Krankheit als Lebensform

sschnitt

Muß mir ersma eina nachmachen, son Kunstschnitt. Gleichzeitich aufer Oba-, Untaseite und anner Spitze! Aba das iss schon Geschichte.
Während dessen quält sich meine Gallenblase durch die staatliche Bürokratie des kranken Hauses in Manado. 1 Woche schon täglich 2-3Std. Fahrt mit gemietetem Wagen oder mikro, inklusive plattem Reifen, und auch das Reserverad wird ohne Innendruck montiert. Ebenso platt ein Reifen eines vorbeirollenden Stuhls. Dem neben mir fehlen die Fuß-Stützen, die kraftlosen Beine einer Frau werden durch ein Band gestützt. Auf jeder Station in den Warteräumen Hundertschaften von Kranken vor mir. Dort an der Ecke lehnt ein froschartiger Kropf, ein anderer klebt unausgewogen an einer Halsseite. Ein Bein humpelt vorbei mit einem Auswuchs auf dem Oberschenkel wie eine aufgenähte Tasche. Ein Mann im Rollstuhl, nicht mehr dunkelbraun sondern eher grau, klagt über absterbende Hände. Das Kind vor mir wirkt wie verhungert. 3-4Std. Wartezeit auf jeder Station meines Versuchs, im kranken Haus operiert zu werden. Die neue Möglichkeit für die Armen, sich mit der billigen staatlichen Krankenversicherung einen Arzt leisten zu können, hat wahrscheinlich zu dieser Überflutung der Hospitäler geführt. Kontraproduktiv dabei die Verbeamtung des Personals, die bekanntlich nicht Fleiß und Effektivität fördert. Das trifft die von den vorgelagerten Inseln umständlich angereisten Kranken besonders hart. Keine der Untersuchungen hat unnormale Ergebnisse gebracht sondern bloß einen Haufen Papier produziert, in dem keiner mehr durchblickt. Nur mein Blutdruck ist in Folge der krankmachenden Verhältnisse im kranken Haus höher als sonst (140). Allein meine selbst besorgten USG-Fotos zeigen, daß es Zeit wird, mich kunstvoll umzubauen. Auf die Wünsche und Gebete einer weißhaarigen, christlich Durchgeknallten, die unermüdlich für Jesus im Einsatz ist und mich aufdringlich anmissioniert, kann ich dabei gut verzichten. Bleibt noch die Frage, ob ich ein Einzelzimmer bekommen kann. Ich will nicht mit Wilden zusammenleben, denn ich bin allergisch gegen AC, TV, Klingeltöne, rücksichtslos lärmende Verwandtschafts-Rudel und dämliches Gequatsche.

rontsen2

7 Gedanken zu „Krankheit als Lebensform

  1. Ist es immer noch der 20.? Hört sich so an, als wäre man sich im kranken Haus nicht ganz sicher, ob du überhaupt operiert werden wirst. Ich drücke auf jeden Fall durchwegs die Daumen, weißt du ja. Bleib lustig, was anderes geht ja auch gar nicht. Bis bald.

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