Wie ich eine Polizei-Direktorin belehrte

polente

The time is out of joint; O curs’d spite,
That ever I was born to set it right! 
Shakespeare, „Hamlet“

Diesmal wimmelt es an der Bus-Station in Airmadidi von Polizisten ohne Sicherheits-Abstand. Keine Chance, da ungeschoren durchzukommen. Also gleich Maske auf, denn ich muß dringend in Manado Fußboden-Platten für die Villa Ludendorff besorgen. Da kommt mir so ein Rudel formatierter Covidioten entgegen, und ihr Leithammel hebt grüßend seinen Daumen: Gut, Weißer, daß du unsere Maßnahmen unterstützt! So kann ich diesmal unbelästigt im mikro platznehmen. Dann erscheint ein ungeordneter Haufen höchstklassig Uniformierter – Gold hier, Gold da – die ihre Aufgeblasenheit schon mit ihren Fettbäuchen vor sich herschieben. Die neue Religions-Polizei. Sie gehen in ein Restaurant, ermahnen die dort maskenlos Sitzenden und kleben ein Schreiben an die Wand. Danach beugt sich eine maskierte, eher zierliche Dame mit Sprechfunk-Gerät in die offene Bustür und belehrt uns, daß Personen ohne Maske nun mit 100000Rupiah bestraft würden (~6EUR). Ich hole gleich eine meiner Anti-Masken-Kopien aus dem Rucksack. Als die Frau an meinem Busfenster vorbeigeht, öffne ich es. Sie stutzt und reckt auch den Daumen hoch: Brav, Weißer! Da reiche ich ihr den Zettel, den sie erstaunt entgegennimmt und kurz überfliegt: Atmung, Tod, Maske – genau, DAS wollen wir ja! Sie strahlt mich an – erkennen kann ich nur ihre sich zu Schlitzen verengenden Augen und Lachfältchen – und bedankt sich höflich. Daß ich der Böse bin, der fahrlässige Töter, der aus Egoismus 0,00001 bis sogar 0,0005% Indonesier skrupellos umbringt, hat sie offensichtlich zu spät bemerkt. Daß es sich um die Polizei-Direktorin von Nord-Minahasa handelte, die eigentlich zur dünn gesäten Inteligenzia gehört, erfuhr ich erst von meiner Ex, die von ihrer Maske Hautausschlag bekommt. Beamten-Positionen muß man kaufen, auch wenn man qualifiziert ist. Diese Investition will man natürlich wieder reinbekommen, weshalb die Polizei überall dort besonders aktiv ist, wo sie abkassieren kann. Meine Müll- und Krach-Probleme interessieren sie nicht.
Ich werde mir jetzt mit einer Lochzange unauffällige Atmungs-Löcher in meine Maske stanzen. Unter einem totalitären Regime benötigt man List wie ein Fuchs. Liebe reicht nicht als Widerstand. Wobei ich nicht weiß, wie listig Füchse wirklich sind, denn der, den ich damals im Moor traf, schlich an mir vorbei, ohne mich zu bemerken, nur weil ich regungslos auf einem Birken-Stumpf stand. Aber ich weiß jetzt, was ein Jude fühlte, als es losging – später fühlte er dann nichts mehr. Er wird ständig sein Umfeld geprüft haben. Die 2 Polizisten auf seinem Weg, die sich bereit machen, ihn zu schnappen, sind bereits aus der Ferne erkannt. Schnell Straßenseite wechseln und dabei interessiert in die andere Richtung kucken. Neu-normale Menschenjagd.
Auf der nächtlichen Rückfahrt sehe ich in einer erleuchteten Moschee Gläubige beten: Die durch ein weißes Tuch gegenüber dem dominanten Männer-Bereich abgesicherten, voll vermummten Frauen erleben die Zeremonie nur als Schatten-Theater. Viele Frauen haben offensichtlich kein Bedürfnis nach körperlicher und geistiger Freiheit. Sie lassen sogar ihre Kinder verstümmeln.
In meinem Dorf wurde die neu-normale Strafmaßnahme bereits am Nachmittag per Sehrlautsprecher verkündet. Als ich in der Nacht aus Manado zurückkehre, ist der Spuk vorbei. Auf der Brücke, unter der sich eine übel stinkende wilde Müllhalde befindet, kommt mir im Halbdunkel ein hauteng, schwarz gekleidetes Mädchen mit einem Plastiksack entgegen. Sie holt aus und schleudert ihren Müll umittelbar vor mir in den Abgrund. Hygiene-Maßnahme.

3 Gedanken zu „Wie ich eine Polizei-Direktorin belehrte

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