Rechtsdrehendes Korsett

karate3

Ich hatte schon erwogen, ein Korsett zu tragen, um die Schmerzen zu lindern, doch war die Stelle, wo der Wilde mich bereits am Boden Liegenden getreten hatte, so empfindlich, daß ich mich nur noch rechtsdrehend wieder erheben konnte, während ich links herum vor Pein schrie wie eins von Angkis Schweinen. A-Tengs Frau, so breit wie hoch, die gerade ihre Hecke gegenüber dem Friedhof beschnitt, empfahl Massage. Die Wilden massieren alles: Rippenbrüche, Krebs, Hautausschlag. Es ist so einfach, und man braucht weder Instrumente noch Medikamente. Genauso wie Blutdruckmessen, wofür man nur eine aufklappbare Metallschachtel mit etwas Schlauch dran benötigt. Doch ich schluckte lieber 10 Tage lang Pillen, die ich im kranken Haus bekommen hatte, und versuchte, mich so wenig wie möglich zu bewegen.
Vians Schwein fand ich auf dem Festplatz noch nicht über dem Feuer dampfen, sondern es lag völlig ruhig in seinem engen Gitterkäfig, unbeeindruckt vom Lärm der Monster-Boxen, gegen die die Geräusche eines passierenden Endlos-Güterzugs in New Orleans ein Adagio waren. Und daß Onya mir immer wieder zugerufen hatte: „Om Thomas, steh doch auf!“ hatte ich im allgemeinen Tosen und dem entsetzten Gekreische der Frauen, die gerade Gemüse schnitten, nicht wahrgenommen. Ich sah nur ihre helfend ausgestreckte Hand, konnte mich jedoch an einem dünnen Bäumchen hochziehen.
Und so landete ich schließlich nicht auf dem von mir gespendeten Friedhof, wovor mich die Polente immer wieder gewarnt hatte, wenn ich weiterhin Krachfeste stürmen würde, sondern humpelte nun einfach durch meinen Dschungel – auch ohne Korsett.

Etüde mit den Wörtern „Korsett“, „rechtsdrehend“ und „dampfen“

8 Gedanken zu „Rechtsdrehendes Korsett

  1. Hi Tom,
    herzliche Grüße und besseres Humpeln von hier nach da (das klingt irgendwie wirklich ziemlich wild), und sofort die entgeisterte Frage: Wie kommst du denn ausgerechnet auf meinen Blog zu den Etüden? Ich meine, willkommen bei den Etüdenverrückten, was ich immer schreibe, schau dich um, misch dich ein, hab Spaß – aber verwundert bin ich schon.
    Ich muss mal bisschen bei dir lesen kommen. Indonesien! Danke für die Etüde! 😉
    Abendgrüße aus dem fernen Deutschland 😀

  2. Tabea Christiane! Ich fand Deinen Blog indirekt über den Post von Pusteblume, der in meinem Reader auftauchte. Deine Idee gefiel mir so gut, dass ich es auch mal probieren wollte, zumal „Korsett“ und „rechtsdrehend“ gelebte Realität waren. Nur das Dampfen war etwas schwieriger. Und dann kann ich es auch nicht lassen, mich einzumischen, obwohl das nicht immer gesund ist.
    Heisse Grüsse vom Äquator
    Tom

  3. Na, von mir, Myriade, und den anderen Wilden, die mich auf der indonesischen Insel Sulawesi umzingeln.
    Ich hatte hier mal Kontakt zu einem Deutschen, der in Thailand lebt. Der nannte sie die „Wirren“, was noch treffender ist, aber er hat das Copyright.

  4. Freut mich, unter den sonst meist fiktiven Etüden wieder auf dich,deinen Blog und dein aus europäischer Sicht so ganz anderes Leben aufmerksam zu werden, Tom.

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