Bittere Tage

bitter

Erschöpft von 4 Tagen Dünnschiß, so flüssig wie Wasser, muß ich mich nach der ersten Ladung Ziegen-Futter in meinem Kunst-Tempel ausruhen. Dabei springt mir immer mein Kater auf den Schoß, um sich kraulen zu lassen. Diesmal wird er unruhig, sichert und springt wieder runter. Wahrscheinlich hat ihn mein Magen von unten angeknurrt. Als ich den Bauarbeitern von meinem Leiden erzähle, klettert einer gleich über eine hohe Bambus-Leiter, von der niemand weiß, wem sie eigentlich gehört, in einen meiner Jambu-Bäume (Guave), die ich immer so japanisiere, daß sie hinterher absterben, weil sie von schneller wachsenden Bäumen beschattet werden, und pflückt eine Handvoll Blätter. Die soll ich kauen. 2 verschiedene Medikamente haben schon nichts bewirkt, und der Guave-Saft, den ich oft trinke, verbrennt mich sodig.
Als ich dann mit starkem Schwindelgefühl von der Baustelle zurücktaumele und die Blätter erstmal fotographieren will, ist der Akku der Kamera leer. Es geht jedoch mit meinem Handfon, von dem Enzensberger gesagt hat, wer sowas besäße, werfe es weg. Besser nicht, weil mein Internet-Provider auf Glasfaser-Kabel umstellt, und ich nicht bereit bin, meine ganze Hausanlage als Makulatur zu behandeln. Dafür versorgt er mich aber schon mit seiner trojanischen Homepage, die sich einfach dazwischen schiebt, wenn ich irgendeine Seite öffne. An den Datenschutz den mindesten Gedanken zu wenden, fällt ihren Herstellern nicht im Traum ein. Der einzige Körperteil, an dem sie verwundbar sind, ist ihr Konto. Sie sind nur durch die Pleite zu belehren.“ (Enzensberger)
Dann fresse ich die bitteren Blätter, die wie Raufasertapete mit Farbe schmecken. Danach setze ich mich bequem, um in Ruhe mit Adagio-Begleitung eventuell durch Pflanzengift zu sterben, derweil sich die Sonne hinter den Westbergen verrötelt. Während das synthetische Adagio von irgendwem einen Höhepunkt wie in einem Vietnam-Film erreicht, fällt der Strom aus.
Als ich diesen Text schreibe, nachdem der Strom wieder da ist, muß ich es abbrechen, weil die Buchstaben verschwimmen, und das Suchen auf der Tastatur mein Schwindel-Gefühl verstärkt. Stattdessen sehe ich mir den Film „Oz the Great and Powerful“ (2013) an, in dem es zugeht wie hier und in Palu. Beim Zurücktaumeln von der Baustelle bemerkte ich eine Orchidee an einem meiner Straßen-Bäume, die nun weiß blüht. Wenn man sie in Ruhe läßt, machen sie das von selbst.
Als ich am Morgen zur Kreuzung schlich, in der Hoffnung, mir dabei nicht in die Hose zu scheißen, war der Geldautomat kaputt. Ich brauchte aber Geld, um eine Kies-Lieferung zu bezahlen. Also fuhr ich mit einem mikro nach Airmadidi zu meiner Bank-Filiale. Warum hat der Fahrer eine Tüte auf seinem Daumen, fragte ich unterwegs so vor mich hin. Es war jedoch keine Tüte sondern sein etwa 7cm langer Daumennagel, der sich wie ein gelber Dolch zum Kegel zusammengebogen hatte. Unterwegs stieg eine fette Pyknikerin zu. Der Beifahrersitz ist zwar etwas breiter als die gewöhnlichen Zwergen-Sitze, für 2 Fette jedoch zu eng. Dort saß schon eine verpackte Muslima mit 4 Brüsten: 2 vorne und je 1 unter den Armen. Weil die Pyknikerin die Tür nicht mehr schließen konnte, nachdem sie platzgenommen hatte, erklärte sich eine hinten sitzende Dünne bereit, mit ihr zu tauschen. So kam ich in den seltenen Genuß, die Zehennägel der Pyknikerin betrachten zu können: Der pink angestrichene Nagel auf ihrem großen Zeh wirkte zwar auch schon etwas zusammengebogen, jedoch noch normal. Auf den anderen fetten Zehen saßen an der Spitze winzige, krallenhafte Röhrchen – Nägel ohne Bett.
Als der Automat an der Bank auch tot war, und man mich über Schotter, verrottete Fuß-Wege und offene Güllegräben zu einem 1km entfernten schickte, der ebenfalls nicht funktionierte, bekam ich solch eine Wut, daß es mir schwer fiel, all die Wilden zu grüßen, die mir lächelnd ein „Good morning!“ entgegenschleuderten, und die hysterischen Schul-Kinder, deren ganzer Tag oft aus „morning“ besteht, oder die mich schreiend fragen: „What’s my name?“
Zwar wirkten die Guave-Blätter prompt, doch am 5. Tag erreichte ich auf der Rückkehr von Airmadidi meine Toilette nicht mehr rechtzeitig, sondern fing noch vor meinem Tor an, mir in die Hose zu scheißen. Nun kaue ich weiter Blätter und schlucke Imodium.

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18 Gedanken zu „Bittere Tage

  1. … ersma muss a l l e s r a u s, deshalp s o f l ü s s i g, sowas merkt jeder geldautomat sofort und die wolln dann vor lauta angst sowas nich auch, also nix auszahlen…
    kenne auch diesen hosenschiss im umfallen, also immer wenn ich ohnmächtig werde …
    …wahrscheinlich haste etwas zu viel arbeit mitten körper! wünsche gute besserung und grüße!

  2. Du wirs ab und zu ohnmächtich? Das iss ganich gut. Gewöhn Dir das bitte ab! Ich denk bloß manchmal, daß ich gleich umfalle – besonders inner Hitze – aba es geht dann irgendwie imma weita. Zur Ohnmacht muß man mich chlorophormieren. Von selpst mach ich das nich. Doch hat der Tod in diesen Tagen wieda an meinem Gesicht modelliert. Muß mich beeilen, das tiny house noch fertich zu kriegen. Die Scheißerei hab ich wohl übawunden. Die Blätter hams gebracht.

  3. …von selpst machich das auch nich, fall ohne ankündigung um wie baum und bin beim aufwachen auch modelliert, also geprellt, oda verklemmt in kloschüssel und mit hose nass; du würdest waschweinlich zunem arzt gehen um dich schecken zu lassen – aba lebend kommt hier sowieso keine(r) raus;
    „tiny house“ iss tot aal voll im trend, wann ziehtse ein?
    … aba was und wo war diese üba-wundene schießerei, waste vawundet? …bei siegfried wars nur an einer stelle möglich, nur da, wo das blatt aufem rücken kleepte…

  4. Mach hier keine sone Witze, dassen ernstes Thema! Checken gips hier zwar, aba das Gesundheits-System iss haarsträubend schlecht, und die Chance, an was in D schon nich mehr ernstgenommenem zu sterben, iss SEHR real. Schon Blut spenden iss lebensgefährlich und kranke Häuser sowieso. Ich wär schon längst tot, wennich nich mit ner kranken Schwester verheiratet wär.
    Wann das tiny house fertich iss, kann man noch nich übasehen. Da gips son gewissen Chaos-Faktor.
    Aba Dein Umfall-Vermögen iss wirklich beunruhigend.

  5. … vamögen machen frai von sorge un kranke schwestann sowiso, grüße von uns;
    ihr tiny könnte kaosfrei buy bedaaf aba auch mitta post komm…
    tiny house

  6. Ich hab nich ma n Briefkasten. Tiny und größere houses mach ich alle selbst. Heute happich die Rohre im Fundament fertich valegt.

  7. … hab ich auch nicht, der war mir beim sitzen & liegen imma im weg und son tiny passt da auch nich rein; bei mir isses imma irgend 1 zettel oda mein pilot g-tec-c4 die ich valeg;
    und mach bessa mehr langsam am bau, das ist sonst zu gefährich im alta …

  8. Kannste doch selba fliegn, wände Deinen Piloten imma valegst. Da gips son Flugsimulator von Microsoft. Damit bin ich ma vasehentlich gegen die Freiheits-Statue geflogn.
    Das meiste lasse ich ja diesma abeiten. Ich muß nur ab und zu eingreifen und Material beschaffen. Aba denn bleibt die Abeit auf meinem Hauptwohnsitz liegen.

  9. …“pilot“ ist ein zeichenstift und fluchangst hab ich tot aal; anna f-statue binnich mitten schiff vorbei; viel arbeit bleibt bei mir auf tischen liegen und wohnsitz haapich nur einen, da hauptwohnsitze ich nicht so viel, da lieg ich meistens …

  10. Achso! Wie ich letztes Mal in D wa, da bin ich mit som ganz schnellen Zuch gefahn. Das wa unheimlicher als im Fluchzeuch. Und n Schiff soll ja auch schon ma untagegangen sein. Hier oft die etwas übavollen Fähren. Ich bleib jetz meist zuhause, außer heute, wo ich in Manado meinen Zahnarzt gesucht, aba nich gefunden hab. Dafür die Folgen vonnem Wirbelsturm im Nachbardorf. Einige Schrotthäuser ham sich aufgelöst. Also man kann machen, was man will: Das Leben endet meistens tödlich.

  11. …das war in D vor 18 jahren, da war alles tot aal anders; heute laufen nun mal die ärzte frei rum und man fin dettze nich, die suchen nämlich pazzi enten; von berlin zurück wollte ich jetzt wie schon öfter in braunschweig (kennzte doch!) ne rast machen, ich hab die stadt nicht gefunden … wohl wegen falsch appfaat…also nicht „meistens“, lehm endet imma so trocken oda matchich, energie vageht aba nich…

  12. In einem abgeschlossenen System ist die Summe aller Energien konstant. Die Gesamtenergie bleibt erhalten.

  13. Mich hat niemand abgeschlossen. Das hätte ich bemerkt. Aba meine Energie nimmt imma mehr ab. Da muß irgendwo ein schwarzes Loch sein.

  14. …ja, stimmt, aber d u b i s t ein abgeschlossenes system und dein denken erzeugt magnetfelder (energie), die konstant und dauerhaft vorhanden bleiben; was appnimmt, ist unsere körperliche kraft (z.b. muskeln) durch alter und vaschleiss …

  15. … ja genau !!…auch das iss jetzt 1 daua hafftes magnetfeld – genauso wie wennich meinen pilot-stift valegt haap und den so vamisse, dassich es merke oda aus schprech…aba echt gut, dass oia tiny so vorankommt …

  16. In einem geschlossenem System bleibt der Energieerhaltungssatz global gesehn nich gültich, happich gelesn. Das pulsierende Atmen des Universums verändert verschiedene Parameter. Wie bei mir, nur daß es nich zyklisch sondan final geschieht. Wir sind doch nur winzige Sterne: Die einen finden nach einem relativ kurzen, turbulenten Dasein ein gewaltsames Ende, andere leuchten gleichmäßig vor sich hin, ehe sie still verlöschen.
    Du mußt an Deinem Piloten son Piepa anbringen. Dann kannste ihn anrufen, und er piept Dir, wo er gerade iss. Vielleicht hinta dem Ohr.

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