Von Natur aus gut

rororoSuedsee

Befristet berühmt wurde Herman Melville (1819-91) mit „Taipi“. 1841 war er als 21jähriger mit dem Walfänger „Acushnet“ in die Südsee gesegelt. Wegen der unmenschlichen Bedingungen auf dem Schiff desertierte er im folgenden Jahr auf den Marquesas. 4 Wochen später verließ er die Insel Nukuhiva auf einem anderen Schiff und wurde wegen Meuterei 6 Wochen „sehr vergnüglich“ auf Tahiti inhaftiert. Danach vagabundierte er noch 9 Monate in der Südsee und sammelte Material für seinen Roman, bis er 1844 nach Boston zurückkehrte. Sein Ideal war das Abenteuer des Lebens, das er mit allerlei Erfundenem zu der Geschichte seines Zwangsaufenthalts bei den menschenfressenden Taipis zusammenbastelte. Auch wenn Frau Dr. Ilse Hecht im Nachwort einer unglaublich mies gedruckten Ausgabe des Hoffmann und Campe Verlags seine Beschreibungen des Insellebens als realistisch einstuft, handelt es sich doch um den edlen Wilden im Stile Rousseaus. Zwar begreift sie, wie Melville auch typische Charaktere aus der europäischen Literatur verwendet, und wie er offen zugibt, die Mythologie der Taipis nicht zu verstehen – schon aus Unkenntnis der Sprache – doch glaubt sie, daß seine Schilderungen den Tatsachen entsprechen. Demnach ist sein Wilder, der sich angeblich von den unbeständigen, treulosen und hinterhältigen anderer Inseln unterscheidet, schön, friedlich, tugendsam, frei von Neid und beeindruckend sozial. Seine Nahrung wächst auf den Bäumen, braucht nur gelegentlich mit wenig Aufwand gepflückt zu werden, und aufbewahrte Leichenteile stinken nicht. Aggressiv ist man nur in Notwehr gegen Fremde, untereinander gar nicht. Es wird nicht recht klar, warum er eigentlich dort wieder weg wollte: „… ich fing an, meine Gefangenschaft bitter zu spüren. Es gab niemand, dem ich meine Gedanken mitteilen konnte, …“.
Obwohl er erotische Erlebnisse schon selbst stark zensiert hatte, wurde sein Werk von christlichen Zensoren verstümmelt, die besonders an seiner Kritik der Missions-Tätigkeit Anstoß nahmen. Etwa an der Beschreibung einer Missionarsfrau, die mit ihrem Fächer den nackten, alten Mann antreibt, der sie in einem Karren zu ziehen hat. „Wenn diese armen Insulaner um sich schauen, werden manche kaum ahnen, daß ein gut Teil ihres Unglücks seinen Ursprung in gewissen Teegesellschaften hat, bei denen wohlwollende Herren mit weißen Halsbinden um Almosen bitten und alte Damen mit Brillen und junge Damen in dunklen Abendkleidern aus schlichtem Stoff ein paar Groschen zur Schaffung eines Fonds spenden, der für das Seelenheil der Polynesier verwendet werden soll, aber fast stets ihren zeitlichen Untergang herbeigeführt hat.“ Solche unterbelichteten „Menschenfreunde“ mit „Missionsberedsamkeit“, die in der Bibelstunde begeisterte Berichte der Missions-Arbeit liefern, gibt es in D immer noch, auch wenn die Gaben nach wie vor „durch so viele krumme Kanäle fließen“.

http://tomschrat.wordpress.com/2011/08/16/ocean-girl/

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Was tun?

was-tun

„Lain ladang lain belalang, lain lubuk lain ikannya.“
Anderes Feld, andere Libelle. Anderer Tümpel, anderer Fisch.

Das wurde in einer Sonderausstellung des Senkenberg Naturkunde-Museums in Frankfurt gefragt. Der eine will seine Arbeit loswerden, der andere ist auf hoffnungsloser Suche danach. „Unter Bedingungen von Globalisierung, Finanzkrise und Klimawandel scheint nichts weniger sicher als die zukünftige Gestalt unserer Arbeitswelt. Die Vorstellung eines einmal erlernten Berufs, der den Platz jedes Einzelnen in der Gesellschaft markiert, das Leben prägt und individuellen Sinn gibt, scheint jedenfalls überholt.“
Dabei war die Auswanderung schon immer eine Möglichkeit – mit der aktuellen Absurdität gegenläufiger Ströme. Die in den Entwicklungsländern weitgehend Chancenlosen verstehen oft nicht die Träume der Zivilisationsmüden. Interessant und faszinierend deshalb die 15 wahren Geschichten von Personen, die ein neues Leben begannen, wie sie in dem Buch „Was nimmt man mit, wenn man nicht wiederkommt?“ von Roberto Di Marco niedergeschrieben sind:

Daß ein Italiener (38) das nichtmuslimische Bali als Fluchtpunkt wählte, ist in jeder Hinsicht verständlich. Dort war er zwar vor den Bombenangriffen der Mafia sicher, aber nicht vor tollwütigen Hunden. Auch gibt es zu viele, die auf dieser engen Insel siedeln wollen. Schließlich verlor er seine Freundin, die er in Malaysia traf, beim Bombenattentat vom 12. Oktober 2002.

Schwerer nachvollziehbar ist die Wahl der Philippinen. Seit Jahrzehnten sind die Nachrichten über dieses Land voller Unerfreulichkeiten: „Wenn sich jemand mit einer Zeitung nähert, hat er wahrscheinlich ein Messer darunter. Mißtraue allen, die sich freundschaftlich zeigen.“ In einem Macho-Land mit den leidenschaftlichsten und aggressivsten Bewohnern ganz Asiens, in dem Waffen wie Brötchen verkauft werden, braucht man sich über die Folgen nicht zu wundern. Schwer bewaffnetes Wachpersonal wird als normal empfunden. Auch ist die Taifun-Lage nicht gerade amüsant. Mindestens einmal im Jahr legen sich die Philippiner in den Flur und „beten, daß ihr Haus nicht wegflöge“. Während der Anarcho-Faktor auf den Philippinen wesentlich höher ist, sind die mentalen Unterschiede zu den Indonesiern gering. Man ist sehr geduldig – bis man ausrastet. Gemeinschaft ist alles. Wer viel Geld hat, zahlt erwartungsgemäß für die ganze Gesellschaft. Kritik wird schnell als Kriegserklärung empfunden.

Ein Römer (42) macht in Kambodscha diese Erfahrung: „Wenn es dir gelingt, nicht den Kopf zu verlieren, gehst du gestärkt daraus hervor.“ Auch spürt er, wie sich auswirkt, wenn man andere Lebewesen zu gut behandelt. Während sich die Enten dabei noch harmlos verhalten, empfindet er den Atem der Familie seiner Freundin wie ein „Rudel hungriger Wölfe“ am Hals. Jenes sieht ihn als eine Art Dagobert Duck und nutzt jede Gelegenheit, ihm Geld abzuluchsen.

Alexandra (31) aus Rumänien fällt auf, daß man sich in den USA schon beim Kampf um den Parkplatz gegenseitig beschießt. Die große Herzlichkeit im Miteinander beruhe auf der Sorge, sich eine Kugel einzufangen. Die Amerikaner seien auf Joggen fixiert und stürben an einem Infarkt. Danach würden sie schön geschminkt.

Den Italienern scheint ihr Land sehr auf den Sack zu gehen: „das Paradies für Amtsmißbrauch, Anmaßung, Betrug und Ungezogenheit“. Wer die Scheibe seines Wagens nicht gewaschen haben will, wird eventuell als Rassist beschimpft. Wieso dann nach Indien, wo ein Leben schon aus religiösen Gründen wenig zählt? „Das Wasser ist so schmutzig, daß man stirbt, wenn man davon trinkt.“ Auch wenn Baumaterial hochwertig ist, schaffen sie es nicht, „irgendetwas mit Sorgfalt und Genauigkeit zu machen“. In Madras gäbe es den größten Markt für menschliche Organe. Doch regt man sich nicht auf. Die Natur ist nun mal ein Schlachthaus.

Wer gern mit Deutschen zusammen ist, wandere nach Thailand aus. Allein in Pattaya gäbe es neben Müll und ohrenbetäubender Musik mehr als 1000 davon. Man könnte dort also ein Oktoberfest veranstalten. Ein Däne (30) hatte den Auftrag, den etwas unklaren Tod eines älteren Freundes im „Elefantenfriedhof“ Pattaya aufzuklären. Vor Ort wird er Nachfolger bei der attraktiven Witwe, die offensichtlich noch eine weitere Beziehung zum Westen unterhält, aus der sie Geld quetscht. Das wahre, große Business dieses Landes sei die „Rettung“ von Prostituierten durch Prinzen aus dem Westen: „Ich kann es nicht erwarten, mich um dich zu kümmern. Wann schickst du mir das übrige Geld?“

Wer dagegen sehen möchte, wie eine überfahrene Kuh auf einem Busdach tranportiert wird, die nach ein paar Kurven regelmäßig runterfällt, der sollte wie ein Mailänder (32) nach Laos auswandern (Schließlich wurde sie drinnen untergebracht.). „Die Thailänder pflanzen und ernten den Reis, die Vietnamesen sehen dem Reis beim Wachsen zu, und die Laoten lauschen seinem Geräusch.“ Und die Indonesier? Die telephonieren mit ihm.

Wer jedoch wie eine Russin (31) immer gleichzeitig 2 Männer liebt und einen Tierarzt für seinen Hund braucht, ist in Wladiwostok am besten aufgehoben.

Lebensberechtigung

5 Jahre für ~2.100,-EUR! Nach 8 Jahren Aufenthalt gelang mir das zum ersten Mal! War ein langer und manchmal hoffnungsloser Weg. 5 Jahre keine quälenden Verhandlungen mehr mit schmierigen, korrupten Beamten. 5 Jahre Ruhe? Sehr unwahrscheinlich.

In der Imigrations-Behörde in Manado befand sich der Leiter gerade in einer anderen Dienststelle. Wir also dorthin, damit er endlich unterschrieb. Das wollte er aber nicht, weil seine Behörde das Schreiben für die direkt zuständige Imigrasi in Bitung falsch ausgefertigt hatte. Also wieder warten. Ich ging inzwischen Richtung Küste, weil ich das nicht aushalten kann. Diese kleine, falsche Chef-Sekretärin mit dem groβen Kopf, die immer versucht, uns auf eigene Rechnung auszupressen – für solche Leute hab ich weder Geduld noch Lächeln übrig. Das macht alles meine Frau, die für mich sponsort. Ich hätte ihnen längst die Akten um die Ohren gehaun und damit final verspielt. Da gab es „Blitzkrieg“, der u.a. über Menschenrechte referiert, der eine 1jährige Aufenthalts-Genehmigung im (wörtlich) „Blitzkrieg“-Verfahren erledigte, aber teurer als die 5 Jahre. Der eine Legende über mich zusammenfälschte, die dem Amtsleiter in Bitung sofort auffiel, welcher aber kuschen und unterschreiben muβte und sich ärgerte, daβ nicht er den Löwenanteil bekommen hatte. Ich konnte nur den Kopf schütteln und feststellen: „Das ist nicht von mir!“

Es gibt Tarife, manchmal sind diese sogar an der Wand ausgestellt, aber wehe, man bezahlt nur das! Dann sind die Akten monatelang irgendwo unterwegs oder verschwinden ganz. Und bevor sie uns die Unterlagen aushändigten, baten sie um Spenden für Kirchenbau oder zu Idul fitri oder: „Der Chef wird doch jetzt versetzt. Wollen Sie ihm nicht auch 1 Souvenir geben?“ Natürlich alles ohne Quittung. Und man muβte noch aufpassen, daβ das Geld nicht bei der korrupten Chef-Sekretärin hängenblieb. Ich kenne keine Verwaltung in Nord Sulawesi, wo das anders ist. Zwar sind die Beamten wegen der verstärkten Korruptions-Verfolgung vorsichtiger geworden, aber der Trend ist ungebrochen. Wenn einer dieser Typen, die das eigene Land lähmen, zu „helfen“ anbietet, erhöht sich gleich mein Blutdruck. Manche Amtsleiter sind kultiviert und relativ anständig, eher aber skrupellos geldgierige Monster. Alles eine Frage des Zufalls und des Verhandlungsgeschicks. Kein Territorium für mich.
Die Chef-Sekretärin meldet sich spätestens zu Weihnachten regelmäßig: Ob wir ihr nicht was schenken wollten? Nö, wolln wa nich.

Und als ich mal eben nach Amerika zu reisen beabsichtigte, sah es wieder so aus: „Re-entry-permit“. Damit sie mich wieder reinlassen. Sollte ganz einfach gehn, kurz vor der Abreise, damit ich die volle Länge nutzen könnte. Ich bräuchte nicht mal anwesend zu sein. Aber dann wurde meine Unterschrift gebraucht, es dauerte und verlief chaotisch wie immer.