Telephonieren als Risiko

vogelself

„Alle Welt sucht die Methode, sich nicht zu irren … Wenn man mit Erfolg entgegnen und einem andern aufzeigen will, daß er sich irrt, muß man darauf achten, von welcher Seite er die Sache ansieht.“ Blaise Pascal (1623-62)

Ich wollte mir eigentlich keine pulsa mehr für mein Samsung Galaxy A3 kaufen, das ich nur im Rucksack als leichten Fotoapparat mitführe, und das noch nich explodiert iss. Doch dann riß jemand ein Stück Telefon-Leitung wech, und ich war von allem abgeschnitten. Weder konnte ich die Polizei anrufen, falls ich als Alleinstehender mit aggressiven Wilden zu händeln hätte, noch bei Bewegungsunfähigkeit einen Arzt. Letzteres sowieso fraglich, denn gerade ist wieder ein Verwandter an einem Medikamenten-Schock gestorben. Und es ist nicht das erste Mal, daß der in Frage kommende Arzt vermutlich Falsches verschrieben hat. Ein Risiko also, sich überhaupt auf Hilfe zu verlassen. Trotzdem ging ich los und kaufte pulsa bei einer attraktiven jungen Frau in einem Dorf-Schuppen. So brauchte ich nicht zur weiter entfernten Telkom-Station zu gehen, um da jemanden zu finden, der das Dschungel-Kabel reparieren würde, sondern ich textete. Im galoppierenden mikro traf ich mit meiner ohnehin zu klobigen Fingerspitze allerdings meist die falschen Buchstaben. Doch nun funkt das Internet wieder zäh vor sich hin, und ich kann der ganzen Welt mitteilen, warum Zellföne nich nur dick sondern auch dumm machen – sofern man’s nich schon iss. Dazu brauch ich mich nich mal auf Philip Reed, einen amerikanischen Philosophie-Professor berufen, denn ich hab ja selbst fürchterliche Erfahrungen mit den Dingern („Niemals überwindet die Vernunft den Wahn, während das Gegenteil häufig ist.“ Pascal).

nointerest

Reed möchte ganich in die Lage versetzt werden, mit lauter Menschen kommunizieren zu können, die nich anwesend sind. Und wie ich, hat er schon allein im Gespräch mit jemandem gemerkt, der plötzlich zu seinem Ha-Pe greift, um welche Kommunikations-Qualität es sich da handelt. Wenn meine Frau mich gelegentlich besucht, um noch etwas zu erledigen, braucht es keine 10min, bis sie wieder ihre Maschinen am Ohr hat, und mir die letzten 3 Horror-Jahre mit ihr wieder hochkommen. Außerdem macht Telephonieren als Lebensinhalt offensichtlich dick. „Communicating with someone who is not physically present is alienating, forcing the mind to separate from the body … people walking down the street talking animatedly to themselves who turn out to be apparently healthy people using their Bluetooth.“ Weshalb Zellföne und Gesichtsbuch in ganz Indonesien so ein extremer Erfolg sind, liegt vor allem daran, daß beide Erfindungen Einsamkeit, Langeweile und selbständiges Denken verscheuchen. Alles Phänomene, die der Indonesier unbedingt meidet. „This propensity for diversion was notably confirmed in a recent study where subjects preferred to give themselves electric shocks rather than occupy themselves with their own thoughts for 15 minutes.“

nolikes

„Ich behaupte, wenn alle Menschen wüßten, was die einen über die andern reden, so gäbe es keine vier Freunde auf Erden … So dünkelhaft sind wir, daß wir wünschen, die ganze Welt möge uns kennen, und selbst die, die leben werden, wenn wir nicht mehr sind; und so eitel sind wir, daß uns die Achtung von fünf oder sechs Menschen, die uns nahestehen, freut und zufriedenstellt.“ (Pascal)
„Pascal believed that the height of human dignity is thought, and that the order of thought begins with oneself, one’s creator, and one’s end. He linked this kind of thought inextricably to genuine rest and happiness … Avoiding a cellphone allows, for me, space for thinking and so enables a richer, more fulfilling way of life. With fewer tasks to perform and preferences to satisfy, life slows to a pace compatible with contemplation and gratitude.“ Deshalb sind mir ja auch Ziegen so sympathisch: Sie telephonieren nich.

will

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5 Gedanken zu „Telephonieren als Risiko

  1. Tiere bringen dir mehr Zuneigung, vor allem wenn du mit einem großen Bananenblatt winkst. Schönes und friedliches Video.

  2. Bei genauerer Betrachtung gehen sie auch oft recht ruppich miteinander um. Neulich hab ich zum ersten Mal gesehen, wie eine, die gewöhnlich nur halb hängende Ohren besitzt, jene dabei zu Hasenohren aufstellt. So eine Art Hasen-Ziege. Vielleicht droht ja Ostern?

  3. 4 Frauen und 3 Männer – ich inklusive.
    Du solltest mal kommen, hier gips viele Drachen: am Himmel, vor chinesischen Tempeln, in meiner Verwandtschaft …

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