Sukarela

korupsi

I do really take it for an indisputable truth, and a truth that is one of the corner stones of political science ― the more strictly we are watched, the better we behave.“
Jeremy Bentham (1748-1832)

Sukarela bedeutet freiwillig. Zusammengesetzt aus suka (mit Vergnügen wollen) und rela (bereit, gern). Ich bin freiwillig in Indonesien. Ich begebe mich freiwillig zum Duell mit Andy. Ich gebe dem Polizisten freiwillig Schmiere, denn das Zurückziehen der Anzeige kostet nichts. Der Kunde kann natürlich trotzdem was geben – sukarela. Damit ist der Kunde in der Zwickmühle, wenn er die Tarife nicht kennt. Jedesmal wenn wir auf der Wache erschienen, wies der Beamte darauf hin, daß die Sperrholz-Vertäfelung seines Büros noch gestrichen werden müsse.
Zur Friedens-Verhandlung kam Andy 40min zu spät. Das sei normal, erklärte der Beamte. Warum Andy denn zum Disput mit einer Latte angetreten sei?
„Um die Linie ziehen zu können.“
Warum er denn eine Linie gezogen habe, wo er doch nur Gast und nicht Hausherr gewesen sei?
Darauf wußte Andy keine Antwort. Doch habe er sich schon bei mir entschuldigen wollen, aber niemanden angetroffen.
Die letzte WUMM-WUMM-Party endete am Verhandlungs-Tag um 4Uhr morgens. Wo das denn gewesen sei, fragte der Beamte mich.
„Irgendwo weit im Süden.“ Das vermutet man wegen der Lautstärke. Solche Feste besitzen oft keine polizeiliche Genehmigung, und wenn die Beamten die Party abbrechen, werden sie als arrogant bezeichnet. So viel zum Rechtsverständnis der Wilden. Jenen geht es dabei gar nicht um Musik-Genuß sondern um maximale Außenwirkung.
Zeige mir, was du mit deinem hape machst, und ich sage dir, was mit dir nicht stimmt. Während Andy vom Beamten eine Ermahnungs-Predigt bekam, telephonierte er mit einem Kunden. Sein Klingelton war so raumfüllend, daß ich ihn zuerst für ein Alarm-Signal der Wache hielt.
Gekostet hat mich die Erziehungs- und Ordnungsmaßnahme 16Euro + etwas Schmiere für meine Dolmetscherin. Andy wird sich nicht ändern, aber meine neuen Nachbarn kennen mich nun. Das war mir die Sache wert. Man muß hier in den Zwischenräumen leben. Zwischen 2 Festen, zwischen 2 Erdbeben, 2 Vulkan-Ausbrüchen, 2 Fluten, 2 Krankheiten. Die Zwischenräume sind gut. Seit Weihnachten feiern die Wilden jeden Tag. Da bleibt wenig Zwischenraum.
Auf dem Rückweg von der Polizei-Station kreuzte eine kleine, schwarze Schlange meinen Weg am Rande der stark befahrenen Straße nach Bitung. Ich wollte ihr schon zurufen, sie solle besser nicht in dieser Richtung weiterschlingeln. Da hielt sie inne und drehte um.

Foto: „AKUR“ Laßt uns Wächter des Volksvermögens sein! Zum Welt-Anti-Korruptions-Tag.

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2 Gedanken zu „Sukarela

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