Traumhaft

dream

Doch! Wirklich! sagte ich ganz spontan und ehrlich zu mir, als ich wieder auf ner Brücke stand – gleicher Fluß, solidere Brücke – und dieses riesige Reklame-Schild mir fragend ins Gehirn sprang, umgeben von der lausigen Architektur Manados. Die Schwierigkeit besteht ja darin, daß ich mich meist kaum noch an den Traum erinnern kann, wenn ich aufwache. Sicher träume ich nicht davon, mit einem Läpptopf an einem kalten Fluß zu sitzen und dabei zu rauchen. Schon gar nicht, eins dieser langweiligen, ungesunden Autos zu fahren, die inzwischen überall gleich aussehen – so wie die Mode, der alle dummen Damen der Welt folgen müssen. YouTube ohne Grenzen wäre da schon interessanter, denn seit Monaten funktioniert das Internet hier nur noch gelegentlich (Gerade hat wieder ein Container-LKW das Kabel wegrasiert.). Eine meiner mich beeindruckenden LSD-Visionen bestand mal darin, daß ich mich von Sonne beschienen in einem alten Fachwerk-Haus am Webstuhl sitzen sah. Der Gedanke darin war, ALLES selbst zu gestalten, auch die Kleidung. Fachwerk hab ich verwirklicht, Weben nicht. Dem Zwang zur Arbeitsteilung unterliege ich auch. Und dann gibt es immer wen, der deine Träume zertrampelt, selbst wenn sie einen realistischen Kern besitzen. Kann eigentlich etwas verbindender sein, als gemeinsam pionierartig zu siedeln? Gemeinsames Shopping vielleicht? Oder gemeinsam am Tisch sitzen und texten?
Als ich dieses schrieb, war ich um 2Uhr nachts von einem Alptraum aufgewacht, in dem ich mich mal wieder an einem Delta befand, wo alles in jeder Richtung möglich war – auch die völlige Vernichtung meiner Existenz. In solchen Fällen setze ich mich an den Computer, bis ich wieder einschlafen kann. Nach einem großen Glas Kaffee auf meiner Pazifik-Veranda gehe ich am Morgen raus, schneide auf den verwilderten Reisfeldern Gras für die 6 Ziegen, hacke im Dschungel rum und putze bis zur Erschöpfung. Dann setze ich mich in meinen transparenten Teich-Betrachtungsraum und lasse mich vom kleinen aber heftigen Wasserfall hypnotisieren. Danach spiele ich das Aufbauspiel „Forest Village“, das etwa so aufregend ist wie ein Bildschirmschoner, der auch ab und zu dazwischenspringt. Also nix für hektische Schieß-Kids sondern ideal für Rentner. Man muß darin ein nördlich-mittelalterliches Dorf entwickeln und dessen wachsende Bewohner vor Hunger und Kälte bewahren. Jedesmal wenn der wunderschöne, fotorealistische Lichtwechsel etwa Januar simuliert, denke ich: Ja, genau so war es damals im Moor. Könnte nicht mal jemand ein ähnlich mich entzückendes Spiel in den Tropen ansiedeln? Keine äußere Bedrohung durch unfreundliche Lebewesen. Selbst die faszinierend animierten Bären und Wölfe interessieren sich nur für Bienenkörbe und Hühner – weshalb man sie leider killen muß. Umfallende Bäume richten keinen Schaden an. Sie versinken einfach waagrecht im Boden. Ansonsten darf man in diesen Strategie-Spielen keine eigenen Ideen haben, sondern muß nur herausfinden, wie die Angelegenheit programmiert ist. Also wie im richtigen Berufs-Leben. Gern beobachte ich den Aufbau des Fachwerks, denn davon verstehe ich was und bekomme nostalgische Gefühle. Wenn man die vorgesehenen Katastrophen ausschaltet, brennt nur der Scheiterhaufen ab und zu aus hygienischen Gründen. Vorsichtig sollte man mit dem Alkohol-Ausschank sein. Nachdem ich die übergroße Kneipe gebaut hatte, arbeiteten meine Siedler nicht mehr ordentlich, und es folgte eine Hungersnot – mit viel Brennstoff für den Scheiterhaufen. Ich habe nachgesehen, ob in den Obergeschossen vielleicht ein Casino versteckt ist, aber die Räume waren leer. Der Grund kann auch die anstrengende Arbeit im Wald gewesen sein. Ich bin deshalb inzwischen nur noch 81kg schwer. Amtlich festgestellt in einem staatlichen kranken Haus. Bei einer Größe von 183cm ist das doch traumhaft.

scheiterhaufen

Hier brennen gerade Müller Ann (Altersschwäche), Steinmetz Claudia (Unfall) und Lehmstecher Armani (Unfall).

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4 Gedanken zu „Traumhaft

  1. nee-nee, er hat gakeine marlboro dabei, weil er nämlich gerade als monitor seinen traum lebt; (unten drunter wird lediglich als warnhinweis vor toten köppen geraucht, das iss sowieso nicht seine welt)
    natürlich kann niemand aus träumen zurückkommen, also aufwachen, es geht nahtlos imma weiter indem sich das erleben doppelt oder eben sogar „alles in jeder richtung möglich“ wird;
    zwischen einschlafen und aufwachen gips null untaschied, jedenfalls bei mir issdasso; ich mach aba auch keine spiele am pc .

  2. Ach! Iss das von Malbüro? Ich kenn mich da nich aus. Nur dieses kleine, rote Dingsbums üba „you DECIDE“, und die Leute wissen gleich bescheid. Funktioniert wie programmiert. Übrigens DER Film für Dich „The Circle“ mit Tom Hanks. Geht wohl gegen Gugel.
    Son optisch faszinierendes PC-Spiel iss wiene Droge. Gehn die Stunden dahin wie nix, und ich vergeß den ganzen Scheiß, in dem ich stecke. Dabei bin ich genau da, wo ich hinwollte. Muß nur die neue Programmierung rausfinden. Gestern gabs wieda ne Hungersnot mit vielen toten Dorfbewohnern. Ham keinen Supamarkt.
    N gutes Einschlafen iss bei mir wie: Nach des Tages Tun, iss gut ruhn. N schlechtes Aufwachen: Watt mach ich zuerst? Putzen? Waschen? Aufräumen? Wieda n Baum umgefallen? Dammbruch? Katze gestorben? Irgendwo Diebe untawegs? Kochen nich vagessen! Mein Magen ruft mich ja nich mehr an.

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