Ein bösartiges Jahr

ichzigello

Was wird als nächstes passieren, überlegte ich: Die geplante Eisenbahn wird meinen Dschungel zerstören. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wie ich mit meinen Ziegen umziehen könnte, denn die Strecke wird zumindest mitten durch ihr Gehege verlaufen.
Stattdessen fand ich am Morgen meine Mutterziege tot. Keine äußeren Anzeichen, nur ein blutiges Maul. Anscheinend vergiftet wie einer ihrer Söhne, den ich im letzten Jahr auch ohne Verletzung fand. Ihr neuster niedlicher Bock, weiß mit schwarzem Kopf und ebensolchen Strümpfen, geboren vor 1 Woche, unmittelbar bevor ich zum Krankenhaus fuhr, verschwunden. Große Blutflecken blieben von ihm übrig. Frisches, gespritztes Blut. Offensichtlich gleich im Gehege geschlachtet, denn er hätte am eindringlichsten geschrien. Die Mutter störte bloß. Flüchtete in die am weitesten entfernte Gehege-Ecke.
Das ist das Ende meiner Ziegen-Zucht. Den nun vereinsamten Bock kann ich nur noch verkaufen. Mindestens 3x haben Räuber schon zugeschlagen.
Das Muttertier war die Tochter von Äziege, meiner ersten, und schon recht alt. Als ich ihr zum ersten Mal einen Bock zuführte, flüchtete sie vor Angst und schmiegte sich ganz eng an meine Seite. Wir hatten ein inniges Verhältnis. Regnete es, saßen wir manchmal nebeneinander im Stall und beobachteten das Tropfen. Beim Füttern verlangte sie immer extra Streichel-Einheiten.
Es ist nun nicht mehr zu übersehen, daß so ziemlich alles, was ich hier aufgebaut habe, von gefühllosen Wilden mit skrupelloser Brutalität zerstört wird. Da gegen komme ich nicht an. Wenn ich davon erzähle, höre ich immer wieder: Mir wolle jemand Böses antun. Der einzige Wahrheitsgehalt derartiger Analysen besteht darin, die Hinterhältigkeit zu veranschaulichen, mit der diese notorischen Beter miteinander umgehen. Die 2. Standard-Erklärung – von David, dem christlichen Früchte-Dieb: Das waren die Moslems!

mord

So kurz nach der Operation habe ich nicht mal die Kraft, sie zu begraben. Der Boden ist hart ausgetrocknet und voller Baumwurzeln. Ich kann mich nur jeden Tag ein wenig weiter hineinarbeiten. Das ist alles sehr bitter.

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2 Gedanken zu „Ein bösartiges Jahr

  1. Pingback: burying hope | UNGEMALTES

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