Apps and Downs

Ich kann ganich begreifen, warum sich die gesamte Menschheit das antut, diese elende HP-Fummelei. Seit mein Provider mein Kupfer-Kabel gekappt hat, bin ich nun auch dabei. Zumindest sacht uns das was über die sich selbstkonditionierenden Pawlow-Fans, die in panischer Angst vor dem Turm des Schweigens auf ihren Plastik-Brettern rumdrücken. Damit der Transport komprimierter Banalitäten noch schneller geht, wollte mein Provider nun ein Glasfaser-Kabel installieren, womit mein unsichtbar in Erde, Fußboden und Wänden von mir persönlich eingebautes Kabel obsolet wurde. Stattdessen durch Luft und Dach. Nee, danke! Will ich nich.

Nun drücke ich also auch. Mal hier mal da. Manches geht, oft auch nich. Meine Internet-Seiten kann ich nur noch als zerhackte oder verzerrte Mikro-Gebilde sehen. Wer sich sowas auf seinem HP anschaut, hat eigentlich kein ästhetisches Interesse.

Und während mich ein inzwischen chronisches Zuviel an Salzsäure innen zerfrißt, meine krumme Wirbelsäule mich fast bewegungsunfähig macht, bricht die letzte Möglichkeit des Außenbezugs wech. Doch besitze ich jetzt immerhin ein App zur Messung von Lautstärke. Wahrscheinlich werden die Wilden darüber nur lachen. Wie damals, als ich vorschlug, die Nachtwachen im Dorf mit HPs auszurüsten, um die mobilen Randalierer besser orten zu können. Heutzutage hat hier JEDER son Ding.

Illustration aus „rororo Hausarzt“ (1968): Gesichtsausdruck und Haltung eines Magenkranken

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Das Jahr des Schweins

gelbguelle

Phil Ochs: The pig was arrested with seven people.
Mr. Kunstler: When did that take place?
Phil Ochs: This took place on the morning of August 23, at the Civic Center underneath the Picasso sculpture …
Mr. Kunstler: What were you doing when you were arrested?
Phil Ochs: We were arrested announcing the pig’s candidacy for President … Jerry Rubin was reading a prepared speech for the pig — the opening sentence was something like, „I, Pigasus, hereby announce my candidacy for the Presidency of the United States.“ He was interrupted in his talk by the police who arrested us.

Gerichtsverhandlung 1968 über eine Aktion der Yippies

1968 war gar nicht das Jahr des Schweins sondern das des Affen. Doch gaben sich die Schweine damals alle Mühe, ihrem Geruch gerecht zu werden. 2019 ist es nun wirklich, und so wurde mir klar, warum mir zur Zeit alles so stinkt. Nicht nur die unvorschriftsmäßige Ableitung der Schweine-Gülle einer benachbarten christlichen Gemeinde-Vorsteherin, die meinen Vorfluter in ein stinkendes Gülle-Becken verwandelt hat. Das muß ich nun aufgeben, weil mein Präsident, der sich sehr sozial gibt, dort die 100m breite Eisenbahn-Trasse Makassar-Bitung plant. Örtliche Bauarbeiter werden arbeitslos, weil alle Bauprojekte im Todesstreifen obsolet sind, die tatsächliche Strecke wird dann von Chinesen geplant und von Javaner gebaut. Den Wilden, die in ihren Schrott-Häusern wie Schweine hausen und von der Trasse betroffen sind, sofern es sich nicht um Restaurants handelt, kommt das nur recht. Sie hoffen auf erhebliche Entschädigungen, mit denen sie sich einfach woanders ein neues Schrotthaus bauen. Lage spielt nur insofern eine Rolle, als sie möglichst dicht an einer belebten Straße sein sollte. Die Veranda gleich neben dem offenen Gülle-Graben.
Und dann ist da noch der Schweine fressende HiFi-Papua, der mich mit seiner Arroganz terrorisiert. Also Gründe genug für Schlaf- und Eß-Störungen, für Schwermut und aggressive Phantasien. Daß ich mich noch nicht aufgegeben habe, liegt an meiner langjährigen Erfahrung als Waldschrat. Allein in der Natur konnte ich mich bisher immer wieder stabilisieren. Doch diesmal kommt es existentiell zu dick, und meine Kräfte schwinden. Dieses Jahr des Schweins könnte ein sehr übles werden – oder sich wieder in Unverbindlichkeit, Ungewißheit und Chaos auflösen. Es gibt schon Anzeichen dafür, daß ich die Kontrolle verliere, ohnmächtig überrollt werde und am Ende wie Robert M. Pirsig (1928-2017), für den Moral das Prinzip war, „dem Leben Entfaltungs-Möglichkeiten zu verschaffen“, schließlich nur noch an die Wand starre – oder auf neue Gleise. Wenn es so weit ist, werde ich wohl nicht mehr darüber schreiben können.

todeszug

Der HiFi-Papua

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Einen Papua als Nachbarn zu haben ist ja zumindest etwas Seltenes. Es kann jedoch auch unangenehm werden: Die 20Std. Terror-Party Silvester reichten ihm anscheinend nicht. Am 3. Januar legte er noch 14Std. drauf, so daß ich mich bemüßigt fühlte, ihn um 24Uhr wieder zu besuchen. Diesmal ohne Hammer.
In der Dunkelheit sehe ich 2 Wilde auf der Brücke zu seinem Grundstück auf ihren Motorrädern sitzen – genau 1 Jahr nach dem Skandal mit dem Latten-Droher auf der anderen Seite der Brücke. Einer mit Alkohol-Fahne spricht mich an:
„Wohin?“
„Wann ist das Fest zuende?“ frage ich zurück.
„Ist schon zuende!“
„Aber ich höre noch laute Musik!“
„Schon zuende!“
„Das ist eine Belästigung der Gesellschaft!“
„Die Leute hier beschweren sich nicht!“ Dabei weist er auf das Haus meiner juristischen Nachbarin, mit der ich auch schon viel Spaß hatte, der aber anscheinend das Geld zum Feiern abhanden gekommen ist.
„ICH beschwere mich!“
„Du bist nur EINER!“ Er benutzt das herabwürdigende kamu anstatt anda (Sie).
„Ich LEBE hier!“
„Du bist kein Indonesier!“ (Papuas sind keine Malaien, also auch keine richtigen Indonesier. Nicht nur geographisch das Letzte in Ostindonesien. Außerdem ist er erst kürzlich zugezogen, feiert auf einem Grundstück, das ich ihm verkauft hab, fährt auf einer Straße, die ich gebaut hab und benutzt meine Stromleitung, um mich mit Krach zu terrorisieren. „Das ist nicht das Thema,“ erwidere ich. „Die Polizei-Erlaubnis für Feste geht nur bis 11!“
„Bis 12!“
„12 ist schon vorbei!“
„Ist es NICHT!“ Er klappt sein HP mit der Zeitanzeige auf – und stutzt: 12:16
Ich zeige auf einen Mann im weißen Hemd, der wie ein Papua aussieht und den abfahrenden Wagen beim Rangieren hilft: „Ist der Mann dort der Hausherr?“
„ICH bin der Hausherr! Und du verschwindest!“ Dabei befinde ich mich gerade auf der öffentlichen Straße – immer enger umringt von besoffenen Wilden, die mich beschimpfen und von hinten mit kleinen Steinen bewerfen. Ich hätte doch lieber meinen Hammer mitnehmen sollen. Sogar ein Armee-Offizier hat mir mal erzählt, daß er sich solchen Szenen nur in Begleitung aussetzen würde. Ich sei kein Indonesier, höre ich aus dem Mob.
„Ich bin indonesischer Staatsbürger!“ antworte ich.
„Seit 3 Monaten!“ brüllt der Papua triumphierend. Tatsächlich sind es etwa 9. „Du bist nicht Gesellschaft!“ erregt er sich immer stärker, steigt von seinem Motorrad und packt mich vorne am Hemd. „Ich werfe dich in den Graben!“ droht er mehrmals. Ich strecke nur die Handflächen nach unten, wie einer, der nicht kämpfen will, bin dabei aber gespannt wie eine Feder. Dreimal ermahne ich ihn mit zunehmender Lautstärke: „Laß das!“ Dann läßt er los.
„Morgen machen wir eine Diskussion bei der Polizei,“ informiere ich ihn noch. Dann gehe ich nach Hause. 0Uhr22. Leider hat er mich nicht geschlagen. Sonst würde er jetzt in einer Zelle sitzen. Ohne Musik und Alkohol.
Die Polizei will nun eine Art runden Tisch organisieren, an dem wir uns mal so richtich aussprechen können. Darauf freue ich mich schon. Ein Ergebnis ist nicht zu erwarten, aber es wäre interessant, ob der Papua nüchtern dabei zur Maus schrumpft oder seine Aggressivität aufrecht erhält. Eventuell erscheint er gar nicht oder gleich mit seiner gekauften Truppe.

partypapua2

Am Nachmittag löchert mich dann ein junger mikro-Fahrer in Airmadidi. Er liebe die Deutschen, sie seien so ein cleveres Volk. Die älteren Frauen im Wagen machen sich über seinen blond gefärbten Haarschopf lustig, und wir lachen alle zusammen. Als er losfährt, knipst er die Über-Mega-Soundanlage an, ohne zu bemerken, daß der Lautstärke-Regler ganz geöffnet ist. Ein Gefühl, als ob der Wagen explodiere und einem die Trommelfelle platzen. Sie packen’s einfach nicht, diese Wilden.