Angriff der Tigermücke

traurich

Wie angenehm ein Leben für sich allein und damit weitgehend ohne Kompromisse – sofern man nich krank wird.
Ne TÜV-geprüfte deutsche Grippe iss wien präziser Hammerschlag, aba Chikungunya wien ganzer Werkzeugkasten, der dir aufen Kopp fällt, und du weißt nich, was übahaupt los iss. Weder, wann es losgeht, noch wann es wirklich vorbei iss. Schwer vorstellbar, daß ich solch einen General-Angriff auf mein Nerven-System noch mit 80 überlebe. Immer wieder isses KEINE Ameise, die mir am Fuß rumkrabbelt, obwohl ich sicher bin, diesmal sei es eine. Nein, da krabbelt was IN meinem Bein. Plötzliche Gicht-Attacken in Füßen und Händen sowieso. Sämtliche Muskeln und Gelenke schmerzen abwechselnd. Der Kopf eher zu warm, die Füße eiskalt. Dabei kaum Fieber, aber ständige Kopfschmerzen, sodaß schon die Bewegungen der Haare schmerzen. Nach 2x „Paracetamol“ je ein Schüttelfrost. Der erste klappert mich so gründlich durch, daß ich das Gefühl habe, meine Matratze würde auf dem Holzboden des Schlafraums gleich mit mir davonzittern. Danach jeweils Schweißausbrüche bis die Kleidung pitschnaß. Das iss ungerecht, weil ich sie auch noch selba waschen muß. Dann lieba zittern.
Auf dem Rücken roter, juckender Hautausschlag vom ständigen Schwitzen, teilweise als offene Wunden. Nach Tagen dumpfen Bewußtseins bin ich so erschöpft, daß ich kaum noch zum Grasschneiden für die Ziegen fähig bin. Ohne Zeitgefühl, mit langsamen, fahrigen Bewegungen. Verhalten bei plötzlichem Lichtausfall gehört hier zu den olympischen Grunddisziplinen wie Hindernislauf auf Fußwegen und Sachen-nach-Hause-tragen, doch als ich beim Abschalten des Komputers versehentlich auch den Licht-Schalter erwische, stehe ich im dunkelsten Dunkel. Die nun ertasteten haptischen Reize würden mir normalerweise ein Bild meiner Position vermitteln. Da eine Balken-Kante, dort Wandputz, hier stolpere ich über ein Tischchen, da berühre ich einen Bilder-Rahmen an der Wand. Doch mit meinem virenverseuchten Hirn bin ich völlich orientierungslos. Meine panische Vorstellung ist, ich müsse mich auf den kalten Steinboden des Ateliers legen und dort das Morgengrauen abwarten. Dann ertaste ich einen Lichtschalter und wundere mich, wo ich bin. Die höllischen Nächte bestehen aus Piß-Wanderungen mit leicht geschwollenen Hoden. Stündlich! Wenigstens kommt was raus. Ich träume wiederholt einen Pixel-Traum, in dem ich rote Punkte auslöschen muß, jedoch werden es immer mehr. Ich hatte gerade vorher „Age of Empires III“ gespielt.
Am gefährlichsten erscheint mir bei meiner ohnehin schon extremen Ernährungslage, daß ich nix mehr essen kann. Alles schmeckt wie Gift. Ich habe nicht mal Hunger. Koche auch nicht mehr.
Als ich glaube, es sei vorbei, gehe ich schlapp zum Einkaufen. Dabei komme ich an einem offenen Grab vorbei. Für wen das denn sei, frage ich die Arbeiter. Für Petrus, einen Verwandten. Keine Ahnung, wer das iss.
Dann geht es wieder los mit den Kopfschmerzen. Da schlucke ich „Amoxicillin“ im 6-Stunden-Takt, meine letzten Antibiotika. Im Supermarkt sindse ausverkauft. Daß es inzwischen sogar eine Apotheke in unserem zweifelhaften Dorf gibt, hab ich schon wieder vergessen.
Aba, was soll’s! Das Leben in D iss auch nich sicher: „Hobby-Gärtner (63) fällt in Heckenschere – tot!“

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8 Gedanken zu „Angriff der Tigermücke

  1. Pingback: encounter with Chikungunya | UNGEMALTES

  2. nee, schön iss das nich, aba 2 bloggern gefällt das trozzdem;
    auf dem zettel von meinem anti bio steht geschriem, dass es -durchfall sowieso – manchmal zu überempfindlichkeits-reaktionen mit tödlichem verlauf kommen kann, und dann steht da: „wenn solche reaktionen auftreten, beenden sie die einnahme !“
    iss doch super, das medikament passt auf mich auf; … aba bei gicht „arcoxia“!

  3. Die Nebenwirkungen von Amoxicillin sind bei mir Verstopfung, Jucken im ganzen Körper und Müdigkeit. Aber es räumt gründlich auf mit allem, was da so im Körper rumort, und ich fühl mich wieder so fit, wie schon lange nich mehr. Ich hab mir heute gleich 100Stck für 3,15EUR gekauft. Am besten wäre, alle 3 Monate gleich ne prophylaktische Kur damit zu machen. Denn werd ich auch mit diesen heimtückischen Pflanzengiften fertich.

  4. Ah oje, dieses Amoxicillin … hatte ich vor vier oder fünf Jahren auch mal. Erst waren es sämtliche Schleimhäute, die juckten und brannten. Von dort breitete sich ein unbeschreiblicher Ausschlag aus. Nun weiß ich nicht, wovor ich zukünftig mehr Sorge haben muss: vor dem Amoxidingsda oder vor Hobbygärtnern.

    Du machst vielleicht was mit!

  5. Zumindest bei mir hat es das getan. Erschreckend fand ich, in welchem Umfang sich der Ausschlag letztlich ausgebreitet hatte, da anfangs ja „nur“ die (wohl empfindlicheren) Schleimhäute angegriffen waren. Selbst innerlich fühlte sich das wie wund an.
    Geht der Ausschlag dann irgendwann wieder von allein weg? Oder soll das heißen, diese Ausschläge sind geblieben? Wenn die Haut so wund ist, fängt man sich ja schnell auch mal Pilze oder anderen Schrott ein.

  6. Dank für die Information! Hat mich daran erinnert, dass ich das Buch „Bittere Pillen“ besitze (allerdings von 1983), in dem auch vor diesen Nebenwirkungen gewarnt wird. Ich behandle jetzt mit Cortison-Salbe, und es hilft SEHR langsam.

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