Schriftliche Geräusche

morgens

Die Raubkopie eines mäßig lustigen, amerikanischen Films ruckelt gerade durch die letzten Umdrehungen, als ich draußen ein leichtes Klirren höre. Das letzte Mal war es die wunderbar orange blühende Krone eines großen Tulpen-Baums (Spathodea Campanulata), die im Sturm brach und sich wie eine Bombe durchs Dach rammte. Zum Glück noch im überstehenden Bereich der Veranda. Als ich die nach unten aufgesplitterte Holzschalung zurückdrückte, fielen mir Dachziegelreste in die Hände. Die zerschlagenen Tonziegel sammelte ich auf dem Verandaboden. Da hatte es geklirrt. Ich nahm mir eine Taschenlampe und leuchtete durch die Fensterscheibe: Nichts zu sehen. Nachdem der Film zuende war, beleuchtete ich den Verandaboden von innen noch einmal. Dort lagen jetzt etwa 2m daumendicke Schlange am Rand über dem Wasser. Hellbraun mit einem Hautmuster ähnlich einer Kreuzotter. Den relativ kleinen Kopf schob sie gerade hinter einen Pfeiler. Da ich sie bei der Reparatur des Daches direkt über ihr lieber nicht dabei haben wollte, öffnete ich barfüßig die Verandatür und schubste sie mit einem Besen in den Teich, wo sie schlängelnd mit erhobenem Kopf eiligst zu einer Halbinsel in meinem Dschungel schwamm.
Kurz bevor gegen 4Uhr morgens die meditativen Gebetsrufe aus den Moscheen ringsum anheben, hörte ich wiederholt den stationären, hohen aber kräftigen Schrei eines vielleicht jungen Nashornvogels. Die sind in letzter Zeit oft in Gruppen unterwegs, stoßen dabei in großer Höhe diese grellen Schreie aus, und ich hoffe, daß sie einmal in meinen Baum-Riesen nisten, jedoch ist die alles zerstörende Besiedlung um mein Naturschutzgebiet herum derartig kontraproduktiv, daß ich es wohl nicht mehr erleben werde. Einmal sah ich einen dieser schmutzig weißen Riesenvögel in einem Baum direkt gegenüber meiner Veranda und hörte, wie er eine Krähe anfauchte.
Platscht es heftig im Teichwasser, ist gerade ein Waran reingesprungen und schlingert schlangengleich zum anderen Ufer. Neulich waren es sogar 3, die sich gegenseitig jagten und ins Maul bissen.
Wenn die Hähne krähen, muß ich unterscheiden, in welchem Rhythmus es sich wiederholt. Kurz, regelmäßig, dann ist es der Klingelton meines Handphones, den ich aus dem Spiel „Ostriv“ kopiert habe. Auch im Bus kann es nur mein Phone im Rucksack sein, denn die anderen Hähne, die gelegentlich transportiert werden, beschweren sich nur darüber, krähen jedoch nicht.
Ramadan ist der schönste, weil ruhigste Monat im Jahr. Doch die Christen geben nicht auf: Wenn sie gegen 5Uhr morgens mit christlicher Pop-Musik und ihrem Gegröle über Sehrlautsprecher anfangen, wird jede meditative Atmospähre zerstört. Dabei klingen die Stimmen der meist falsch singenden und Unsinn predigenden Frauen schon so dumm, daß eigentlich jeder sensible Betroffene spontan zum Atheisten werden müßte. Doch Sensibilität bei Wilden wird mir hier kaum geboten. Und wenn es nicht aufhört zu rumsen, dann handelt es sich um die Hochzeit von Davids Sohn. Der Bräutigam ist plötzlich, ganz unkoronamäßig an den Spätfolgen eines Motorrad-Unfalls gestorben und durch seinen Bruder ersetzt worden, da die Braut schon schwanger ist.

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