Bald iss wieda Ostan!

arbeiterhand

koerperlich

Robert Crumb

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Fitzich

fitzcarraldo

„Das Schiff über den Berg zu ziehen ist für mich die simple Metapher Unmögliches möglich zu machen, wenn man im Leben einen Traum hat – verschärft wird die Aussage noch dadurch, daß dieser Traum nicht der von Reichtum und Macht ist, sondern der Traum von der Kunst.“
Fitzgerald genießt dies als eine Traumverwirklichung vor dem Hintergrund seines Scheiterns im Großen.“

fitzich

Klaus Kinski hatte es viel leichter. Ihm stand 1 ganzer Indianer-Stamm zur Verfügung, um sein Schiff über den Berg zu bringen. Meine paar Indianer müssen jedoch auf den Reisfeldern arbeiten, so daß ich die ganze Plackerei für mich alleine habe. Als ich vor Jahren die ersten Pfähle für das Ziegengehege setzen ließ, habe ich sie etwas zu solide ausführen lassen – eben deutsch. Ich baue grundsätzlich für die Ewichkeit. Jetzt will ich 2 davon versetzen, um den Zaun an die von mir entwickelte und ausgeführte halbautomatische Ziegen-Fütterungs-Anlage anzufügen, die bestimmt wieder am Eigensinn der Ziegen scheitern wird. Und nun erweist sich der 0,252m³ Zement und Steine um jeden Pfahl als sehr schwerer Brocken, und hier und da kommt mir auch etwas Haut abhanden.

Stonehenge-Methode

Zwar habe ich mit Hilfe der Stonehenge-Methode den ersten in einigen Wochen aus der Erde bekommen, nur mußte ich die Balken dazu ersma in die Erde unta den Brocken kriegen. Dabei half mir ein geerbter Flaschenzug, doch wenn man den Klotz hochhebelt, nachdem man ihn freigegraben hat, stellt man leicht fest, wie einem ne dritte Hand fehlt, um die Hölzer runtazuschieben. Da muß dann eben der Fuß helfen. Gleichzeitich wär 1 vierte Hand gut, um die Ziegen wechzuscheuchen, die hinten an mir rumfressen. Nachdem ich ihn also immerhin aus der Erde bekommen hab, deuchtete mir, ich könne ihn zu seinem zukünftigen Platz ROLLEN. Ging aba nich. Also habe ich Schienen aus Balken-Stücken verlegt und ihn mit einer Stange aus dem verbogenen Lenk-Gestänge meines ehemaligen Schrott-Jeeps weitagehebelt. Auf diese Weise kam ich sogar an dem neuen Platz an, wo ich ersma 1 Loch graben mußte, um ihn darin versenken zu können. Nun geht mit dem 2.Pfahl alles wieda von vorne los.
Immerhin unterhält mich ebenso wie Fitzcarraldo ab und zu opernhaftes Gekreische aus der nächsten protestantischen Kirche zum heiligen Paulus. Nur nich, wenn es Gott auch zu viel wird, und er den Strom ausfallen läßt. Dann machen die Wilden mit Megaphon weiter.

Zeichnung aus K. Benesch, „Auf den Spuren großer Kulturen“

Alter Mann mit Dammbruch

Teichhuegel

Nee, es iss nix Organisches. Weiß ganich, ob ich sowas übahaupt besitze.

Wie ich so auf meina Veranda für mich hinsitze und dem Gemurmel und Geplätscher der verschiedenen Wasser-Zu-, Üba- und Abläufe lausche, deuchtet mir, daß ein wäßriger Ton mitspült, der da nich hingehört: „Thomas“, denke ich, „das hört sich ganich gut an.“ Und richtich: Aus einem Teichdammloch sprudelt es wie aus einem Badewannen-Wasserhahn, und der Wasserspiegel iss sichtbar gesunken. Also plane ich die Abdichtung des Teichdammloch-Wasserhahns wie immer militärisch im voraus bis ins Detail – das habe ich von Clausewitz und Moltke gelernt – mit dem Ergebnis, daß alle Planung an der real existierenden Wildichkeit scheitert.
Zuerst benötige ich Plastiksäcke. Schon das erweist sich im Land der Dünger-, Zucker-, Kopra-, Reis- und Fettsäcke als unerwartet schwierich. Nachdem mir meine Frau endlich welche besorgt hat, schiebe ich meine Karre 100m bergauf zu einem Grundstück, das wir von einer Betrügerin letztlich erfolgreich gekauft haben, um unsere Wasser-Versorgung abzusichern, was aba von meinem Hauptwohnsitz leida durch den verrotteten, nach mir benannten Lorong Jerman getrennt iss. Dort befindet sich ein stark versandeter Vorfluter, als Teil unseres Reisfeld-Bewässerungs-Systems. Ein kürzlich umgestürzter Riesen-Baum auf einem gegenüberliegenden Grundstück hat hier großes Chaos angerichtet, u.a. eine dort verlaufende Stromleitung zerschlagen (Hi! Hi!), die ich mal erfolglos zu zerhacken versuchte. Mein Sohn in England meinte per Skype, wegen meiner Gummistiefel könnte mir dabei nix passieren – sofern sie dicht und nich naß sind (Es regnete seinerzeit!). Also, wegen dieser totalen Baum-Verwuselung sind mir bei der Erdgewinnung aus dem Vorfluter einige abgebrochene Äste eines großen, von mir gepflanzten Benjamini im Wege (Du brauchst ganich weiterzulesen, es passiert nix Besonderes.). Deshalb gehe ich die 100m wieda zurück, um eine Säge zu holen. Als ich die Äste in Gesichtshöhe absägen will, geht das nich, weil sich dort inzwischen eine mittelgroße, hundsköpfige Schlange verknotet hat, die wohl ma kucken will, was ich vorhab und glaubt, ich sähe se nich (Fast hätt ich sie durchgesägt!). Ich muß sie ersma mit dem Rücken meiner Bügelsäge anrempeln, damit se elegant wieda nach oben schlingert. 1 Sack hatte ich hier schon gefüllt, den mir jedoch der umstürzende Baum zerschlug. Nun fülle ich trotz meiner Rückenschmerzen, weswegen ich mir ein Korsett von meiner Frau geliehen hab, erneut einen 50kg Sack mit Erde, binde ihn zu und kriege ihn nich hoch – den Sack. Nachdem ich mich und alle Muskeln zusammengerafft hab, geht es doch, allerdings 9 Stufen hoch, auf denen ich in der Mitte 1x pausieren muß. Dann stürze ich mich mit dem Sack in meine Schubkarre und rolle sie nun bergab zum Haus bis in die Nähe der Teiche, wo Wurzelwuselei eine weitere Annäherung unmöglich macht. Die Erde schütte ich in einen Plastikbottich, den ich aba auch nich bis zum Loch tragen kann, sondern nur auf einen Hügel, den seinerzeit der Bagger beim Auslöffeln der Teiche hingelöffelt hat. Oben drauf habe ich einen Felsbrocken löffeln lassen, auf dem ich ersma verschnaufe. Dabei betrachte ich einen ebenfalls von mir gesetzten Benjamini, der sich dort mit seinen Luftwurzeln einen eigenen Wald geschaffen hat, in dessen ovalem Inneren man ganz gemütlich wohnen könnte, sofern man sich mit den Schlangen und Ameisen einigt. Hier sollte ich öfter sitzen, deuchtet mir, doch gips so viel zu tun. Um den Bottich imma wieda auf den Hügel transportieren zu können, muß ich ersma auf einer Damm-Brücke einem „Waldbaum“, wie ihn die Wilden nennen, die Blätter abknipsen, die mir jedesmal im Vorbeigehen Ameisen auf den Kopf und ins Hemd wedeln. Auf dem Hügel schaufle ich die Erde in erträgliche Eimer, die ich dann hinunter und durch einen modrig stinkenden Graben watend zur undichten Stelle trage, um sie dort über Maschendraht, Plastiktüten und Mörtel-Mischung auszuleeren. Rauf und runta, hin und her. 6 Säcke hatte ich geplant, 1 schaffe ich am Nachmittag. 4 Nachmittage späta iss das Loch zu.

So geht die Geschichte vom alten Mann und der Einhand-Teichdammloch-Abdichtung.