Schlangeneier

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Jetzt reicht’s aber! Die Nachrichten aus der Region Palu von sich verflüssigendem Boden, der Teile verschluckt und wieder ausspuckt, sind apokalyptisch und filmreif. Nun spuckt auch noch der Soputan in der Nähe, was den Staub in meinem Haus erklärt. Wenigstens haben wir hier schon lange kein beängstigendes Erdbeben gefühlt. Aber daß heute bei Ausschachtungs-Arbeiten für mein neues Haus eine Ablage von 6 leicht zusammenklebenden Schlangeneiern auftauchte, ist wirklich übertrieben. Zumal wir sie am Tag davor noch nicht entdeckt hatten, sie also möglicherweise erst in der Nacht plaziert wurden.

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Die Arbeiter wirkten gleich etwas verstört, kannten sowas genauso wenig wie ich, doch konnte ich in einem Schlangen-Buch eindeutige Belege finden, um was es sich bei diesen etwa daumenlangen Eiern handelte. Vermutlich sind mehr als 70% aller Schlangen-Arten eierlegend, doch gibt es da noch viel Unbekanntes. Die Hülle ist elastisch wie Weich-Plastik. Beim Öffnen waren keine embryonalen Formen zu erkennen. Eins (oben rechts) zeigte Andeutungen davon, und sie rochen nicht. Also offensichtlich von einer wohl recht großen Schlange frisch gelegt. Wahrscheinlich kehren sie jedes Jahr zu geeigneten Legeplätzen zurück oder halten sich ohne jede Brutpflege in der Nähe auf. Eventuell verjagen sie sogar Eindringlinge. Da muß sie sich aber beeilen, denn bald wird das Loch mit Eisen und Beton gefüllt.

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Das Gerücht

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Wird meine Ex von einem meiner Nachbarn gefragt, ob ich die Schlange schon wiedergefunden hätte. ??? Sie geht jedoch darauf ein, weil das sich hartnäckig perpetuierende Gerücht, ich würde auf meinem Grundstück Schlangen HALTEN, eventuell potentielle Eindringlinge abhält.
„Die Leute unten am Fluß haben eine Python gefangen und sie aufgegessen.“
„Oh, wie schade!“ stöhnt meine Ex. „Das war sicher die Schlange von bapak.“
„Das müssen Sie verstehen“, erklärt der naive Wilde, „die Schlange hat sich jeden Tag ein Huhn geholt.“
Ach deshalb! Ich hab mich schon gewundert, daß die 3 illegalen Rinder, denen ich das Seil kappte, am nächsten Tag verschwunden waren. Die hat sich die Python bestimmt auch geschnappt.
„Und die andere? Hat bapak die schon gefunden?“
Die 10m lange Königs-Kobra? Nö, aba ich hab ihr einen Knoten in den Schwanz gemacht, damit ich sie wiedererkenne. Normalerweise binde ich meine Schlangen nachts an den Bäumen fest, damit sie nich wechlaufen. Aba die ham sich losgerissen, weilse sich mit Knoten auskennen.
„Hat bapak denn viele Schlangen?“
„Och, manchmal, wenn sie sich paaren, sind 3 auf einem Baum.“
„SOO VIELE?“ Es schüttelt den Wilden. „Sorgt bapak auch für seine Schlangen?“
Klar! Den giftigen putze ich morgens immer die Zähne, damit se beim Zubeißen nich aus dem Mund riechen.
Leider nützt die Versorgung der Gerüchte-Küche nichts gegen abulante Diebe, die nicht wissen, wie wild ich bin.

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Paul Weber, „Das Gerücht“, 1943

Ziegen und Schlangen

Fuetterung

„You know, there are a million ways to die in the west, Clinch. There’s, uh, famine, disease, gunfights … And, uh, wild animals. You know, like snakes. And, you know, the funny thing is, you don’t even have to get bitten. All you need is a little bit of the venom introduced into your bloodstream and you’re pretty much screwed.“
A Million Ways to Die in the West„, 2014

Am Abend zuvor hatte ich noch diesen Western gesehen. Sehr witzig, romantisch, spannend. Alles in einem. Cochise: „There is an ancient proverb among my people: Sometimes the only way for a man to find true happiness is to take drugs in a group.“ Die Wilden meinen, der junge Bock, den ich vor einiger Zeit mit blutigem Schaum am Maul tot aufgefunden hatte, sei von einer Schlange gebissen worden. Vielleicht. Am nächsten Tag ruhte ich mich gerade vom Grasschneiden im Ziegen-Gehege aus und beobachtete meine futterneidischen Ziegen – irgendwie menschlich – als ich eine Bewegung im Gras ganz in meiner Nähe bemerkte. Ein Meter braune, daumendicke Schlange wand sich da und schien nicht vorwärts zu kommen. Sie kaute an einem Frosch rum, der, für sie viel zu groß, noch stoisch aus ihrem Rachen herausschaute. Ich rannte gleich los nach meiner Kamera. Der Körper der Schlange lag im Schatten, der Frosch im gleißenden Nachmittags-Licht. Das geht nicht gut zusammen. Also stellte ich mich so, daß mein Schatten auf den Kopf fiel. Jetzt war eine Pflanze im Weg. Die riß ich aus. Doch eine zweite unmittelbar vor dem Frosch störte ebenfalls. Als ich die auch noch entfernen wollte, klappte die Schlange ihren Rachen weit auf, riß dabei ihre Zähne aus dem Rücken des Frosches, der dreimal so dick wie ihr Kopf war, zuckte zurück, drehte sich blitzschnell um und verschwand. Mit meiner Hand in Reichweite hatte ich das nicht erwartet. Es schien eher so, als ob sie sich selbst festgepfropft hatte. Zwei Drittel des Frosches waren bereits zur Wurst gepreßt und wirkten wie vorverdaut. So war es also nix mit einem interessanten Schlangen-Foto. Am Morgen war auch der Frosch verschwunden.
Randy aus Baton Rouge in Lousiana hatte da mehr Pech. Zweimal von einer Kupferkopf-Viper in die Hand gebissen, benötigte er mehrere Serums-Injektionen. Diese Vipern flüchten nicht immer bei Gefahr, sondern erstarren, weshalb man leichter mit ihnen kollidieren kann. Meine dagegen hauen immer ab. Auch die lange, niedliche, die mich neulich umrundete, als ich auf einer Baumwurzel am Feuer saß. Jedesmal wenn sie verharrte und den Kopf hob, um mich zu sondieren, lief eine Wellen-Bewegung durch ihr Vorderteil. Sowas habe ich vorher noch nie gesehen. Als ich mich dann bewegte, hat sie sich sehr erschreckt.