becher hatte ich das letzte Mal in Bremen gelernt – setzte ein unzufrieden wirkendes deutsches Paar in kurzen Hosen ihre gewaltigen Rucksäcke ganz in der Nähe ab. Beide jung und ätherisch schlank, sie gerade noch erkennbar weiblich. Irgendwas schien bei ihm nicht zu stimmen. Sie half ihm, seinen Rucksack im Schuhkommoden-Format wieder zu schultern, zupfte hier, zog da, richtete seinen Hüftgurt, aber anscheinend litt der Mann. Schon der Anblick des Klotzes, den er trug, war quälend. Obwohl sie aussah, als ob ihr gleich was abbrechen würde, schulterte sie ohne Hilfe routiniert ihre eigene Rückenpackung und folgte ihm dann zügig weit ausschreitend in den Nebel.
Einige Tische weiter beobachtete ich einen undefinierbaren Typ: keiner dieser monoton verkleideten Funktions-Männer, aber auch keiner dieser Touristen, die immer wirken, als ob sie gerade vom Strand kommen. Er beobachtete mich auch, und als ich meine Brille wieder aufsetzte, merkte ich, daß es sich um mein Spiegelbild handelte.

Scentiments

Interessant ist für mich immer, wann der Schock der Rückkehr aus der Hoch-Zivilisation zu den Wilden einsetzt. Man erkennt sie auf dem Flughafen Changi schon an der Geräuschentwicklung. Und so fand ich im letzten Warteraum gleich 3 exemplarische Gruppen vor, die wie ich nach Manado wollten:
Da saß eine junge Malaiin mir gegenüber, die zuerst ausgiebig in der Nase bohrte und die Fundstücke auf den Teppichboden schnippte. Dann rieb sie sich mit der Hand im Gesicht herum, und als sie damit fertig war, hob sie einen Arm hinter ihren Kopf und schob den anderen in den Ausschnitt ihres quergestreiften Shirts. Anscheinend suchte sie etwas unter ihrer Achsel. Das fand sie auch, schnupperte dran und schnippte es ebenfalls wech. Danach war die andere Achsel dran. Offensichtlich litt die junge Frau an einer Haut-Krankheit, denn ihr manisches Kratzen und Scheuern setzte sich während der ganzen Wartezeit fort. Ich betete ein stilles Gebet bis 15, nicht im Flieger neben ihr sitzen zu müssen – was auch erhört wurde.
Neben ihr 2 klassische Frauen aus Nordsulawesi. Die eine schon an der Nasenwarze zu erkennen, diesem typischen Abzeichen jahrhundertelanger Inselzucht. Sie unterhielten sich – akustisch gut zu verstehen – über Heirat, Familie, Essen, Geld und Regen. Dann fotografierten sie sich gegenseitig in der Mitte des Gangs mit Handphone und Tablett, wobei sie neckische Posen einnahmen und kicherten. Völlig ungezwungen und doof, als ob sonst niemand anwesend war.
Die 3. Gruppe bestand aus relativ stillen, englisch sprechenden westlichen Kreuzrittern in Begleitung einer alten Indonesierin. Alle waren mit dunkelblauen T-shirts bekleidet – breite, rote, schräggestellte Kreuze drauf. Die Heilsarmee! Ihr Ziel, das – nach Jerusalem – bedeutendste christliche Zentrum der Welt. Selbst Jesus schaut hier gelegentlich vorbei. Zur gleichen Zeit hängte im Flughafen Manado ein Empfangskomitee ein violettes Banner an den Leitgittern auf. Vom Security-Personal aufgefordert, es zu entfernen, fragten die Krieger Gottes, wo sie es denn anbringen könnten. „Draußen!“ Richtig so! Zur Hölle mit dem Pack! Niemand braucht diese Wahnsinnigen in Indonesien. Den Vorfall werden sie bestimmt wieder als Christenverfolgung interpretieren.
Das mit Abstand kitschigste Ambiente Singapores fand ich in der „Church of Sacred Heart“ in der Tank Road.

holy-water

Lifestyle

spirited-away

Kaum vorstellbar, daß schamlippen-betonte Mode mehr als Werbung für die Mode-Firmen sein kann, die dann ganz normale Klamotten massenhaft verkaufen. Doch im kaum mondänen „Robertson Quay Hotel“ kam mir solch eine, an Prostituierten-Mode orientierte Frau entgegen. Zunächst dachte ich, sie hätte vielleicht ihren Rock verloren, wie der Broker, der seinen Schlips in einem Café in der Change Alley vergaß, oder sie sei auf dem Weg zum Pool. Ob es die war, deren Orgasmus-Gestöhne ich später hörte, weiß ich nich (Der Tonlage nach, handelte es sich eher um eine Chinesin.). Selbst die Moslem-Damen Nordsulawesis versuchen schon das letzte: Oben Kopftuch, unten hautenge Leggings Marke „Spalt frißt Hose“. Logisch iss das nich. Nur haben Frauen offensichtlich weniger als Männer Probleme damit, von vornherein als eitle Idioten erkannt zu werden, schon weil es ihnen meist schwerfällt, die eigenen verfetteten und zu kurzen Beine mit denen der Models kritisch zu vergleichen. Dieser Unterschied fällt schon bei den Designern selbst auf. Und natürlich gehören Klotzschuhe mit dem Charme von Rinderhufen dazu. In Singapore trippelte solch eine unideal kurze Schöne vor mir, die dann plötzlich ihre Schuhe auszog, um ihrem Mann barfuß besser folgen zu können. Dort müssen auch die 157000 Millionäre mit Handphones für 14.000 und Taschen für 2.000SGD (50% Discount) abgezockt werden. „How many bags does a woman need?“ fragte Tee Hun Ching in ihrem Editorial „Insatiable Bag Lust”. „Of course, you’d be hard-pressed to find a woman who owns just three or four bags … The good thing about growing older is, not only do you have more money to indulge your fancies, but you also have more sense to rein in those very fantasies.”
Die auf die Verursacher der aktuellen Umwelt-Katastrophe zeigende Hand läßt 3 Finger auf uns selbst weisen. Singapore ist voll mit überflüssigem Kram, den eigentlich niemand wirklich braucht, und der mit viel Chemie-Einsatz in entfernteren Gebieten hergestellt worden ist. Diesen in einem gewöhnlich sehr sauber und umweltbewußt gestalteten Ambiente zu verkaufen, kann genauso wenig überzeugen, wie der Trecking-Schnickschnack von „Jack Wolfskin“.
Die Frage, „What’s the most important element in a watch?“ beantwortet der 70-jährige Franzose Philippe Charriol, Gründer der Luxus-Firma „Charriol” mit:
„The Brand. When looking at a watch, the very first thing people notice is the brand, so branding is very important.”
Die Perversion liegt darin, daß der reale Gebrauchswert zu Gunsten eines imaginierten Tauschwertes völlig aufgegeben wird – wie in der „Kan Cheong Spider Watch“ (eine kleine Spinne dreht sich in dieser zahlenlosen Uhr um die Mittelachse), die ich meiner Frau mitbrachte.

spider-watch

“Kan Cheong“ is a colloquial term used to describe a person who is always anxious and constantly on their toes. Nobody knows why spiders are “kan cheong” but chasing time and timelines are indeed what many Singaporeans are familiar with. This Singapore brand of exclusive and fun timepiece would however ensure that one keeps up with the times.