Reiche Beute

beute

Meine gesamten Naßreis-Terrassen liegen brach. Es finden sich keine Arbeiter. Ein Problem in ganz Indonesien. Landwirtschaftliche Produktion geht überall zurück, weil junge Leute lieber auf ihren Telephonen rumknibbeln als im Schlamm arbeiten wollen. Man bekommt den Eindruck, daß die ganze Nation überwiegend damit beschäftigt ist. Besonders die Frauen sind Teil dieser kollektiven Sucht geworden. Aber warum sollten sich Indonesier anders verhalten als Deutsche, die ja den Bezug zu natürlicher Lebensweise schon längst verloren haben, oder sich nur noch in „grünen“ Phantasie-Welten bewegen.
Das ist die Chance der Weide-Diebe, der Viehzüchter ohne eigenes Land. Seit Tagen beobachte ich, wie sich in einsehbaren Baumlücken renaturierende Brache braun verfärbt. Da stimmt was nicht. Dann taucht in der Ferne plötzlich eine Ziege auf, und sogar ein Rind ist dabei.
Ich finde 3 angepflockte Rinder, ebenso 2 Mutterziegen mit niedlich herumspringenden rehbraunen Kitzen und 2 in der Nähe äsende Böcke. 2 der Rinder sind jung und so dumm, daß ich sie leicht abschießen könnte. Auch die Ziegen sind nicht scheu. Im Supermarkt in Manado werden erstklassige, recht teure Stahl-Bögen angeboten – ohne Pfeile. Zwischendurch fand ich sogar Pfeile im Regal, doch bevor ich mich zum Mord entschließen konnte, waren sie wieder verschwunden. Und warum sollten diese ohnehin schon mißhandelten Kreaturen für die Gemeinheit ihrer Besitzer büßen? Sonderbar, daß hier eine ganze Ziegen-Herde unbeaufsichtigt auf meinem Land grast, während meine Ziegen im hausnah kontrollierten Gehege alle umgebracht wurden. Sollte es sich hier vielleicht um die gleichen Lumpen handeln?
Ich hacke die Nylonseile mit Mühe durch, denn wegen Stromausfalls kann ich mein Haumesser nicht mit der Maschine schärfen. Freigesetzt fangen die 2 jungen Bullen auf der von ihnen bereits zertrampelten Fläche gleich an zu kämpfen, bis ich sie wegjage. Die Ziegen fühlen sich dagegen in meinem hohen Gras wie im Schlaraffenland. Die dünnen Ziegen- und die dicken Rinder-Seile binde ich zusammen und schleppe sie auf dem Rücken in meinen Tempel zur heiligen Einfalt. Einen massiven Eisen-Pflock, offensichtlich für Dauer-Aufenthalt gedacht, muß ich noch ausgraben. Die in flagranti angetroffenen Diebe waren bisher immer defensiv, aber lange Messer tragen sie auch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.