Protokolle aus dem Labyrinth (2)

vipsofa

Nachts um 22Uhr weckt mich eine kranke Schwester: Ob ich wüßte, daß ich bis zur Operation 1 Blutspender finden müsse? Ich dachte, dieser Irrsinn wäre inzwischen überwunden. Vor Jahren mußte man sogar Spritzen, Katheter, Verbandsmaterial und Infusions-Flaschen selbst mitbringen. Zudecke, Handtücher, Seife und Klopapier sowieso. Besser auch das Essen. 3x am Tag je 1 durch Chili ungenießbares Stück Fleisch und Fisch mit wäßrigem Reis und ebensolcher Suppe. Nichts zu trinken. Dafür steht nun ein für Liegende unerreichbarer Wasser-Automat bereit. Zwar wird das Essen regelmäßig geliefert, jedoch nicht immer abgeholt.
Eine Freundin meiner Ex wird zum Blutspenden herangekarrt – und hat zu hohen Blutdruck. Eine andere erweist sich als zu alt. Schließlich spendet ein darin bereits geübter Ex-Fahrer.
Wo ich denn herkäme, fragt die Schwester. Und wo denn D sei. In Europa, in der Nähe von Frankreich. Das sagt ihr alles nichts.
Nicht mehr in ist es, 3x am Tag den Blutdruck zu messen (Fieber ist uninteressant!), obwohl sich meiner immer als OK erweist – sofern er nicht auf Grund chaotischer Verhältnisse zeitweise auf 140 hochkocht. Inzwischen hat man dafür elektronische Geräte, u.a. eine Art Wurstmaschine, in die man seinen Arm steckt, damit sie ihn schnappen und verarbeiten kann. Nun ist es Mode, ständig einen Mundschutz zu tragen, um damit den irreführenden Eindruck von hygienischen Verhältnissen zu suggerieren. Durch den spricht das Personal zu mir, und ich verstehe noch weniger. Auch kann ich die Wilden nun schwerer identifizieren.

vipklo

VIP-Sehrnaß-Zelle. Dusche kaputt. Man kippt sich das Wasser aus einem ständig überlaufenden Bottich (weil ein verrotteter Wasserhahn nicht richtig schließt) mit der roten Kelle über den Körper. Auf den lauern immer zahlreiche Mücken. Der schleimige Boden ständig unter Wasser, das sich um das Klo herum aufstaut und durch ein Loch im Fußboden nach draußen abläuft. Keine Fußmatte, denn die wird gebraucht, um aus dem AC-Gerät tropfendes Wasser aufzufangen.

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7 Gedanken zu „Protokolle aus dem Labyrinth (2)

  1. Heute Mittag gab es dann noch einen heftigen Erdstoß mit 6,1, aber man braucht sich nich zu wundern: Es ist das Jahr des Schweins.

  2. …tot aal abend teuer urlaub, wenn ich das alles seh und lese, fallen mir meine eigenen gallemsteine wieder ein, die noch drin sind …du könntest deine jetzt in echt zeigen?

  3. Ich like trotzdem, auch weil du dir die Mühe gemacht hast, das alles so knallhart und in wenig blumigen Bildern vorstellbar hinzuschreiben! Ist aber wirklich gruselig, im kranken Haus bei dir! Drücke immer weiter die Daumen, weißt du ja.

  4. @ratte: In Protokoll Numma 1 kannste se schon sehn, aba wattema app. Ich bin noch so erschöpft von den 3Std. Warten heute zur letzten Fleischbeschau. Wenn ich wieda kann, wollte ich ma 1 aufschneiden. Ma kucken. Und davon mach ich denn latürnich auch n Foto. Sonst kann ich Dir die Prozedur durchaus empfehlen (in der deutschen Form!). Zustand iss noch nich optimal, aba schon deutlich bessa.

  5. aha ja, gern hättichse mir wegen genauara diagnose vagröössatt, deine steine, aber das iss nun völlich neu in deim block, dass man sich deine bilder nicht mehr auffen bildschirm holen kann, bis vor kurzem ginx noch…gute genesung!!

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