Katastrophale Randbemerkungen

geisterbahn

Ich lebe weit entfernt von Palu (Betonung auf dem „a“) und weiß auch nicht viel mehr, als die Medien portionsweise eskalierend berichten. Hier nur einige Randbemerkungen:

Neben den Berichterstattern, die aus dem bequem-sicheren Singapore beobachten, war eine der ersten Kommentatorinnen in D eine Vertreterin von „World Vision„, die u.a. erzählte, daß bereits 38 dieser christlichen Fanatiker vor Ort sind. Was machen die da? Bis zu 30 konkurrierende christliche Netzwerke, die die Welt unter sich aufzuteilen versuchen, werden von der indonesischen Regierung argwöhnisch beobachtet, denn Missionierung ist in Indonesien verboten. Um das zu umgehen und auch aus Marketing-Gründen instrumentalisiert World Vision Kinder aus armen Familien mit persönlichen Patenschaften. Vorrangig ist dabei eine „aggressive Christianisierung“ der Welt mittels „charismatischer Theologie“. Traditionell glaubte World Vision, daß die Bekämpfung des Kommunismus wesentlich von Missionaren in der 3. Welt abhinge, da im Gegensatz zu „falschen Religionen“, wie Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus, nur das wahre Christentum immun gegenüber dem Kommunismus sei, welcher als „godless religion spawned in hell“ dargestellt wurde. Aufgrund mangelhafter interner Kontrollen konnte ein ranghoher Angestellter von World Vision zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern in den Jahren 2005 und 2006 in Liberia mehr als eine Million US-Dollar an Hilfsmitteln veruntreuen.
Palu gilt seit Jahren als Hochburg des islamischen Terrorismus, was mir schon deshalb merkwürdig erscheint, weil Stadt und Umfeld auf meiner damaligen Trans-Sulawesi-Tour nicht besonders unübersichtlich erschienen. Daß Terroristen im teilweise schwer zugänglichen Gebirgs-Dschungel längere Zeit untertauchen, kann ich mir bei der geringen Ausdehnung Zentralsulawesis schwer vorstellen. Wohl aber, wie sie durch muslimische Ordnungshüter gedeckt werden. Der Zulauf, den die Extremisten dort haben, erklärt sich möglicherweise auch aus der Reaktion auf die subversiven Transformations-Aktivitäten christlicher Ausländer.

Wenn man sich die Luftaufnahmen der zerstörten Gebiete ansieht, fällt auf, wie einige Gebäude standgehalten haben. Architektur, die annähernd vernünftigen Vorstellungen von Statik entspricht. Der Rest ist Schrott, der auch bei anderen Gelegenheiten in sich zusammenfällt, weil Gelder verdunsteten, oft aber auch als Folge einer allgemeinen Wurstichkeit. Besonders Kirchen werden aberwitzig optimistisch gebaut (34 tote Bibel-Schüler). Erschreckend starke Erdbeben über 7 habe ich hier in Nordsulawesi schon erlebt, allerdings eher wie auf dem Tablett des Kellners. Es fällt nix um. Übel wird es dagegen, wenn sich 2 Platten gegeneinander verschieben.
Fatalismus und Ignoranz auch bei denen, die sich nach dem schweren Beben am Strand aufhielten. Strände sind grundsätzlich ziemlich lebensfeindliche Gebiete, und bräunen lassen sich dort nur der Natur entfremdete Städter. Der zeitliche Abstand zur letzten verheerenden Tsunami war offensichtlich zu groß (2004).

Kommentar eines Plünderers in Palu: „Wir haben nichts zu essen!“ Oben auf seinem vollen „Einkaufswagen“ mehrere Packungen Papiertücher.

Foto: Geisterbahn in Manado

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.