Zen-Hacken

hack

Nachdem der Bagger nun einige der nicht mehr bestellten Reis-Terrassen grob rasiert hat, bleibt für mich noch die Mühsal, die zerrissene Erde mit meiner cangkul, meiner chinesischen Hacke, weitgehend zu glätten, um sie renaturieren zu können. 1 Std. am Morgen, 1 am Nachmittag – gute Übung, dabei an nichts zu denken. So etwa in 1 Jahr bin ich fertich.

„Buddha hat uns gelehrt, im Einklang mit der Natur zu leben“, meinte Ekiho Miyazaki, Abt im „Tempel des ewigen Friedens“, einer der 15.000 japanischen Tempel der Soto-Schule. Das ist keine indonesische Suppe sondern eine von Eihei Dogen (1200-1253) gegründete Zen-Sekte. Deshalb heißt der Tempel „Eihei-ji“. „Die Natur segnet uns und lehrt uns, das Richtige zu tun, denn wir sind ein Teil von ihr. Das Richtige tun bedeutet nichts anderes, als nach Erkenntnis zu streben.“ Das bedeutet auch, ständige Achtsamkeit zu entwickeln und nicht 2x in den selben ausgebaggerten Graben zu fallen, wo man sich doch extra eine fast natürliche Steintreppe gebaut hat, über die Wasser läuft. Allein die Zubereitung des Abendbrotes, für die ich, anders als der Abt, der ein Alter von 106 erreichte, keine 200 Mönche zur Verfügung habe, ist schon eine Herausforderung. Jeder kleinste Krümel, jeder verschüttete Tropfen hat eine Ameisen-Invasion zur Folge, verlangt also größte Pedanterie. Als ich mich zum Essen auf meine Pazifik-Blick-Veranda (s.o.) setze, verteilt der starke Wind, der die Erde seit Monaten knochenhart austrocknet, jeden Krümel des Weißbrots, welches die Bezeichnung „Brot“ eigentlich nicht verdient, in der Gegend. Also ziehe ich mich mit Teller und Glas Milch ins Haus zurück, verheddere mich dabei in einer Tür-Gardine, und mein Käsebrot rutscht auf den Fußboden. Da hab ich nur noch gebrüllt! So schwer iss das mit die Achtsamkeit! Aufmerksamkeit allein auf die Gegenwart zu richten, ist nicht einfach, „denn unser Denken dreht sich ständig um Ehre, Status, Eitelkeit, Egoismus und ähnliche Dinge. Wir müssen lernen, uns von unseren Wünschen und Illusionen zu befreien“, erklärte der Abt in seinem ästhetisch luxuriösen Altersheim. Überhaupt ist Leben in unbeirrbarem Gleichmut ein Klacks mit 106. Ich dagegen, in meinem „Tempel des akustisch gestörten Friedens“, habe damit noch Probleme. So stand ich heute in Manado vor einem schweren, etwas antik wirkenden Maschinengewehr in einer Militär-Ausstellung. Bewacht nur von schlafenden Soldaten. Gern hätte ich es gleich mitgenommen, damit zuerst 6 illegale Rinder und 2 ebensolche Ziegen erschossen, später dann die Eisenbahner, die meine Einsiedelei zerstören wollen, und schließlich mich, was bei der Länge und Schwere des Geräts nicht einfach gewesen wäre. Aber „wer seinen Wünschen hinterher rennt, fällt dem Strudel der Verwirrung anheim. In der Natur jedoch, findet sich die Wahrheit. Die Natur ist perfekt. Die Menschen sollten in ihrem Leben den Gesetzen der Natur gehorchen.“
Genau! Deshalb überdehne ich bei der Meditation auch nicht meine Knie-Gelenke, sondern hacke nur einfach so vor mich hin.

Ein Gedanke zu „Zen-Hacken

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