Entlassen, verdächtigt und verloren

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Zuerst hamse mich aus der deutschen Staatsbürgerschaft „entlassen“. Da wurde mir erst richtich klar, wie ich die ganze Zeit gefangen war. Und zum Abschluß ein Bescheid der Deutschen Botschaft in Jakarta. „Betreff: Verdacht auf Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit“.
Verdacht? Verlust?
Verdacht bedeutet Argwohn, und Argwohn iss eine schlimme Vermutung. Wieso vermutet die Deutsche Botschaft etwas, an dessen Verfahren sie beteiligt war? So gelang es mir trotz der typischen Unfähigkeit einer indonesischen Angestellten, von der Botschaft ein benötigtes Schreiben zu bekommen, daß keine Bedenken von deutscher Seite gegen den Wechsel meiner Staatsbürgerschaft bestanden. Man war also informiert. Und nachdem ich den Internet-Ausdruck meiner neuen Staatsbürgerschafts-Urkunde, die mir selbst nur als Kopie vorliegt, der Botschaft zugesandt hatte, auf Anforderung auch meinen Paß, war eigentlich keine Frage mehr offen. Verliert man etwas, was man selbst aufgibt? Warum nicht einfach „Wechsel der Staatsbürgerschaft“? Wer hatte denn diesen Bescheid fabriziert? „Mahdi-Hegewald, RA“. Achso! Wieder so einer der deutschen Sprache wenig mächtigen Multikuturellen, die in D früher nicht mal Abitur bekamen. Oder sollte es sich hier um eine Frau handeln? Selbst indonesische Ministerpräsidenten besitzen hinten ein „i“. Ich weiß sonst nur von dem islamischen Extremisten Madhi, der im 19. Jahrhundert die Engländer gründlich verhauen hat. Man wird sich wohl daran gewöhnen müssen, daß sich auch in deutschen Amtsstuben jene Klientel ausbreitet, die den Anforderungen nur noch bedingt gewachsen ist. Zum ersten Mal habe ich das erlebt, als ich durch das Erbe meines Vaters ungewollt zum Vermieter wurde und mir den Zorn von sehr grünen Mietern zuzog, die einen Anwalt einschalteten, der schriftlich nur in rätselhaftem Deutsch stammeln konnte. Aber was soll’s. Ich habe viel zu viel Lebenszeit damit verplempert, andere Menschen mehr oder weniger erfolgreich zu erziehen. Aus! Vorbei! Neues Kapitel. Das letzte.
Da hatte es der adventistische Heiler Roger, der wieder sehr krank iss, doch einfacher: Nach tagelangen Sitzungen im Einwohnermeldeamt – u. a. vor der nicht funktionierenden Kamera – bekam er versehentlich statt des braunen den blauen Ausweis der Einheimischen, den ich gerade unter großen Qualen zu erhalten versuche. Doch da ich in einem brandneuen Verfahren online eingebürgert wurde, fehlen Daten für die PC-Maske des Einwohnermeldeamtes. Z.B. das Datum eines Schwurs, daß ich die indonesische Verfassung imma als heilich ansehen werde. Ich brauchte aba weder die National-Hymne singen noch schwören. Deshalb dauert das jetz wieda einige Monate, bis ich einen neuen Ausweis kriege. Bis dahin bin ich ausweismäßich irgendwie ganix.

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13 Gedanken zu „Entlassen, verdächtigt und verloren

  1. Hier brauchste imma für alles nen Personal-Ausweis, wo denn auch genau drinsteht, wasse fürne Relijon hast. Wände nen Festgeld-Vertrach aufe Bank machen willst, und selbst wände nen Stuhl kaufen und mit Karte bezahlen willst. Falls ich ma nach D fahren will, brauch ich sogar nen indonesischen Paß und n Visum vonne Deutschen Botschaft (Ich könnte ja son schlafender Salatist sein!). Aba ich will ja nich mehr verreisen. Jetz happich nur noch meinen befristeten, braunen Ausländer-Ausweis und keinen deutschen Paß. Die das alles bearbeitet, iss übrigens meine Nachbarin, die mir mal ihren Stinkefinga gezeigt und dann aufe Polizei-Wache behauptet hat, sie wüßte eigentlich ganich, was das bedeutet. Iss ne Juristin und Leiterin des Einwohner-Meldeamtes!

  2. Lad sie doch mal zum Essen ein, die Nachbarin.

    Ratte, wer bist Du eigentlich? Tom, bist Du selbst die Ratte? Oder wer ist die Ratte?

  3. Nee, nee, meine Nachbarin ißt nur Hund, Schwein und Stinkefisch. Außerdem betet sie vor dem Essen, und dabei vergeht mir immer der Appetit. Sie macht auch nich mehr so viel Krach wie früher und iss vorsichtich im Umgang mit mir geworden, weil mit mir nich gut Kirschen essen iss – wie man so sacht.
    Ratte kenn ich schon seit meiner Studienzeit. Warn wir zusammen die „Buntstift-Mafia“. Der 3. Mafioso iss leider verschollen.

  4. Richtich musses heißen: „WAS ißt Frank?“ Oda: „WER iss Frank?“
    Das darf ich nich verraten, weil er auch lieba inkognito bleibt.

  5. aha frank…issa das? … mit den eiern in cock nito issa da aba nich, na ich als krokodil allah dinx auch nich …ratte war ich nie…

  6. Das Internet vergisst nichts. Ratte, wohnst Du auch in Indonesien? Ich bin immer noch in Stuttgart. Zur Zeit organisiere ich Klassentreffen, oder versuche es zumindest. Monatliche. Das ist gar nicht so leicht! Die Leute sind oft nur sehr schwer zu finden. Wenn sie überhaupt noch zu finden sind. Und manche wollen gar nicht mehr mit mir reden, auch wenn ich sie gefunden habe. Also wie gesagt, sehr schwierig. Aber es gibt auch Lichtblicke, und für die lohnt es sich dann doch. Ja, ich muss sagen, es macht mir richtig Freude. Obwohl es manchmal sehr schwer ist. Aber ich hab dafür auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. À la: ‚Wenn es in deiner Klasse keinen Frieden gibt – wie sollte es ihn denn in der Gesellschaft geben?‘

  7. Monatlich? Ist das nicht etwas zu viel erwartet? Ich war damals schon ein Einzelgänger und hab meine Schulzeit insgesamt eher negativ prägend empfunden. Außerdem verändert man sich ja auch. Ich kann nicht mal sagen, daß ich jene Zeit mit klarem Bewußtsein elebt hab. Ich war damals noch nicht in der Lage, mich selbst zu erkennen, und es wurde eher über mich entschieden, als daß ich die Initiative hatte. Da war die Studienzeit doch wesentlich bedeutungsvoller.

  8. Die Zukunft wird zeigen, wie das wird, das mit den monatlichen Treffen. Bis jetzt ist es so, dass nur sehr wenige kommen. Das war mir ja klar, dass zu monatlichen Treffen immer nur sehr wenige kommen werden. Zweimal hat es bisher stattgefunden und zu zweit waren wir auch beide Male. Das hat es zu sehr schönen Klassentreffen gemacht. Die Gespräche konnten tiefer und intensiver sein, es war nicht so oberflächlich, wie es bei größeren Treffen zwangsläufig werden muss, wenn einfach zu viele da sind. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, und natürlich aber auch gespannt, wie es weitergeht. Mit einigen konnte ich schon Frieden schließen, wo ich mir das bisher nie hatte vorstellen können, zwar nur über Internet oder Telefon, aber immerhin.

  9. Sowas kann ziemlich übel werden. So wie zwischen allen Stühlen sitzen. Früher blieb da nur Seefahrt oder Fremdenlegion übrig. Erst wenn man nirgendwo mehr hingehört, weiß man, wie wichtig ein Ausweis und ein gesicherter Wohnsitz sind.

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