Richtig scheitern

„Solange wir aber ohne Orientierung umhertreiben, uns von verworrenen Stimmen hierhin und dorthin ziehen lassen, wird unser Leben ein fortwährender Irrtum sein, auch wenn wir uns Tag und Nacht um eine richtige Ansicht von den Dingen bemühen … Laß uns etwas suchen, das nicht bloß dem äußeren Schein nach gut, sondern gehaltvoll, in seinem Wert beständig und auf seiner verborgenen Seite noch schöner ist … Glücklich ist der, dessen ganze Lage von seiner Vernunft gebilligt wird … nur die Natur muß man zur Führerin nehmen, auf sie achtet die Vernunft und fragt sie um Rat. Glückselig und naturgemäß leben ist also ein und dasselbe … So vergißt auch der, der dem Vergnügen nachjagt, alles andere; er vernachlässigt als erstes die Freiheit, er opfert sie seinem Bauch, aber er kauft nicht Vergnügungen, sondern er verkauft sich an sie … Euch macht ein schönes Haus so übermütig, als ob es nicht verbrennen oder einstürzen könnte. Schätze bringen euch um den Verstand, als ob sie nicht in Gefahr kommen könnten und das Schicksal nicht mächtig genug wäre, sie zu verderben. Sorglos spielt ihr mit eurem Reichtum und seht nicht, daß er gefährdet ist, …“
Seneca, „Vom glücklichen Leben“

Der Stoiker Seneca konnte sich abfinden mit der Welt, weil er sich ihr in der Wahrheit seiner Gedanken überlegen fühlte. Dem Skeptiker dagegen ist die einzige Wahrheit der Zweifel. Bei Nietzsche konnte die Unzufriedenheit mit dem Dasein schon die Folge eines Diätfehlers sein: Europäische Unzufriedenheit als Spätfolge der Trunksucht des Mittelalters, die deutsche Unlust am Leben bewirkt durch Wintersiechtum, durch Auswirkungen von Kellerluft und Ofengift, und der Buddhismus entstanden aus der Erschlaffung durch einseitige Reis-Ernährung. Doch wie wurden die Minahasa zu notorischen Betrügern? Durch übermäßigen Konsum von Pfeffer?
Hätte sich die finanzielle Katastrophe, die meine Frau ausgelöst hat, verhindern lassen, wenn sie die Talk-Show der mir bisher unbekannten Sandra Maischberger zum Entstehungszeitpunkt (Dezember 2013) gesehen hätte? Ich glaube nicht. Ich hatte oft genug über Fehler im Umgang mit Geld doziert, schließlich ging es um die Absicherung unserer gemeinsamen Zukunft. Aber bei meiner Frau veränderten sich unmerklich die Parameter, weil sie mit sich und meiner Schrathaftichkeit nichts mehr anzufangen wußte. So eröffnete sie mit dem von MIR erwirtschafteten Geld einen umfangreichen Verleih-Betrieb – heimlich natürlich, weil ich sowas strikt ablehne – und am Ende hatte sie das Kapital nicht verdoppelt, um auf Reisen gehen zu können, z.B. nach Bhutan, wo man mit der Methode des Gehirnputzens Brutto-Sozial-Glück anstrebt, sondern mehr als das Doppelte verloren (weit über eine Viertelmillion Euro). Was eine gewisse Form der Gerechtigkeit enthält, aber nichts an der Zerstörung unserer Ehe ändert. Die Details ihres Vorgehens werde ich wohl nie erfahren, denn Wahrheit erhalte ich bis heute nur in Portionen (bisher 12), und ihre Undercover-Diplomatie mit geheimen Telefon-Gesprächen und ebensolchen Internet- und sonstigen Kontakten setzt sich fort.

Josef-Mueller

Bei einem, wie Josef Müller, seit seiner Jugend im Rollstuhl, ist es psychologisch gut verständlich, daß er sich nach mehr Lust und Macht sehnt, und sei es auch in Form von Geld. Daß er dazu andere Menschen um insgesamt 7,5Millionen Euro betrügen mußte, ist es nicht. Seine erste Haft konnte er als Rollstuhl-Sitzer nicht antreten, für seine 2. gab es dann schon eine behindertengerechte Zelle. In jener fand er zu Gott – sein 3.Betrug, zumindest Selbstbetrug. Während seine Finanz-Manipulationen wenigstens noch auf symbolisch aufgeladener Materie beruhten, hat seine aktuelle Gaukelei nun jeglichen Bezug zur Wirklichkeit verloren. Eher würde mich beeindrucken, wenn sich jemand frühzeitig einem jener Tausenden erfundener Götter widmet, bescheiden lebt und niemals andere Lebewesen schädigt. Doch wenn einer, dem alle Gestaltungs-Möglichkeiten aufgrund seines asozialen Verhaltens genommen wurden, uns – nachdem nichts mehr geht – letztendlich mit frisch gewonnener Religiosität zu beeindrucken versucht, so darf man wohl dankend ablehnen. Wie auch in der Finanz-Branche wird im Religions-Business von Betrügern Geld gemacht wie Heu, die Dummen werden abgezockt, die Priester-Kaste steht grundsätzlich unter Betrugs- und Korruptions-Verdacht. Dabei sind die Minahasa-Betrüger in der Regel schon vorher demonstrativ religiös und verstärken das nur, sobald sie enttarnt sind.

religioeser-Inhalt

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Die goldene Schlange

Trap

Da gab es mal einen Indianer und eine Indianerin, die sich zufällig in der großen Stadt trafen. Sie war eine echte Indianerin, die jedoch immer aus ihrer Kultur rauswollte. Er dagegen war nur von seiner Lebensart einer, denn er lebte zurückgezogen im Wald. Da ihr seine Art gefiel, zog sie zu ihm, und sie lebten glücklich vor sich hin. Sie bauten sich ein kleines, doch schönes Haus, und die Frau legte einen großen Garten voller Früchte und Blumen an. Das Leben in der Natur war vielfältig und harmonisch. Nur waren sie umgeben von Wilden, die ihnen Früchte und Tiere stahlen und sie mit ihrem hemmungslosen Krach belästigten.
Um die wilden Hunde-Rudel loszuwerden, legte der Indianer Drahtschlingen aus, die jedoch von den starken Hunden zerrissen wurden. Eines Tages fand der Mann in einer der Fallen eine goldene Schlange gefangen, die ihn folgendermaßen ansprach:
„Hör ma, Indianer, ich bitte dich, laß mich leben! Ich bin keine richtige Schlange, sondern ein verhexter protestantischer Bischof, dessen letzter Exorzismus schiefgelaufen iss. Es nützt dir doch nix, wennde mich totmachst, ich würd noch nich ma schmecken. Laß mich doch wieda frei!“
Das leuchtete ein, und eine Schlange die nicht nur golden sondern sogar sprechen konnte, wollte der Mann doch lieber am Leben lassen – auch wenn sie eigentlich ein Bischof war.
Zuhause fragte ihn seine Indianerin, ob er was gefangen hätte.
„Nö“, antwortete der Mann, „nur eine goldene Schlange, die eigentlich ein Bischof iss, und sogar sprechen kann.“
„Und da hast du dir nichts gewünscht?“ fragte die Frau voller Erstaunen.
„Nö, was sollte ich mir wünschen? Ich hab doch alles, was ich brauche.“
„ICH nicht! Ich brauche mehr Kleider, Schuhe, Taschen, Schmuck, Kosmetika, und ich MUSS zum Spa und zum Friseur. – Geh noch heute wieder hin und bitte die Schlange, meine Wünsche zu erfüllen!“
Der Mann war davon gar nicht recht begeistert, wollte aber seiner Frau entgegenkommen und suchte nach der Schlange.
Wenn er im Wald arbeitete, arbeitete und arbeitete, pflegte er sich zwischendurch auf den Stamm einer umgestürzten Sago-Palmen zu setzen, um zu verschnaufen. Dort fand er die Schlange zusammengeringelt und sprach sie an:

Tuhan memberkati und shalom!
Goldene Schlange, ich bin bange.
meine Frau will nich so, wie ich wohl will,
deshalb wird mir ganz domm.“

„Na, was willse denn?“ fragte die Schlange.
„Ach, sie meint, ich hätte mir doch was wünschen sollen, weil ich dich freigelassen hab.“ Und er nannte der Schlange all die Wünsche seiner Frau.
„Geh man nach Hause!“ antwortete die Schlange. „Sie hat schon alles.“
Und tatsächlich! Als er in sein Haus zurückkehrte, war seine Frau frisch frisiert, besaß alle möglichen Kleider der albernsten Mode, behängt mit Goldschmuck, und ihre Lippen waren so leuchtend rot wie bei Tante Erna.
„So“, sagte der Mann, „jetzt bist du wieder zufrieden, und so soll es bleiben.“
„Na, das werden wir ja sehn“, antwortete die Frau.
So etwa 14 Tage später erklärte sie ihrem Mann, daß sie keine Landfrau sei. Sie kenne das alles schon, weil so aufgewachsen. Sie wolle auch nicht mehr kochen, sondern reisen. Nach Bali, Java, Australien, Deutschland, England und Bhutan. Er solle doch die Schlange nochmals bitten! Sie müsse raus, raus, raus!
Dem Manne wurde sehr unwohl. ‚Das ist nicht recht‘, dachte er bei sich, ging jedoch wieder zu der umgestürzten Sago-Palme.
„Na, was willse denn nu noch?“ fragte die goldene Schlange und zuckte dabei nervös mit ihrer Schwanzspitze. Der Mann sagte es ihr, und wieder antwortete die Schlange: „Geh man nach Hause! Sie hat schon alles.“
Und richtig! Als der Mann nach Hause kam, war seine Frau schon auf Bali. Als sie von da zurückkehrte, stellte sie heimlich einen Fahrer ein und war tagsüber kaum noch im Haus. Auch telefonierte sie nun andauernd und trug ständig mehrere Telephone mit sich rum.
‚So‘, dachte der Mann, ‚nun wird sie wohl zufrieden sein.‘ Doch es war kaum ein Monat vergangen, als die Frau ihn wieder aufforderte, die goldene Schlange um etwas zu bitten: „Ich brauche mehr Geld!“
„Ach“, widersprach der Mann, „wir haben doch genuch. Laß es gut sein!“ Doch die Frau ließ nicht locker, bis ihr Mann wieder zu der umgestürzten Palme ging.
Diesmal peitschte die Schlange ihren Schwanz wild hin und her, als sie hörte, daß die Frau immer noch unzufrieden war. „Geh man nach Hause! Sie wird alles verlieren, was sie jemals besessen hat: Ihren Mann, das Geld, die Harmonie und ihre Ruhe!“

Genau so ist es dann auch gekommen. Und wer das zuletzt erzählt hat, dem brummt noch der Kopf davon.

Ausweglos arm

Banco-Muchapasta

„Laut Deutscher Bundesbank lägen rund 40 Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte in Spareinlagen und Bargeld. Für einen langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge sei das der falsche Weg, meine Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI, und plädiere für die Fonds-Anlage … Durch die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank seien die Zinsen so niedrig wie nie. Das sei gut für Kreditnehmer, aber Gift für Sparer. Wer sein Geld weiterhin in die hierzulande beliebten und vermeintlich sicheren Geldanlagen wie Spar-Bbuch, Festgeld oder Lebensversicherungen stecke, könne mit den Zinsen kaum den natürlichen Kaufkraftverlust des Vermögens ausgleichen. Auf dem Papier stehe dann nach einigen Jahren zwar ein höherer Betrag, real habe der Sparer aber Geld verloren. Wer den Wert seines Geldvermögens erhalten oder steigern wolle, müsse sich daher nach Alternativen umsehen.“

Welche wären das? Auch Fonds eignen sich perfekt dazu, sein Geld zu verlieren. Selbst wer rechtzeitig Rentenfonds-Anteile zu niedrigen Kursen als Alters-Versorgung gekauft hat, findet sein Portfolio aktuell im Minus. Bleiben noch die Ausschüttungen, die den Zinsen entsprechend sinken. Ganz übel wird es, wenn eine schweizer kriminelle Vereinigung wie die UBS, die in fast jeden großen Finanz-Skandal verwickelt ist, die Ausschüttung ihres Internationalen Rentenfonds einstellt. Ein krasser Vertragsbruch, der jedoch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht genehmigt wurde. Angeblich gehe nichts verloren, da ich ja anstelle der Ausschüttung Fonds-Anteile verkaufen könne. Deren Preis befindet sich jedoch im Minus. Während ich bei zwar sinkenden doch stattfindenden Ausschüttungen immer noch einen konkreten Gewinn erziele, und sich die Anzahl der Anteile nicht verringert, handelt es sich beim Verkauf von Anteilen mit Negativ-Kursen um realisierten Verlust mit berechenbarem Ende. Dagegen kann man von Ausschüttungen theoretisch unbegrenzt leben.
Dazu kommen aktuell die durch Betrug, Wucherzinsen und krasse Dummheit verursachten 235000EUR Schulden von Frau Ilsebill, die ich begleichen mußte, und von denen höchstens ein Teil in unabsehbarer Zeit wieder reinkommt. Das hängt u.a. von der notorischen Betrügerin Linda ab. Jedenfalls, zusätzlich zu der Aussicht auf negative Zinsen und ohne Rente und Kranken-Versicherung, eine faszinierende Alters-Perspektive. Früher erschienen Anzeigen in Zeitungen, bei denen ich nie erwartet habe, daß ich sie auch mal gerne aufgegeben hätte: „Für die Schulden meiner Frau … komme ich nicht auf.“
„Um heutzutage in eine Schuldenfalle zu geraten, bedarf es wenig eigener Anstrengung und ist oft mit Fahrlässigkeit und Leichtsinn zu erklären. Eine solche Schuldenfalle ist, besonders für junge Leute, das Handy … Eine besonders verbreitete Schuldenfalle ist immer noch die Verwendung von Einkünften, die zwar mit Recht erwartet, die aber ausbleiben.“
„Verschuldung bis zur Überschuldung kann unmittelbare Ursache eines Abstiegs sein, kann aber auch ein falscher Bewältigungsversuch von Abstiegsfolgen sein, nämlich deren Verschleppung oder Kaschierung mit verschlimmernder Wirkung.“
„Mein Lebenskonzept ist völlig aus den Fugen geraten“, berichtet Alfons B. (48). Vor einem Jahr hätte er noch „seinen Alltag als glücklich und seine finanzielle Situation als geordnet bezeichnet“, doch heute stimme nichts mehr. 12,4% der Düsseldorfer seien mit einer durchschnittlichen Höhe von 35000EUR überschuldet. Da haben sie noch Glück gehabt, diese durchschnittlichen Düsseldorfer. Genereller Rat der Evangelischen Schuldner-Beratung: „Reden Sie mit ihren Kindern über Geld.“ Das nützt nicht mal bei Erwachsenen. „Typisch ist ein relativ niedriges Ausbildungsniveau der überschuldeten Personen. Danach waren nur 3,8% der Überschuldeten Akademiker.“ Solange man nicht rechnen kann, sich eher für Twitter als für Finanzwissenschaft interessiert, nicht gewisse preußische Tugenden verinnerlicht oder zumindest ein buddhistisches Verständnis von Gier hat, sollte man das Wirtschaften den Akademikern überlassen.

http://vom-minus-ins-plus.de/grundlagen/was-ist-die-schuldenfalle/index.php
Martin Doehlemann, „Absteiger – Die Kunst des Verlierens“, 1996