Der häßliche Mensch

haesslich

Charakterlich sowieso. Viel Aufwand wird betrieben, unsere dominant animalischen Wurzeln zu verschleiern. Aber auch physisch bietet ein notorisches Inzucht-Gebiet wie Nordsulawesi viel Ekelhaftes.
Vor mir im mikro zieht die verfettete junge Frau geräuschvoll ihren Schleim aus dem Schlund und spuckt ihn aus dem Fenster. Nachdem sie sich mit ihrem T-shirt den Mund abgewischt hat, lehnt sie den Kopf gegen meinen Rucksack und schläft ein. Eine Reihe vor ihr sitzt eine total verwarzte Frau mittleren Alters. Alle sichtbaren Hautflächen sind mit unterschiedlich großen Wucherungen versehen wie die Haut einer Kröte. Als buchstäbliche Höhepunkte je eine fast vollplastische Warze auf Oberlippe und Nase. Letztere sollte als typisches Wahrzeichen der Minahasa im Landeswappen aufgenommen werden. Ein Fahrer kratzt sich am Hinterkopf – ich sitze direkt hinter ihm – und schnippt die Ernte aus seinem Seitenfenster. Ein anderer besitzt nur noch 1½ Arme. Was ich aus dem Augenwinkel als seine rechte Hand wahrgenommen hab, ist nur der Stumpf seines Oberarms mit 3 blutig rot vernarbten Enden, mit denen er das Steuerrad stabilisiert, wenn er mit der linken Hand zu schalten hat. Auf seinem Kopf nicht ein einziges Haar. Unterwegs steigt eine ältere Frau mühsam zu, durch deren O-Beine man einen Hund jagen könnte. Und all die schimmelig verputzten Frauen, die nicht in Würde altern können, mit frei positionierten Augenbrauen-Malereien oder -Tätowierungen, die noch im mikro die Wimpern tuschen und sich in ihrem HP spiegeln müssen.
Ganz hinten eingeklemmt hockt manchmal ein magenkranker Schwerhöriger, dem gerade ein harter, abgestorbener Staudenstengel ins linke Auge geschlagen ist. Das bin ich.
Und dann fiel eine weitere Woche das Internet aus, garniert mit gelegentlichen Strom-Ausfällen. So viel ist inzwischen passiert, aber das erzähle ich ein anderes Mal. Jetzt bin ich sehr müde. Ich baue nämlich wieder ein Haus.

familie

Samuel Bak (*1933), „Die Familie“ (1974, Ausschnitt)

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Neulich stieg ich nach kurzer Fahrt ohne zu bezahlen wieder aus, weil der Fahrer anfing, mir seinen Terror-Baß in den Körper zu drücken. Und zum ersten Mal beobachtete ich eine überernährte, chinesisch wirkende junge Frau, die sich nach Besteigen des mikro bekreuzigte. Das nützt zwar nix, beruhigt aber. Auf ihrem Busen ein zartes, weißes Plastik-Kreuz. Bestimmt würde es ihr in Bayern gut gefallen. Ist ja dort auch sehr gebirgig, und das Meer würde ihr sicher nicht fehlen, denn die extreme Nagellänge ihrer kleinen Finger zeigte, daß sie handwerklich höchstens an verschiedenen Stellen rumbohrt. Auch hatte sie keine schwarzen Ränder unter den Nägeln wie ich. Gefährlich wirkte ihr kleiner, dicker Sohn im militärgrünen Trikot und gleichartiger kurzer Hose. Auf dem Rücken rot-weiß aufgedruckt „Ranger“, da drunter 2 stilisierte Handgranaten. Mehrere Wilde stießen sich den Kopf beim Ein- und Aussteigen an den etwa 20 aus der Decke ragenden Sehrlautsprechern. Zusätzlich befanden sich dort noch einige Düsentrieb-Verstärker mit Digital-Anzeige. Nur kleine Kinder konnten aufrecht ein- und austeigen.
Wie sich Muslime bei mikro-Fahrten absichern, weiß ich nich. Nun endet leider die Schlemmerzeit Ramadhan, und die Baß-Terroristen fangen wieder an zu toben. Es war einen Monat lang so wunderbar still, daß ich mir das ganze Jahr Ramadhan wünsche. Allerdings würden die Wilden dadurch hemmungslos übergewichtig. Hindere einen am Essen, und er denkt nur noch daran. Manchmal beschlich mich sogar das Gefühl, hier völlich allein zu sein.
Bin ich ja auch.
Aba, BUMS! stirbt eina, und schon geht das Gejaule wieda los.

Göttliches Design

kirchendesign

Schickt doch einfach diese peinlichen Bayern, die sich in D nich genuch kruzifixieren können, nach Nordsulawesi. Hier wimmelt es von Kreuzen. Da fiele es ganich auf, wenn noch mehr rumgesödert würde. Bei meinem Zahnarzt hängt eins im Warteraum, kann sich jedoch auf die eigentliche Behandlung nich negativ auswirken. Auch werden gerade die zahlreichen 1-Turm-Kirchen auf 2 notre-damisiert. Doch wieso dieser junge Mann in dem chaotischen Computer-Laden, in dem ich imma illegale Software kaufe, auf einem Tresen professionell aber ohne Lineal einen Kirchen-Grundriß zeichnete, blieb rätselhaft. Wahrscheinlich zog er nur die Linien einer schwachen Kopie nach. Er arbeitete so konzentriert, daß er nicht mal bemerkte, wie ich ihn fotographierte. Wieder ein Werk im Torten-Stil. Man sieht, wie sich das Geld der Armen in gotischen Beton mit kitschigen Bleiglas-Fenstern verwandelt. Der Schirm zeigte gerade an, wie weit „Stronghold 3“ für 2 Euro schon auf meinen Stick geladen war. Mit „Anno 1404 – Venedig“ hatte ich tage-, eventuell sogar wochenlang gespielt, hatte den Kaiser-Dom und die Sultans-Moschee gebaut – bis sich meine Augen entzündeten – und „Stronghold 3“ soll auch nich gut für die Augen sein. Vielleicht war ich deshalb etwas gereizt, als ich in der „Pizza-Hütte“ nicht bedient wurde. Deshalb verließ ich das Restaurant und begab mich in ein Soto-Lokal. Dort passierte das gleiche. Vielleicht lag es ja an der hohen Luftfeuchtigkeit. Doch hier griff ein javanischer Elektro-Ingenieur ein, der gleich neben mich rückte, um an mir sein schlechtes Englisch zu praktizieren. So konnte ich mein schlechtes Indonesisch üben. Wir wurden uns schnell darüber einig, daß die auch auf Java ekstatisch rumschreienden Christen nicht alle Tassen in der Kirche haben. Er selbst Moslem, und in seinem Dorf 1 Moschee, aber 6 Kirchen. Ich stellte fest, daß die Minahasa besonders primitiv wären, was er gleich an seine Frau weitergab, die ganich seine Frau war, und jene bestätigte mit: „Indeed!“ Sie besaß ein angenehmes Gesicht, welches sie wiederholt telephonierte, doch wäre es besser, wenn sie mindestens 10 kg abnähme. Sie telephonierte auch uns beide, und der Ingenieur wollte die Ergebnisse zu Facebook schicken. Ob ich das auch wollte, fragte er nich. So bin ich ma wieda im Gesichtsbuch gelandet. Ab und zu bekomme ich von Facebook Einladungen auf Türkisch. Wahrscheinlich verträgt deren Algorithmus auch keine hohe Luftfeuchtigkeit. Auf seinem Facebook-Account zeigte mir der Ingenieur seine wirkliche Frau und 2 Kinder. Ganz stolz war er auf einen Sohn, der internationaler Karate-Meister ist.

goettliche-vollmacht

Auf der Rückfahrt wurde die Falttür des mikro von der üblichen hölzernen Klammer aufgehalten. Zusätzlich durch eine Kinder-Sandale, wie ich sie jetzt – zusammen mit vollgeschissenen Windeln – nach den starken Regenfällen aus meinen Bewässerungs-Kanälen fische. Leider immer nur 1 Schuh. Aber 2 Schildkröten gestern. Eine war durch einen merkwürdigen Auswuchs an der Unterseite behindert. Auf der Tür warb Thomas Budiato für seine Heil-Künste, die er im Mai mittels göttlicher Vollmacht auf Kranke anwenden will. Wahrscheinlich auch auf die Tauben, denn daß der Krach, den die Minahasa ständig produzieren, ohne Hörschäden bleibt, kann ganich sein. Entweder die Mediziner lügen, wiese das schon bei den angeblich schädlichen Auswirkungen von Hanf- und LSD-Konsum getan haben, oda die Schäden werden einfach durch den von oben abstürzenden goldgelben Vogel repariert, welcher auch eine Hand sein könnte.
Mir wurde das im mikro jedoch mal wieda zu viel, als der junge Fahrer nach einigen recht angenehmen englischen Stücken seine offensichtliche Lieblings-Sängerin, die davon sang, wie ihr Lover ihr ins Gesicht geschossen hatte – was ganich sein kann – also als der Fahrer diesen Schmus drastisch aufdrehte, kochte mein Adrenalin-Topf über. Da jedoch mein Umsteige-Ziel nahte, stopfte ich mir nur einen freien Finger ins Ohr, und brüllte: „MUKA!“ Das bedeutet „Gesicht, Front“. Man ruft es dem Fahrer zu, wenn er anhalten soll. Die Wilden vor mir zuckten zusammen, drehten sich entsetzt um und ich stieg aus.
Doch es gibt auch nette Fahrer: In Manado stellte einer fest, daß wir im gleichen Dorf wohnen, und war deshalb nicht zu bewegen, meine 24 Cent Fahrgeld anzunehmen.