Rattenschreck

manadomuell

Wenn Bauer Ucit mich im Lorong Jerman trifft, bleibt er immer schon in 5m Entfernung stehn und hebt die Hand zum Gruß. Dann fragt er, wo ich hinwolle. Ucit hat mir damals geholfen, den Weg befahrbar zu machen, indem wir einen unterirdischen Kanal für den kreuzenden Wasserlauf bauten. Als er mich mit seinem einem Auge weiter musterte – das andere ist milchig trüb – fügte ich noch zu meiner Zielangabe hinzu, daß ich ja jetzt allein lebe. Da ergriff er gleich meine Hand und drückte sie tröstend: „Ach ja, allein!“ Das weiß sicher schon das halbe Dorf.
Im mikro saß dann neben mir eine Frau und betrachtete ihr HP. Vielleicht eine von den in sozialen Netzen Gefangenen, die dort ihre Interessen mit „Iphone, Facebook, Chat“ und „Yesus“ angeben. Meistens benutzen sie sogar 2. Eins zum Betrügen, das andere für das tägliche Gequatsche. Vor ihr hockte eine und tippte auf ihrem. Davor eine, die drauf rumschmierte. Danach wischte sie das Display mit einem Tuch sauber. Links und rechts klingelte es gerade. Der Fahrer zählte sein Geld während der Fahrt oder telefonierte. Doch diejenigen, die das von Airmadidi bis Manado tun – mind. ½Stunde – sind immer weiblich. Ich brauche gar kein Handfön mit Indernetz. Da man sich im mikro sehr nahekommt, kann ich rechts, links und vor mir mitlesen. So sah ich zum Bleistift eine Montage, in der sich ein Zebra an einen Giraffenhals klammert. Vermutlich iss das lustich. Vor 20 Jahren hätte man im Bus kein Zebra sehen können, das auf einem Giraffenhals klemmt. Es handelt sich also um Fortschritt.
Um einen Fahrgast am Krankenhaus in Lembean abzusetzen, lenkte der Fahrer seine blaue Dose direkt davor, so daß ich dort die verrosteten Rollstühle betrachten konnte. Ich wollte mir schon einen kaufen, denn meine Wirbelsäule wird wohl irgendwann die Bein-Nerven final abklemmen, aber auf den Plastik-Sitzen rollt man in der eigenen Soße. Die Beine der rostigen Rollbahre daneben befanden sich zwar auf einer Seite im rechten Winkel, auf der anderen neigten sie zu deutlich mehr als 90º. Vielleicht weil das Krankenhaus am Hang liegt. Überhaupt erlebt man in diesem katholischen kranken Haus sonderbare Angewohnheiten. So hat man mir hier einst ein Putzstück in den Finger genäht, vielleicht weil ich nich katholisch bin.
In Manado kaufte ich mir nach dem Mittagessen in der „Pizza Hut“ einen mobilen Kaffee in Plastikflasche – ich ernähre mich gern im Gehen – und warf die leere danach in einen Mülleimer am Küsten-Boulevard. Als die Müllbeseitigungs-Mode begann, weil sich der Plastik-Müll überall häufte, waren diese Container berädert und oft sogar für Müllsorten spezialisiert. Inzwischen sind die Räder weg, die Plastikkästen durchlöchert, angebrannt, zerbrochen und sehen selbst wie Müll aus. Der nächste war umgefallen, und der Abfall bewegte sich. Dies ließ mich nähertreten, und ich bemerkte den braunen Rücken einer großen Ratte. Hier und da sprangen kleinere aus dem Dreck und verschwanden im Spaltenboden des Güllekanals unter mir, der Manado mit seinem markanten Geruch versorgt. Dann erschien eine zweite große Ratte, und da sie zum ersten Mal einen weißen ehemaligen Studienrat erblickte, gab sie einen scharfen Warn-Quieck von sich, der alle jungen Ratten zusammenzucken ließ, aber nicht die andere alte, die sich weiter ganz ihrem Mittagessen widmete. Was diese Kanal-Ratten bei den häufigen starken Regenfällen tun, die schnell den Boulevard überfluten, weil die Abzugs-Kanäle mit Müll verstopft sind, weiß ich nicht. Vielleicht bringen sie sich in den Jeans- und HP-Läden in Sicherheit. In Hildesheim kamen sie mir bei solch einer Gelegenheit mal in Scharen auf der Kellertreppe entgegen. Abends sah ich das in einem Film-Trailer mit diesem verwirrten Tom Cruise. Da dachte ich so vor mich hin: Jetz müssense den Leuten im Westen schon Ratten im Film zeigen, weil die sowas live ganich mehr kennen. Iss genauso wie mit den Schlangen. Alle geraten in Entsetzen, und die dünne, giftgrüne Schlange, die mir am Morgen im und auf dem Weg lag, weiß ganich, was los iss.

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3 Gedanken zu „Rattenschreck

  1. …“und der abfall bewegte sich“ …ja, prima berichtet von übern pazi fick bis nach hier, wo mit ratten kennwa uns bestens aus; deshalp: deine man-ado-ratte hat glasige augen und ne vertikal deformierte futterklappe, iss also klaa, dasse beia polizei arbeitet und zum aufspürn von allokolol & co im einsazz iss; ehemaligne lehrer aus schland erkenntse mal eben so neemberuflich auch noch…

  2. Ich glaub nich, dasse fürde Polente abeitet. Die wa ja mit Familie da. Ihre zahlreichen Kinda ham mich erstaunt von unten im Kanal beobachtet. Und die Polente iss ja nich hauptsächlich mit Fressen beschäftigt. Auch suchtse hier nich Schwule, umse zu verprügeln, wie in Aceh. Die könn nich ma echte Moslems gewesen sein, weil jetz Fastenmonat iss. Übrigens wa Dein Kommentar wieda im Outlook Online-Müllordner. Dort mussich ihn als Nicht-Müll markieren, danach kann ich ihn erst aufe Festplatte kriegen. Hat Dein Zukunfts-Autor Harari eigentlich in seinem Buch beschrieben, daß das eigentliche Problem mit die globale Digitalisierung iss, dasse NICHT wie erhofft funktioniert sondern Chaos erzeugt?

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