10 Minuten allein

dickicht

„Ten minutes alone in thickets at the edge of town quickens attention.“
10 Minuten allein im Dickicht am Rande der Stadt beschleunigt die Aufmersamkeit.

Nur 10 Minuten? Das soll der chinesische Zen-Meister und Katzen-Zerhacker Nan-ch’uan (Nansen Fugan, 747– 834) geschrieben haben, der 30 Jahre in einem Bergwald lebte? Selbst wenn mir der Original-Text vorläge, könnte ich die von Leath Tonino vorgestellte Übersetzung nicht nachprüfen. In Europa wurden Minuten zum ersten Mal in einem Manuskript aus dem Jahre 1475 erwähnt. Möglicherweise war man damit in China schon weiter. Doch ist mir aus der Zen-Literatur eine derartige Zeiteinteilung nicht bekannt. Vielmehr riecht das nach Zen-Business für Berufstätige, die keine Zeit für Meditation haben – schon weil sie immerzu telephonieren müssen. Im Zen-Business stößt man durchaus auf derartig verkürzte Erfahrungs-Methoden (gemeinsames Atmen für 5jährige im Kindergarten). Damit sich Zen als Buch und Kurs besser verkauft, muß man es zu twitterbaren Häppchen komprimieren. In 10min ist das Zen-Ei hart. Das illustrierende Foto eines verförsterten Stangenwalds ohne Dickicht verstärkt noch den Verdacht auf spirituelles Fast-Food. Unverbindlich konsumierbar, folgenlos entspannend wie eine sanfte Droge. Der Klingel-Ton bleibt eingeschaltet.

Eine kurze Zeit im Dickicht des Stadtrandes läßt Erinnerungen aufblitzen:
„So many silver filaments, green trembles, small living details.
What was it like in the forest of those three decades,
his mountain seclusion?
How can we even begin to imagine?“

Nan-ch’uan ist also mit 78 auf Anfrage des Provinz-Gouverneurs zurückgekehrt in die verwaltete Welt und erinnert sich. Andere hätten ein solches Ansinnen brüsk zurückgewiesen und sich anschließend die Ohren gesäubert.

Shokei_Nansen_1495

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2 Gedanken zu „10 Minuten allein

  1. Danke für die Aufmerksamkeit.
    Wie der Nachlass zeigt, war der Mönch der erste Rolex-Sammler dieser Welt.
    Mit diesen Zeitmessern erforschte er breite, länge und tiefe des Nirwanas.
    Grüsse aus Nordthailand, Low – ohne Lolex

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