Wie ich mein ü verlor

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Jetz happich auch noch mein ü verloren, und das kam so: Das Schwierichste beim Auswandern iss ja, daß alle eine Meinung ham, aba keina weiß was. Zum Bleistift, wie das mit der Rente funktioniert. Dabei iss der Renten-Service der Deutschen Renten-Vasicherung vorbildlich. Man kricht zich Seiten mit Informationen zugeschickt – und fast alle wesentlichen erwiesen sich als falsch. Das hat mich Zichtausende gekostet, weil ich meine bewilligte Rente gleich wieda zurückgewiesen hab, als ich den Strafen-Kataloch gelesen happ, wennich was falsch mache. Da ich wußte, daß zum Bleistift Briefe valoren gehn oda in Indien landen, wollte ich nicht gleich deswegen von Intapol gesucht werden. Das hat sich auch unmittelbar bestätigt, denn ein Bescheid der Post-Zahlstelle brauchte 1,5 Jahre um mich zu erreichen. Doch als ich merkte, wie die Sachbearbeiter der deutschen Rentenvasicherung mit mir Sondafall ganich umgehen können, happich die Rente wieda beantragt. Außadem brauchte ich jetz das Geld, nachdem meine Ex so eine grandiose Pleite veranstaltet hatte.
Und was fürn Service bei der Deutschen Botschaft! Freundliche, zügige, hoch professionelle Bedienung. Leider waren alle Informationen bezüglich meiner Einbürgerung falsch. Die beschäftigen dort nämlich Wilde, die zwar viel besser Deutsch können als ich Indonesisch, aba keine Ahnung ham und das noch nichma richtich ausdrücken. Zich Emails und eine falsche Übaweisung späta hatte ich dann endlich das von der Imigrasi verlangte Schreiben: Deutschland wendet nix dagegen ein, wenn ich mich verdünnisiere.
Da befand ich mich gerade in der 3. Phase. Denn es war typisch, daß es Phasen gab (1 in Bitung, 2 in Manado), nach denen ich jedesmal dachte: das war’s jetz – und dann kam die nächste Hürde. Das zog sich so etwa üba 2 Jahre, in denen ich zwischendurch 2x aufgab. In der unerwarteten 3. erhielt ich dann zum 1. Mal eine Liste darüber, welche Dokumente ich zum x-ten Male vorzulegen hatte. Leider war sie nich komplett. Und als ich alles zusammenhatte, sagte der Beamte: „Es ist alles da. Aber geben sie lieber 6 statt 4 Paßfotos.“ Als ich das nächste Mal mit den 6 Paßfotos kam, war das Büro leer. Das übanächste Mal auch. Beim 3. Versuch saß ein anderer Beamter hinta dem Schreibtisch und sachte: „So geht das nicht! Die deutschen Dokumente müssen alle beglaubigt übersetzt werden. Dann interviewt Sie eine Kommission, vor der Sie die Nationalhymne singen, die 5 Grundsätze der Verfassungspräambel Panca Sila wiedergeben und die indonesischen Präsidenten aufzählen müssen!“ Da gab ich wieda auf. Ich kann nämlich nich singen.
Dann fing ich in meina Verzweiflung doch an zu singen und die Panca Sila auswendich zu lernen. Den einen Tach vergaß ich diese Vokabel, am nächsten eine andere. Und gerade als ich mutich gesangsbereit war, wurde das ganze Verfahren auf online umgestellt und das Interview abgeschafft. Stundenlang saß ich im Imigrasi-Büro und tippte meine Daten online in einen Laptop, dessen Tastatur falsch programmiert war. Danach meldete sich Jakarta: Mein Paßfoto wäre nich 1x hochgeladen sondern 6x. Das sollte ich korrigieren. Dabei hatten das die Beamten gemacht – zum ersten Mal!
Und dann stand plötzlich der Wagen der Imigrasi vor dem Tor, und ich bekam gleich Panik, dasse mich jetz doch noch testen wollten, aba der Beamte überreichte mir nur die Einbürgerungs-Urkunde, auf der ich schon seit 10 Tagen Indonesier war. Er erklärte mir auch, daß die Wilden überall keine Lust mehr auf Arbeit in den Reisfeldern hätten, nicht nur bei mir liegen viele Felder brach. „Und wer produziert jetzt den Reis, den man zum Essen braucht,“ fragte ich ihn. Das wußte er auch nich.
Achso, ich wollte ja eigentlich von dem ü erzählen. Bin wieda ganz aus dem Konzert gefallen.
Ich happ nämlich 2 Vornamen: Thomas und Jürgen. Wies zu dem übaflüssigen Jürgen kam, weiß ich nich, ich hab jedenfalls übahaupt keine Beziehung zu ihm. Dagegen sacht mir Thomas was, und den Verwandten, die meine Eltern wegen der Namenswahl seinerzeit kritisierten, anscheinend auch. Denn der ungläubige Thomas ging dem ganzen Kult nich so ohne weiteres auf den Leim. Nun gips aba keine ü’s in Indonesien, und in meine Papiere schreibense deshalb manchmal Juergen oda auch Jurgen rein, was schon zu allerlei Komplikationen geführt hat, denn die Wilden können preußischer als die Preußen sein, wobeise aba wesentliche Teile jener Tugenden einfach wechlassen. Da sagte also ein Beamter in Manado zu dem Problem: Ich würde ja nun Indonesier, und in Indonesien gips keine ü’s! Also Jurgen. Und so wurde ich ein indonesischer Jurgen.

gequetscht

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6 Gedanken zu „Wie ich mein ü verlor

  1. Ich frag mich bei der amüsanten Lektüre nebenbei so ein bisschen, ob das wirklich eine gute Auswanderungswahl war, dieses Land, das keine ü’s kennt.

  2. Das iss übahaupt kein Problem, weil ich das ü ganich gebraucht hab. Und es hätte wirklich schlimmer kommen können, wie auf den Philippinen, in Thailand oder den USA.

  3. iss dassen ausweis?
    dein fotto bisse selps, villeicht etwas inna lenge zu viel, aba von dir als „jürgen“ wuss10 wir bis heute schomma ganix, und „freddy harris“ bisse aba auch nich, der iss jezz bestimmt für dich als asasi zustendich und untaschreipt stellvatretend, damitte da innen neun ausweis kein „ü“ reinmachst, oda?
    … funxioniert doch lezzendlich alles prima da bei dir am paazi fick, wir wünschen appnun alles beste inna neuen identiteet, jezz auch noch mit intressante werbung im block !

  4. Nee, das iss der untere Rand von der Einbürgerungs-Urkunde. Einen neuen Ausweis zu bekommen, iss wieda eine etwas längere Geschichte, doch das wird schon. Das Photo ham die Beamten nich hingekricht, weil das Verfahren für sie ganz neu war. Da happich auch Glück gehabt. Danke, danke für die freundlichen Wünsche. Aba das Rind, was mich gestern hinta sich hergeschleift hat, nahm darauf übahaupt keine Rücksicht, wie ich jetz n Einheimischer bin. Auch die Wilden werden mich weiter als Ausländer sehen, aba sie können mich deshalb nich mehr fertichmachen (mir zum Bleistift das Haus untam Hintern verpfänden oda sogar verkaufen), und das iss sehr beruhigend. „Hak asasi“ bedeutet übrigens Grundrecht, mit „manusia“ Menschenrecht.
    Die Werbung, die ich selbst nich sehen kann, werde ich nur mit Bezahlen los, und das will ich nich.

  5. vastehe! vasteh aber nich, wasse jezz mit rindern machst und wie diese tiere erkennbar 1heimlische anners hinter sich herschleifen;
    wenne draußen diese mütze vom block-foto tragen würdest, wer vielleicht alles 1facha, musste höchstenz noch bei niedrige türen aufpassen …

  6. Mit die Mütze würdense sich noch mehr erschrecken, wenn ich ihnen die Stricke kappe, weilse illegale Einwanderer sind. Das iss ja ne Papua-Mütze, also vonner ganz anneren Insel. Ich werd das noch genaua beschreiben, was da passiert iss. Auf jeden Fall muß man hier mittem Kopp imma aufpassen, weil die Dachbleche mit sehr scharfen Kanten manchmal tief hängen.

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