Es iss wieda hoch Zeit

Amlapura

…, denn die hübsche Stephanie iss schon etwas schwanger. Zwar gips Aufklärung genuch, doch kommt man so eventuell schneller unta die Haube. Ihre Mutta iss Polit-Star Fransisca, und Fransisca kandidiert gerade erneut für das Provinz-Parlament, iss also sehr heikel bei der Wahl des Schwiegersohns. Bei jenem handelt es sich nich um den, der mich ma schlagen wollte, weil er noch nich wußte, daß seine betrügerische Mutta ihm das Grundstück unterm Hintern an mich verkauft hatte. Nein, es handelt sich um Hisky, einen weiteren Sohn von Ernie, die jetzt fast jeden Morgen – da sind noch nich so viele untawegs, die sie sehen können – vor unserem Tor steht, um mit Bündeln von weitgehend wertfreiem Geld ihre Schulden abzutragen. Fransisca gehört zu den Frauen, die anderen gelegentlich ihren Kofferraum mit Kartons voller Scheine oda ihre mit Juwelen gefüllte Handtasche zeigen müssen. Da sie aber anscheinend die Erwartungen ihres moslemischen Versorgers in Jakarta nich erfüllt hat, soll sie jetzt so pleite sein, daß sie ihren Resort-Flop in Kema verkaufen muß, und die Finanzierung dieser Prominenten-Hochzeit stand derartich auf der Kippe, daß ICH sogar um Hilfe gebeten wurde. Die Hochzeit wüde sonst nich stattfinden können, obwohl es eilt. Mutter Ernie beabsichtigte sogar, mich auf Knien anzuflehen. Eine Prominenten-Hochzeit zu crashen, hat mich latürnich doppelt gereizt, aba leida haben sie dann das Geld doch noch irgendwo aufgetrieben. Allerdings – wegen der Schande und billiger – quasi inkognito auf Bali mit weniger als 100 Personen. Hier findet dann anschließend nur noch eine Party mit ~1000 Gästen bei Fransisca statt, die ja sowieso werben muß. Eingeladen bin ich auch.
Der Kontrast wie immer groß und bizarr. Während manche Wilde nich wissen, ob sie morgen noch was zu essen haben, sind Hisky und Stephanie zum „Pre-Wedding-Shooting“ nach Bali gefahren, um sich dort im kitschigen Wasserpark Amlapura fotographieren zu lassen, weil der nich so hinduistisch wirkt. Stephanies Vater wird nich dabei sein, weil er sich besoffen totgefahren hat, und Jimmy, Hiskys Vater, geht es gesundheitlich ganich gut, zumal er noch mit seiner Enduro in Moniereisen gestürzt iss, die der Mann von Nietje aus Protest in eine neue Straße gesteckt hat, weil die nur auf Grund der Erlaubnis eines Verrückten über sein Grundstück gebaut wurde. Dagegen wird Fransisca bei der nächsten Wahl zum Regierungs-Präsidenten mit Sompie koallieren, dessen Konkurrentin sie das letzte Mal war, und vor der wir ihn seinerzeit erfolgreich bewahrt haben. Es müssen imma 2 antreten: 1 mit Gehirn und 1 mit Geld. Deshalb wird Sompies derzeitige Stellvertreterin Yulisa, die von ihm kaltgestellt wurde, mit der wegen Korruption vorbestraften Vonnie antreten. Wie andere Kriminelle auch, die nich teilnehmen können, weil sie z.B. gerade einsitzen, versucht jene wenigstens ihre Tochter ins Parlament zu schieben. Dazu tritt sie mit rot gefärbten Haaren, gebleichter Haut, gelber Steppjacke (gegen die Kälte) und einem Rock auf, der vermutlich mal Gardine war. Ihre Tochter mit überlangen Ärmeln und magisch-modischem Gürtel. Über eventuell vorhandene politische Programme oder Qualifikationen – außer „Bezahlen!“ – erfährt man nix, spielt auch keine Rolle, denn Parteien werden gewechselt wie Schlipse. Wichtich iss nur, daß die Kandidaten singen und lustich sind – und natürlich genuch bezahlen. Das wurde einem anderen Kandidaten, der imma mit Cowboy-Hut auftritt, zum Verhängnis, denn man fotographierte ihn bei der Geld-Übergabe. Vielleicht hat er sich deshalb 1 Privat-Armee zugelegt, die sich von der schwarzen Brigade Manguni nur dadurch untascheidet, daß sie auffällige Tarn-Uniformen mit orangen Warn-Flecken trägt. Die Teilnehmer an den Partei-Demos, die in den Partei-Farben und mit fahnen-geschmückten Motorrädern mitfahren, bekommen jeder 3EUR. Viele machen deshalb bei ALLEN Parteien mit.
Jedenfalls befindet sich die indonesische Demokratie in einem Zustand solch abstoßender kultureller Verwilderung, daß ich mich lieba ganz in meinen Dschungel zurückziehe. Möge da koallieren und koitieren, wer mit wem will.
Ach ja, fast hätt ich‘s vagessen: Mad hat eine rote Fahne der Linken – angeführt von der Diktator-Tochter Megawati – in meine Reisfelder gesteckt, um die Vögel zu verscheuchen, denn er hat gerade gesäht. Inzwischen isse umgefallen und liegt auf den sprießenden Pflänzchen.

Politik-Stars

„Manada Post“, 27.3.2014

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Hochzeitskühlung

handgekuehlt

Einen mit Text bedruckten Fächer im Reizwäsche-Design als Hochzeits-Einladung zu verteilen, ist auf mehrfache Weise durchaus passend. Zwar hat sich das Wesentliche meist schon vorher abgespielt, weshalb oft schleunigst geheiratet werden muß, aber die klimatischen Verhältnisse erfordern doch den Einsatz von Handkühlung. Leider wurden keine Ohrenstöpsel mitgeliefert, so daß ich mich auch in diesem Falle genötigt sehe, zu Hause zu bleiben – zumal man bei solchen Veranstaltungen noch in 1km Entfernung das Gefühl bekommt, mitten drin zu sein.
Neben all den notwendigen Informationen über das Paar Christian & Meylan, die beide „SE“ (sarjana ekonomi) hinter ihrem Namen präsentieren – was nichts anderes bedeutet, als daß sie ein Wirtschafts-Studium abgeschlossen haben – findet man auf dem Fächer auch die übliche Bibel-Begleitung. U.a. Matthäus 19:6: „Somit sind sie nich mehr 2, sondern 1 Leib. Was nun Gott zusammengefügt hat …“ Blah, blah, blah. Der ganze Sermon eben.

zusammengefuegt

Meinen Schüler habe ich damals im Design-Kurs ein Video über Karl Lagerfeld gezeigt, der u.a. einen „transsexuellen“ Fächer (halb normal, halb fusselich-plüschich) demonstrierte und dabei lachte wie ein schwuler Idiot. Ich dachte imma, die Schüler würden auf diese Weise merken, was dieser ganze Mode-Kram für ein gigantisch aufgeblasener Scheiß iss. Aba Pustekuchen: Zumindest die Mädchen fanden das interessant. Und so wird sich sicher auch für dieses Beispiel jemand finden, der hinausruft: Ach, das iss doch ganz entzückend!
Man stelle sich nur mal vor, die bis zu 500 Gäste (~13EUR/Gast; 1000 Gäste und mehr im gehobenen Bereich) wedeln alle mit diesen Dingern. Darüber könnte man doch gleich wieder ein Video machen.
Um 1 Sohn zu verheiraten, braucht der Wilde heutzutage ~12000EUR, weshalb er dringend Entwicklungs-Hilfe benötigt. Geistige, meine ich, was aba auch nix nützen würde, denn der ganze Zirkus stammt ja von hier.

Hochzeits-Kleider

Besser arm dran, als Arm ab!

Kurz vor & nach Sonnenuntergang

Guido-&-Keren

„Das Leben zu Papeete wurde mir bald zur Last. Das war ja Europa – das Europa, von dem ich mich zu befreien geglaubt hatte! – und dazu noch unter den erschwerenden Umständen des kolonialen Snobismus und der bis zur Karikatur grotesken Nachahmung unserer Sitten, Moden, Laster und Kulturlächerlichkeiten.
Sollte ich einen so weiten Weg gemacht haben, um das zu finden, gerade das, dem ich entflohen war?“ Paul Gauguin, „Noa Noa“

Zwar iss hier nie Frühling, doch wird geheiratet wie wild, oft auch eilich. Allein 2 Einladungen diese Woche. Und wenn es sich um Reiche handelt, aufwendig gedruckt wie Bücher, daß man damit die Hütten der Armen ausbessern könnte. Sogar das Englisch stimmt, nicht aber die Quellenangabe „1 CHORINTHIANS 13:8A„. Paulus 1. Brief an die Korinther enthält kein „A„, außerdem isses Vers 13:4-8. Den dort aufgeführten Lobpreis der Liebe zitiere ich ganich erst, weil sowieso erlogen („Die Liebe vergeht niemals.„). Und gerade diese Einladung „prahlt“ und „bläht sich auf„, obwohl der junge Mann irgendwie unglücklich wirkt – 2Std. vor Sonnenuntergang. Ich versteh auch nich, wieso der Bilderrahmen leerbleibt. Man hätte doch wenigstens ein Foto des miteinladenden Politikers reintun können, der sich gerade im Visier der Anti-Korruptions-Behörde befindet. Oder eine der Schwiegermütter. Und hätte ich Uhr und Rahmen so an die Köpfe geklemmt – AUWEIA! – das hätte wieder Ärger gegeben.

Während sich im besten Hotel Manados High Society in einer überpompösen Zeremonie (2 Großleinwände, 2 Beamer, ferngesteuerte Decken- und Kran-Kamera, Laserlichtkanone) im Kardashian/Humphries-Style spiegelte, was mein Vater als „Aufreizung zum Klassenhaß“ kommentiert hätte, zog ich durch die nächtlich schwarze Stadt. Ich sah einen Mann aus dem Kloakengraben Wasser schöpfen und damit den Platz vor einem Restaurant spülen, eine blinde Bettlerin lehnte mit geschlossenen Lidern an einer Gassenwand, eine häßliche Papua-Frau lächelte mich an, und als ich in das Obergeschoß der Mega-Mall gerolltreppt wurde, bewegten sich zeitlupich unter mir im Atrium auf weißem Laufsteg eine beschleppte, schwanenhafte Prinzessin, begleitet von einem ebenso weißen, behandschuhten Wilden. Hochzeitsmodenschau! „König und Königin für 1 Tag“. Weichlich schrie dazu ein schwarz gekleideter Conferencier ins Mikrofon, und die (alp)traumhafte Musik ließ noch die Stühle im Restaurant des 3. Stockwerks vibrieren.
Es gibt kein Entrinnen.